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#241 Die Nachtschicht

Shownotes

Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um Gewalt an Babys.

Frederike und Christoph haben schon alles gekauft: Wickelkommode, Babysitz und Kinderwagen. Dabei sind es bis zum errechneten Geburtstermin noch drei Monate. Doch dann kommt alles anders. Frederikes Plazenta löst sich vorzeitig, ein Notkaiserschnitt wird notwendig. Die kleine Nola kommt viel zu früh zur Welt und muss sofort auf die Frühchen-Intensivstation eines Uniklinikums.

Trotz ihres schwierigen Starts entwickelt sich Nola zunächst gut. Bis zu einer Nacht im Januar 2016. Ganz plötzlich verschlechtert sich ihr Zustand dramatisch. Innerhalb weniger Stunden schwebt das kleine Mädchen mehrfach an der Schwelle zum Tod, muss künstlich beatmet und sogar reanimiert werden. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt: Jemand hat genau das beabsichtigt. Und Nola ist nicht das erste Baby, das zum Opfer wird.

In dieser Folge von „Mordlust – Verbrechen und ihre Hintergründe“ geht es um eine Frau, der die eigene Anerkennung offenbar wichtiger war als das Leben der Kinder, die ihr anvertraut wurden und um die Frage, wie weit narzisstische Täter:innen gehen, um sich selbst aufzuwerten.

Expertin/Experte in dieser Folge: Dr. Beate Euserschulte, ärztliche Direktorin der Vitosklinik für forensische Psychiatrie in Haina und Gießen und Rechtsanwalt der Nebenklage in dem Fall Arik Bredendiek

Credit

Hosts: Paulina Krasa, Laura Wohlers

Producer: Paulina Krasa, Laura Wohlers und Jon Handschin

Redaktion: Paulina Krasa, Laura Wohlers, Lea Schebaum

Schnitt: Pauline Korb

Rechtliche Abnahme: „Abel und Kollegen“; Benedikt Müller

Quellen (Auswahl)

Urteil Landgericht Marburg - liegt uns vor

Hintergrundgespräch mit “Frederike und Christoph”

Interview mit Rechtsanwalt der Nebenklage Arik Bredendiek

Spiegel: Alarm auf der Frühchenstation

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Transkript anzeigen

00:00:11: Willkommen bei Mottdust, einem Podcast über wahre Verbrechen produziert von der Partner-in-Crime in Zusammenarbeit mit Studio Bumins.

00:00:17: Mein Name ist Paulina Kraser und

00:00:19: ich bin Laura Wohlers.

00:00:20: In jeder Folge erzählen wir euch von einem Kriminalfall aus Deutschland.

00:00:23: dabei schauen wir uns juristische psychologische und gesellschaftliche Aspekte an und sprechen mit Menschen mit Expertise, Beteiligten oder Betroffenen.

00:00:32: True Crime heißt eben auch, dass hinter jedem Fall echte Menschen und ihre Schicksale stehen.

00:00:36: Das solltet ihr beim Hörn nicht vergessen!

00:00:38: Das berücksichtigen wir auch bei unserer Arbeit.

00:00:40: Wenn ihr aber merkt, dass euch bestimmte Themen nicht gut tun dann passt lieber auf euch auf.

00:00:45: uns gibt die Folge Und weil wir bei all der Schwere zwischendurch mal ein bisschen Luft brauchen erlauben wir uns manchmal kleine Abschweifungen.

00:00:53: das ist aber natürlich nicht despektelig gemeint.

00:00:56: Unser heutiger Fall führt uns an einen Ort an dem alles rund um die Uhr beobachtet wird und die größte Bedrohung trotzdem lange unentdeckt bleibt.

00:01:06: Alle Namen haben wir geändert, und die Trigger-Warnung für den Fall findet ihr wie immer in der Folgenbeschreibung.

00:01:12: Es ist eine kalte Nacht im Februar, es ist schon lange dunkel als Ihr Herzschlag immer langsamer wird und Ihre Atmung immer wieder aussetzt.

00:01:24: Während Ihr Körper um's Überleben kämpft tut das auch das Krankenhauspersonal um sie herum Doch wenige Stunden später bleibt ihr Herz einfach stehen.

00:01:34: Die Medizinerin geben alles dafür, sie zu retten und tatsächlich gelingt es – das Organ fängt langsam wieder anzuschlagen!

00:01:42: Sie schwebt in dieser Nacht in Lebensgefahr und fällt schließlich in ein tiefes Koma.

00:01:47: Doch nicht etwa weil sie krank ist sondern weil eine Person genau dafür

00:01:52: sorgt.".

00:01:54: Es ist der Abend des dritten Januar, zwei Tausendsechzehn an einer Kleinstadt in Nordhessen.

00:01:59: Vor den Fenstern ihrer Erdgeschosswohnung ist es bereits dunkel, als Friederike plötzlich feststellt, dass sie starke Unterleibsblutung hat.

00:02:08: Sie erschrickt!

00:02:09: Was hat das zu bedeuten?

00:02:11: Die thirty-fünfjährige ist in der neunzwanzigsten Woche schwanger und das in ihren Augen kein gutes Zeichen.

00:02:18: Bisher war die Schwangerschaft eigentlich total unkompliziert – selbst in der Anfangszeit, in der viele über Übelkeit plagen, war Friederikke morgens höchstens mal Flau im Magen….

00:02:28: Und auch wenn noch Zeit ist, sind Friederike und ihr Mann Christoph schon gut vorbereitet auf die Ankunft ihres Babys.

00:02:34: Der Wickelte steht, der Kinderwagen und der Babysitz fürs Auto sind auch schon da – doch auf eine Blutung war sie nicht vorbereitet!

00:02:43: Sofort gibt sie Christoph Bescheid, denn neunzwanzigjährige ist ebenfalls beunruhigt.

00:02:48: Was sollen Sie jetzt am besten machen?

00:02:50: Ein Rettungswagen rufen oder ins Krankenhaus um die Ecke

00:02:53: fahren?!

00:02:54: Schließlich entscheiden sie sich für das nahegelegene Kreiskrankenhaus.

00:02:57: Der Weg dauert mit dem Auto nur knapp acht Minuten – so bekommen Sie am schnellsten Antworten, denken Sie!

00:03:03: Und während Sie durch die Dunkelheit fahren.

00:03:05: hoffen Sie dass es eine harmlose Erklärung für Blutungen gibt.

00:03:09: In der Klinik angekommen wird Friderike sofort untersucht.

00:03:12: Während der Arzt mit dem Kopf des Ultraschallgeräts das kühle Gehe auf ihrem Babybauch verteilt blickt er konzentriert auf den Ultrascheinmonitor.

00:03:20: dann wendet er sich schließlich zu Friederike und zu Christoph und sagt, wir müssen das Kind jetzt holen.

00:03:27: Die Plazenta die das Baby während der Schwangerschaft mit Nährstoffe und Sauerstoff versorgt beginne sich vorzeitig abzulösen, erklärt der Mediziner.

00:03:35: Ein hohes Risiko für das Leben ihrer ungeborenen Tochter sollte sie länger im Mutterleib verbleiben.

00:03:41: Friederikke ist geschockt – ihre Tochter soll jetzt zur Welt kommen?

00:03:45: Das kann ja nicht sein!

00:03:46: Sie soll doch erst in drei Monaten geboren

00:03:48: werden.".

00:03:49: Friderike weiß ja noch nicht einmal, wie sie heißen soll.

00:03:53: Friderik gefühlt sich hilflos – alles geht so schnell!

00:03:56: Doch sie vertraut dem Arzt vor ihr — erst schließlich Experte.

00:04:00: Die Erleichterung darüber zu wissen was der Grund für die Blutung ist und dass es ihrem Kind noch gutgeht überwiegt.

00:04:07: Und so überlegt Friderikke in den Notkaiserschnitt und damit den schnellsten Weg ein, ihr kleines Kind jetzt schon zu ihr zu

00:04:13: holen.".

00:04:15: Bevor es in den nächsten Minuten aufgrund des Narkosemittels so dunkel um Friderike wird wie die Nacht vor den Klinikfenstern, ist die Vorfreude auf ihr Kind größer als jede Unsicherheit.

00:04:25: Da ich wütze ihre kleine Tochter zum ersten Mal in den Armen halten.

00:04:29: Doch wie ihr Kind das Licht der Welt erblickt und das erste mal nach Luft dringt bekommt Friderikke durch die vollen Narkose nicht mit.

00:04:35: Und als sie schließlich erwacht, ist der Baby zwar nicht mehr in ihrem Bauch aber auch nicht bei ihr.

00:04:40: Ihr Kind, das gerade einmal ein- tausend- zwanzig Gramm wiegt nicht viel mehr als eine Packung Mehl ist bereits in einem Rettungswagen unterwegs auf einer Frühchenintensivstation.

00:04:51: Und die nächste ist vierzig Kilometer entfernt im Uniklinikum Marburg.

00:04:56: Frederike bleibt zurück!

00:04:58: Wie verlassen liegt sie in ihrem sterilen weißen Krankenhausbett?

00:05:02: Eigentlich war doch alles anders geplant – ihre Tochter hätte doch noch Wochen länger in ihrem Bauch bleiben sollen… hätte auf natürlichem Weg auf die Welt kommen sollen, hätte nach der Geburt sofort auf ihre Nackte Brust gelegt werden sollen.

00:05:13: Ganz nah zu ihr damit die beiden dieses unzerstörbare Band zwischen Mutter und Tochter sofort hätten knüpfen

00:05:19: können.".

00:05:19: Für Friedrieke ist diese Situation fast nicht greifbar wie sie uns im Interview erzählt hat.

00:05:25: statt bei ihrem Kind zu sein liegt sie krank vor Sorge in einem Krankenhaus und ihr kleines Baby das sie nicht einmal ganz kurz hat sehen können an einem ganz anderen.

00:05:36: Dass ihre Tochter jetzt kilometerweit von ihnen entfernt auf einer Intensivstation eines Krankenhauses liegt, ist aber wohl das einzig Richtige in dieser Situation.

00:05:46: Denn ihr Kind ist knapp elf Wochen zu früh zur Welt gekommen und gehört damit zur Gruppe der Frühchen – also Babys die vor der vollendeten siebenundreißigsten Schwangerschaftswoche geboren werden.

00:05:55: Friederike und Christoph's Tochter zählt dabei zu einem sogenannten frühen Frühgeborenen weil es vor der dreißigstenschwangerschaftswache zur Welt kamen.

00:06:04: Das Problem bei Früchen ist, dass Organe wie Lunge-, Gehirn- und Darm noch nicht vollentwickelt sind.

00:06:09: Was dazu führt, dass vierzig Prozent der Früchien vom medizinischen Problem betroffen sind.

00:06:14: So müssen einige von ihnen durch Sonnen ernährt werden, weil sie nicht genug Kraft haben an der Brust oder aus der Flasche zu trinken.

00:06:21: Selbst das Atmen ist für die winzig kleinen Körper teilweise ein solcher Kraftakt, das Sie häufig beatmet werden müssen.

