#240 In Bedrängnis
Shownotes
Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um sexualisierte Gewalt.
Als kleines Kind sieht Maria in der Oper, wie sich Daphne in einen Baum verwandelt, um dem Zugriff des Gottes Apollo zu entkommen. Jahrzehnte später erkennt sie sich plötzlich selbst in dieser Geschichte wieder. Denn auch Maria gerät in das Umfeld eines Mannes, der mächtig, angesehen und für viele nahezu unantastbar wirkt. Nachdem Maria sich mehrfach auf einer renommierten Musikhochschule beworben hat, aber nie eingeladen wurde, spricht sie bei dem Präsidenten vor. Ihrer Meinung nach gehe das Verfahren nicht mit rechten Dingen zu. Doch Friedrich Dornfeld interessiert sich offenbar nicht nur für ihre Bewerbungsunterlagen. Hinter den schweren Türen seines Präsidentenzimmers beginnt für Maria etwas, das sie noch Jahrzehnte später verfolgen wird.
In dieser Folge “Mordlust - Verbrechen und ihre Hintergründe” geht es um einen der ersten großen deutschen MeToo-Prozesse. Es geht darum, wieso vermeintliche Täter von vielen als Opfer eine Kampagne gesehen werden und von Systemen, die Machtmissbrauch begünstigen. Außerdem geht es um das Phänomen, dass man seinem Idol vorgeworfene Taten nicht zutraut und wir sprechen über und mit Betroffenen, die oft erst dann den Mut finden, ihre Stimme zu erheben, wenn sie merken, dass sie nicht allein sind.
Expert:innen dieser Folge:
Psychotherapeutin, Podcasterin und Autorin Franca Cerutti → Ihren Podcast “Psychologie to go” findet ihr hier: https://psychologie-to-go.podigee.io/
Opern- und Konzertsängerin, Gesangspädagogin und Lehrbeauftragte an der Hochschule Würzburg Julia Küßwetter
Credit
Hosts: Paulina Krasa, Laura Wohlers
Producer: Paulina Krasa, Laura Wohlers und Jon Handschin
Redaktion: Paulina Krasa, Laura Wohlers, Viviane Jehlenz
Schnitt: Pauline Korb
Rechtliche Abnahme: „Abel und Kollegen“; Benedikt Müller
Quellen (Auswahl)
Urteile des Amtsgerichts und des Landgerichts liegen uns vor
Aus Resozialisierungsgründen haben wir uns diesmal dazu entschieden, keine Quellen zu verlinken, die Rückschlüsse auf beteiligte Personen zulassen oder weiterführende Hinweise liefern, die über die Informationen in unserer Folge hinausgehen.
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Transkript anzeigen
00:00:10: Willkommen bei Mordlust, einem Podcast über wahre Verbrechen produziert von der Partner-in-Crime in Zusammenarbeit mit Studio Bumins.
00:00:17: Mein Name ist Paulina Kraser.
00:00:20: In jeder Folge hört ihr hier ein Kriminalfall aus Deutschland und dabei schauen wir auch auf juristische, psychologische und gesellschaftliche Aspekte.
00:00:28: Und sprechen mit Menschen mit Expertise, Beteiligten oder Betroffenen.
00:00:32: True Crime heißt auch das hinter jedem Fall echte Menschen und ihre Schicksale stehen.
00:00:37: Es solltet ihr beim Hörn nicht vergessen!
00:00:39: Wir berücksichtigen es auch bei unserer Arbeit.
00:00:42: Wenn ihr aber merkt dass euch bestimmte Themen nicht gut tun dann passt lieber auf euch auf.
00:00:46: uns gibt die Folge Und weil wir bei all der Schwere zwischendurch auch mal etwas Luft brauchen, sind bei uns auch mal kleine Abschweifungen erlaubt.
00:00:54: Die sind aber natürlich nie despektelig gemeint.
00:00:57: So heute hat ihr hier von Verbrechen die passieren konnten Weil Menschen über lange Zeit Strukturen nutzten, die sie schützten und wir tauchen ab in eine Welt In der so scheint es zumindest man gerne seine eigenen Regeln macht.
00:01:14: Einigen Namen haben wir geändert und die Triggerwarnung findet ihr wie immer in der Folgenbeschreibung.
00:01:20: Als an jenem Abend das Licht im Opernsaal des Nationaltheaters bereits gedimmt ist, sitzt auf einem Platz zwischen all den adretgekleideten Erwachsenern die mit gesenkter Stimme in Gespräche verwickelt sind – ein kleines Mädchen mit blonden Haaren.
00:01:34: Seine Eltern haben es für den Abend rausgeputzt.
00:01:37: Die Kleine trägt einen Rock und Stromfosen während ihre Beine über den mitsamtbezogenen Sessel baumeln.
00:01:43: Die achtjährige schaut nach vorn zu dem schweren rotem Vorhang, der das Publikum von der Bühne trennt und die dahinterliegende Kulisse verbirgt.
00:01:51: Maria ist eigentlich noch etwas zu jung für die Opa – aber ihre Eltern haben eine Leidenschaft für klassische Musik und wollen diese an ihre Kinder weitergeben.
00:02:01: Maria is aufgeregt!
00:02:03: Noch nie war sie an einem so schönen Ort….
00:02:07: Als die Gespräche verstummen und die ersten Töne des Orchestersecklingen bergt sich Maria gespannt nach vorn und beobachtet, wie sich der Vorhang langsam hebt.
00:02:15: Heute wird das Stück Daphne von Richard Strauss aufgeführt.
00:02:18: In den darauffolgenden Minuten breitet sich vor Marias Augen eine neue Welt aus.
00:02:24: Eine Sängerin ist in die Rolle der Daphna geschlüpft – eine Figur aus der griechischen Mythologie.
00:02:29: Als Tochter eines Flussgottes fühlt sie sich der Welt der Menschen nicht zugehörig.
00:02:33: Stattdessen liebt Daphne die Natur, über die sie nun inmitten einer steinigen Kulisse sinkt.
00:02:39: Ihre helle Stimme erfüllt den Saal als im nächsten Moment ein Mann ins Bühnenbild tritt.
00:02:44: Er greift nach Daphna und bedrängt sie – doch Daphno weist ihn ab!
00:02:49: Ihre Liebe gehört der Natur nicht Männern.
00:02:52: Aber das hält weder ihnen noch den Nächstenveräher davon ab es weiter zu versuchen.
00:02:56: Wieder und wieder… Und während die Tragödie auf der Bühne ihren Lauf nimmt, sitzt Maria im Publikum und sorgt alles in sich auf.
00:03:05: Von ihrem Platz aus kann sie an den Orchestergraben blicken – Sie sieht wie der Dirigent Anweisungen gibt und die Instrumente einsetzen!
00:03:13: Die Musik das Bühnenbild der Gesang All Das wirkt überwältigend auf Maria.
00:03:19: Mit leuchtenden Augen verfolgt sie wie die Sängerin schließlich ihre Schlussare hier anstimmt.
00:03:23: Und während aus Daphnis Händen zwei gewachsen und sie sich in einen Lorbeerbaum verwandelt, um endlich den Männern zu entkommen – und eins mit der Natur zu sein.
00:03:32: Mit der Welt, zu der sie gehört hat sich in der kleinen Maria etwas verändert.
00:03:37: Auch sie hat jetzt erkannt, zu welcher Welt sie gehören will.
00:03:41: Zur Welt!
00:03:41: Der Musik.
00:03:43: Sie will auch auf der Bühne stehen und eine Sängerin
00:03:45: werden.".
00:03:47: Maria hat in diesem Moment im Jahr nineteenhundertsechzig keine Ahnung davon, dass der schöne Schein trügerisch ist.
00:03:55: Dass sich Teile von Daphnisgeschichte auch auf ihrem eigenen Weg wiederfinden werden und das sie mehr als einmal über sich hinauswachsen muss.
00:04:05: Im Herbst, zwei Tausend Sieben, dreiundvierzig Jahre nachdem die kleine Maria Daphne auf der Bühne bei ihrer Verwandlung zu sah hat sich Maria gerade von einem befreundeten Paar verabschiedet.
00:04:15: Nach ihrem Termin, zudem sie gerade auf dem Weg ist wollen sie noch zusammen Mittag essen – jetzt will sie aber erst mal zur ihrer alten Musikhochschule!
00:04:23: Maria lenkt den Wagen durch die Straßen der Großstadt Aus.
00:04:27: dem kleinen Mädchen ist inzwischen eine Frau von Anfang fünftzig geworden, die ihre blonden Locken mittlerweile zu einem kindlangen Bob trägt und in all den Jahren an ihrem Traum von einer Gesangskarriere festgehalten hat.
00:04:39: Auch wenn es nicht immer leicht war – als Maria damals nach der Opernvorstellung ihrem Vater für kündete, dass sie Sängerin werden will, war dieser erst mal skeptisch!
00:04:49: Aber Maria hatte sich den Gedanken nun einmal fest in den Kopf gesetzt.
00:04:53: Sie probierte verschiedene Instrumente aus und übte weiter fleißig das Singen.
00:04:57: Nach der Schule studierte sie dann Geige, bewarb sich an der Clara Schumann Hochschule für Musik.
00:05:03: Die Schule genoss schon damals hohes Ansehen – entsprechend hart war die Aufnahmeprüfung.
00:05:08: Sie ging mehrere Tage, aber am Ende konnte Maria sich durchsetzen.
00:05:12: An der Hochschulle konnte Maria ganz ihrer Leidenschaft für klassische Musik herangeben.
00:05:16: Am liebsten besuchte sie schon damals die Opa!
00:05:20: Wäre es nach ihr gegangen, hätte Maria dort gleich Ihr Bett aufgestellt um jede freie Minute dort verbringen zu können.
00:05:26: Nach ihrem Abschluss studierte Maria noch Gesang und bekam ein Diplom vom Deutschen Bühnenverein für Konzert- und Operngesang.
00:05:32: Danach stand sie viele Jahre als Sängerin auf internationalen Bühne.
00:05:36: Als Mezzo-Sopranisten sang sie gemeinsam mit den ganz Großen der Szene.
00:05:41: Und während so viel ihrer früheren KommilitonInnen auf andere Jobs ausweichen mussten hatte Maria es geschafft von ihrer Kunst zu leben!
00:05:49: Das Mädchen, das einst verzaubert dem Gesang der Daphne gelauscht hatte, war nun tatsächlich zur Sängerin geworden – die nun selbst berühmte Werke von Richard Strauss sang und noch dazu die Welt bereiste.
00:06:00: Auf einen Auftritt in Monaco folgte eine Vorstellung in den USA danach ein Engagement im Peru.
00:06:06: Privat zog es Maria nach Italien wo sie sich verliebte und gemeinsam mit ihrer Partnerin ein Leben in Genoa aufbaute.
00:06:14: aber mittlerweile ist die Beziehung zerbrochen Und auch ihre Bühnenkarriere neigt sich dem Ende zu.
00:06:20: Es gibt nicht mehr viel, dass Maria noch in Italien hält – immer häufiger denkt sie an ihrer Heimat!
00:06:25: Sie ist jetzt Anfang Fünfzig und vor ihrem Ruhestand möchte sie gerne nach Deutschland zurückkehren und wieder bei ihrer Familie und ihren Freundinnen von früher sein.
00:06:34: Was Maria nun an jenem Tag dazu bringt, sich auf den Weg zur ihrer alten Hochschule zu machen hat sie uns im Interview erzählt.
00:06:45: Und für mich war klar, dass ich lehren will.
00:06:47: Weil ich bin jemand der wahnsinnig gerne unterrichtet.
00:06:50: Also ich hab immer Menschen was beibringen wollen!
00:06:54: Das ist mein Impetus – das, was ich kann, will ich auch
00:06:56: weitertragen.".
00:06:58: Deshalb hat Maria beschlossen sich für eine Lehrstelle an der Hochschule zu bewerben.
00:07:02: An dem Ort, an dem sie selbst so viel gelernt hat, möchte sie nun Gesang unterrichten... Maria weiß, die Clara Schumann Hochschule für Musik ist international angesehen und der Unterricht findet auf höchstem Niveau statt.
00:07:15: Hierzu arbeiten wäre nicht irgendein Job – es wäre eine Auszeichnung!
00:07:20: Allerdings hat Maria bisher immer nur Absagen erhalten.
00:07:24: Schon mehrfach hatte sie sich an ihrer alten Musikhochschule beworben, war aber nie eingeladen worden trotz ihrer Qualifikationen und Erfahrungen.
00:07:33: Und das kommt Maria seltsam vor….
00:07:35: Denn die letzten Male hatte sie sich informiert, wer statt ihr die Stellen bekommen hat und den Eindruck bekommen, dass das Verfahren nicht gerecht gewesen sein kann.
00:07:45: Maria kennt das schon – in der Musik-Szene werden Stellen gerne mal mit Leuten besetzt, denen die entscheiden nahestehen, fettern Wirtschaft also.
00:07:53: Ob das jetzt im Fall der Hochschule ausstimmt weiß Maria natürlich nicht aber sie ist überzeugt, dass sie bisher die Voraussetzungen immer erfüllte und dennoch nicht einmal in Betracht gezogen wurde.
00:08:03: Deshalb ist Maria nun auf dem Weg zu einem Termin mit den Präsidenten der Hochschule, um persönlich in Erfahrung zu bringen, woran das liegt.
00:08:12: Als Maria die imposante Eingangshalle der Musikhochschule betritt, erhebt sich vor ihr das Atrium, dass über mehrere Stockwerke von massiven Säulen getragen wird.