00:06:28: Auch das Baby von Christoph und Friederike hat nach der Geburt Atemnot.

00:06:32: Das Kind hat Atemaussetzer, die länger als zwanzig Sekunden dauern und in deren Folge die Herzfrequenz abfällt.

00:06:39: Dadurch entsteht ein Sauerstoffmangel im Blut – die Atmung wird deshalb medizinisch unterstützt.

00:06:44: Rund um die Uhr überwacht das Personal auf der Frühchenstation hier die Vitalwerte wie Herzschlag-, Atemfrequenzen- und Körpertemperatur.

00:06:52: Alles wird genau in die Krankenakte eingetragen, auf der auch vierundzwanzig Stunden nach der Geburt noch kein Name

00:06:59: steht.".

00:07:00: Dabei ist Friderike und Christoph zu dem Zeitpunkt schon ganz klar, welcher Name da stehen sollte.

00:07:06: Ihre Tochter heißt Nola – und als sie Nola erst nach ein paar Tagen zum ersten Mal gemeinsam besuchen können, schlagen ihre Herzen um die Wette.

00:07:14: Doch angekommen auf der Säuglingsintensivstation wird Friderikke und Christophe die Realität der Situation schmerzhaft deutlich.

00:07:21: Nicht umsonst heisst es Intensiv-Station!

00:07:24: Ihr legen Babys, um die man sich intensiv kümmern muss, wie intensive Pflege

00:07:28: brauchen.".

00:07:30: Als sie durch die Besucherschleuse die Station betreten, passieren sie auf dem Weg zu Nolas Zimmer nicht nur Fotos süßer Babys und Dankeskarten sondern auch den sogenannten Aussegnungsraum in dem Eltern Abschied nehmen von den Kindern.

00:07:43: Die sie gerade erst willkommen geheißen haben.

00:07:47: Als ihre Blicke dann auf ihr Kind fallen können Sie es nicht einfach so in den Arm nehmen, streichen oder mit Küssen bedecken.

00:07:53: Nola liegt in einem Inkubator der wie ein Miniglashaus wirkt an einem Mehrbettzimmer mit weiteren Neugeborenen.

00:08:00: Nola hat es zwar warm in ihrem Brutkasten, die Luftfeuchtigkeit ist optimal und sie wird vor Infektionen und Lärm geschützt, während sie angeschlossen an Kabeln überwacht wird.

00:08:09: Sie soll sich fühlen wie bei Mama im Bauch – doch durch die dicken Glasscheiben trinkt nicht viel Liebe und

00:08:14: Geborgenheit.".

00:08:15: Deshalb können Federike und Christoph es auch gar nicht abwarten jeden Tag sobald Christoff von seiner Arbeit als Werkzeugmechaniker nach Hause kommt, die knapp vierzig Kilometer nach Marburg zu fahren um ihre kleine Tochter aus dem Glaskasten zu befreien!

00:08:28: endlich bei ihr zu sein und sie mit so viel Liebe wie nur möglich zu überschütten.

00:08:33: Friederike und Christoph tun alles, was Sie können damit es Ihrer kleinen Tochter bald richtig gut geht und Sie diese sterile Umgebung hinter sich lassen können.

00:08:42: Sie fühlen sich auf der Station zwar wohl die meisten Krankenpflegerinnen sind nett, die Neugeborenen bekommen viel Ruhe hier und das ärztliche Fachpersonal wirkt sehr kundig.

00:08:51: trotzdem ist dann auch immer das Krankenhaus flair dass neben Desinfektionsgeruch auch immer Sorge verspült

00:08:59: Sorge, die sich am ersten Februar in nackte Panik verwandelt.

00:09:04: An diesem Montagmorgen ist Friderike allein zu Hause, als das Telefon klingelt.

00:09:08: Es ist ein Anruf von der Frühchenstation auf der Nola zu diesem Zeitpunkt schon fast vier Wochen liegt.

00:09:14: Nola sei es am späten Abend schlecht gegangen heißt es.

00:09:17: vom anderen Ende der Leitung und die Informationen, die danach folgen nimmt Friderikke wie hinter einem Dunstschleier auf.

00:09:24: Nolas Sauerstoffsättigung sei plötzlich abgefallen ihre Herzfrequenz immer weiter gesunken Sie habe motorische Ausfälle gehabt und nicht mehr auf Reize reagiert.

00:09:34: Später am Abend, in der Nacht haben sie Krampfanfälle erlitten und sei schließlich in ein tiefes Koma gefallen.

00:09:41: Friderike ist vollkommen fassungslos als sie das hört!

00:09:44: Wie kann das sein?

00:09:46: Gestern, als sie bei ihr waren ging es ihrer Tochter doch noch gut – sowieso wird sie von Tag zu Tag kräftiger, gilt sogar als stabils des Frühchen auf der

00:09:54: Station.".

00:09:55: Ein Vorzeigefrühchen hatte eine der Schwestern Nola gerade erst gegenüber Friederike und Christoph genannt.

00:10:02: Nachdem Friederikke aufgelegt hat, ruft sie sofort ihren Mann an.

00:10:06: Christoph kommt umgehend nach Hause und gemeinsam fahren Sie auf dem schnellsten Weg nach Marburg.

00:10:11: Sie haben unglaubliche Angst um ihre Tochter – wissen nicht was sie in der Klinik erwartet!

00:10:16: Die vierzigminütige Autofahrt fühlt sich heute endlos lang an.

00:10:20: Auf der Station angekommen finden sie Nola reglos in ihrem Inkubator vor.

00:10:25: Ein furchtbarer Anblick.

00:10:26: Während sich ihre Tochter tagsüber immer mal wieder ein wenig bewegt hat, ist sie jetzt wie eingefroren – doch die Ärzt anderen versichern ihnen, dass ihr Zustand stabil sei.

00:10:36: In der Nacht sei Nolas Leben allerdings akut in Gefahr gewesen.

00:10:40: Überlebt habe sie nur weil sie künstlich beatmet wurde und Medikamente erhalten habe….

00:10:46: Wieso als Nola, die sich doch bisher so gut entwickelt hat plötzlich so schlecht ging, können die Ärztinnen Friederike und Christoph allerdings nicht beantworten.

00:10:57: Über den Tag hinweg bleibt es dabei.

00:10:59: Nola ist geschwächt – sie bewegt sich kaum noch!

00:11:03: Schweren Herzens verabschieden sich Friederke und Christoff schließlich am Abend von ihrer kleinen Tochter in der großen Hoffnung dass dies die einzigen Rückschläge waren und es ab jetzt wieder bergauf geht... Nola hat sich bisher so tapfer ins Leben gekämpft.

00:11:17: Diesen kurzen Umweg wird sie doch auch noch schaffen, oder?

00:11:21: Doch die schlechten Nachrichten reißen nicht ab!

00:11:24: In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages erfahren Frederike und Christoph am Telefon, dass die Ärztinnen Nola in dieser Nacht mehrfach reanimieren mussten – denn zeitweise hatte ihr Herz aufgehört zu schlagen.

00:11:36: Das Herz des nur wenige Wochen alten Mädchens ist extrem schwach während der Herzen ihrer Eltern in diesem Moment

00:11:42: rasen.".

00:11:44: Es ist eine Nachricht, mit der kein Elternteil jemals konfrontiert werden möchte.

00:11:48: Zur Angst von Friedrich und Christoph gesellt sich ein weiteres überwältigendes Gefühl – die Hilflosigkeit!

00:11:55: Man habe Nola vorsorglich Antibiotika gegeben und zahlreiche Untersuchungen durchgeführt heißt es.

00:12:00: Doch noch immer kann ihnen niemand sagen warum ihre Tochter bereits zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit an der Schwelle zum Tod stand.

00:12:07: Und wenn nicht einmal das medizinische Fachpersonal Nola wirklich helfen kann wie sollen Friedrich

00:12:14: Als die besorgten Eltern endlich wieder zu ihrer Tochter dürfen, liegt Nola wieder reglos in ihrem Inkubator, intubiert und überschläuche mit zahlreichen Monitoren verbunden.

00:12:24: Die Linien darauf sind teilweise kaum zu erkennen – so schwach ist der Herzschlag!

00:12:29: Ihr kleiner Körper, der durch die frühe Geburt kaum Babyspeck hat ansetzen können, wirkt durch die Medikamente seltsam aufgeschwemmt.

00:12:36: Ein Anblick, der ihrer Hilflosigkeit ein Gesicht gibt.

00:12:39: Friderike und Christoph weichen die nächsten Stunden nicht von der Seite ihrer Tocher.

00:12:44: Am Nachmittag kommt schließlich der Leiter der Kinderklinik in Zimmer fünf, indem Nola noch immer gemeinsam mit anderen Frühchen untergebracht ist.

00:12:51: Friederike und Christoph schauen ihn voller Erwartung an – wird er ihnen endlich Rede und Antwort stehen?

00:12:57: Doch der erfahrene Arzt steht mit den Händen in den Taschen seines weißen Kittels vor ihm, blickt die beiden über den Rand seiner Brille hinweg an und wiederholt nur das was sie in den vergangenen Tagen schon mehrfach gehört haben.

00:13:09: Niemand weiß, was Nola fehlt!

00:13:11: Für Friederike und Christoph hinterlässt diese Aussage mehr Fragen als Antworten.

00:13:16: Wenn selbst die Expertinnen nicht herausfinden können, warum Nola krank ist?

00:13:20: Wie soll sie dann jemals gesund

00:13:21: werden?".

00:13:22: Ja, und Friederikke und Christoff fangen auch an Fehler bei sich selbst zu suchen.

00:13:26: im Gespräch haben Sie uns erzählt dass sie sich gefragt haben ob sie sich vor dem Besuch bei Nola vielleicht nicht gründlich genug die Hände gewaschen haben oder ob die Muttermilch die Friederik für Nola abgepumpt hat vielleicht verunreinigt war.

00:13:40: Während ihre Eltern immer tiefer in ihrer Verzweiflung versinken, liegt Nola nur wenige Zentimeter von ihnen entfernt und doch getrennt durch dickes Glas.

00:13:48: Dabei wirkt es fast als wäre das Leben aus ihrem kleinen Körper verschwunden.

00:13:53: Anolas beizustehen und nicht zu wissen ob sie die nächste Nacht überlebt ist kaum auszuhalten für die Eltern.

00:13:59: In seiner Verzwaiflung beginnt Christoph ihr gut zuzureden Ich will doch noch mit dir Schlitten fahren sagt er leise zu ihr und hält sich damit an Bildern einer gemeinsamen Zukunft fest, um nicht selbst den Halt zu verlieren.

00:14:11: Und was für ein Horrorszenario muss das sein?

00:14:16: Im Krankenhaus zu sein wo Menschen dir eigentlich helfen sollten und wissen sollten was zu tun ist und die aber keine Antworten für dich haben.

00:14:25: Ja

00:14:25: ich mein... Ich glaube die tun ja in dem Moment schon alles also das Krankenhauspersonal.