00:08:21: Aus den verschlossenen Zimmern dringt leise Musik – Mit ihren dunklen Marmorböden und den kühlen steinernen Wänden erinnert die Hochschulle eher an einen Palast als eine Leereinrichtung.
00:08:32: Dieser Ort weckt Erinnerungen bei Maria, wie sie gemeinsam mit ihrem Kommilitoninnern bis spät in die Nacht übte oder tagsüber in der Fußgängerzone spielte um sich vom Lampenfieber zu befreien.
00:08:43: Maria Schritte heilen als sie die Treppe zum Präsidenten-Büro hinaufsteigt – nachdem sie sich angemeldet hat darf sie ins Büro eintreten!
00:08:51: Es sieht immer noch fast genauso aus wie damals, als sie als Studentin hier war ….
00:08:55: sogar die Möbel sind noch dieselben….
00:08:58: In dem eindrucksvollen Raum mit großen Fenstern stehen gleich zwei Konzertflügel.
00:09:03: Der Mann, den dieses Büro gehört begrüßt Maria freundlich.
00:09:07: Er ist groß und stämmig und hat dunkles Haar.
00:09:10: Für Maria ist er kein Unbekannter.
00:09:12: Friedrich Dornfeld, der Präsident der Hochschule ist ein höchst angesehener Musiker in der klassischen Musikszene.
00:09:18: Genau wie Maria hat er an der Clara Schumann-Hochschule studiert.
00:09:22: Er war in einem der Jahrgänge über Maria aber bei die Zahl der Studierenden mit knapp siebenhundertfünfzig Leuten überschaubar gewesen war kannte man sich.
00:09:31: Friedrich schließt die Tür seines Büros und bietet Maria einen Platz auf dem braunen Ledersofa an.
00:09:37: Friedlich will über Marias Arbeit in Italien sprechen – wie schön das sei!
00:09:41: Er macht Smalltalk, aber Maria will eigentlich auf ihr Anliegen zu sprechen kommen.
00:09:45: Sie erzählt Friedrich von ihren etlichen Bewerbungen, dass sie danach nie etwas gehört hat und Leute besetzt werden die ihrer Meinung nach weniger qualifiziert sein als sie.
00:09:54: Friedrich zeigt Verständnis – er sei zwar eigentlich nicht für die Bewerbung zuständig, aber er verspricht das er sich kümmern werde.
00:10:02: Maria ist zufrieden!
00:10:04: Sie sagt, sie wäre ihm sehr dankbar wenn er sich dahinter klemmt, greift nach ihrer Tasche Doch dann steht Friedrich plötzlich vor ihr, hat sie uns erzählt.
00:10:13: Ich weiß nicht wie schnell er das gemacht hat und er packt mich... Und ich bin im Aufstehen!
00:10:19: In dem Moment wo ich aufstehen will, packte mich also im schwächsten Moment weil da ist mir eine Vorwärtsgewägung.
00:10:25: Packt mich, nimmt mich in Klammergriff meine Arme so und er schmeißt mich hin und legt sich drauf auf mich.
00:10:32: Maria liegt jetzt auf dem Sofa und Friedrich auf ihr.
00:10:36: Sie will ihn von sich herunterschubsen, aber es geht nicht.
00:10:38: Sie kann sich nicht bewegen erst zu
00:10:40: schwer.".
00:10:41: Friedrich versucht Maria zu küssen – sie kann seinen irrigierten Penen spüren.
00:10:46: Angst steigt in ihr auf!
00:10:48: Er greift jetzt mit einer Hand nach ihrer Brust und rutscht dann an ihrem Körper herunter.
00:10:53: Maria merkt wie er den Knopf ihrer Hose öffnet und sich an seinem Gürtel zu schaffen macht.
00:10:58: Das darf jetzt nicht passieren, denkt sie.
00:11:03: Ich habe ihn angeschrien.
00:11:07: Das ging nicht ruhig von statten, weil ich konnte, ich hatte nur meine Stimme und dann schrei
00:11:12: ich.".
00:11:13: Maria wehrt sich mit aller Kraft – schließlich schafft sie es ein Knie zwischen ihre Körper zu bringen und Friedrich Dornfeld wegzustoßen.
00:11:21: Endlich lässt er sie los!
00:11:23: Maria wühlt sich unter ihm hindurch und springt vom Sofa auf.
00:11:26: Auch Friedrich steht jetzt auf.
00:11:28: Wir müssen dringend miteinander schlafen, sagt er zu ihr.
00:11:32: Noch unter Schock schließt Maria ihre Hose, greift nach ihren Sachen.
00:11:36: Sie murmelt ein kurzes Auf Wiedersehen bevor sie fluchtartig das Büro verlässt.
00:11:41: Als Maria durch die Türen der Hochschule nach draußen stürmt ist sie noch völlig durch den Wind.
00:11:46: Es hat uns erzählt was ihr in diesem Moment durch den Kopf ging.
00:11:49: Das begreift man alles gar nicht in dem moment und nehmt mir was jetzt passiert.
00:11:53: wie was war denn das jetzt gerade?
00:11:56: Und's Herz schlägt wie verrückt!
00:12:01: Völlig außer Atem.
00:12:02: Ich meine, ich habe ja gekämpft!
00:12:04: Das war ein richtiger Kampf.
00:12:06: Es war Gewalt einfach hochgewalttätig von
00:12:09: ihm.".
00:12:09: Noch völlig aufgewühlt macht sich Maria auf den Rückweg.
00:12:12: Weil sie ja noch in Italien wohnt, übernachtet sie bei Erik und Christine.
00:12:16: Die beiden haben mit ihr an der Clara Schumann Hochschule studiert.
00:12:20: Erik arbeitet dort als Dozent.
00:12:22: Maria setzt sich an den Tisch während Christine auch in der Küche das Essen vorbereitet.
00:12:27: Erik will wissen wie Marias Termin gelaufen ist?
00:12:30: In dem Moment hat sie eigentlich nicht vor jemandem davon zu erzählen.
00:12:33: Sie schämt sich für das, was gerade passiert ist.
00:12:36: Sie sagt es sei alles Bestens, Dornfeld werde sich kümmern.
00:12:40: Doch Erik merkt sofort dass etwas nicht stimmt.
00:12:42: Maria drucks erst rum aber dann erzählt sie ihrem Freund, dass Dornfield versucht hat sie zu vergewaltigen.
00:12:48: als Maria uns im Interview von dieser Situation erzählt hat wurde sie sehr emotional denn von Eric kommt eine Reaktion mit der sie gar nicht gerechnet hat.
00:12:59: Da war es.
00:13:01: Und?
00:13:02: Was ist dann passiert, hast du das gemacht?
00:13:04: Nein natürlich nicht, spätst du!
00:13:06: Aber wir sind noch keine Sechzehme, es geht hier um eine Stelle, dass du eine Stelle kriegst.
00:13:11: Abgesehen davon, dass Maria homosexuell ist und auf keinen Fall mit einem Mann schlafen würde, würde sie auch niemals so weit für eine Stelle gehen.
00:13:19: Sie ist völlig entsetzt und natürlich auch vor den Kopf gestoßen, dass ihr Freund ihr das entgegnet nachdem sie es gerade so aus dem Büro geschafft hat.
00:13:28: Aber und das weiß Maria in dem Moment auch, viele denken so.
00:13:32: Viele erkennen das unrechtlich oder suchen den Fehler sogar bei den Frauen selbst.
00:13:37: Zu oft schon hat sie von Frauen gehört die bedrängt worden sind und immer war es gleich ausgegangen.
00:13:42: man hatte den Frauen vorgeworfen Sie hätten bestimmt etwas ausgestrahlt es womöglich sogar gewollt.
00:13:48: Auch Maria hat in der Vergangenheit mehr als eine Situation erlebt an der ihre männlichen Kollegen ihr zu nahe gekommen sind.
00:13:55: Maria gehört zu einer Generation, sagt sie.
00:13:57: Da hatte man awancen noch auch wenn sie nicht gewollt waren von Männern als Kompliment zu verstehen und erwünschte Umarmung oder Küste manchmal sogar mitten auf der Bühne vor Publikum.
00:14:08: nie hat jemand was gesagt denn in der Musik Szene da will man nicht als schwierig gelten Und darüber haben wir mit Julia Küswetter gesprochen.
00:14:16: Sie ist Opern- und Konzertsängerin, und außerdem Gesangspädagogin und Lehrbeauftragter an der Hochschule Würzburg – und damit auch eine Kennerin der Szene!
00:14:24: Und sie hat uns erklärt, dass die Welt der klassischen Musik sehr klein und in sich geschlossen immer über eine Musikhochschule und da funktioniert das System ganz anders als bei vielen anderen Studiengängen.
00:14:39: Es gibt keine vollen Hörsäle, sondern Einzelunterricht, kleine Gruppen und sehr enge Betreuung – deswegen kennt man sich auch und begegnet sich nach dem Studium immer wieder.
00:14:48: Netzwerke sind nicht nur hilfreich, sie sind entscheidend für viele Karrieren.
00:14:53: Küsbeter sagt viel mehr als Talent, sind harte Arbeit, eine bestimmte Arbeitshaltung.
00:15:00: Das Musikbusiness ist ein Beziehungsgeschäft.
00:15:03: Und wer eine Stelle bekommt, wer besetzt wird oder auch wer nur eingeladen wird, das entscheiden sehr wenige Menschen mit sehr viel Macht und diese Menschen kennen sich untereinander.
00:15:14: Die sitzen zusammen in den selben Jurys die empfehlen sich gegenseitig und im Zweifelsfall schützen sie sich eben auch gegenseitung Und dieses Abhängigkeitsverhältnis macht es für Betroffene natürlich umso schwieriger sich gegen übergriffiges Verhalten zu werden, weil das unter Umständen eben Konsequenzen für sie haben kann.
00:15:33: In so einer hochkompetitiven Welt in der sehr wenige Menschen über die Karrieren vieler entscheiden und der sich Publikumsaufmerksamkeit auf wenige konzentriert sei tatsächlich eine Sorge vieler Sängerinnen dass man im Zweifel bei unliebsamen Verhalten nach Belästigung keine Aufträge mehr bekommt sagt Chris Wetter.
00:15:53: Also wenn ich negativ irgendwo aufgefallen bin, heißt das für die Vergabe von Jobs unter Umständen.
00:16:00: Dass einfach wirklich die Vernetzung dahingehend funktioniert dass man gegenseitig anruft oder Ich habe es selber schon erlebt, dass quasi Türen verschlossen werden also dass Agenturen angerufen werden und das heißt dann die empfangen sie bitte nicht.
00:16:16: Perfide sei besonders, dass der Grund einer Absage oder einer Nichtbesetzung immer streitbar ist.
00:16:22: Also auch wenn es natürlich eine Menge objektiver Kriterien gibt, ist Kunst trotzdem immer noch subjektiv und am Ende können diejenigen in den richtigen Positionen nach einer Zurückweisung immer sagen das man halt jemand anderen in der Rolle mehr gesehen hat oder eine andere Pädagogen besser zu den Studierenden passt.
00:16:39: zum Beispiel Was auch ein entscheidender Punkt ist, sagt Küswetter in Bezug auf sexuelle Übergriffe.
00:16:46: Der Beruf der Sängerin oder des Sängers ist sehr körperlich.
00:16:50: Also beim Singen geht es nicht nur um die Stimme sondern auch beispielsweise um Atmung, Motorik oder Haltung und deswegen wird man im Unterricht auch oft angefasst also beispielsweise indem jemand seine Hand auf den Bauch einer Person legt und so die Haltung dann kontrolliert.
00:17:05: Das geht auch ohne, sagt die Expertin.
00:17:07: Es ist aber viel leichter wenn man es zeigt statt nur erklärt.
00:17:11: Gerade dieser Körperkontakt begünstigt das Grenzen bei manchen verschwimmen und begünstig dann auch, dass manche bewusst Grenzen überschreiten.
00:17:20: All das hat jahrzehntelanges System und es ist einfach unfassbar schwer aufzubrechen.
00:17:26: Das System schützt sich selber in dem sich die Täter untereinander den Rücken stärken und schützen.
00:17:33: Das Netz sozusagen aufrecht erhalten wird aber auch geschützt durch die Leute die vor Angst schweigen durch die Angstdära, die eigentlich Zeugen sein könnten.
00:17:45: Küswetter sagt das natürlich auch die Bystander das Problem aufrechterhalten weil sie dann auch Angst haben in Ungnade zu fallen wenn Sie einer betroffenen Person den Rücken stärken.
00:17:55: und vielleicht ist das in dem Moment auch der Grund wieso Erik so reagiert als Maria ihm von dem Übergriff von Friedrich Dornfeldt erzählt.
00:18:04: Maria jedenfalls hat schon in der Vergangenheit gelernt, solch übergriffiges Verhalten einfach wegzuschieben und will das auch diesmal tun.
00:18:12: Für sie ist jetzt erstmal wichtig, dass Dawnfeld sich beim nächsten Mal um ihre Bewerbung kümmert und sie endlich berücksichtigt wird für den Job in ihrer alten Heimat, in die sie unbedingt zurückwill.
00:18:25: Aber in den darauffolgenden Wochen hört Maria nichts – keine Nachricht von der Clara Schumann Hochschule, keine Einladung zum Bewerbungsgespräch!
00:18:32: Enttäuscht kehrt Maria nach Italien zurück und beginnt das, was an jenem Morgen vorgefallen ist zu verdrängen.
00:18:39: Monate vergehen dann ein Jahr.
00:18:42: Aber der Traum von einer Rückkehr nach Deutschland und einer sicheren Stelle an der Musikhochschule bleibt.
00:18:53: Maria weiß, die Zeit drängt.
00:18:54: Sie ist Mitte fünfzig und wenn sie nicht bald eine Anstellung bekommt dann wird es schwer für das Alter ausreichend vorzusorgen.
00:19:00: Sie findet es einfach ungerecht dass sie wie sie sagt alle Voraussetzungen erfüllt aber trotzdem nicht die Chance bekommt die sie mit ihrem Können verdienen würde.
00:19:09: Sie will nicht hinnehmen, dass jemand ihre Türen zu ihrem Traumjob verschließt und das auch noch ohne nachvollziehbaren Grund.
00:19:15: also trifft Maria Anfang zwei Jahrzehnte neun einer Entscheidung Sie wird nach Deutschland reisen und Friedrich Dornfeld erneut zur Rede stellen.
00:19:24: Diesmal wird ordentlich Wut im
00:19:25: Gepäck.".
00:19:27: Als Maria das Büro des Präsidenten knapp eineinhalb Jahre nach dem ersten Termin, also erneudbetritt ist sie fest entschlossen.
00:19:35: Sie wird Friedrich eine Ansage machen – er soll endlich dafür sorgen dass der Laden läuft!
00:19:40: Und obwohl Maria so wie sie es gelernt hat den Vorfall weggeschoben hat, will sie sich diesmal vorsichtshalber nicht auf die Couch setzen.
00:19:48: Vermutlich wird es Friedrich Dornfeld auch eh peinlich sein was damals passiert ist – immerhin hat sie eben ziemlich deutlich gemacht dass sie kein Interesse an ihm hat!
00:19:56: Maria nimmt also auf einem der Stühle Platz Dornfeld ihr gegenüber.
00:20:01: Wieder startet Dornfield mit Smalltalk über Italien.
00:20:04: aber Maria will zum Punkt kommen.
00:20:06: Er habe sich wieder nicht gekümmert, wirft sie ihm vor.
00:20:09: Sie wolle gar keine Extrabehandlung einfach nur eingeladen werden damit sie einmal ihr Können bei einem Probeunterricht unter Beweis stellen kann.
00:20:17: Das ist alles was sie erwarte.
00:20:19: Nein er versichere ihr er werde sich jetzt kümmern.
00:20:22: gar keine Frage.
00:20:24: Maria hat in dem Moment tatsächlich das Gefühl dass ihre Botschaft bei Dornfeld angekommen ist und vertraut darauf dass sie in ein paar Wochen von der Hochschule hören wird.
00:20:33: Maria steht auf, will sich gerade Richtung Tür machen.
00:20:36: Da wird sie plötzlich gepackt, hat sie uns erzählt.
00:20:39: Grabsch mich hält mich ein Hand wieder mich unklammert, grabscht mit einer Hand mein Bosen und drückt mir seine Zunge bis in den Hals hinter.
00:20:49: Maria will schreien aber Dawnfeld drückt ihr seine Zonge so tief und mit solch einer Wucht in den Heiz das Maria wirken muss.
00:20:56: Sie windet sich versucht sich nach hinten zu lehnen um den Abstand zwischen ihnen zu vergrößern.
00:21:01: Friedrich lässt von ihrer Umklammerung ab und greift mit seiner Hand fest an ihre Brust.
00:21:06: Maria schreit auf, sie hat schreckliche Schmerzen denn erst vor Kurzem hatte sie sich ihre Brüste verkleinern lassen Und die Wunden der OP sind noch nicht verheilt.
00:21:15: Die Fäden müssen erst noch gezogen werden.
00:21:18: Trotz der Schreihe lässt Friedrich sie nicht los.
00:21:21: Stattdessen greift er jetzt nach ihrer Hand und reibt sie über seine Hose an seinen Schritt Wieder währt sich Maria mit aller Kraft.
00:21:30: Hör auf, schreit sie.
00:21:31: Lass mich los!
00:21:31: Ich bin gerade operiert
00:21:32: worden.".
00:21:33: Doch das scheint Dornfeld nicht zu kümmern.
00:21:36: Dann guckt er mir runter und sagt, ach wie?
00:21:39: Du bist
00:21:39: operiert?!
00:21:40: Ja ich hab grad mein Ebenbrustverkleinerung.
00:21:44: Was?!
00:21:44: Dein schöner Bosen, sagte er in dem Moment, packt ihn noch und greift noch zu aber es ist ja noch genug da.
00:21:50: Dann lässt der Maria endlich los und sagt wieder dass Sie unbedingt miteinander schlafen müssten.
00:21:57: Maria ordnet sich, so gut es noch geht stürmt raus aus dem Raum rennt die Treppe herunter zu den Toiletten und übergibt sich.
00:22:04: Diesen Übergriff kann Maria nicht so einfach wegschieben.
00:22:08: Zurück in Italien zieht sie sich immer mehr zurück.
00:22:11: Sie meidet Treffen mit Freundinnen und Bekannten leidet an Schlafproblem.
00:22:16: Dieser Übergriff hat etwas in ihr verändert Und es gelingt ihr einfach nicht weiterzumachen.
00:22:21: Immer wieder kommen hier die Bilder im Kopf.
00:22:23: Sie hat seinen widerlichen Geruch noch in der Nase, das Gefühl seiner Zunge im Mund.
00:22:29: Es ist als hätte sich das was passiert ist eingebrannt und ihr Körper, ihren Instrument will plötzlich nicht mehr funktionieren ausgerechnet ihr Körper mit dem sie sich ausdrückt und mit dem die ihr Geld verdient.
00:22:42: Maria fährt es schwer zu singen Die Stimme kommt nicht frei Nicht so wie früher.
00:22:47: Eigentlich hatte sie einen Auftritt gehabt aber den sagt sie ab.
00:22:50: Fast ist es, als müsste sich ihr Körper erst davon erholen dass sich jemand seiner bemächtigt hat.
00:22:56: Es dauert fast ein halbes Jahr bis Maria sich wieder stabilisiert hat.
00:23:00: Im Jahr zehnt sie dann einen Angebot für eine günstige Wohnung in Deutschland.
00:23:05: Eine Zeit lang pendelt Maria noch hin und her.
00:23:07: Dann verlässt sie Italien ganz und zieht nach Deutschland Zurück.
00:23:10: in ihrer Heimatstadt hält sie sich mit Privatunterricht über Wasser und gründet einen Chor.
00:23:16: Das Geld ist knapp, aber es reicht irgendwie.
00:23:19: Nur wegen ihrer Rente macht sich Maria Sorgen.
00:23:21: Mittlerweile ist sie siebenundfünfzig Jahre alt und viel Zeit um Geld für den Ruhestand zu verdienen bleibt nicht mehr.
00:23:28: Maria wünscht sich ein festes Einkommen bei dem sie trotzdem mit jungen engagierten Talenten arbeiten kann.
00:23:34: Ein Job an der Hochschule würde ihr finanzielle Sicherheit geben!
00:23:37: Und dann sieht Maria die Stellenanzeige Zum Wintersemester, es ist wieder ein Lehrauftrag an der Clara Schumann Hochschule ausgeschrieben.
00:23:48: Maria will unbedingt diesen Job in der Stadt, wo sie jetzt wohnt.
00:23:53: Sie reicht wieder ihre Bewerbung ein, wieder vergehen Wochen und wieder hört Maria nichts.
00:23:59: Es ist frustrierend und macht Maria wütend.
00:24:02: Und so trifft sie eine Entscheidung.
00:24:05: Maria wird noch einmal zu Friedrich Dornfeld gehen Und diesmal wird sie richtig auf den Tisch hauen.
00:24:28: Denn ich meine, das ist klar.
00:24:29: Sie hat schon zweimal Übergriffe dort erlebt und die haben sie auch schwer mitgenommen.
00:24:33: also wieso jetzt nochmal der Gedanke dahin zu gehen?
00:24:36: Ja dafür gibt's mehrere Gründe.
00:24:38: zum einen empfindet Maria es nach wie vor als große Ungerechtigkeit und will es einfach nicht dabei belassen was ich absolut nachvollziehen kann.
00:24:48: ja dieser Mann übt unrecht aus.
00:24:50: Maria ist der Meinung dass es ihr Recht wäre da an der Hochschule zumindest mal irgendwie zum Probeunterricht zu kommen.
00:24:57: Wieso sollte sie, die ja nichts gemacht hat?
00:25:00: Da jetzt darauf verzichten weil er sich übergriffig verhält.
00:25:03: Außerdem das betont Sie auch immer wieder würde es finanziell für sie einen großen Unterschied machen wenn sie diesen Job bekommt und in ihrer Heimatstadt gibt es nun mal nur die Clara Schumann Musikhochschule.
00:25:13: Wenn sie an einer anderen Hochschule unterrichten würde dann müsste sie umziehen und das will sie nicht Und diese Hochschule hat natürlich auch ein gewisses Standing.
00:25:21: Maria findet einfach, dass sie das mit ihrer Karriere verdient hätte da zu lehren.
00:25:26: und dann kommt noch etwas Entscheidendes hinzu.
00:25:28: Maria meint zu diesem Zeitpunkt, dass Sie diesmal stark genug sein wird, Friedrich in die Schranken zu weisen und sich körperlich zur Wehr setzen könnte.
00:25:37: Das Betroffene sich wieder in ähnliche Situationen gegeben, indem sie traumatisierende Erfahrungen gemacht haben.
00:25:42: Das kommt tatsächlich gar nicht so selten vor, hat uns Psychotherapin Franka Girotti erzählt.
00:25:49: Franke hostet den Podcast Psychologie To Go, den ich sehr gerne höre.
00:25:53: Und sie hat durch ihre Arbeit oft mit Menschen zu tun die traumatisierende Erfahrung gemacht haben und hat uns folgendermaßen erklärt Also es gibt da mehrere psychologische Erklärungsmodelle.
00:26:03: das ist von außen betrachtet erstmal total unverständlich.
00:26:08: Aber wenn man sich bewusst macht, dass es diesen Impuls zur Rehinszenierung gibt also das Wenn ein Mensch etwas nicht gut verarbeiten kann eher die unbewältigte Szene gewissermaßen nochmal aufsucht oder sogar selber reinszeniert, also nochmal diese Situation so oder so ähnlich kreiert aus der unbewussten Hoffnung heraus dass er es diesmal meistern kann.
00:26:34: Dass das zu einem besseren Ende bringen kann, dass das jetzt durchschaut hat und jetzt irgendwie anders bewältigen kann und das gelingt in Wahrheit fast nie.
00:26:44: Also nachweislich ist es so, dass solche Wiederholungen häufig zu nur noch mehr Leid führen.
00:26:50: Aber es ist ein Muster das wir häufig beobachten.
00:26:54: Franka Girotti sagt, dass das häufig damit zusammenhängt, dass Betroffene von sexuellem Missbrauch einen Gefühl von Ohnmacht erleben was sie unbedingt überschreiben wollen um sich das Gefühl der eigenen Autorenschaft, so nennt sie das zurückzugeben.
00:27:08: Das ist eben der Kontrollversuch, dass man sich nicht hilflos fühlt, nicht ausgeliefert fühlt.
00:27:14: Denn Ohnmacht ist ein so schwer zu ertragenes Gefühl wenn man sich so ausgeliefert fühlt.
00:27:19: und das intern zu korrigieren, Kontrolle wiederherzustellen, sich selbst wiederzuermächtigen – das ist häufig der unbewusste Impuls dahinter!
00:27:28: Ganz wichtig ist in dem Kontext aber, dass das unbewuste Prozesse sind.
00:27:33: Das ist also nichts, was Menschen absichtlich erzeugen und die Verantwortung ist klar immer bei demjenigen der Gewalt ausübt.
00:27:41: Und nicht bei den Opfern!
00:27:44: Wir haben Maria natürlich darauf angesprochen und sie sagt ganz deutlich dass Sie das bei sich nicht als Grund sieht.
00:27:50: Sie sagt zwar, dass sie das Gefühl hatte, dass jetzt bei diesem mal die Kontrolle behalten kann aber sie sagt auch, dass es ihr wirklich vor allem um den Job ging, den sie unbedingt haben wollte.
00:28:02: Jedenfalls macht sich Maria nun also ein drittes Mal auf den Weg zur Clara Schumann Musikhochschule mit der Überzeugung, dass es diesmal anders verlaufen wird.
00:28:14: Im Juni-Junis' Jahrzehnt spaziert Maria nun zum dritten mal ins Büro des Hochschulpräsidenten Friedrich Dornfeldt um den Stier bei den Hörnern zu packen – so hat sie's uns im Gespräch gesagt!
00:28:26: Sie ist wütend.
00:28:27: Mittlerweile ist ja wohl klar, dass das Verfahren nicht fair ablaufe", wirft sie Friedrich Dornfeld vor.
00:28:33: Das könnte ja gar nicht sein, dass sie immer noch keine Einladung erhalten habe, sagt Dornfelt.
00:28:38: Diesmal werde er sich kümmern!
00:28:40: Doch Marias Geduld ist mittlerweile am Ende.
00:28:43: Dornfield soll wissen, dass die es wirklich ernst meint – also sagt sie Folgendes... Ich bin hier und ich sage dir, ich mache ernst.
00:28:58: Es wäre nicht das erste
00:29:00: Mal.".
00:29:00: Und sagt er, wieso?
00:29:01: Was ist
00:29:02: passiert?".
00:29:03: Da hat er mich gefragt was er gesagt.
00:29:06: Mir ist schon mal so etwas passiert dass mich jemand in den Mund geküsst hat.