00:14:29: Aber es ist natürlich so unbefriedigend als betroffene Person Ich meine, kennt man ja vielleicht auch selber.

00:14:36: Wenn man irgendwie weiß, wann hat was und man ist die ganze Zeit auf der Suche nach einer Diagnose und dass jemand einem endlich erklärt warum man sich so fühlt?

00:14:44: Das ist ja ein Gefühl das einen total ohnmächtig macht!

00:14:49: Ja weil man gar keine Kontrolle mehr hat und diese Kontrolle dann jetzt eigentlich an fremde Menschen abgeben muss und wie viel Vertrauen man dann auch irgendwie aufbringen muss

00:15:00: Ja und man denkt ja auch die ganze Zeit, man muss das jetzt schnell herausfinden.

00:15:03: Weil es kann ja sein dass in der Zwischenzeit die ganze zeit im Körper irgendetwas passiert was dann irre parable Schäden irgendwie verursacht oder sich diese Situation verschlimmert in der zwischenzeit in der man noch sucht.

00:15:15: Ja Esfaderieke und Christoph am nächsten Morgen aufwachen erreicht sie tatsächlich die langersehnte gute Nachricht.

00:15:22: Nola regt sich zarkhaft ihre Atmung wird kräftiger und ihr Herz stabilisiert sich langsam wieder.

00:15:29: Die Pflegerin am Telefon erklärt, es wirke so als würde Nola allmählich aufwachen.

00:15:34: Ihre Gebete wurden erhört – ihrer Tochter geht das endlich besser!

00:15:39: Und auch in den nächsten Tagen scheint Nola sich weiter zu erholen.

00:15:42: Frederike und Christoph sind überglücklich.

00:15:45: Bis drei Tage später erneut der Leiter der Kinderklinik auf sie zukommt….

00:15:50: Das erleichterte Paar unterhält sich gerade mit Frideriges Mutter, also Nolas Oma auf dem Flohr der Frühchenstation darüber was sie an diesem Abend essen könnten.

00:15:59: Vielleicht zur Abwechslung mal wieder Familienpizza bestellen?

00:16:02: Jetzt wo endlich wieder ein kleines bisschen Normalität eingekehrt zu sein scheint.

00:16:07: Doch der Mediziner im weißen Kittel und mit Brille hat eine Nachricht für Sie die alles in's Wanken bringt woran sich Friderike und Christoph grade noch festhalten.

00:16:17: Wir wissen was ihre Tochter hat sagt er Und wir wissen auch, dass es nicht noch einmal vorkommen wird.

00:16:24: Zunächst verstehen die beiden gar nichts was das bedeuten soll.

00:16:28: Dann führt der Arzt sie in das sogenannte Elternzimmer.

00:16:31: Dort warten bereits die Justitiare des Uniklinikums und der Ärztliche Direktor.

00:16:36: Schließlich schließt der Leiter der Kinderklinik die Tür hinter sich und erklärt Das Nola an den vergangenen Tagen dreimal im Lebensgefahr schwebte hat einen bestimmten Grund.

00:16:46: Es war ein Verbrechen.

00:16:48: Unter Verdacht steht eine Person des Klinikpersonals, erklärt der Mediziner den geschockten Eltern.

00:16:53: Denn niemand anderes habe Zugang zur Station – die Behörden seien bereits informiert!

00:17:00: In diesem Moment steht für Christoph fest, dass Nola ab jetzt keine Sekunde mehr allein in diesem Krankenhaus bleiben wird.

00:17:07: In dieser Nacht wacht er an ihrem Bett gemeinsam mit einem Sicherheitsmitarbeiter der Klinikum.

00:17:12: Jede Interaktion zwischen Pflegepersonal und Nola wird genau beobachtet.

00:17:17: Selbst ihre Nahrung wird nun kontrolliert verabreicht, um sicher zu gehen dass sie nur die Milch bekommt, die sie bekommen soll.

00:17:24: Christoph macht kein Auge zu seine Gedanken kreisen.

00:17:28: nach fast vier Wochen auf der Frühchenstation kennen Frederike und er die meisten Mitarbeitenden zumindest vom Sehen.

00:17:35: Und während Klinikleitung und Polizei bereits herausfindet das eigentlich nur eine Person verantwortlich sein kann fragt sich Kristoff Warum sollte jemand ausgerechnet einem Kind schaden wollen, dessen Leben man eigentlich retten soll?

00:17:50: Es ist der einundreißigste Januar zwei Tausendneunzehn.

00:17:53: Fast genau drei Jahre nachdem Nola in Lebensgefahr schwebte als vor dem Marburger Landgericht der Prozess gegen eine neunzwanzigjährige Pflegefachkraft der Frühchinstation beginnt.

00:18:04: Ihr Name ist Annika Kroll Eine Frau die nicht nur für Nola zuständig war sondern für hunderte Frühchen.

00:18:12: Die zierliche Blondine sitzt zwischen ihren beiden Anwelten.

00:18:16: Am ersten Prozesttag trägt sie einen rosafarbenen Rollkragen-Pullover, ihre weiße Winterjacke hängt hinter ihr über der Stuhlähne.

00:18:24: Durch die großen Fenster rechts der Richterbank fällt helles Licht auf sie.

00:18:28: Hinter ihr prangt das Wappen des Landes Hessen an der Holzverkleideten Wand des Gerichtsaals.

00:18:34: Vor ihr drängen sich Fotografinnen und Kamerateams.

00:18:37: Sie alle wollen einen Blick auf die Frau werfen, die nicht nur wegen gefährlicher Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlen davor gerichtet steht sondern auch wegen versuchten Mordes – und das in mehreren Fällen!

00:18:49: Der ehemaligen Pflegerin wird vorgeworfen, nicht nur Nola, sondern auch weiteren Säuglingen geschadet zu haben.

00:18:56: Deshalb haben neben Friederike und Christoph auch die Eltern zweier weiterer Kindernebenklage erhoben.

00:19:02: Für Friederike und Christoph bedeutet dieser Prozess, Annika Kroll erstmals als mutmaßliche Straftäterin gegenüberzusitzen.

00:19:10: Tatsächlich waren sie ihr im Klinikum Marburg zuvor nur einmal flüchtig auf dem Flur der Frühchenstation begegnet.

00:19:17: Als Pflegerin ihrer Tochter haben Sie sie in Ihrer Erinnerung nicht wirklich abgespeichert.

00:19:23: Im Interview haben uns die beiden erzählt dass sie mit dem Team in Marburg eigentlich sehr zufrieden waren und auch großes Vertrauen in die Mitarbeitenden der Station hatten Und vielleicht empfinden Sie deshalb jetzt, drei Jahre später vor Gericht auch keine persönliche Enttäuschung gegenüber Annika.

00:19:37: Dazu hatten sie einfach schlicht zu wenig Bezug zu ihr.

00:19:42: Die Angeklagte wirkt auf sie eher wie eine Art Phantom.

00:19:45: Zwar wissen Friederike und Christoph inzwischen was ihre Tochter durch Annika Kroll erlitten haben soll.

00:19:51: Sie hatten Akteneinsicht und haben einzelne Medienberichte gelesen Doch wie genau jene Minuten und Stunden abgiefen, in denen überleben und tot ihrer Tochter entschieden wurde wissen sie bis heute nicht.

00:20:03: Genau das soll die anstehende Gerichtsverhandlung klären für die insgesamt ganze Siebzig Prozest-Tage angesetzt und zahlreiche Zeuginnen geladen sind – denn bis heute pocht Annika Kroll auf ihre Unschuld!

00:20:16: Ob sie nach diesem Indizienprozess tatsächlich für Nolas Weid und das zweier weiterer Kinder verantwortlich gemacht werden kann, ist an diesem Januartag also noch völlig offen.

00:20:26: Um sich der Angeklagten als Person zu nähern geht es in den nächsten Verhandlungstagen erst einmal um ihren Werdegang.

00:20:40: Die Dreiundzwanzigjährige hat gerade ihre Ausbildung abgeschlossen und sich ganz bewusst auf eine Stelle in der frühgeborenen Intensivpflege beworben.

00:20:48: Auf jener Station, auf der ihr Vater früher als Kinderarzt gearbeitet hatte bevor er sich mit einer eigenen Praxis selbstständig machte.

00:20:56: Wenn schon keine Ärztin dann wenigstens auf einer Intensifstation, hatte er einmal gesagt.

00:21:02: Und so tritt Annika zumindest ein Stück weit in seine Fußstapfen.

00:21:07: Eine Intensivstation für Frühchen ist allerdings eine Herausforderung.

00:21:11: Für Ärztinnen genauso wie für Pflegekräfte – das lernt Annika schnell!

00:21:15: Im Marburger Klinikum der Maximalversorgung werden frühgeborene rund um die Uhr überwacht.

00:21:21: Pflegepersonal und ÄrztInnen müssen jederzeit eingreifen können, wenn sich der Zustand eines Kindes verstechtert.

00:21:27: Die große Verantwortung macht sie allerdings nervös.

00:21:30: Gleichzeitig ist sie motiviert, ehrgeizig.

00:21:33: Sie fragt erfahrene KollegInnen um Rat und gewinnt dadurch zunehmend Sicherheit.

00:21:39: Doch Annika will mehr, sie will sich beweisen!

00:21:42: Als im Herbst-Werzehnteuzehn eine Intensivpflegefortbildung vergeben wird – nicht sie, sondern eine Kollegin vorgestiegen wird – trifft sie das hart.

00:21:51: Die Plätze sind begrenzt, dabei gilt die Weiterbildung als wichtiger Schritt für die berufliche Entwicklung und das Ansehen auf der Station.

00:22:01: Dabei liegt es schon auf der Hand, warum nicht sie sondern ihre Kollegin vereinen der begehrten Plätze vorgeschlagen wurde.

00:22:07: Denn auch nach zwei Jahren Berufserfahrung fehlen Annika noch immer grundlegende Pflegekenntnisse.

00:22:13: Außerdem fallen ihr vieler Routineaufgaben immer noch schwer.

00:22:17: Als sich das Jahr twenty-fünfzehn dem Ende zuneigt spricht Annika gegenüber Kolleginnen plötzlich immer häufiger über das Thema Reanimation.

00:22:26: Dabei äußert sie auch ganz konkret den Wunsch selbst einmal ein Baby reanimieren zu dürfen.

00:22:31: Da würde ich ja schon denken, wow.

00:22:34: Das ist ein komischer Wunsch, ne?

00:22:35: Ich meine wahrscheinlich ist sowas auch normal irgendwo, dass man klar... Also wenn man Kardiologe oder Kardiologin isst dann will man irgendwann auch mal den ersten Stand einsetzen.

00:22:46: Eben!

00:22:46: Ja.

00:22:47: Ich glaube weil man halt so denkt, ja es kann halt jeden Moment passieren aber ich hab's noch nie gemacht.

00:22:53: Dann ist das so... Ja genau

00:22:55: und man will vielleicht vorbereitet sein Aber trotzdem irgendwie im ersten Moment hat sich das ein bisschen komisch an.