00:29:10: Und zwar bei meinem Debüt!
00:29:12: Dieser Vorfall liegt viele Jahre zurück.
00:29:14: Maria hatte eine Rolle als Sängerin am Theater, aber wenige Tage vor der ersten Aufführung, so hat sie es uns erzählt, soll der Dirigent sie nach einer Probe geküsst haben.
00:29:24: Maria habe ihm daraufhin eine Ohrfeige verpasst und als sie dann am nächsten Tag zur Probe erschien, habe der Dirigent sie nicht mehr singen lassen wollen.
00:29:32: Deswegen Maria sich an einen Anwalt wandte und dieser mit einer Klage drohte.
00:29:38: Schließlich habe man sich außergerichtlich geeinigt.
00:29:41: Diese Geschichte erzählt sie jetzt also.
00:29:43: Damit Dawnfeldt weiß, dass sie definitiv nicht klein beigeben wird.
00:29:48: Für Maria ist damit alles gesagt Sie steht auf und will gehen Doch eher sie sich versieht packt Friedrichs sie wieder mit beiden Armen Und zieht sie an sich heran.
00:29:58: Bei uns beiden ist das ja.
00:30:00: was anderes sagt er zu ihr.
00:30:02: Bevor sie etwas entgegnern kann presst er seine Lippen auf ihren Mund widerspürt sie seine Zunge, seine Hände die ihren Körper begrapschen und seinen irrigierten Penis.
00:30:12: Aber diesmal gelingt es ihr schneller sich aus seinem Griff zu befreien.
00:30:15: Friedrich greift noch nach Marias Hand und versucht mit ihr über seine Hose um sein Penis zu reiben.
00:30:21: das schreit Maria ihn an dass sie wegen ihrer Bewerbung hier ist und wegen nichts anderem.
00:30:26: dann öffnet Friedrich die Tür seines Büros und schiebt sie hastig hinaus.
00:30:30: Dann schließt er sie wieder und so plötzlich wie die Situation begonnen hat so schnell ist sie auch wieder vorbei.
00:30:37: Zurück bleibt Maria, die nicht fassen kann, dass er es tatsächlich wieder getan hat.
00:30:43: Ein paar Tage nach ihrem letzten Termin sitzt Maria mit einer Freundin gemeinsam im Auto auf dem Weg nach Kiel.
00:30:49: Die beiden haben einen Sommerurlaub geplant, obwohl Maria eigentlich nicht an Erholung denken kann – sie wollte erst auch gar nicht fahren, weil sie Angst hatte das die Hochschule jetzt kurzzeitig zum Probeunterricht einladen würde und sie dann nicht verfügbar ist!
00:31:03: Maria hatte deswegen extra noch mal angerufen und die Assistenz hatte ihr versichert, dass Probeunterricht frühestens im Herbst stattfinden würde.
00:31:11: Aber irgendwie kommt Maria das jetzt als sie im Auto sitzt komisch vor!
00:31:16: Je länger sie darüber nachdenkt, desto unglaubwürdiger erscheint ihr das.
00:31:20: Der Lehrauftrag ist für das Wintersemester-Zweißen-Dreizehn-Zwoißenvierzehn ausgeschrieben – es wäre doch viel zu spät wenn der Probeunterricht erst im Herb stattfindet….
00:31:30: Die Lehrpläne werden doch sicher vor Beginn des Semesters festgelegt und dafür muss die Hochschule ja wissen, wer bei ihnen unterrichtet.
00:31:37: Auf einer Raststätte bei Würzburg hält Maria es nicht mehr aus – sie ruft nochmal bei der Hochschulle an, doch was sie kurz darauf hört wirft sie trotz der dunklen Vorahnung komplett aus der Bahn.
00:31:49: Maria hat uns erzählt, dass man ihr am Telefon sagte, dass die Stelle schon vergeben sei.
00:31:53: Der Dozent habe also schon festgestanden und Maria beschreibt das es sich für sie in dem Moment so anfühlte als hätte jemand ihr den Boden unter den Füßen weggezogen.
00:32:03: Als wären all ihre Hoffnungen nun endgültig fortgespült worden.
00:32:07: All die Bemühungen, die Gespräche, das Verdrängen von den Übergriffen Alles umsonst.
00:32:14: Maria sagt, dass sie da zu dem Zeitpunkt begreift, das sie wahrscheinlich nie eine echte Chance gehabt hat.
00:32:21: Das war Verrat in höchstem Maß.
00:32:24: und dann noch mal zu versuchen mich nochmal zu belästigen!
00:32:29: In dem Moment hatte er ja schon gewusst, dass ich es nicht krieg und er verspricht mir hoch-und heilig.
00:32:34: Hoch-und Heilig!
00:32:37: so wütend, dass sie ihre Drohung wahr werden lassen will.
00:32:41: Also erzielt ihr ihrer Freundin das sie Dienstaufsichtsbeschwerde erheben werde.
00:32:45: Dorn fällt vielleicht sogar bei der Polizei anzeigen werde.
00:32:49: Doch ihre Freundin hält das für keine gute Idee Das bringe doch nichts.
00:32:53: Und Maria weiß natürlich Friedrich ist nicht nur Präsident der Hochschule.
00:32:57: Er ist vor allem ein angesehener Mann mit viel Macht und Einfluss Ein Künstler und Musikwissenschaftler, der Ehrenpreise gewonnen hat.
00:33:05: Und gleich mehrere hochrangige Ämter bekleidet.
00:33:09: Friedrich sitzt in Jury's spielt Konzerte und gibt Veranstaltungen erkennt IntendantInnen DirigentInnen SängerInnen.
00:33:17: Sein Netzwerk ist also riesig!
00:33:19: Maria hingegen ist ganz alleine und am Ende steht dann sowieso nur Aussage gegen Aussage.
00:33:24: Am Ende knickt Maria ein und verwürft den Gedanken.
00:33:29: Die nächsten Jahre gelingt es ihr, das Thema wieder beiseite zu schieben.
00:33:33: Bis im Frühjahr, zwei Tausendsechzehn eine Nachricht auf ihrem Handy aufploppt.
00:33:38: Knapp drei Jahre sind vergangen seit Maria's Traum von der Hochschule auf dem Parkplatz der Raststätte geplatzt ist.
00:33:44: Inzwischen hat sie sich damit abgefunden und stattdessen ihren Kreis an Privatschülerinnen weiter ausgebaut.
00:33:50: Es ist kurz nach neun Uhr morgens und Maria macht sich gerade für das Frühstück fertig als ihr Blick auf Ihr Handy fällt.
00:33:56: Ihr Freund Erik hat ihr geschrieben.
00:33:59: Die wenigen Zeilen verändern für Maria alles.
00:34:02: Erik schreibt, dass er online auf einen Zeitungsartikel gestoßen ist.
00:34:06: Darin habe gestanden das Friedrich Dornfeld wegen sexueller Übergriffe in kürze Vorgericht stehen wird.
00:34:13: Maria isst wie elektrisiert und sucht schnell selbst nach dem Artikel!
00:34:17: Dawnfeld übt zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren sein Amt an der Clara Schumann Musikhochschule nicht mehr aus und ist mittlerweile Leiter an einer anderen Hochschule im Ausland.
00:34:27: Dawnfeld, so ließt Maria, soll zwei andere Frauen – eine Professorin und eine Dozentin – zweitausendneun-und zwetausendzwölf an der Klarer Schummann Hochschulle sexuell genötigt haben!
00:34:39: Sie kann kaum fassen was sie da liest und braucht einen Moment um das zu verarbeiten.
00:34:44: Diese Frauen tun etwas, was sie selbst nicht gewagt hätte.
00:34:48: Sie prangern Friedrich Dornfelds Verhalten öffentlich an und so wird nun auch Maria klar, sie ist nicht alleine – und sie war es auch nie!
00:34:58: Schon bald wird der Prozess gegen den einundsechzigjährigen stattfinden.
00:35:02: Wenn Maria löst das in dem Moment ganz viel aus hat sie uns erzählt.
00:35:13: Maria will die Aussagen der Frauen stützen und sich als Zeugen melden, aber der Prozess ist bereits in wenigen Tagen.
00:35:20: Also ruft sie beim Amtsgericht an und schreibt eine E-Mail – schließlich entscheidet sie am ersten Prozesttag einfach hinzugehen!
00:35:27: Und so findet sich Maria ein paar Tage später, am Morgen des zwanzigsten April zwei Tausendsechzehn im Amtsgerecht wieder.
00:35:34: Sie isst schon eine ganze Weile hier, wollte extra pünktlich sein.
00:35:38: Jetzt steht sie mit anderen Wartenden vor dem Saal, in dem verhandelt werden
00:35:41: soll.".
00:35:43: Nach und nach stellen sich immer mehr Menschen dazu.
00:35:45: Der Andrang ist groß, selbst die Presse ist vor Ort.
00:35:49: Die Meldung über den Ausnahmepianisten der in der klassischen Musik-Szene als Ikone und dessen Einfluss als Waldreichend gilt hat Hohlwellen geschlagen.
00:35:58: Immerhin ist Dornfeld eine prägende Figur der deutschen Klassik-Szenar – ein Mann mit Kontakten ansehen und Macht Jemand, dessen Urteil Karrieren beeinflussen konnte.
00:36:09: Und gerade dieser Punkt interessiert die Medien, immerhin war Dornfeld der Chef bei der Klägerin.
00:36:15: Maria meint unter den anderen Wartenden ein paar Professorinnen in der Hochschule zu erkennen und fragt sich wer wo hier ist um gegen Friedrich auszusagen und wer gekommen ist um für ihn zu sprechen.
00:36:26: Maria versucht Gesprächsfetzen aufzuschnappen aber es gelingt ihr nicht so richtig.
00:36:31: dann beobachtet sie wie sich plötzlich einen Fernsehteam eilig in Position bringt und beginnt zu filmen.
00:36:39: ihm jetzt drei Jahre nach dem letzten Übergriff wieder zu begegnen, ist für Maria irgendwie gruselig.
00:36:45: Aber auch er scheint nicht sonderlich erfreut darüber zu sein sie wiederzusehen!
00:36:49: Er wirkt überrascht als er sie sieht – mehrfach blickt er irritiert zu ihr herüber.
00:36:54: Dann betritt er den Gerichtsaal und setzt sich zwischen seine drei Verteidiger.
00:36:59: Als die Verhandlung beginnt werden die Zeuginnen gebeten, den Saal zu verlassen.
00:37:03: So soll verhindert werden, dass ihre Aussagen von dem Geschehen der Hauptverhandlungen beeinflusst
00:37:07: werden.".
00:37:08: Auch Maria steht auf.
00:37:09: Schließlich möchte sie noch als Zeugin vernommen werden, auch wenn sie offiziell noch nicht geladen wurde.
00:37:15: Maria verlässt den Saal und so bekommt sie nicht mit wie Dornfels Verteidiger versuchen die Verlesung der Anklageschrift zu verhindern – mit dem Grund dass sie sich wie eine Wiederauflage des Schulmädchenreports lese mit ihrem Mandanten-alsbösem Rektor.
00:37:31: Der Schulmädchenreport war ja ein Buch, in dem junge Frauen von ihren ersten Erfahrungen mit Sexualität berichteten.
00:37:39: Und ich würde sagen dieser Vergleich gleich zu Beginn des Prozesses deutet an, mit welchem Ton die Verteidigung in diesem Prozess argumentieren wird.
00:37:47: also wir sagen die Anklage erscheint dann hier als nicht sachliche Schilderung einer möglichen Straftat oder möglicher Straftaten sondern als überzeichnete sensationsgetriebene Geschichte.
00:38:00: Dass ich ihm dann nichts vorzuwerfen habe, hatte er bereits in einem Rundschreiben an seiner alten kollegInnen kundgetan.
00:38:08: Es handele sich um Stimmungsmache – er verstehe die Vorwürfe als Kampagne gegen seine Person.
00:38:14: Während drin also der Prozess läuft kommt Maria draußen auf dem Gang mit einer Frau ins Gespräch, die als Zeug angeladen ist.
00:38:21: Maria gibt der Frau ihre Visitenkarte und besitzt sie ihren Kontakt weiterzuleiten.
00:38:26: Und bereits in der Mittagspause des ersten Verhandlungstages erhält Maria einen Anruf.
00:38:31: Am anderen Ende der Leitung ist eine Kriminalbeamtin, das ging also fix.
00:38:35: Die Polizisten bittet Maria in ein paar Tagen auf dem Revier vorbeizukommen – Maria soll eine Aussage machen!
00:38:41: In der Nacht vor ihrer Vernehmung kann Maria kaum schlafen.
00:38:45: Wieder und wieder geht sie alles durch um auf die Fragen der Beamtinnen vorbereitet zu sein.
00:38:50: Als sie am nächsten Tag auf den Revier ankommt empfängt sie eine Kommissarin direkt am Eingangsbereich.
00:38:56: Die Polizistin führt sie in einen spartanisch eingerichteten Raum.
00:39:00: Maria setzt sich hin und beginnt zu erzählen.
00:39:03: Während Sie von den Übergriffen im Jahr zwei Tausend Sieben, zwei Tauntenneuen und zwei Taunsund Dreizehn berichtet, hört die Polizisten zu und zeichnet das Gespräch auf.
00:39:12: Die Aussage dauert mehr als zweieinhalb Stunden.
00:39:16: Als Maria fertig ist erklärt ihr die Beamte, dass es wohl noch ein weiteres Opfer von Dornfeld gibt!
00:39:21: Die Staatsanwaltschaft wird also vermutlich noch eine Anklage gegen Friedrich erheben.
00:39:26: Sollte es zu einem zweiten Prozess kommen, sollte Maria eher dort als geschädigter Aussagen vielleicht sogar die Nebenklage antreten?
00:39:34: Dann würde sie aber nicht mehr im aktuellen Verfahren als Belastungszeugenaussagen.
00:39:39: Von dieser Idee eines zweiten Prozesses ist Maria alles andere als begeistert!
00:39:45: Sie wollte eine Zeugenaussage machen und keine eigene Verhandlung.
00:39:49: Mittlerweile ist sie über sechzig und möchte sich nicht mit dem Druck eines eigenen Gerichtsverfahrens
00:39:54: belasten.".
00:39:56: Das Ding ist, Maria kann sich das gar nicht selbst aussuchen.
00:39:59: bei möglichen Straftaten entscheidet am Ende nicht die betroffene Person darüber ob ermittelt wird sondern der Staat.
00:40:05: es nennt sich Offizialprinzip Und jetzt muss man aber natürlich sagen, dass es schon gute Gründe gibt keinen eigenen Prozess zu wollen.
00:40:13: Also mal abgesehen davon das ist eine unfassbare Belastung sein kann weil man eventuell von der Verteidigung angegangen wird und man bekommt öffentliche Aufmerksamkeit die man gar nicht haben will.
00:40:22: aber es kostet halt vor allem auch Zeit und eventuell auch Geld.
00:40:26: Aber Maria denkt auch an die anderen Frauen und auf sie muss es Kraft gekostet haben sich zu wehren.
00:40:31: Wenn diese Frauen mutig genug waren gegen ihnen aufzustehen dann kann sie das auch sagt sie sich Und wenn nicht als Zeugin in diesem Prozess, dann eben als Nebenklägerin in ihrem eigenen.
00:40:44: Was das für Maria jetzt aber auch bedeutet ist dass sie sich erstmal nicht mit den anderen Betroffenen austauschen kann was sie natürlich eigentlich schade findet.
00:40:52: Sie hat damals aber zu viel Angst dass das ihrer Glaubwürdigkeit schaden könnte.
00:40:56: deswegen verfolgt sie dem Prozess auch von da an nur noch in den Medien.
00:41:00: Im Mai, das Gericht schließt sich ein Urteil.
00:41:04: Friedrich wird wegen sexueller Nötigung an der Professorin zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt.
00:41:12: Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Dornfeld sie ins Büro zitierte, sie dort überwältigte gegen ihren Willen Küste und sie mit Gewalt dazu zwang mit ihren Händen sein irrigierten Penis zu berühren.
00:41:23: Nachdem sie sich sichtlich zur Wehr gesetzt hatte, sagte er noch zu ihr wie blöd sie doch sei dass sie sich so eine Chance entgehen lasse.
00:41:31: Von dem Vorwurf der sexuellen Nötigung an der Dozentin wird er jedoch freigesprochen.
00:41:37: Zwar betont das Gericht, dass es beiden Frauen umfassenden Glauben schenkt.
00:41:41: Auch weil genug Belastungszeug in den Gegendornfeld ausgesagt hatten und trotzdem war Dornfeld im Fall der Dozentin aus sogenannten tatsächlichen Gründen freizusprechen sagt das Gerich die erforderliche Sicherheit vom Vorsatz würde fehlen Und ich erkläre euch kurz wie das zustande kam.
00:41:58: also Die dozentin war mit dem angeklagten befreundet und kam dann an einem sonntag zum vorspielen ins präsidentenzimmer Und da griff er ihr im Vorbeigehen schon mal an die Brust, weil sie ihn aber so lange kannte und sich auch in der lesbischen Beziehung befand.
00:42:19: So, dann hatte die Probe begonnen und sie saß auf dem Stuhl mit einer sehr wertvollen Konzertgitarre.
00:42:25: Und Dawnfeld sprang plötzlich auf in dem Wissen, dass sie sich mit ihrer fünfzehntausend Euro-Gitarre auf dem Schoß nur schlecht wehren würde... ...und steckte ihr die Zunge tief in den Hals und fasste ihr unter dem BH an die nackte Brust.
00:42:39: Die Dozentin bat ihn dann auf zu hören aber Dawnfeld hatte das nicht interessiert!
00:42:44: Er öffnete dann ihre Hose und schob seine Hand an ihre Vagina.
00:42:49: Und jetzt kommt, obwohl das Gericht festgestellt hatte, dass die Dozentin sich mehrfach verbal werte und versuchte den Arm von Dornfeld wegzudrücken, sagen die Richterinnen, dass Dornfield hier keinen Vorsatz hatte, sich über den erkennbaren Willen der Frau hinwegzusetzen weil keine Widerstandshandlung erkennbar gewesen sei.
00:43:08: Jetzt haben wir das Urteil natürlich gelesen sind diese Widerstandshandlung aber im Urteil festgestellt.
00:43:15: Ich habe mich da auch noch mal mit Benedikt Müller, unserem Rechtsexperten kurz geschlossen und der sagt tatsächlich hat das Gericht hier verpasst stichhaltig zu argumentieren warum die Widerstandenhandlungen vom Angeklagten nicht wahrgenommen worden sein sollen.
00:43:28: Jetzt kommt es aber noch besser.
00:43:29: dass Gericht sagt, dass Dornfeld am Ende der Dozentin noch gesagt hatte Dass es schon immer sein Traum war, mit ihr und ihrer Lebensgefährtin einen Dreier zu haben würde ja dafür sprechen dass er davon ausging das die Dozenten mit seinen Handlungen einverstanden gewesen waren.
00:43:48: Also ich schreihe innerlich ne?
00:43:50: Am Ende läuft es jetzt darauf hinaus, dass man sagen muss laut Urteil übersetzt.
00:43:55: Sie hat sich halt zu zaghaft gewährt ja?
00:43:57: Wobei der Widerspruch im Urteil bleibt weil einmal von deutlichen Widerstandshandlungen die Rede ist und dann später heißt das was sie nicht stattgefunden hätten.
00:44:06: So steht's zumindest im Urteil.
00:44:08: Was noch im Urtal steht is' dass man keinerlei Ernheitspunkte für einen Komplott an der Hochschule zum Ziel der Vernichtung habe finden können so wie das er die Verteidigung behauptet hatte.
00:44:19: Und trotzdem wird in nächster Zeit eines recht deutlich.
00:44:22: Das Gericht mag Friedrich Dornfeld für schuldig befunden haben, aber diese Einschätzung teilen längst nicht alle.
00:44:29: Maria hatte schon vor der Verurteilung den Unmut von vielen aus der Kultur-Szene mitbekommen die sich öffentlich gegen die Betroffenen geäußert haben.
00:44:46: Sie wollten ja nur was haben von ihm und jetzt rächen sie sich, weil sie die Positionen nicht gekriegt haben.
00:44:51: Das hat mich wahnsinnig gemacht!
00:44:53: Viele fällen auch.
00:44:55: jetzt lieber ihr eigenes Urteil.
00:44:58: Nachdem dazu alle Blätter über die Verurteilung des Hochschulpräsidenten berichtet haben erscheint in einer der größten Tageszeitungen des Landes eine Reihe von Leser-Briefen, in denen die Glaubwürdigkeit der Frauen infrage gestellt wird Die meisten eingereicht von Menschen aus der Kultur-Szene.
00:45:15: Schriftstellerinnen, KollegInnen aus der Branche und Präsidenten renommierter Institutionen.
00:45:21: Dabei handelt es sich tatsächlich überwiegend um Männer die Downfield beispringen.
00:45:26: Einige der Leserbriefe lesen sich fast wie eine Anklageschrift.
00:45:30: Dass eine Kollegin von Friedrich Dornfeld, die all die Zeit seither keinen Mux gegenüber dem Verurteilten hat verlauten lassen nach sechs Jahren – Die Zeit für gekommen hält Anzeige zu erstatten lässt auf einen Racherakt schließen oder auf ein Komplott.
00:45:45: Schreibt der Präsident einer Vereinigung von namhaften Persönlichkeiten aus der Kunstzene Erkenne den ehemaligen Rektor und nichts, aber auch gar nix.
00:45:55: Lasse so eine ehrenrührige Unterstellung
00:45:58: zu.".
00:45:59: Ein bekannter deutscher Schriftsteller schreibt – Zitat «damen deren Avancen zurückgewiesen werden gleichen türkischen Tellermin».
00:46:07: Ihre Rachsucht sollte man nie unterschätzen!
00:46:10: Sie wissen sich der überforderten Justiz virtuos zu bedienen?
00:46:15: Der Rufschaden, den sie bei dem, der sie verschmet hat anrichten können ist beträchtlich….
00:46:21: Also wir sehen, viele geben sich hier dem Narrativ der rachsüchtigen hin.
00:46:26: In einem Leserbrief schreibt eine Frau das Urteilfalle so hach aus dass der angeklagte praktisch ruiniert ist menschlich künstlerisch und finanziell weil er damit unter anderem nicht nur seine Würde sondern auch seinen Beamtenstatus verliere.
00:46:43: Und das ist ein Phänomen, dass sich häufig finden lässt.
00:46:47: Vor allem wenn Personen des öffentlichen Lebens der sexualisierten Gewalt beschuldigt werden.
00:46:52: Diese Leserbriefe wurden jetzt ja auch von einigen Leuten geschrieben die Dornfeld kannten.
00:46:57: aber es sind eben auch Leute zur Seite gesprungen, die keinen persönlichen Bezug zu ihm hatten und das kommt uns bekannt vor.
00:47:04: Leute stehen ihrem Idol sag ich mal nicht nur bei sondern verteidigen die Person nahezu mit Leib und Seele teilweise obwohl sie die gar nicht kennen.
00:47:14: Und ich rede jetzt hier nicht von den Leuten, die sagen bitte erst mal abwarten oder so.
00:47:18: Die meine ich nicht!
00:47:18: Sondern die, die felsenfest behaupten ja die Anschuldigungen stimmen nicht, ja?
00:47:23: Woher sollen Fans- oder Anhängerinnen wissen dass die Person, die sie da gerade verteidigen, nicht zudem in der Lage wäre was ihr vorgeworfen wird?
00:47:31: Psychotherapeutin Franca Girotti sagt das da im Grunde Der Halo Effekt hintersteckt.
00:47:37: Man nimmt eine positive herausragende Eigenschaft, die man von einer Person wahrnehmen kann Und diese Eigenschaft überstrahlt dann alle anderen Eigenschaften und prägt ganz maßgeblich das Urteil, dass wir über diese Person haben.
00:47:51: Also bei einer berühmten Person funktioniert es häufig so, da eben ein großes Talent besteht oder Charisma oder eine tolle Bühnenpräsenz – und das strahlt auf unsere Wahrnehmung des gesamten Charakters ab!
00:48:06: Begabter Künstler in unserem Kopf ganz schnell auch ein guter Mensch oder eine integriere Persönlichkeit.
00:48:13: Dabei haben diese Dimension natürlich gar nichts damit zu tun, sondern das existiert ja vollkommen unabhängig voneinander.
00:48:20: aber unser Gehirn arbeitet einfach mit solchen Shortcuts und solche Vereinfachungen.
00:48:25: Franka sagt, dass da auch parasoziale Beziehungen eine Rolle spielen würden.
00:48:29: Menschen die jemanden teilweise jahrelang im Ohr haben hätten wirklich das Gefühl diese Person in gewisser Weise zu kennen und gingen dann in einer Art solidarische Verteidigungshaltung als wenn eine Freundin oder ein Freund angegriffen würde.
00:48:44: Mir ist jetzt wichtig, dass die Leute, die das machen mal verstehen was der Grund für ihr Verhalten ist.
00:48:49: Das hat nämlich auch etwas mit Verantwortung zu tun, die man von sich weggeschiebt.
00:48:54: Das hat damit zu tun, wie unser Gehirn mit Widersprüchen umgeht.
00:48:57: Also wenn wir jahrelang jemanden verehrt haben und die Musik vielleicht eine gewisse Lebensphase begleitet hat, wenn wir diese Person buchstäblich im Ohr hatten dann haben wir ein gewisses Bild von dieser Person Und dieses Bild ist auch Teil unserer persönlichen individuellen Geschichte.
00:49:16: Wenn wir jetzt Informationen bekommen, die nicht zu diesem Bild passen, dann aktualisieren wir nicht einfach das Bild was wir von der Person haben sondern wir tun uns total schwer damit diese neuen Informationen zu integrieren und akzeptieren.
00:49:29: Das hat damit zu tun weil es an unserem eigenen Selbstverständnis hängt.
00:49:33: Und genau aus dem Grund greifen in solchen Momenten dann mehrere psychologische Schutzmechanismen, die eigentlich zum Ziel haben mein Weltbild zu stabilisieren.
00:49:46: Widersprüche würden einen inneren Druck erzeugen sagt Franka und denen halten viele eben nicht aus.
00:49:50: man müsse sich ja auch damit auseinandersetzen sagt Frankal dass jemand den man jahrelang verehrt hat dessen Musik einbegleitet hat indem man vielleicht ja auch Geld investiert hat dass alles gar nicht wertbar und man sich getäuscht hat.
00:50:05: Die Dissonanz wird dann aufgelöst, indem die Vorwürfe infrage gestellt werden – das ist psychologisch für viele halt einfacher als das eigene Bild dieser Person zu korrigieren.
00:50:16: Anstatt die Verantwortung also bei sich zu lassen, werden viele dann die vermeintlich Betroffenen ab.
00:50:22: Und dann heißt es auch oft, ja steht ja Aussage gegen Aussage in dem Fall hier jetzt auch trotz Urteilspruch!