00:23:01: Ja, und dieses Gefühl haben auch die dienstälteren Pflegekräfte mit denen sie da auf der Station arbeitet, die empfinden den Wunsch als eher ungewöhnlich.

00:23:10: Einige von ihnen haben nämlich selbst erst wenigere Animationen erlebt und diese vor allem als belastend in Erinnerung behalten.

00:23:18: Tatsächlich kommt sowas auf der station glücklicherweise nur selten vor – offenbar sehr zum Unmut von Annika!

00:23:25: In Gesprächen mit KollegInnen zeichnete sich für die Polizei während der monatelangen Ermittlung nämlich das Bild einer jungen Frau ab, die regelrecht auf genau so einen Einsatz zu warten schien.

00:23:36: Laut Anklage der Staatsanwaltschaft versucht die twenty-fünfjährige im Dezember zwanzig fünfzehn also schließlich selbst eine solche Notfallsituation herbeizuführen.

00:23:46: Ihre Wahl fällt auf die kleine Alma.

00:23:48: Das Mädchen war am sechsten August fast sechszehn Wochen zu früh zur Welt gekommen.

00:23:53: Nur vierhundertvierzig Gramm schwer und kaum größer als die Hand eines Erwachsenen.

00:23:57: Was?

00:23:58: Ja, Paulina!

00:23:59: Vierhundert viertzig Gramm.

00:24:02: Die sollten ja eigentlich mal bestenfalls über vier Kilo sein.

00:24:06: Also das finde ich schon toll...

00:24:08: Ich guck gerade ganz erschrocken meine Hand an und bin wow.

00:24:13: Ja, das kann man sich überhaupt nicht vorstellen.

00:24:17: Ein Blick in ihre Krankenakte zeigt, wie schwer die ersten Monate ihres Lebens gewesen sind.

00:24:22: Alma musste intubiert und beatmet werden, erhielt Antibiotika und wurde operiert.

00:24:27: Auch wenn sich ihr Zustand mit der Zeit stabilisierte kam es immer wieder zurückschlägen.

00:24:32: Ihre Atmung setzte zeitweise aus und ihr Herz schlug zu langsam.

00:24:36: Nahrung konnte sie lange Zeit nur über eine Sonde aufnehmen.

00:24:39: außerdem brauchte sie weitere Medikamente damit sich beispielsweise ihre Knochen richtig entwickeln konnten.

00:24:45: Seit Alma auf der Station liegt gehört auch Annika zu den Pflegekräften, die sich um sie kümmern.

00:24:51: Zu den Eltern, die in ständiger Sorge um ihr Kind leben, baut sie dabei zunehmend ein Verhältnis auf.

00:24:57: Nachdem Alma nach einer Impfung eine Woche lang unter Krampfanfällen leidet, erkundigt sich Annika bei Almas Mutter Karolin wie es der Kleinen geht – obwohl sie selbst keinen Dienst hat!

00:25:08: Sie schreibt sie über Facebook an, schickt ihr zahlreiche Nachrichten und schreibt der Familie sogar eine Grußkarte im Namen des kleinen Mädchens.

00:25:17: Das finde ich ganz ungehobelt!

00:25:20: Ja das fanden die Eltern dann auch ein bisschen too much...und sehr übergriffig.

00:25:26: Aber alles wirkt ja so, es würde sich Annika ernsthaft um das Wohl des Kindes sorgen dass auch Anfang Dezember noch immer mit schwerem Lungenhochdruck kämpft.

00:25:37: Auch in der Nacht vom fünften auf den sechsten Dezember-Zwischen kümmert sich Annie kaum das pflegebedürftige Mädchen.

00:25:43: Gegen einundzwanzig Uhr beginnt eine der sogenannten Versorgungsrunden, die Kinder werden gewickelt und gefüttert.

00:25:51: Zunächst scheint aber nichts zu passieren – einmal wirkt höchstens etwas ruhiger als zuvor.

00:25:56: Doch etwa eine Stunde später verschlechtern sich ihre Werte plötzlich!

00:26:00: Der Herzschlag fällt massiv ab, die Sauerstoffsättigung sind gefährlich tief….

00:26:05: Als zwei Kolleginnen und eine Ärztin alarmiert durch den Stützpunkt-Monitor ins Zimmer eilen, ist Annika bereits bei dem Kind.

00:26:12: Wirkt jedoch völlig überfordert.

00:26:15: Sie hat noch nicht einmal begonnen, Alma auszuziehen um sie für eine mögliche Reanimation vorzubereiten.

00:26:21: Eine der Kolleginnen übernimmt sofort, drängt Annika mit den Worten Ich übernehme jetzt vom Bett weg und beginnt gemeinsam mit der ÄrztIn die Wiederbelebung.

00:26:29: Während Alma beatmet wird startet die Kollegin mit der Herzdruckmassage.

00:26:33: Erst nach einigen Minuten beginnt das kleine Herz des Mädchens wieder zu schlagen.

00:26:37: Warum ist der kleinen Alma auf einmal so schlecht geht, weil es in diesem Moment keiner der Menschen, die zur Hilfe geeilt sind?

00:26:44: Die Staatsanwaltschaft ist sich aber sicher – Annika habe nachgeholfen!

00:26:49: Sie soll sich noch vor der Versorgungsrunde an einem freizugänglichen Medikamentenschrank ohne Entnahmeprotokoll im sogenannten Spritzenzimmer zu schaffen gemacht haben….

00:26:59: Dort soll Annika wieder zu lahm ein Narkosemittel aus der Gruppe der Benzodiazepine herausgenommen und eine geringe Menge davon in Almas Milch gemischt haben.

00:27:10: Nach der erfolgreichen Reanimation bleibt Annika allein mit Alma im Zimmer drei zurück, ihre Kolleginnen sind erleichtert.

00:27:17: bei Annika jedoch scheint vor allem etwas anderes hängen zu bleiben das alle gesehen haben wie unvorbereitet und überfordert sie in dem Moment war wieder einen Versagen eines von vielen.

00:27:30: Seit Beginn ihrer Arbeit auf der Station wird sie von KollegInnen immer wieder kritisiert.

00:27:34: Sie kontrolliere Zugänge nicht sorgfältig genug, arbeite nicht gründlich, sei

00:27:38: unaufmerksam.".

00:27:40: Doch schon kurz darauf scheint sich für Annika eine neue Gelegenheit zu ergeben – sich zu beweisen!

00:27:45: In den folgenden Tagen verschlechtert sich einmal Zustand zunehmend.

00:27:49: Immer wieder kommt es zu Episoden von schwerem Lungenhochdruck, ihr kleines Herzgerät an seine Grenzen.

00:27:55: Schließlich reicht die Kraft nicht mehr aus um allein weiterzuschlagen….

00:27:59: Erst jetzt zeigt sich, wie massiv das Organ bereits geschädigt ist.

00:28:03: Die Überlebenschancen des Frühchens sinken auf nur noch fünfzig Prozent.

00:28:08: Als einmal zusätzlich Kammerflimmern entwickelt muss sie erneut reanimiert werden – wieder ist Annika dabei!

00:28:14: Doch diesmal gelingt es nicht mehr, das Kind zu retten.

00:28:17: Am Abend des neunten Dezember-Zwischen-Fünfzehn stirbt Alma an den Folgen eines Herzversagens in den Arm ihrer Mutter Caroline.

00:28:25: Während Almas Eltern mit dem unfassbaren Ring sucht Annika auffallend die Nähe der Familie.

00:28:32: Nur wenige Stunden nach dem Tod des Mädchens, schreibt sie Mutter Caroline Sie habe bereits ein Trauerutensil für Alma gekauft – drei Holzerzen in unterschiedlichen Größen.

00:28:42: Vor Gericht wird nun klar wie eng sich Annika in den Stunden nach Almas Tod an ihre Familie geklammert hat!

00:28:49: Caroline erinnert sich daran, dass Annika am nächsten Tag im Krankenhaus bei der Aussegnung dabei war und sogar das Wort an ihr totes Kind gerichtet hat.

00:29:10: Es ist

00:29:16: ganz unangenehm und warum macht sie es überhaupt?

00:29:21: Auch bei der Beerdigung, kurze Zeit später war Annika dabei.

00:29:24: Und Annika überschreitet professionelle Grenzen in ihrer Zeit auf der Frühchenstation nicht nur bei Alma – auch gegenüber anderen Eltern verhält sie sich auffallend vertraulich.

00:29:35: Viele sind dankbar für die vermeintliche Vertrauenspersonen, die sie in ihr sehen.

00:29:39: Je mehr Zuspruch Annika bekommt, desto fürsorglicher wirkt sie!

00:29:44: Dabei scheint ihr wichtiger zu sein, wie sie wahrgenommen wird als die eigentliche Pflegearbeit.

00:29:48: Denn Routineaufgaben wie Bettenmachen, die Milchküche reinigen oder Zugänge kontrollieren vernachlässigt Annika immer wieder.

00:29:56: Gleichzeitig meldet sich bei der Schichtverteilung gilt ziel für besonders kritische Intensivpatientinnen – eine Aufgabe, die selbst erfahrene Pflegekräfte eher meiden.

00:30:06: Aber so ist es Annika, die in der Nacht des ersten Weihnachtsfeiertages die Betreuung der kleinen Olivia übernimmt!

00:30:13: Das wenige Tage alte Frühchen hat immer wieder Atemaussetzer und einen verlangsamten Herzschlag, wirkt an diesem Abend aber stabil.

00:30:22: Gegen zwanzig Uhr fünfundvierzig ist Annika während einer Versorgungsrunde dann allein mit Olivia im nur schwach beleuchteten Zimmer.

00:30:30: Und auch hier deuten die Ermittlungsergebnisse auf dasselbe Vorgehen wie schon bei Alma.

00:30:35: Laut Anklage habe sich Annika erneut zuvor wieder Zulamen aus dem Medikamentenschrank genommen – und zwar diesmal in einer deutlich höheren Menge!

00:30:43: Was dann mit Olivia passiert, kann sich die Staatsanwaltschaft nämlich nicht anders erklären.

00:30:50: Kurz darauf verschlechtert sich ihr Zustand dramatisch – Olivia wird schläfrig, ihre Muskulatur erschlafft, schließlich reagiert sie nicht mehr auf Reize und fällt in ein tiefes Koma.

00:31:01: Als Annika ihre Schicht am nächsten Morgen beendet ist Olivia noch immer bewusstlos.

00:31:05: Bei der Übergabe hebt sie den Arm des Babys an und lässt ihn wieder zurückfallen um zu zeigen wie schlaf Olivia obwohl das offensichtlich ist.

00:31:15: Erst als Annika zu Hause ist, erholt sich Olivia glücklicherweise wieder.

00:31:19: Wenige Tage später wird sie auf die Normalstation verlegt und Mitte Januar darf sie mit ihren Eltern nachhause.

00:31:26: Warum es Olivia plötzlich so schlecht ging wissen Sie nicht!

00:31:30: Auch die Klinik verfolgt die dramatische Zustandsverschlechterung nicht weiter.

00:31:34: Auf einer Frühchen-Station gehört es schließlich fast zum Alltag dass sich der Zustand von Kindern unerwartet verschlechtert.

00:31:41: Bei Olivia konnte Annika keine Lorbeeren für ihre Arbeit auf der Frühchenintensivstation Einheimsen, denn es kam zu keiner Reanimation bei der sie sich hätte beweisen können.

00:31:52: Das ändert sich aber nur wenige Wochen später mit Nola.

00:31:55: Um zwanzig Uhr am einundreißigsten Januar zwei-tausendsechzehn übernimmt Annika mit Beginn der Nachtschicht die Versorgung des kleinen Mädchens.

00:32:03: Auf der Station ist es an diesem Abend wie meistens ruhig das Licht gedimmt Geräusche nur leise zu hören….

00:32:09: Gegen Zweiundzwanzig Uhr ist Annika während der Versorgungsrunde allein mit den Säuglingen in Zimmer Fünf.

00:32:16: Dort verabreicht sie Nola laut Anklage, vermutlich über die Magensonde zwischen fünf und elf Milligramm Midazolam mehr als das Dreißigfache der therapeutischen Dosis, die für ein Kind ihrer Größe angemessen wäre Obwohl Annika weiß, dass eine der beiden Stationsärztinnen noch recht unerfahren ist und in dieser Nacht einen ihrer ersten Nachtdienste überhaupt hat, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, dass sie das Risiko eingeht und Nola in Lebensgefahr bringt.

00:32:44: Und die tritt nur fünfzehn Minuten später ein.

00:32:47: Um zwanzig Uhr fünfzehnt fällt Nolas Sauerstoffsättigung massiv ab – Sie reagiert nicht mehr auf Reize, bewegt sich nicht.

00:32:56: Als die junge Ärztin zu Hilfe eilt, erkennt sie schon an Nolas gräulicher und farler Hautfarbe.

00:33:01: Der Säugling ist in akuter Lebensgefahr – trotz der wenigen Erfahrungen reagiert sie sofort und ordnet die Beatmung an, die Annika bereitwillig übernimmt.

00:33:11: In diesem Moment bekommt Annika genau diese Situation auf die sie offenbar seit Monaten gewartet hat — die Möglichkeit zu zeigen was sie in ihren eigenen Augen isst!

00:33:20: Eine gute Intensivpflegerin.

00:33:23: Und langsam steigt Nolas Sauerstoffsättigung wieder an.

00:33:26: Ihr Leben ist gerettet, zumindest für den

00:33:29: Moment.".

00:33:31: Aber wie wir bereits wissen verbessert sich Nolas Zustand in den nächsten Stunden nicht wirklich!

00:33:36: Ihre Sauerstoffsättigung fällt erneut extrem ab – wieder muss sie barat mit werden.

00:33:40: und schließlich fällt das gerade erst knapp drei Wochen alte viel zu kleine Baby in ein tiefes Koma.

00:33:46: Noch schlechter geht es ihr nach dem Annika am Abend dann erneuht den Nachtdienst übernimmt….

00:33:51: Zunächst schreibt sie in die Akte noch, dass Nola leicht radikat ist.

00:33:55: Ihr Herz also etwas zu langsam schlägt.

00:33:57: was sie nicht dokumentiert ist das was Sie so haben es die Ermittlungen ergeben anschließend tut.

00:34:03: Sie gibt Nola eine hohe Dosisketamin ein Wirkstoff der in der humanen und Tiermedizin als Schmerz- und Narkosemittel genutzt aber auch als Partydroge missbraucht wird.

00:34:14: Das wird aber vor allem im klinischen Bereich und bei schweren Depressionen eingesetzt, weil Keta im Vergleich zu vielen anderen Antidepressiva sehr schnell wirken kann.

00:34:23: Auf der früchen Intensivstation hat der Chef als die Gabe von Ketamin bei Frühgeboren zumindest explizit untersagt.

00:34:31: Generell wird das Mittel in der früh geborenen Medizin selten bis gar nicht und höchstens als Notfallmedikament verwendet, weil es schwere Nebenwirkungen haben kann.

00:34:39: Als Annika der kleinen Nola das Mittel gibt, ist diese immer noch völlig geschwächt von Midazulam dem Nakose-Mittel.

00:34:46: Ihr Herzschlag sackt plötzlich massiv ab und dann bleibt Nolas kleines Herz stehen.

00:34:52: Annika ruft aus den Zimmern nach ihren Kolleginnen – auch eine der beiden Stationsärztinnen kommt dazu, geschockterüber dass bei der bewusstlosen Nola kein Herzschlak mehr zu erkennen ist während die Sauerstoffsättigung immer weiter absinkt!

00:35:05: Es ist der Moment in dem Nola dem Tod so nah ist wie nicht zuvor….

00:35:08: Die Ärzte sind bereitet rasend schnell ihre Animation vor.

00:35:12: Sie beginnt Nola mit einem Beatmungsbeutel zu beatmen und wechselt sich dabei mit Annika ab.

00:35:17: Auch die zweite, noch unerfahrene Stationsärztin eilt hinzu und unterstützt beim Beatmen, während Annika mit der Herzdruckmassage beginnt und versucht Nolas Herz durch gleichmäßiges Drücken auf den winzigen Brustkorb wieder zum Schlagen zu bringen.

00:35:31: Während Annika nur Minuten zuvor dafür gesorgt hat das Nola in Lebensgefahr schwebt hilft sie nun dabei eben dieses Leben zu retten!

00:35:39: Und dann, nachdem nun das Herz etwa eine Minute stillstand beginnt es tatsächlich wieder zu schlagen.

00:35:44: Doch obwohl sich ihre Herzfrequenz langsam stabilisiert bleibt sie weiterhin kumartös.

00:35:50: Das ist sie auch sechs Stunden später noch als Annika ihr laut Ermittlungsergebnissen um zwei Uhr dreißig in der Nacht erneut Ketamin gibt – diesmal in einer noch höheren Dosis als zuvor!

00:36:02: Weil bei Annika die Euphorie über ihre erst kürzlich zurückliegende Beteiligung im Mittelpunkt des Rettungsgeschehens anhält, gibt sie Nola nun über die Magensonde das Siebenundzwanzig- bis Einensechzigfache der zulässigen Höhstosis.

00:36:16: Die Folge Nolas kleines Herz bleibt erneut stehen – wieder muss sie reanimiert werden und wieder hilft Annika mit!

00:36:24: Diesmal ziehen die beiden Stationsärztinnen zusätzlich den Oberarzt hinzu, der die Leitung der Reanimation übernimmt.

00:36:31: Nola überlebt nur weil die Ärztinnen schnell und richtig reagieren – und höchstwahrscheinlich bei neben ihrem Todesengel namens Annika auch noch ein Schutzengel am Bett des kleinen Mädchen steht.

00:36:46: Denn als sie nach dieser Nachtschicht nach Hause kommt, ruft sie die Seite eines Netzwerks von Fotografinnen auf – die sogenannte Sternen-Kinderfotografien.

00:36:55: Also Kinder, die vor-, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind.

00:36:59: Außerdem googelt sie die Wirkung von Ketamin und klickt sich durch Internetseiten mit Informationen zu Medikamenten.

00:37:07: Am nächsten Tag hat Annika frei und trifft sich zum Frühstück mit einer Kollegin, die sich gerade in Elternzeit befindet – und deshalb nicht mitbekommen hat, dass zuletzt gleich mehreren Kindern aus Stationen aus unerklärlichen Gründen schlechtging.

00:37:19: Das erzählt Annika nun bereitwillig.

00:37:21: Allerdings sind eine Version, die mit der Realität wenig zu tun hat.

00:37:25: Sie beschwert sich über die unerfahrenere Stationsärztin und behauptet nicht die Ärztin sondern sie selbst habe gemeinsam mit dem Oberarzt Nolas Leben gerettet!

00:37:34: Doch während Annika ihrer Kollegin beim Frühstück ein Märchen erzählt, macht sich das Personal auf Station auf die Suche nach der Wahrheit.

00:37:42: Denn Nola geht es plötzlich wie von zauberhand besser!

00:37:46: Für die Ärztinnen wirkt ihre schnelle Besserung fast so als wäre sie aus einer Nakose erwacht.

00:37:51: und so kommt die Vermutung auf, Nola könnte versehentlich eine Nakosemittel verabreicht worden sein.

00:37:57: Denn dass sie in zwei aufeinander folgenden Nächten insgesamt dreimal plötzlich und ohne erkennbare Ursache, indem es Gefahr geraten ist, macht sowohl die Ärztinnen als auch die Pflegekräfte stutzig.

00:38:08: Vielleicht hat jemand ein Medikament verwechselt?

00:38:10: Und ihr statt des vorgesehenen Antibiotikums mit dem Namen Mero-Nem das Narkosemittelmieter Zulam gegeben weil es so ähnlich klingt?

00:38:18: Der Oberarzt der an der letzten Reanimation beteiligt war, hat inzwischen auch den Chefarzt über die Vorfälle informiert.

00:38:24: Gemeinsam mit der Pflegedienstleitung durchsucht dieser daraufhin den Medikamentenschrank.

00:38:29: Doch dort scheint alles ordentlich einsortiert zu sein, außerdem sehen die Verpackungen von Antibiotika und Metazolam so unterschiedlich aus dass sie sich eigentlich kaum verwechseln lassen.

00:38:39: Trotzdem wird sofort ein Betäubungsmittelscreening angeordnet.

00:38:43: Dabei wird Nolas Urin im Kliniklabor auf verschiedene Wirkstoffe untersucht Und tatsächlich zeigt das Ergebnis Benzodiazepine Also jene Stoffgruppe, zu der auch Mida Zulam gehört.

00:38:56: Um aber ganz sicherzugehen schickt der Chefarzt zusätzlich zur Urinprobe eine Blutprobe von Nola an das unabhängige gerichtsmedizinische Institut der Uniklinik Gießen und diese Ergebnisse sind es mit denen die Staatsanwaltschaft später versucht zu beweisen dass Annika Kroll Nola nicht etwa helfen sondern ihr absichtlich schaden wollte.

00:39:19: Während die Ermittlungen im Krankenhaus bereits auf Hochtouren laufen, schreibt Annika mit einer Kollegin und erfährt dass in Nolas Urin Betäubungsmittel nachgewiesen wurden.

00:39:28: Voll komisch, kommentiert sie die Nachricht und beginnt sofort zu spekulieren wie das Laborergebnis zustande gekommen sein könnte.

00:39:36: Vielleicht habe Nola zu viel von dem Beruhigungsmittel luminal bekommen – ein Medikament, das er aufgrund der Krampfanfälle gegeben wurde.

00:39:43: Doch das würde keine Benzodiazepine erklären, erwidert die

00:39:47: Kollegin."

00:39:48: Wie gesagt, wenn es noch Unklarheiten gibt wegen dem Ablauf oder Medikamenten oder so.