00:50:29: Und das hört sich dann immer so an, als stünde die Aussage einer Frau gegen die des Beschuldigten.
00:50:35: Aber tatsächlich haben jetzt auch in diesem Prozess mehrere Zeuginnen gegen Dornfeld ausgesagt, die entweder Ähnliches erlebt haben – hätte Maria an der Stelle hier ja auch gemacht, aber darunter war noch eine ehemalige Studentin, die er aufgefordert haben soll mit ihm ins Bett zu gehen Eine Frau, die sah wie sich Dawn Feldmar bei einer Veranstaltung an eine anderen Frau gerieben habe.
00:50:57: Also generell Leute, die so sein Verhalten gegenüber Frauen beschreiben konnten.
00:51:02: Dann haben Leute ausgesagt denen sich die Betroffenen damals nach den Überfällen mitgeteilt hatten und ein Kollege der damals den Vorfall auf die Professoren zumindest teilweise bezeugen konnte weil er ins Büro geplatzt war.
00:51:17: Aber wir haben es ja gehört, also den Befürworterinnen von Dornfeld fällt das offenbar so schwer diesen Menschen glauben zu schenken.
00:51:24: Und deswegen hoffen sie jetzt darauf dass nach der Zitat Fars von Prozess der Fall nun in der Berufung mit Zitat mehr Augenmaß und Professionalität und weniger Groschen Roman Niveau verhandelt würde und es zudem Zitat einzig möglichen Urteil in diesem Fall kommt dem Freispruch Für Maria ist das, kann man sich vorstellen alles nur schwer erträglich.
00:51:50: Die veröffentlichten Meinungen in der Tageszeitung sind wie ein unheilvolles Omen auf einen Schicksal dass bald auch sie ereilen könnte denn ihr eigener Prozess rückt immer näher und er könnte möglicherweise noch größere mediale Aufmerksamkeit auf sich lenken Denn die Vorwürfe die die andere Frau erhebt könnten sollten Sie sich bewahrheiten Ein ganz neues Ausmaß an Grausamkeit aufdecken und Friedrich weit mehr kosten als ein paar Monate auf Bewährung.
00:52:20: Schon jetzt bezeichnet einer der Anwälte von Dornfeld Maria und die anderen Frauen, als Trittbrettfahrerinnen, die nur schmutzige Wäsche waschen wollen.
00:52:28: Immerhin nimmt die Entscheidung des Landgerichts, dass sich dem Berufungsverfahren angenommen hat den Vorwürfen etwas Wind aus den Segeln.
00:52:35: Im April zwei Tausend Siebzehn entscheidet.
00:52:37: ist es erwiesen sei das sich Friedrich im Fall der Professorin der sexuellen Mötigung schuldig gemacht hat?
00:52:43: in der Urteilsbegründung heißt es wir können eine vorsätzliche bewusste Falschbeschuldigung ausschließen.
00:52:48: Das Strafmaß wird jedoch auf neun Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung gesenkt also sechs Monate weniger als ursprünglich angeordnet.
00:52:57: Im November.
00:52:58: hier steht Maria dann schließlich vor den Toren des Landgerichts.
00:53:02: Weil die Anschuldigungen, die diesmal gegen Dornfeld vorgebracht werden schwerer wiegen und die zu erwartende Strafe höher ist wird nun vor einer höheren Instanz verhandelt.
00:53:12: Maria ist aufgeregt – das Gefühl in ihrem Bauch ähnelt dem vor einem großen Auftritt nur dass auf Maria nicht der Opern sondern der Gerichtssaal wartet.
00:53:23: In Maria toben an diesem Morgen viele Gefühle.
00:53:27: Da ist eine Mischung aus Wut und Verachtung, aber auch etwas Neues.
00:53:30: Das Gefühl von Ermächtigung.
00:53:33: Bariya ist nach all den Jahren bereit sich endlich zu wehren – und zwar nicht nur dagegen, dass sie von der Hochschule nicht berücksichtigt wurde bei den Bewerbungen sondern auch gegen das Unrecht, was ihr angetan wurde.
00:53:46: Im Verhandlungssaal des Landgerichts sind die knapp fünfzig Plätze für Zuschauerinnen übervoll.
00:53:52: Einige der Anwesenden haben sich an die Seite gestellt, um überhaupt noch in den Saal zu passen.
00:53:57: Maria nimmt gegenüber der Anklagebank neben ihrer Anwälte im Platz.
00:54:01: Die Juristin hat auch die beiden Betroffenen im ersten Prozess vertreten.
00:54:05: Von ihrem Platz aus kann Maria Friedrich direkt ansehen – also zusammengesunken auf seinem Stuhl und macht auf Maria einen niedergeschlagenen Eindruck.
00:54:15: Hier im Saal des Landgerichts haben sich die Rollen offenbar getauscht.
00:54:18: Nur wenige Kilometer von seinem ehemaligen Büro entfernt scheint es Friedrich zu sein, der jetzt ein bedrängendes Gerät.
00:54:25: Denn es sind nicht nur die erneuten Vorwürfe, die Friedrich Dornfeld unter Druck zusetzen scheinen – dieser Prozess findet in einem ganz anderen Klima statt als der erste!
00:54:36: Diesmal sind die zahlreichen Journalistinnen nicht nur erschienen um über einen angeklagten Einfluss reichen Hochschulduzenten zu berichten sondern auch über ein System dass gerade erst Fernab von Deutschland offengelegt wurde.
00:54:50: Nur ein paar Wochen vor Beginn von Marias Prozess ist in den USA nämlich die Debatte über Me Too ausgebrochen.
00:54:58: Ja, heute ist uns natürlich selbstverständlich das wir öffentlich über Machtmissbrauch und so sprechen aber lange Zeit war das wirklich kaum vorstellbar.
00:55:06: Im Oktober-Zw.in erheben damals mehrere Frauen schwere Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein und werfen ihm unter anderem sexuelle Übergriffe vor.
00:55:17: Schauspielerin Alissa Milano, wir kennen sie alle von Charmed, schreibt auf damals Twitter.
00:55:22: Wenn du sexuell belästigt oder angegriffen wurdest dann schreibe me too als Antwort auf diesen Tweet.
00:55:27: Dieser Begriff will ich an der Stelle kurz sagen, er stammt eigentlich von der Bürgerrechts- und Menschenrechtsaktivistin Tarana Bourg.
00:55:33: Die den Slogan eigentlich schon im Jahr zwei Tausend Sechs auf der Plattform Myspace verwendete um auf sexualisierte Gewalt gegen schwarze Frauen aufmerksam zu machen.
00:55:41: aber wie das leider in der Vergangenheit ja auch zu oft der Fall war nimmt so eine Bewegung erst Anfahrt auf als prominente weiße Schauspielerin in Hollywood öffentlich über ihre Erfahrungen sprechen.
00:55:52: Jedenfalls wird der Hashtag daraufhin millionenfach verwendet und zeigt dann zum ersten Mal so richtig das ausmaßsexualisierter Gewalt in der Filmindustrie.
00:56:00: Und darauf folgt eine riesige Debatte, die weit über die Branche hinaus reicht und auch auf gesellschaftlicher Ebene die Frage aufwirft, in wie fern Männer ihre Machtposition systematisch auszunutzen?
00:56:16: Kärtwände erlebt habe.
00:56:18: Denn bis zu dem Zeitpunkt hab ich natürlich alles erlebt, also von Pol Grabschahn über Küste an die Wange.
00:56:26: Einmal bin ich auf der Arbeit ein Auto gefahren und einen Kollege in der Hierarchie über mir stand, saß neben mir auf dem Sitz und hat während ich gefahren wenn so getan als ob er da eine CD auf der Seite von meiner Tür rauskramen möchte um dann den Kopf in meine Richtung zu drehen und so'n Kuss anzudeuten.
00:56:41: Und selbstverständlich hat sowas danach nicht komplett aufgehört.
00:56:44: Aber abgesehen davon, dass es Bewusstsein geschaffen hat, das es mich und meine Kolleginnen ermächtigt hat so ein Verhalten nicht weiter hinzunehmen, hat Mitu glaube ich auch Angst gemacht.
00:56:53: Und zwar eine berechtigte Angst bei Männern die sich über Jahre durch einen System des Schweigens geschützt gefühlt haben Mit was von der Selbstverständlichkeit da immer wieder Grenzen überschritten wurden, weil sich ja sowieso nie jemand getraut hätte etwas zu sagen.
00:57:10: Weil was soll passieren?
00:57:11: Das war einfach so und das ist auf jeden Fall ganz anders geworden seit Mitu.
00:57:16: Jedenfalls ist der Fall von Dornfeld also sein zweiter Prozess in Deutschland jetzt einer der ersten, der quasi in der Öffentlichkeit als Mitu-Fall überhaupt wahrgenommen wird.
00:57:26: Diesmal ist Friedrich angeklagt wegen sexueller Nötigung in drei Fällen.
00:57:31: Gemeinsam damit die drei Übergriffe an Maria, im Jahr zwei Tausend Sieben, zum Jahr zwei tausend neun und zweitausend dreizehn.
00:57:36: Und zusätzlich muss er sich auch noch dem Vorwurf der Vergewaltigungen stellen.
00:57:41: Die Frau, die neben Maria die Nebenklage angetreten hat hatte sich ebenfalls vergeblich an der Hochschule auf eine Stelle beworben und wirft Friedrich vor Sie im Präsidentenbüro vergewaltigt zu haben.
00:57:53: Damit steht jetzt schwerste sexualisierte Gewalt im Raum und mit einer Bewährungsstrafe, wie sich die Staatsanwaltschaft diesmal nicht
00:58:00: zufriedengeben.".
00:58:03: Für Maria ist nun der Zeitpunkt gekommen an den sie ihre Aussage machen soll.
00:58:07: Jetzt muss sie all das was sie über Jahre in sich getragen hat vorbringen ohne dabei die Fassung zu verlieren nur wenige Meter von dem man entfernt den sie beschuldigt.
00:58:17: Maria weiß, dass alle Augen in dem Moment auf sie gerichtet sind und fühlt den Druck keinen Fehler machen zu dürfen.
00:58:24: Denn klar ist das jede Unklarheit für die Verteidigung ein gefundenes Fressen wäre!
00:58:30: Also schildert Maria selbst sicher und mit fester Stimme was ihr in Dornfels Präsidentenzimmer im Jahr zwei Tausend Sieben, Zweitausend Neun und Zwei Tausends Dreizehn passiert ist.
00:58:39: Und dabei erlebt sie all das noch einmal.
00:58:41: Ab und zu drohen ihre Gefühle hoch zu kochen, aber jedes Mal schafft Maria es sich zur Beruhigung und fortzufahren.
00:58:49: Die Vernehmung scheint ewig zu dauern – am zweiten Hauptverhandlungstag verbringt Maria über vier Stunden im Zeug in den Stand.
00:58:56: Am dritten Tag sind es fast sechs.
00:58:59: Wieder und wieder muss sie den Ablauf der Ereignisse beschreiben und Fragen beantworten, während Friedrichs Verteidigung Maria regelrecht ins Kreuz verhörn nimmt.
00:59:10: Belastung, das für sie war und dass sie das Gefühl hatte, dass die Verteidigung ihr eine Falle stellen wollte.
00:59:16: Also sie dazu bringen wollte etwas Falsches oder Widersprüchliches zu sagen.
00:59:20: Das macht sie daran fest, dass ihr immer und immer wieder dieselben Fragen gestellt wurden hat sie uns erzählt.
00:59:26: Ja wie oft soll ich es noch sagen?
00:59:28: Ich habe doch gerade alles gesagt.
00:59:30: also mit allen Mitteln haben Sie versucht ums mir nachzuweisen und mich auf's Eis zu führen Und dem Stand zu halten, es war schwierigstende Konzentration zu bleiben.
00:59:40: Noch mal und nochmal schildert Maria was an jeden Tagen im Büro des Präsidenten passiert ist.
00:59:46: Donfeld hat eine andere Darstellung der Dinge – das wird deutlich als er sich zu den Vorwürfen äußert!
00:59:53: Der Angeklagte wirkt bedrückt, als er zu sprechen beginnt.
00:59:56: Es falle ihm schwer, sich zu äußern, erklärt er den Anwesenden... Er sehe sich erneut einem Pulg von falschen Anschuldigungen ausgesetzt und das Ganze sei ein Zitatanschlag auf sein Leben.
01:00:08: Er sei erschüttert, verspüre Abscheu, Wut und Scham.
01:00:12: Aus seiner Sicht gehe es bei den Vorwürfen der Frauen vor allem um eines – Rache natürlich!
01:00:18: Maria habe mit allen Mitteln hartnäckig und penetrant versucht an einen Bewerbungsgespräch zu kommen.
01:00:24: Mehrmals habe er sie darauf hingewiesen, dass das nicht in seinem Kompetenzbereich liege.
01:00:29: Aber Maria habe es als seine Pflicht angesehen sich darum zu kümmern.
01:00:34: Wegen ihrer Erfolglosigkeit soll sie mit der Zeit immer wütender geworden.
01:00:39: Dass er sie jemals am Busen auch nur berührt habe sei eine glatte Lüge.
01:00:44: Vielmehr sei es Maria gewesen die übergriffig geworden sei!
01:00:48: Vor allem bei dem Treffen, sei sie regelrecht zudringlich geworden so dass er sie aus dem Zimmer habe hinaus schieben müssen.
01:00:56: Don Feld stellt sich in seiner Aussage als jemand da der im Laufe der Jahre vielen Verführungen ausgesetzt gewesen und sehr sensibel für Grenzen anderer gewesen sei.