00:39:52: Dann könnt ihr mich ruhig anrufen und ich komme vorbei.

00:39:54: Das ist kein Problem!

00:39:55: Ist ja wichtig die Ursache zu

00:39:57: finden.".

00:39:58: Beendet Annika stießlich den Chat.

00:40:01: Danach beginnt sie erneut mit Internetrecherchen.

00:40:03: auf ihrem Handy liest sie Artikel über Benzodiazepine googelt nach Benzo Spiegel und sucht danach wie lange Mida Zolam im Blut nachweisbar ist.

00:40:13: Die Antwort ist, lange genug dass es bei Nola noch mehrere Tage nach Annikas Schicht nachgewiesen werden konnte wie das Ergebnis des toxikologischen Gutachtens aus dem gerichtsmedizinischen Institut zeigt.

00:40:26: In Nolas Blut und Urin wurden sowohl Midazulam als auch Ketamin gefunden.

00:40:31: Daraufhin weiß der Chefarzt alle Mitarbeitenden an der Station ausdrücklich an.

00:40:35: niemand der gerade nicht im Dienst ist da von diesem Ergebnis erfahren.

00:40:40: Anika, die die Woche ohnehin frei hat, kennt nur das Ergebnis des klinikinternen Screenings und fragt erneut bei ihrer Kollegin per WhatsApp nach.

00:40:48: Doch die antwortet ausweichend – ne, gibt immer noch nichts Neues!

00:40:52: Währenddessen durchsucht der Chefarzt gemeinsam mit mehreren Pflegekräften erneuht den Medikamentenschrank.

00:40:58: Wie es mal sehr gründlich.

00:41:00: Und tatsächlich fällt ihnen jetzt etwas auf.

00:41:04: Zwei angebrochene Packungen Ketamin, aus denen insgesamt vierzehn Ampullen fehlen obwohl das Mittel auf der Station gar nicht verwendet werden darf.

00:41:13: Außerdem stoßen sie nun doch oft zwei leere Miederzolam-Packungen, die hinter anderen Medikamenten versteckt wurden.

00:41:20: Die Testergebnisse in Kombination mit den fehlenden Medikamente alarmieren den Chefarzt so sehr, dass für den nächsten Tag ein Krisengespräch einberufen wird.

00:41:29: Daran nehmen unter anderem Chefarst und Oberarzt die Klinikleitung, die Pflegedienstleitung.

00:41:34: Am Ende des Gesprächs fällt die Entscheidung, die Polizei einzuschalten.

00:41:40: Um sechszehn Uhr fünfundvierzig an diesem fünften Februar erstattet die Klinik Anzeige gegen Unbekannt und es dauert nicht lange – da wird dem Chefarzt und der Pflegedienst leitung klar, dass es in den vergangenen Wochen nicht nur bei Nola-räzelhafte Zustandsverschlechterungen gegeben hatte sondern auch bei Olivia und der kleinen Alma, jenem Frühchen das vor knapp zwei Monaten gestorben war und deren Eltern ihre gerade einmal vier Monate alte Tochter zu Grabe tragen mussten, während Annika daneben stand.

00:42:10: Und genau dieser Name sticht dem Chefarzt bei der Durchsicht der Akten immer wieder ins Auge.

00:42:16: Annika hatte jedes Mal Dienst wenn es einem der Mädchen schlecht ging – und jedes mal war sie für die Patientenzimmer zuständig in denen die Kinder lagen!

00:42:25: Während die Polizei auf der Station nicht nur abgepumpte Muttermilch- und leere Medikamentenpackungen, sondern auch Dienstpläne sowie die Patientenakten sicherstellt, schärft der Chefarzt allen Mitarbeitenden ein, niemandem von den polizeilichen Ermittlungen zu erzählen.

00:42:38: Dass Annika verdächtigt wird, wissen zu diesem Zeitpunkt also nur die Polizei und ein kleiner Kreis rund um den Chefarst.

00:42:46: Wenig später verschickt die Pflegedienstleitung eine Mail an das gesamte Pflegepersonal der Frühchen Intensivstation.

00:42:53: In zwei Tagen, am Montag soll es eine dringende Dienstbesprechung geben.

00:42:57: Aus aktuellem Anlass heißt das in der

00:42:59: Nachricht.".

00:43:17: Ihrem Freund, bei dem sie gerade ist, erzählt Annika hingegen.

00:43:19: Bei der Besprechung geht es wohl um die Urlaubsplanung und Unstimmigkeiten im Dienstplan.

00:43:24: Doch nach einem selben Abend wird sie in der Wohnung ihres Lebensgefährten festgenommen.

00:43:28: Die anwesenden Polizisten entteilen ihr mit, dass sie der versucht Tötung von Kindern im Universitätsklinikum verdächtigt wird.

00:43:36: Es gehe wohl um kleine Nola, erwidert Annika, bestreitet aber sofort etwas damit zu tun haben!

00:43:42: Sie findet es unfassbar Unvorstellbar, dass man einem Kind das einem antvertraut ist so etwas anschauen könne.

00:43:50: Nach monatelangen Ermittlungen und einer ellenlangen Anklage bleibt Annika auch drei Jahre später im Saal Hundert-Eins des Marburger Landgerichts bei ihrer Darstellung.

00:44:00: Während der Verhandlung schüttet sie immer wieder den Kopf als seien alle Anschuldigungen vollkommen absurd.

00:44:06: Dabei wirkt sie ruhig fast teilnahmslos.

00:44:10: Ihre beiden Verteidiger machen in des immer wieder deutlich, warum sie auf Freispruch plädieren werden.

00:44:15: Es gibt keine direkten Zeuginnern für die Taten – ein Geständnis legt Annika nicht ab und nur bei Nola wurden überhaupt Wirkstoffe nachgewiesen.

00:44:24: Und zwar erst, nachdem das Klinikum erstmal solch einen Test in Auftrag gegeben hatte.

00:44:30: Bei Alma & Olivia waren jeweils keine weiteren Untersuchungen angestellt worden.

00:44:35: Um Anika's Schuld oder Unschuld abzuschätzen, kommen in den folgenden Prozesttagen zahlreiche Sachverständige zu Wort.

00:44:42: Darunter auch ein Neonatologe – also einen Spezialist für Frühgeborene der die Krankenakten der drei Mädchen ausgewertet hat, der genauso wie der toxikologische Gutachter einen Zusammenhang zwischen den Wirkstoffen und den gesundheitlichen Folgen herstellt.

00:44:56: Was sich allerdings nicht beweisen lässt ist ein direkter Zusammenhang Zwischen einer Miederzolamengabe bei Alma und ihrem späteren

00:45:03: Tod.".

00:45:04: Und ebenso wenig kann mit Sicherheit bewiesen werden, dass Annika ihr überhaupt so ein Medikament gegeben hat.

00:45:10: Deshalb spielen im Prozess auch die Dienstpläne der Frühchenstation eine wichtige Rolle – die eindeutig beweisen, dass Anika in allen betreffenden Nächten, in denen sich der Zustand der drei Mädchen plötzlich dramatisch verschlechterte, Dienst hatte.

00:45:24: Neben zahlreichen Details zu Arbeitsabläufen auf der Frühchinstation, technischen Fragen und Abbauzeiten von Medikamente geht es auch um die Wirkung von Annika auf ihr Umfeld.

00:45:36: Dabei zeichnen die Zeuginnen das Bild einer wissbegierigen, aber auch stark geltungsbedürftigen jungen Frau, deren größtes Anliegen offenbar nicht war Kindern zu helfen sondern selbst gut dazustehen – vor Kolleginnen und vor allem vor ihrem Vater dem erfolgreichen Mediziner.

00:45:52: Doch trotz all dieser Aussagen kann niemand mit Sicherheit sagen was Annika tatsächlich zu den Taten bewegt haben könnte.

00:45:59: Ja, und das ist für Föderike und Christoph unnatürlich auch für die anderen Eltern während des Prozesses nur super schwer auszuhalten.

00:46:07: Daran erinnert sich auch noch der Nebenklageanwalt von Nolas Eltern Arik Bredendieg.

00:46:12: Man sucht Antworten auf die Fragen, die einen als Elternteil beschäftigen.

00:46:15: Warum versucht jemand es meinem Kind an zu tun?

00:46:18: Was gibt's dafür eine Motivlage?

00:46:19: Was gibts da für ne Begründung?

00:46:22: Und wenn dann einer Angeklagte sitzt und geschweigt, sehr unbefriedigten, weil man will ja antworten.

00:46:29: Das hat auch eine Weile gedauert auf der Nebenklagebank bis das so durchgesickert war wie die sagt.

00:46:34: jetzt wirklich nie was also zu gar nichts.

00:46:37: Die sagt nichts was zu ihrem Werdegang, die sagt nichts zur Tat, sie sagt nicht zu ihrer Motivlage.

00:46:41: wir kriegen also möglicherweise gar nicht die Antworten die wir haben wollen sondern die müssen wir uns selber raus suchen.

00:46:47: Ja das war schon gewisser Frustrationslevel.

00:46:50: Um besser zu verstehen, was Annika zu den Taten bewegt haben könnte hat das Gericht nicht nur ehemalige Kolleginnen sondern auch Mitschülerinnen aus ihrer Ausbildung an.

00:46:58: Sie erzählen, Annika habe bereits während der Ausbildung keine guten Leistungen erbracht und sogar zu den Schwächsten ihres Kurses gehört.

00:47:06: Einige seien überrascht gewesen dass sie die Abschlussprüfung überhaupt bestanden.

00:47:10: Über einstimmend berichten KollegInnen außerdem, dass Annika weder fachlich noch persönlich belastbar genug gewesen sei um auf der anspruchsvollen frühgeborene Intensivstation eines Universitätsklinikums zu arbeiten.

00:47:23: Gleichzeitig sei sie aber sehr ehrgeizig gewesen und habe sich immer wieder beweisen wollen um im Mittelpunkt zu stehen.

00:47:29: Dabei wirkte sie jedoch häufig überfordert.

00:47:33: Auch eine psychiatrische Gutachterin soll dem Gericht dabei helfen, die Frage nach dem Warum zu beantworten.

00:47:39: Ihr Gutachten muss sie allerdings ausschließlich auf Basis von Zeuginnen-Aussagen erstellen – denn Annika schweigt natürlich auch ihr Gegenüber!

00:47:47: Trotzdem ergeben die vielen Schilderungen für die Gutachterin ein recht klares Gesamtbild.

00:47:52: Die ständige Kritik an ihrer Arbeitsweise habe sie zunehmend gekränkt….

00:47:55: Hinzu sei das Gefühl getreten, den Erwartungen ihrer Familie nicht gerecht zu werden.

00:48:00: Der Vater Kinderarzt die Tochter nur pflegekraft.

00:48:05: Gleichzeitig betont die Gutachterin aber auch dass all das letztlich an Namen bleiben.

00:48:10: Keiner der Zeuginnern könne wirklich etwas über Annikas Innenleben oder ihr Privatleben sagen und er noch attestiert sie der angeklagten einen sogenannten vulnerablen Nazismus.

00:48:21: Bei Narzissmus erdenken die meisten ja wahrscheinlich erst mal an den sogenannten grandiosen Narzismus.

00:48:26: Davon waren auch einige Täter innen betroffen, über die wir im Podcast schonmal gesprochen haben.

00:48:31: Menschen mit dieser Form, die wirken dann häufig sehr selbstbewusst, erfolgsorientiert und durchsetzungsstark.

00:48:37: Beim vulnerablen Narzismus sieht das allerdings anders aus erklärt uns Dr.

00:48:42: B. Arche Euser-Schulte.

00:48:44: Sie ist ärztliche Direktorin der Vitosklinik für forensische Psychiatrie in Heiner & Gießen.

00:48:50: Man hat eher eine Fassade, somit Unsicherheit und äußere Anpassung.

00:48:55: Und die Menschen sind eher selbst bezogen haben eine sehr hohe innere Anspruchshaltung begegnen anderen eher mit Zurückhaltung manchmal auch eher mit sehr viel Misstrauen und sie wegen Eine Vielzahl von nazistischen Fantasien Die nach außen überhaupt nicht ersichtlich werden.

00:49:17: Diese Menschen versuchen dann durch berufliche Anstrengung und Erfolge sozusagen ihre nazistischen Bedürfnisse zu realisieren.

00:49:25: Diese Menschen bekommen dann häufig im beruflichen Umfeld nicht so die gewünschte Anerkennung, weil sie sich auch schwer tun Kritik irgendwie anzunehmen und zu ertragen Und Sie erleben dann insgesamt dauerhafter negative Emotionen wie Schuld, Scham, Anspannung, Reizbarkeit, Unsicherheit.

00:49:45: Kommen viel ins Grübeln verbergen das aber und das tritt alles insgesamt nicht so nach

00:49:50: außen.".

00:49:51: Wenn Viva Annika immer wieder Kritik kommt brauchen vulnerablen Nazistinnen immer neue Strategien um Anerkennung zu bekommen und die Kritik damit kompensieren zu können.

00:50:01: Das ist erstmal ganz schwer zu ertragen für vulnerable Narzisten.

00:50:07: Und es kann ja nur gelingen, das auszugleichen oder zu kompensieren wenn sie irgendwelche Erfolge für sich verbuchen können die auch nach Aussichtbar werden für andere und suchen dann natürlich Situation in diesem beruflichen Tätigkeitsfeld wo Sie das zeigen können.

00:50:28: Bei Annika hat sich das laut der Gutachterin vor Gericht so geäußert, dass sie versucht hat ihre Unsicherheit mit Überheblichkeit zu kompensieren.

00:50:36: Das ist eine Strategie die Betroffene häufig anwenden, so die Expertin.

00:50:40: Also kommt von außen zu wenig Bestätigung und Anerkennung dann treten Versagensängste auf Und die betroffende Person stellt sich aber dem eigentlichen Problem nicht und vermeidet unangenehme Situation wie Annika das gemacht hat.

00:50:53: Nachdem sie nicht für die Intensivpflegefortbildung in Betracht gezogen wurde, hat sie nicht das Gespräch mit der zuständigen Pflegedienstleiterin gesucht.

00:51:00: Dabei hätte nur die ihr sagen können warum Annika dafür nicht vorgeschlagen wurde.

00:51:05: Statt Konflikte zu Klärneben betroffene dann eher eine Opferrolle ein sind beleidigt oder zeigen ihren Unmut durch subtile Bemerkungen.

00:51:14: Bei Menschen wie Annika kommen es übrigens nicht infrage dass Sie selbst Schuld haben könnten.

00:51:19: Ich glaube, das kennen wir auch schon von den anderen Nazistern.

00:51:23: Also das eigene Verhalten wird nicht reflektiert und ihre Taten soll Annika laut Gutachterin aus einer nazistischen Kränkungssituation heraus begangen haben.

00:51:33: Und solche ergeben sich lauter Experten wenn es dem oder der Betroffene nicht gelingt den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und vor allem wenn von außen keine Anerkennung sondern im Kritik kommt.

00:51:44: Aufgrund ihrer Introversion verarbeiten Sie das dann so innerlich mit Selbstentwertung, Schamgefühlen, Defizitgefühle, depressiven Effekten und kommen schwer nur mit solchen Situationen zurecht.

00:51:59: So wird es ja auch deutlich bei der Angeklagten Und sie musste sich ja oder hat sich dann sicherlich irgendwann überlegt, wie kann ich das kompensieren?

00:52:09: Wie kann ich doch beweisen, dass ich Großes leisten kann und hat dann Situationen sozusagen konstelliert in denen Sie Ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen wollte.

00:52:21: Hier ganz konkret offensichtlich im Zusammenhang mit Reanimationen die sie durchführen wollte und damit zeigen wollte was ihr alles kann.

00:52:32: Diese Motivation ist bei sogenannten Todesengeln oder Health Care Serial Killers übrigens nicht selten.

00:52:38: Todesenge haben wir ja hier auch schon behandelt, unter anderem in Folge und als wir den Fall des ehemaligen Krankenpfleger Nils Högel besprochen haben.

00:52:47: Der hat nachweislich mindestens achtzig Menschen getötet über Jahre hinweg in verschiedenen Kliniken bis es sich gegen die Mittel wurde und der danach verurteilt wurde.

00:52:57: Högel soll seinen Opfern verschiedene Medikamente gespritzt haben Und zwar, um sich danach bei der Reanimierung als Retter präsentieren zu können.

00:53:05: Also ich habe mich gefragt wie unangenehm muss das bitte sein?

00:53:11: Als Täter oder Täterin dann vor Gericht zuzugeben also dass man der Retter sein wollte Vor allem in so einem Kontext wie einem Krankenhaus ist ja darum wirklich geht den Menschen zu helfen?

00:53:25: Ja genau Ich glaube aber auch Weil.

00:53:29: also so eine krasse Geltungssucht kann ja auch ein Mordmerkmal erfüllen.

00:53:33: Also niedrige Beweggründe und alleine das wäre schon Grund für viele, dass dann nicht zuzugeben, was sie aus diesen Gründen gemacht haben.

00:53:41: Ja ich finde es schon einfach interessant, dass es diese Motivation gibt und dieses ja diesen Retterkomplex...

00:53:48: Wenn du retterkomplex sagst, dann mach ich sofort so eine positive Verknüpfung.

00:53:51: Aber das ist es ja wirklich gar nicht!

00:53:54: Die bringen die Leute in Lebensgefahr und machen das aus keinem anderen Grund als ihren Selbstwert aufzubessern, weil sie's anders im Leben nicht gebacken kriegen.

00:54:03: Und es kann auch nicht nur der Retter komplex sein, sonst wären ja nicht viele Menschen gestorben.

00:54:09: Sie hätten es immer weiter gemacht, weißt du was ich mein?

00:54:12: Vor allen Dingen bei dem Högel über achtzig Menschen.

00:54:15: Toll gerettet hat er da ja doch nicht...

00:54:18: Nee, ich meine die begeben sich da ja auch echt auf Glatteis.

00:54:22: Also auch wenn sie den Tod an sich nicht unbedingt wollen weil dann können Sie ja auch nicht ihr Können unter Beweis stellen nehmen sie denen denn ja zumindest billigend in Kauf.

00:54:30: als ob Leute wie Högel oder Annika die ja offenbar Probleme damit haben im Leben Anerkennung aufgrund ihrer tatsächlichen Leistungen zu bekommen dann genau abwägen könnten.

00:54:41: Wie viele Medikamente gebe ich jetzt hier, damit ich einen Notfall herbeirufe?

00:54:45: Ich den Tod der Patientinnen aber sicher verhindern

00:54:48: kann.".

00:54:49: Ja also das kann man ja einfach gar nicht sagen auch weil so ein Körper ja keine Maschine ist und man nie weiß was genau dann passiert.

00:54:58: Also was letztendlich dahinter steckt, dass werden wir vermutlich nie herausfinden.

00:55:02: Also zumindest nicht im Fall von Annika, weil die schweigt bis zuletzt!

00:55:08: Knapp neun Monate nach Prozessauftakt hält die Staatsanwältin am siebten November, zwei Tausendneunzehn ihr Plädoyer.

00:55:14: Für Sie hat sich bestätigt dass Annika den Tod der Säuglinge einmal Olivia und Nola zumindest billigend in Kauf genommen hat.

00:55:21: Wer Frühgeborenen eine so hohe Dosis an Medikamenten gibt, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen hat kriminelle Energie.

00:55:28: Ist heimtückisch und handelt mit Vorsatz", erklärt sie vor Gericht.

00:55:32: Zwar sei Annika bei Olivia noch strafbefreien vom Mordversuch zurückgetreten weil sie dem Mädchen kein weiteres Medikamente mehr verabreicht habe.

00:55:40: Bei Nola hingegen habe sie ein schon schwer angeschlagenes Kind absichtlich mit aberwitzigen Dosierungen vergiftet.

00:55:47: Annika habe einen regelrechten Tatplan verfolgt, um die Frühchen immer wieder in kritische Situation zu bringen und anschließend selbst als Retterin und kompetente Pflegerin dazustehen.

00:55:58: Die Staatsanwältin spricht von unfassbaren und noch nie gesehenen Taten.

00:56:02: Sie fordert zwölf Jahre Haft unter anderem wegen versuchten Mordes.

00:56:06: Die Nebenklage schließt sich dieser Forderung an.

00:56:09: Anikas Verteidigung hingegen will für sie einen Freispruch.

00:56:14: Die Taten müssen nicht zwangsläufig von Annika begangen worden sein, es gebe keine eindeutigen Beweise und keine klar belastbaren Rückschlüsse sondern lediglich Indizien zu einer ihrer Rechtsbeistände.

00:56:26: Neben Annika kämen auch andere Täterinnen in Frage darunter Personen die ihr gegenüber ablehnt eingestellt gewesen seien etwa Kolleginnen die ihr Verhalten immer wieder kritisiert hatten.

00:56:37: Deshalb könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Verdacht gezielt auf sie gelenkt worden sei.

00:56:42: Der Verteidiger spricht von einseitigen Ermittlungen – die vorgebrachten Verdachtsmomente reichten seiner Ansicht nach nicht aus um andere Täter innen sicher

00:56:50: auszuschließen.".

00:56:52: Äh ja also das wäre hier jetzt auch nochmal eine neue Dimension an Bösartigkeit Ja?

00:56:58: Also dass jemand das alles hier macht was man Annika vorwirft aber dann gar nicht um als Retterin oder Retter da zu stehen sondern Um Annika zu schaden.

00:57:08: Ja, also ich finde es auch ein bisschen wirr und es kommt irgendwie mehr für mich so rüber als würde man da einfach versucht haben noch in irgendwelche Richtungen zu schießen nach dem Motto ja kann ja auch so gewesen sein oder so.

00:57:21: Also hier gibt's ja eh keine richtigen Beweise.