01:01:06: Gewalttätigkeit sei in seinem Charakter generell nicht angelegt.
01:01:10: Es habe in seinem Leben sicher viele, zu viele wie er anmerkt sexuelle Kontakte zur Frauen gegeben.
01:01:16: Er habe aber nie gegen den Willen der Frau gehandelt und nie Gewalt angewendet!
01:01:20: Wenn es einmal zu sexuellen Kontakten in sein Büro gekommen sei dann seien diese stets einvernehmlich gewesen.
01:01:27: Beide Frauen würden ihn völlig zu unrechtsexualisierte Gewalt vorwerfen.
01:01:32: Dass sich diese sexuellen Kontakte, wie Dornfeld sie nennt rumgesprochen hatten, berichtet auch ein ehemaliger Kollege der Führungsetage in der Clara Schumann Hochschule.
01:01:42: Über Jahre hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, dass es auch Studentinnen leichter haben würden wenn Sie mit Dornfield schliefen.
01:01:49: Diese Gerüche – aber auch die übersexualisierte Übergriffe seien aber absolut nebulös gewesen, sagt der Mann Einzelfälle!
01:01:57: Die Hochschulle sei kein generell sexualisierter Bereich
01:02:00: gewesen.".
01:02:02: Allerdings habe er einen übergriffigen Verhalten von Dornfeld an einer Kollegin beobachtet, was er zumindest meldenswert fand.
01:02:10: Daraufhin hätten andere Kollegen der Führungsebene mit Dornfield ein Gespräch geführt, der die Vorwürfe komplett von sich gewiesen haben.
01:02:18: Vor Gericht geht es dann auch um die sogenannte Besetzungskouch bei Dornfelt und das sei hier einmal dazu gesagt.
01:02:25: offenbar gab es auf Frauen, die sich darauf eingelassen und sich Vorteile davon versprochen.
01:02:31: Aber abgesehen davon, dass es natürlich was anderes ist.
01:02:35: Wenn zwei Erwachsene einvernehmlich Sex miteinander haben aus welchen Gründen auch immer bleibt das System dann trotzdem unfair denn auch dann entscheidet ja nicht mehr Leistung oder Qualität sondern sexuelle Verfügbarkeit.
01:02:48: in dem Fall Auch Marias Freund.
01:02:50: Erik hatte von Gerüchten gehört sagt er vor Gericht aus.
01:02:53: Also wir erinnern uns, das ist der, der sie nach dem ersten Übergriff gefragt hatte ob sie es denn nicht gemacht habe.
01:02:59: Es ginge ja immerhin um eine Stelle.
01:03:02: mittlerweile weiß Erik aber dass seine Reaktion damals total daneben war.
01:03:07: Erik sagt vor Gericht, dass die Besetzungskouch zwar eine Hilfe hätte sein können aber die Stellen seien oft an Personen aus dem Umfeld der Bewerbungskommissionen gegangen.
01:03:16: Dabei hatte Dornfeld tatsächlich kein direktes Mitspracherecht bei Auswahlverfahren der Lehrstellen.
01:03:23: Für die Frauen, die sich bei ihm vorstellten ist das allerdings unerheblich denn sie gingen ja davon aus dass er Entscheidungsmacht hatte und offenbar scheint er sich genau das zu Nutze gemacht zu haben.
01:03:33: Zumindest berichtet das auch die zweite Nebenklegerin deren Bewerbungsverfahren in einer Vergewaltigung geendet haben soll.
01:03:40: Die Frau, die Dawnfeld der Vergeweidigung bezichtigt, schildert vor Gericht, dass sie ihn auf einer Kindermusikwoche kennengelernt hatte, die sie mit ihren zwei Kindern besuchte.
01:03:49: Später hatte sie dann von einer Assistenzstelle erfahren, die bei der Hochschule besetzt werden musste und hatte somit einen Termin im Herbst, in dem Sie sich vorstellen wollte viele Termine gehabt, daher habe er sie erst gegen Abend empfangen.
01:04:06: In seinem Büro soll Friedrich ihr dann einen Platz auf dem Sofa angeboten haben.
01:04:10: Irgendwann habe er sich dann zu dicht neben sie gesetzt, sie geküsst und plötzlich mit einem Griff Beuchlings auf den Sofa zum Liegen gebracht.
01:04:18: Dann habe er ihr unter das Kleid gegriffen die Unterhose ausgezogen und sie vergewaltigt.
01:04:23: Sie erzählt dass ich auf Grund der Schmerzen aufgeschrien habe.
01:04:27: trotzdem habe Friedrich nicht aufgehört.
01:04:29: wie gelehmt habe sie währenddessen auf dem sofa gelegen?
01:04:32: Sie könne sich noch daran erinnern, wie sie währenddessen die Sonnenstrahlen durch das Fenster gesehen habe.
01:04:38: Es habe nicht lange gedauert – aber als er fertig gewesen sei, sei sie aufgestanden!
01:04:42: Jetzt ist das Sofa eingeweiht, habe er noch gesagt.
01:04:46: Danach sei sie gegangen.
01:04:48: Sie habe danach Schmerzen gehabt auch geblutet, sich aber nicht in ärztliche Behandlungen begeben.
01:04:53: Ein paar Tage später habe sie Dornfeld nochmal auf einem Konzert wieder getroffen.
01:04:58: Er habe sie danach auf einen Umdruck zu sich nach Hause eingeladen.
01:05:01: Heute wissen Sie nicht mehr, wieso sie dazu ja gesagt habe.
01:05:05: Vielleicht, so gibt sie vor Gericht an, habe sie damals gedacht, dass das erste Erlebnis eine Art Irrtum gewesen sei.
01:05:12: Jedenfalls sei sie mit zu Dornfeld nach Hause und habe da in dessen Schlafzimmer Sex mit ihm gehabt.
01:05:17: Einvernehmlich!
01:05:26: Ja.
01:05:26: und auch hier können wir natürlich nicht mit Sicherheit sagen, dass diese Frau das wegen einer Reinszenierung getan hat.
01:05:33: Aber vieles hört sich natürlich danach an also, dass die Frau nochmal einvernehmlich mit ihm schläft um eine negative Erfahrung in etwas Ermächtigendes umzuwandeln Und die Frau spricht ja auch selbst von einer Wiedergutmachung.
01:05:46: Also wir sehen so ein Verhalten ist nicht ungewöhnlich und ein zweites, einvernehmliches Treffen heißt aber natürlich nicht dass es den Übergriff zuvor nicht gegeben hat.
01:05:55: Oft trifft das aber auf Unverständnis weil Menschen einfach eine bestimmte Vorstellung davon haben wie sich Opfer verhalten sollten also beispielsweise trauernd konsequent und eben auch eindeutig.
01:06:05: tatsächlich verhalten sich aber einige Betroffene gerade nach übergriffen widersprüchlich wenn sie erneugnige suchen und das Erlebte verdrängen wollen und so tun als sei nichts gewesen.
01:06:15: Und dieses Verhalten wird natürlich vor Gericht auch häufig von der Verteidigung dann aufgegriffen, beispielsweise mit der Argumentation.
01:06:21: Wer freiwillig nochmal Kontakt sucht später sogar noch einvernehmlichen Sex mit einer Person hat, der könne ja zuvor keine echte Angst gehabt haben.
01:06:31: Also wegen ihrer Verhaltensweise.
01:06:32: danach behauptet man dann das was hier angeklagt ist gelogen.
01:06:37: Auch Dawnfields Ehefrau spricht vor Gerichts von einem Vernichtungsfeldzug gegen ihren Mann.
01:06:42: Mit Akkurat sitzen einem Dutt im Nacken und adreter Kleidung sitzt sie recht steif auf ihrem Stuhl, von dem aus sie ihre Aussage macht.
01:06:49: Auch sie spricht davon, dass die Frauen aus Rache ihren Mann beschuldigen würden weil sie keine Stellen an der Hochschule bekommen hätten.
01:06:56: Ein Königsmord nennt sie das!
01:06:59: Die Fünfzigjährige sagt sie und ihr Mann hätten alles verloren – Alles.
01:07:03: Dabei würde ihren Mann definitiv keine Schuld treffen.
01:07:06: Er sei schon immer ein Sunny Boy gewesen einer, der umschwärmt wäre.
01:07:11: Er habe Groupies gehabt und sei sogar gestockt worden.
01:07:14: Auch die Nebenklägerin, die ihm Vergewaltigung vorwerfe, habe sich ihm lastzief angeboten.
01:07:20: Ja, ihr Mann hatte die ein oder andere Affäre aber das sei immer von den Frauen ausgegangen!
01:07:25: Er selbst habe sowas nie forciert.
01:07:28: Jeder kann natürlich den Impuls irgendwie nachvollziehen sein Partner verteidigen zu wollen, vor allem wenn man halt wirklich selber nicht glaubt dass er so etwas fähig ist.
01:07:38: Ich frag mich allerdings wirklich, ob die Frau das hier wirklich glaubt.
01:07:42: Und das sollte zumindest ja auch ihr klar sein.
01:07:44: Sie war ja nicht dabei als er sexuellen Kontakt mit anderen Frauen hatte.
01:07:48: Geh ich zumindest davon aus.
01:07:50: Jedenfalls war sie nicht dabei, als diese Übergriffe stattgefunden haben.
01:07:54: Also wie kann man so was mit Sicherheit sagen?
01:07:58: Eine weitere Zeugin, eine Konzertpianistin gibt an, dass die Friedrich schon seit über dreißig Jahren kenne.
01:08:04: Obwohl sie mehrfach allein in seinem Büro gewesen und Zitat zwölften oder dreizehnten Lebensjahr ein hübsches Mädchen sei, habe es nie einen Anlehrungsversuch seinerseits gegeben.
01:08:15: Gespräche mit ihm seien immer kultiviert und niveauvoll verlaufen – zweideutige Bemerkungen habe er nie gemacht!
01:08:22: Bei ihrer Arbeit als Musikerin habe sich häufiger gezeigt, dass manche Frauen etwas ausstrahlen würden und bei einer Vergewaltigung häufig eine Einladung vorausgegangen sein.
01:08:33: Das ist so bescheuert, das möchte ich gar nicht kommentieren.
01:08:35: an der Stelle... Es liegt nahe, worauf die Verteidigung hinaus will.
01:08:40: Hat Donfeld sich bei diesen Frauen nicht übergriffig verhalten, spreche das möglicherweise auch gegen Vorwürfe der anderen Betroffenen?
01:08:48: Nach neunzehn Verhandlungstagen wurden etliche solcher Ent- und Belastungszeuginnen gehört – zumindest eines ist in dem Verfahren deutlich geworden.
01:08:56: Gerüchte, dass hinter Donfels verschlossenen Türen seines Präsidentenzimmers Dinge geschahen gab es viele!
01:09:03: Wirklich nachgegangen ist denen überall die Jahre kaum einer….
01:09:07: Und so bleibt der Verdacht, dass sich an der Hochschule eine Schweigekultur entwickelt hat.
01:09:11: Die am Ende dafür sorgte, das sich Dornfeld in seiner Machtposition so sicher gefühlt haben muss, dass selbst Grenzen für ihn offenbar keine Bedeutung mehr
01:09:19: hatten.".
01:09:20: Am sechzehnten Mai im Jahr zweiundachzehn fällt das Urteil gegen Friedrich Dornfelt.
01:09:24: Die vorsitzende Richterin verkündet – Der Angeklagte wird wegen sexueller Nötigung in drei Fällen schuldig gesprochen.
01:09:31: Das Gericht ist davon überzeugt, dass Friedrich Maria in den drei genannten Fällen sexuell genötigt hat und verhängt eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.
01:09:40: In dem Moment als die Worte ausgesprochen sind merkt Maria wie eine tonnenschwere Last von ihren Schultern fällt.
01:09:47: Die Vorsitzende sagt das Dawnfels Nötigungs-Taten von der Intention her als «eine Situation, die wohl in eine Vergewaltigung münden sollte», zu Werten sein.
01:09:58: Nur Marias heftige Gegenwehr hätte das verhindert.
01:10:01: Friedrich hält sich in dem Moment die Hand vor die Augen, als könne er sie vor dem was gerade passiert verschließen.
01:10:07: Vom Vorwurf der Vergewaltigung spricht die Kammer ihn allerdings frei.
01:10:12: Maria schaut zur anderen Nebenklägerin, die in diesem Moment wie versteinnert auf ihrem Platz sitzt.
01:10:18: Maria hat uns erzählt, was ihr in den Moment durch den Kopf ging.
01:10:26: Die saßen eben hier.
01:10:28: Ich habe nur gesagt, es tut mir so leid aber wichtig ist doch dass wir gewonnen haben.
01:10:32: Wir haben gewonnen nicht
01:10:33: ich.".
01:10:34: Jetzt ist es so das diese Kammer genau wie das Gericht des ersten Prozesses zwar davon überzeugt ist, dass die Zeugin das Tatgeschehen tatsächlich so erlebt hat und als glaubwürdig einzustufen sei allerdings konnte das Gerich nicht mit Sicherheit feststellen ob vom angeklagten Gewalt zur Abwehr von geleisteten oder erwarteten Widerstand ausgehen.
01:10:56: Also mit anderen Worten, auch hier gab es das Problem dass das Gericht nicht feststellen konnte ob sich die Betroffene ausreichend gegen Friedrich gewährt hat.