00:57:26: Es ist ein trüberspäthebslicher Tag, als sich der Vorsitzende Richter am XXV November im Marburger Landgericht von seinem Stuhl erhebt um das Urteil zu verkünden.

00:57:36: Im Saal

00:57:37: herrscht gespannte Stille – über allem schwebt die Frage hat Annika den Kindern wirklich geschadet und reichen die Indizien tatsächlich für eine Verurteilung aus?

00:57:47: Dann durchbrechen die Worte des Richters die Stille und sorgen dem gesamten Gerichtsseil für unglaubige Blicke!

00:57:54: Denn Annika wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

00:57:58: In den Sekunden nach der Urteilsverkündung werden im Saal irritierte Blicke ausgetauscht, auch die Eltern auf der Nebenklagebank schauen unsicher zu ihren Anwältinnen.

00:58:07: Rechtsanwalt Arik Bredendieg erinnert sich noch sehr genau an diesen Moment.

00:58:11: Stille und danach so ein bisschen.

00:58:14: so.

00:58:15: habe ich das gerade richtig verstanden?

00:58:17: Habe ich das missverstanden grade bei juristischen Leinen?

00:58:20: Auch ich habe mich da erst mal so ein bisschen gesammelt und gedacht, ich hab jetzt gerade tatsächlich lebenslänglich gehört.

00:58:24: Ja dann hat man das eingeordnet, hat das erklärt, hat dann auch noch einmal erklärt dass das Gericht über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinausgehen kann.

00:58:31: Das war vielleicht auch nicht jedem so klar?

00:58:33: Ein Urteil das soweit über die Forderung der Anklage liegt sei wirklich ungewöhnlich sagt Arik Bredendieg.

00:58:40: So etwas kommt zwar vor aber sei eher selten Meist dann, wenn sich Richterinnen im Prozess ein besonders negatives Bild von einem oder einer Angeklagten machen.

00:58:49: Etwa weil keine Reue oder Einsicht erkennbar ist oder sich die Person vor Gericht daneben

00:58:54: benimmt.".

00:58:55: Das hier sei jedoch anders gewesen, sagt Bredendieg Anikas Verhalten habe bei der Strafzumessung eher eine untergeordnete Rolle gespielt.

00:59:03: Das Gericht habe ihre Taten mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe ahnten wollen, weil die Kammer der Auffassung war das Annika bewusst in Kauf genommen hatte, Babys zu gefährden und in akute Lebensgefahr zu bringen.

00:59:15: Frühchen also die besonders schutzbedürftig waren und für diese gleichzeitig Verantwortung trug.

00:59:20: Das gehe so der vorsitzende Richter über eine gewöhnliche Körperverletzung deutlich hinaus.

00:59:27: Anika habe heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt.

00:59:31: Auch die Tatsache, dass sie die Medikamente bei Nola immer höher dosierte – ihre Taten damit steigerte, berücksichtigt das Gericht bei der Urteilsfindung.

00:59:39: Damit folgt die Kammer weitestgehend der Version der Staatsanwaltschaft und hält Annika unter anderem wegen versuchten Mordes in vier Fällen verantwortlich.

00:59:48: Ein Fall betrifft die Vergiftung von Olivia.

00:59:51: Bei Nola sieht das Gerich sogar drei einzelne Taten!

00:59:54: Die Vergiftung mit Midazulam sowie die beiden späteren Vergiftungen mit Ketamin.

00:59:59: Den Fall der kleinen Alma, dem Alter von knapp vier Monaten starb, bewertete das Gericht dagegen als gefährliche Körperverletzung.

01:00:06: Ihr Tod habe laut Urteil nicht im Zusammenhang mit der winzigen Medikamentenmenge gestanden, die Annika ihr verabreicht haben soll.

01:00:13: Alma sei demnach nicht an einer akuten Vergiftion gestorben sondern an ihren schweren Grunderkrankungen und dem Lungenhochdruck.

01:00:21: Und zwar sei es möglich, dass das Midazolam ihren Zustand zusätzlich verschlechtert habe.

01:00:25: Sicher feststellen lasse sich das jedoch nicht!

01:00:28: Das Gericht geht zu Ihren Gunsten jedenfalls davon aus, dass Annika nicht mit einer tödlichen Wirkung des gering dosierten Medikaments gerechnet.

01:00:36: Was zum Zeitpunkt der Urteilsverkündung unklar bleibt, ist die Frage ob Olivia und Nola langfristige gesundheitliche Folgen davon tragen werden.

01:00:44: Denn Midazolam kann selbst bei korrekter Medizinerchatosierungen Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung haben – etwa geringere kognitive Leistungen im Kindesalter.

01:00:53: Und auch Ketamin kann schwere Schäden verursachen.

01:00:56: Unter anderem können Nervenzellen im noch unreifen Gehirne von Frühchen abstärben.

01:01:01: Ob das bei Olivia oder Nola der Fall sein wird, kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand sagen.

01:01:31: Aber sie hat immer weiter gemacht, bis die gestoppt wurde.

01:01:35: Kein einziges Mal hat sich selbst aufgehört und plötzlich ist das Mitleid wieder verschwunden.

01:01:40: Dabei hätten Federico und Christoph zumindest eines gebraucht – eine Entschuldigung!

01:01:44: Und die Person, die sie vielleicht am meisten verdient hätte weiß bis heute nicht einmal dass das so ist.

01:01:50: Nola ist inzwischen zehn Jahre alt.

01:01:52: Sie weiss, dass sie ein Frühchen war und dass es ihr im Krankenhaus einige Tage lang sehr schlecht ging.

01:01:57: Dass ihr Leben in Gefahr war... Aber sie weiß noch nicht, warum.

01:02:01: Dafür ist sie noch zu

01:02:02: jung.".

01:02:04: Friederike und Christoph möchten ihr irgendwann erzählen was damals auf der frühen Station in Marburg passiert ist?

01:02:09: Dass es dort jemanden gab, der ihr schaden wollte und bei nahe dafür gesorgt hätte dass Mulle heute nicht mehr lebt wenn Nolas Schutzengel in diesen Nächten nicht über sie gewacht hätte.

01:02:21: Als du eben gesagt hast das Christoph für einen Moment Mitleid hatte mit ihr fand ich das ein zutiefst menschliches und nettes Gefühl.

01:02:29: Aber gleichzeitig hätte ich auch total verstanden, wenn er einfach nur wütend gewesen wäre.

01:02:34: Ja... Denn wie sich die Annika hier zum Beispiel bei den Eltern der Alma ran geschmissen hatte, da noch die Dreistigkeit besitzt und an den kleinen Sarg zu treten unter so eine verhunzte Trauerrede zu halten, das finde ich wirklich so abgrundtief böse in dem Moment einfach.

01:02:51: Und ich könnte mir ja auch vorstellen wir haben jetzt nicht mit Almas Eltern gesprochen aber dass sie wirklich alles andere möglicherweise empfunden haben als Mitleid auch für diese Frau, weil glücklicherweise muss man ja sagen dass Olivia und Nola heute leben.

01:03:09: Und es ist ihnen gut geht!

01:03:11: Und wir haben's ja nicht so häufig mit Urteilen zu tun die über den Forderung der Staatsanwaltschaft also frau mit Freiheitsstrafen die über der Forderungen der Staats Anwaltschaft stehen zu tun.

01:03:21: aber ich kann das sehr nachvollziehen die Höhe der Strafe.

01:03:25: Ich habe mich trotzdem ein bisschen darüber gewundert weil es ja tatsächlich nur im Fall von Nola diese Testergebnisse gab, die sich angezeigt haben, dass das Kind überhaupt vergiftet wurde.

01:03:38: Und auch diese leeren Medikamenten am Pullen haben sie ja erst später gefunden und nicht mit den anderen Mädchen in Zusammenhang gebracht.

01:03:48: Ja also ist schon sehr besonders.

01:03:50: aber deswegen hat das Gericht offenbar auch sehr genau ausgeführt wie es zu dieser Annahme gekommen ist.

01:03:57: dann

01:03:58: Das haben die dann ja auch ausführlich in dem Urteil festgehalten, das hatte dreihundertfünfzig Seiten.

01:04:03: Und ich sehe natürlich auch wie alle Indizien darauf hindeuten dass es im Fall von Olivia und Alma sehen sie immer wenn Annika bei ihnen war.

01:04:11: Daraufhin schlecht ging da möglicherweise auch genau so passiert ist wie sich das Gericht am Ende festgestellt hat.

01:04:19: Ja, aber ich verstehe schon was wir meinen.

01:04:21: Also ich find's auch ungewöhnlich!

01:04:23: Der Nebenklagevertreter hat uns im Vorgespräch erzählt dass die Tatsache das es halt keine eindeutigen Beweise gab ein Grund dafür war warum das auch so lange gedauert hat.

01:04:33: denn bis der Prozess losging sind ja drei Jahre vergangen also drei Jahre zwischen Verhaftung und Prozessauftakt.

01:04:41: Und er hat im Gespräch auch gesagt dass er selbst am Anfang des Prozesses wirklich gar nicht sicher war, in welche Richtung die Verhandlungen gehen wird.

01:04:48: Und ob es wirklich genug starke Indizien gibt, die zu einer entsprechenden Verurteilung führen?

01:04:54: Ja und das war ja auch nochmal eine doppelte Belastung für die Eltern da reinzugehen in so ein Prozess mit so einer großen Ungewissheit im Rücken.

01:05:05: Frederike und Christoph haben uns übrigens erzählt dass sie sich vorstellen können Nola auch mal irgendwann vielleicht mithilfe dieser Mordlustfolge zu erklären, was damals eigentlich passiert ist.

01:05:19: Ich kann mir gut vorstellen dass man wenn man eben betroffen ist überhaupt keine Worte dafür findet und deswegen hoffe ich sehr jetzt das wir mit dieser Folge den Geschehnissen gerecht werden konnten vor allem aber auch den Gefühlen der Betroffenen Eltern

01:05:35: natürlich auch den Eltern der kleinen Alma die ihre Tochter ja auch viel zu früh verloren haben.

01:05:43: Nächste Woche geht es um einen Fall und ich möchte das eigentlich gar nicht sagen, nachdem die letzte Folge offenbar nicht... Nein!

01:05:51: Mordlösst dann.

01:05:53: Mann!

01:05:53: Dann halt nicht!

01:05:55: Es wird um einen sehr spannenden Fall gehen.

01:05:58: Ich freue mich da schon sehr drauf.

01:05:59: Paulina hat mir schon ein paar Brutkrumen rübergeworfen und von dem ich weiß dass ganz viele bei Instagram nach genau diesem Fall verlangen haben.

01:06:09: Bis dahin

01:06:10: bis dahin Das war ein Podcast der Partner-in-Crime in Zusammenarbeit mit Studio Boomens.

01:06:19: Hosts Paulina Graser und Laura Wohlers Redaktionelle Leitung John Hanschen und wir Redaktionen Lea Schebaum und wir Schnitt Pauline Korb rechtliche Abnahme und Beratung.

01:06:32: Abel und Kollegen.

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