01:11:04: Und da will ich jetzt nochmal auf eine Sache mit euch gucken also dieses Urteil des Feldjahr im Jahr zwei tausend achtzehn also nach der Reform von Paragraf hundert sieben und siebzig STGB dem Straftatbestand der Vergewaltigung regelt und der Jetzt unter dem Grundsatz Nein heißt nein läuft ja.
01:11:19: Also heißt, dass eine sexuelle Handlung strafbar ist wenn sie gegen einen erkennbaren Willen stattfindet.
01:11:24: Und das auch ohne physischen Widerstand.
01:11:26: also man muss sich jetzt heute nicht mehr strampeln wehren und so ja.
01:11:30: aber entscheidend bei dieser Urteilsfindung ist der Tatzeitpunkt und der liegt ja im Jahr zwei tausend vier.
01:11:35: und für die Betroffene bedeutet das Sie hätte sich wirklich aktiv gegen Friedrich Wehrn und physischen widerstand leisten müssen.
01:11:43: Bei ihrer Aussage hatte sie aber angegeben dass sie ja wie gelähmt dargelegen habe und sich entsprechend physisch gewährt hat.
01:11:50: Jetzt heute nach der Reform könnte so ein Erstand tatsächlich auch anders gewertet werden, also entscheidend ist jetzt ob für die andere Person erkennbar ist dass die sexuelle Handlung gegen ihren Willen stattfindet.
01:12:02: Das heißt, das Nein muss jetzt nicht mehr zwingend körperlich oder verbal ausgedrückt werden.
01:12:07: Und obwohl dass er ein immenser Fortschritt ist fordern viele heute eine weitere Reform unter dem Grundsatz nur Ja heißt ja.
01:12:14: also Sex würde nur dann als Einvernehmlich gelten wenn alle Beteiligten ausdrücklich zugestimmt haben.
01:12:20: Das heißt vor Gericht würde in dem Fall nicht mehr zu prüfen sein ob ein entgegen stehender Wille irgendwie erkennbar war sondern ob überhaupt eine ausdrückliche Zustimmung vorlag.
01:12:30: In den letzten Jahren hatte sich Deutschland gegen eine EU-weite gesetzliche Regelung gestellt.
01:12:36: Und jetzt gerade hat der Bundestag wieder über einen Gesetzentwurf der Grünen debattiert, die eben so ein Konsensbasiertes Sexualstrafrecht wollen.
01:12:44: beschlossen wurde und eine Reform bislang nicht.
01:12:48: Anders als im ersten Prozess wird diese Strafe diesmal nicht zur Bewährung ausgesetzt.
01:12:53: Wie zu erwarten bricht eine Welle an Schlagzeilen daraufhin über Maria herein.
01:12:58: Der große angesehene Pianist ist also demnächst ein Gefangener.
01:13:02: Manche sehen in ihm einen Opfer, der Mitu-Debatte wie eine erfahrene Gerichtsreporterin in einer großen Tageszeitung schreibt.
01:13:15: der Prozesslitter an Feigheit, weil sich die Richterinnen dem Vorwurf nicht haben stellen wollen.
01:13:21: Sie gehörten auch zu jenen JuristInnen, die der Zitat Überlebenden einer Sexualstraft hat – Nicht einfach vorbehaltlos glauben sondern nach Fakten
01:13:32: verlangen.".
01:13:33: Also das ist so verkehrt ja!
01:13:35: Ich hab sowieso selten Juristinnern gehört, die sagen ich glaube den Überlebenden einer sexuellen Straftat.
01:13:43: Ich hab das Gefühl, dass es so ein bisschen Berufsimmer nennt, dass man sowas da nicht sagt was ja auch irgendwo fein ist weil vor Gericht geht's im Idealfall nicht einfach nur darum jemandem Glauben zu schenken sondern Sachverhalte zu beweisen und das finde ich in dem Fall hier so despektiv von der Reporterin dem Gericht so was zu unterstellen, dass die sich das nicht nachsagen lassen wollen.
01:14:02: Denn es gab ja noch so viele andere Zeuginnen, die entweder Ähnliches berichtet haben oder die beispielsweise mit Maria danach Kontakt hatten.
01:14:11: also das hier auch schon wieder auf so eine Aussage-Aussage-Konstellation runterzubrechen und so zu tun als würde es hier wirklich nur darum gehen wem von beiden Mann mehr Glauben schenkt, bin ich einfach ungehörig!
01:14:22: In dem Artikel heißt es weiter manche RichterInnen würden sich vom Zeitgeist getragen fühlen.
01:14:28: Friedrichs Anwälte legen unterdessen Revisionen ein, genau wie die Bundesanwaltschaft, die gegen den Freispruch vom Vergewaltigungsvorwurf vorgehen will.
01:14:36: Aber im Oktoberzweißtenneinzehn wird das Urteil des Landgerichts vom Bundesgerichtshof bestätigt – damit ist nun auch das zweite Urteil gegen Friedrich rechtskräftig!
01:14:48: Doch am Rückhalt für ihn in der klassischen Musikszene scheint das nichts geändert zu haben.
01:14:53: Zu Friedrich's fünfundsechzigsten Geburtstag erscheint ihm zur Ehren eine Festschrift.
01:14:58: Gleich mehrere Kollegen feiern darin das Lebenswerk des ehemaligen Hochschulpräsidenten und Künstlers.
01:15:04: Im Vorwort werden neben seinen Visionen auch Friedrichs unbändiger Taten drang, seine ansteckende Spontanität und begeisternde Vitalität hervorgehoben.
01:15:15: Und jetzt mein Lieblingszitat, sein weltumarmender Eros hätte jedoch die Grenzen.
01:15:22: Ich finde es wirklich nicht zu ertragen, was das für ein bescheuerter Versuch ist mit einem Euphemismus hier in Straftat bestand wie sexuelle Nötigung zur Verharmdosen.
01:15:32: Und ich weiß nicht ob ihr dieses Gefühl auch habt aber... Bei uns in der Redaktion ist hier dieses ganze Kultur-Künstlergehabel so doll aufgestoßen.
01:15:43: Das ist ein Problem, das sich durch den ganzen Fall und seiner Auseinandersetzung auch zieht.
01:15:47: Dass man sich in dieser Szene darauf beruft dass die Musik eher etwas sehr körperliches ist und Künstler einen sinnlichen Zugang zum Leben haben Das hat dann auch seine Frau da vor Gericht teilweise ausgeführt.
01:16:01: Und das ist ja eh so ein Ding, was man immer wieder von Künstlerinnen hört, dass sich diese Schaffenskraft und Leidenschaft irgendwie vermischt und sich dann widerspiegelt in der Art wie man lebt und dementsprechend Beziehung miteinander eingeht.
01:16:13: Für mich hört es sich an wie eine Erklärung, warum es jeder mit jedem macht.
01:16:17: In dem Fall hat es für mich aber vielmehr noch etwas Entschuldigenes dafür, dass hier eine Person etwas nimmt, was sie denkt, was ihr zustehen würde.
01:16:26: Also für mich wirkt es am Ende, als würden diejenigen, die ihn auch für sein Werk bewundern das was er getan hat, was auch rechtskräftig jetzt festgestellt wurde.
01:16:34: Als Kavaliersdelikt umdeuten.
01:16:36: aber wenigstens stimmt es nicht für alle.
01:16:38: also nicht alle halten weiter an Dornfeld fest.
01:16:41: nachdem auf der Clara Schumann Hochschule noch ein weiterer Fall eines Professors bekannt wird der später ebenfalls wegen Vergewaltigung angeklagt wird Gibt sie im Jahr twenty-dreiundzwanzig eine Studie zum Thema Machtmissbrauch, Diskriminierung und sexuelle Gewalt im Auftrag?
01:16:55: Befragt werden Studierende, Lehrkräfte und andere Beschäftigte der Hochschule.
01:16:59: Und das Ergebnis ist fast neunzig Prozent der Teilnehmenden hatten in den vergangenen drei Jahren Machtmessbrauch erlebt gesehen oder davon gehört.
01:17:07: Die Hochschulle legt daraufhin einen Plan vor und kündigt Maßnahmen an wie Beratungsangebote, Fortbildungen für Lehrkräften und konsequente Beschwerdeverfahren.
01:17:17: Die Zahlen machen am Ende aber eine Sache deutlich.
01:17:19: Dort, wo die Macht weniger über die Karrieren anderer bestimmt entsteht ein Nährboden für Grenzüberschreitungen.
01:17:26: Daran hat auch Mitou nichts geändert.
01:17:30: Maria ist heute siebzig Jahre alt.
01:17:32: Sie lebt in Deutschland in ihrer Heimatstadt.
01:17:35: Sie hat in ihrem Leben große Vorstellungen gesungen – so wie sie es sich als kleines Mädchen mal gewünscht hat.
01:17:42: Noch heute gibt sie ihren Schülerinnen ihr Wissen über die Musik weiter Aber sie erzählt auch, dass es nicht immer leicht sein wird sich in dieser Branche zu behaupten.
01:17:51: Maria weiß heute wie viel von dem Glanz noch übrig bleibt.
01:17:54: wenn der Vorhang fällt Was ihr passiert ist hat sie mit psychologischer Hilfe aufgearbeitet.
01:18:00: Trotzdem fallen ihr manche Tage besonders schwer.
01:18:03: Die Übergriffe haben ihre Spuren hinterlassen.
01:18:06: aber fast noch schlimmer sagt sie war das Echo jener die ihr bis zum Schluss nicht glauben wollten die Reaktionen, die in den Betroffenen die Schuldigen gesucht haben und die bis heute den Täter für das Opfer halten.
01:18:19: Am Ende war die Geschichte von Daphne der Nymphe, die sich verwandeln musste um sich dem Zugriff des mächtigen Mannes zu entziehen, die Maria damals als kleines Kind geschaut hatte vielleicht so eine Art Vorbote für das was sie in ihrem Leben einmal erwarten würde.
01:18:35: Auch Maria musste über sich hinaus wachsen Um sich gegen einen Mann zu stellen, der deutlich mächtiger war als sie.
01:18:42: Auch wenn es sie viel Kraft gekostet hat, bereut sie es nicht sich damals gemeldet zu haben.
01:18:47: Heute weiß sie dass es manchmal nur eine einzige Stimme braucht damit auch andere den Mut fassen und laut werden.
01:18:54: Maria ist sich deswegen sicher.
01:18:55: Es wird sich nur dann etwas ändern beim Betroffene aufstehen und sich gegen Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt zu wehrsetzen.
01:19:03: Eigentlich müssen wir als Frauen kämpfen Und nicht als Einzelkämpfer.
01:19:08: Wenn ihr was ändern wollt müsst ihr aufstehn.
01:19:11: Ihr müsst den Mut haben, es kostet was.
01:19:13: Ganz bestimmt!
01:19:15: Aber je mehr ihr seid und je mehr sich auftun, desto eher kommt's zusammen und desto kräftig erwerden
01:19:20: wir.".
01:19:22: Ja... Und ich glaube eine Person allein kann manchmal wirklich wenig ausrichten.
01:19:27: Das Problem ist halt nur das Betroffene immer denken sie seien alleine.
01:19:32: aber wie wahrscheinlich ist das am Ende?
01:19:35: Dass die Person, die sich dir gegenüber übergriffig verhält oder sexualisierte Gewalt anwendet dass die das nur bei dir macht.
01:19:42: Also ich habe mich früher auch oft gefragt, ob ich falsche Signale gesendet hab wenn mir so was passiert ist?
01:19:49: Das wurde mir von einem offenbar eifersüchtigen Ex-Partner auch mal gesagt, dass ich nicht genug darauf achtgeben würde, was ich so ausstrahle woraufhin ich dann meinen ganzen Habitus geändert habe um möglichst uneinladend auf Männer zu wirken Auch unfreundlich teilweise, war mir egal.
01:20:08: Ich wollte mich einfach irgendwie selber schützen.
01:20:11: Als ich Laura kennengelernt habe hat sie damals auch gesagt dass mich nie jemand so anfassen würde wie es anderen Kolleginnen passiert ist.
01:20:18: Einfach weil ich die ganze Zeit auf Abwehr fokussiert war bis man dann irgendwann durch Mitu begriffen hat das natürlich wieder nur die Verantwortung wegnimmt von denen die Grenzen nicht einhalten.
01:20:32: hin zu mir in dem Fall ja Und auch dieses, wenn ich mich so und so verhalte dann passiert mir das nicht.
01:20:38: Das ist natürlich ein absoluter Irrglaube.
01:20:40: ja also Täter profitieren auch davon dass man die Schuld immer bei sich sucht und auch davon wenn man das Erlebnis für sich behält.
01:20:48: es schützt sie.
01:20:50: Deswegen ist natürlich auch wichtig dass wir alle weiter darüber reden Dass wir uns alle gegenseitig egal welches Geschlecht edukaten.
01:20:57: Da wird gerade junge Frauen die solche Erfahrungen nicht schon zum x mal in ihrem Leben gemacht haben Dieses System dahinter Erkennen.
01:21:06: So nächste Woche hört ihr hier auch wieder Laura und wir begeben uns mit der Geschichte auf eine Frühchenstation, auf der furchtbare Dinge passieren bis irgendwann jemand begreift dass diese Dinge nicht einfach so passieren sondern das sie jemand offenbar herbeiführt.
01:21:23: Bis dahin!
01:21:28: Das war ein Podcast der Partner in Crime in Zusammenarbeit mit Studio Boomens.
01:21:32: Hosts Paulina Graser und Laura Wohlers Redaktionelle Leitung, John Hanschen und wir.
01:21:39: Redaktionen wie wir in Jelens und wir Schnitt Pauline Korb rechtliche Abnahme und Beratung, Able und Kollegen.
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