#237 Immer am Monatsende
Shownotes
Antonio ist Gastronom mit Leib und Seele. Seit 2011 betreibt er in Hamburg-St. Georg seine kleine, erfolgreiche Trattoria „Casa Antonio“ – sein Lebenswerk, in dem er zugleich kocht und seine Gäste bedient. Als 2012 dann Umut das Lokal betritt, beginnt alles harmlos. Doch aus einer vermeintlichen Männerfreundschaft wird schnell ein Abhängigkeitsverhältnis. Umut stärkt Antonio den Rücken – so wirkt es zumindest. Tatsächlich lässt er sich diese Hilfe teuer bezahlen: Über knapp zwei Jahre zahlt Antonio insgesamt 25.000 Euro. Als Antonio im Herbst 2015 nicht mehr zahlen kann, steht Umut plötzlich mit einer Waffe vor ihm. Ein Gerangel entsteht, die Kontrolle geht verloren – und am Ende fällt ein Schuss.
In dieser Folge von „Mordlust – Verbrechen und ihre Hintergründe“ geht es um vermeintlichen Schutz, um einen Kreislauf, der sich immer weiter zuspitzt, und um Erpressung. Vor allem aber um die Frage, wo Notwehr endet und Totschlag beginnt – und was passiert, wenn Selbstjustiz selbst vor den Türen des Gerichtssaals nicht halt macht.
Expertin in dieser Folge:
Kriminologin und Soziologin am Zentrum für Kriminologische Forschung Sachsen in Chemnitz, Dr. Kristin Weber
Credit
Produzentinnen/Hosts: Paulina Krasa, Laura Wohlers, Jon Handschin
Recherche: Paulina Krasa, Laura Wohlers, Marlene Borchardt
Schnitt: Pauline Korb
Rechtliche Abnahme: „Abel und Kollegen“; Benedikt Müller
Shownotes
Urteil: LG Hamburg, Aktenzeichen 601 Ks 4/16
Spiegel: „Der Mann, der seinen Erpresser einbetonierte“
Die Zeit: „Das Opfer wurde zum Täter“
Die Welt: „Erneute Verhandlungen um Todesfall im „Casa Alfredo“
Tagesspiegel: „Schutzgelderpressung: Alfredo M., das perfekte Opfer“
NDR, Gerichtssaal 237: „Einbetoniert: Die Leiche im Restaurant“
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Transkript anzeigen
00:00:11: Willkommen bei Mottnust, einem Podcast über wahre Verbrechen produziert von der Partner-in-Crime in Zusammenarbeit mit Studio Bummins.
00:00:17: Mein Name ist Paulina Kraser und
00:00:18: ich bin Laura Wohles.
00:00:20: In jeder Folge erzählen wir euch von einem Kriminalfall aus Deutschland.
00:00:23: Dabei schauen wir uns juristische psychologische ungesellschaftliche Aspekte an und sprechen mit Menschen mit Expertise, mit Beteiligten oder Betroffenen.
00:00:32: Und True Crime heißt auch dass hinter jedem Fall echte Menschen und ihre Schicksale stehen.
00:00:36: das solltet ihr beim hören nicht vergessen, wir berücksichtigen das auch bei unserer Arbeit.
00:00:41: Wenn ihr merkt dass euch bestimmte Themen nicht gut tun dann passt lieber auf euch auf und gibt mal eine Folge!
00:00:47: Und weil wir bei all der Schwere zwischendurch auch mal ein bisschen Luft brauchen erlauben wir uns manchmal kleine Abschweifung – das ist aber natürlich nicht despektierlich gemeint.
00:00:57: Heute hört ihr von uns einen Fall in dem ein Rückzugsort zu einer Falle wird und ein vermeintlicher Freund zum Feind.
00:01:05: Alle Namen haben wir geändert und zum Personenschutz auch einige andere Daten.
00:01:10: Das Verbrechen an sich bleibt aber von diesen Änderungen unberührt.
00:01:14: Es ist ein Sommertag im Juni, zwei Tausend Fünfzehn.
00:01:17: Antonio steht vor seinem Restaurant – dem Casa Antonio.
00:01:22: Vor dem einundfünftsjährigen schlanken Mann mit warmherzigen Augen und dunklem Haar liegen Glassplitter, verstreut auf einem grünen, von der Sonne ausgeglichenen grüner Teppich.
00:01:32: Die Scheibe seiner Tratorier ist zerschlagen!
00:01:35: Doch hier liegt nicht nur Glas auf dem Boden.
00:01:37: Antonio blickt auf die Trümmer seiner Existenz, während drinnen PolizistInnen Spuren sichern den Gastraum fotografieren, Fingerabdrücke nehmen und festhalten was fehlt – oder in diesem Fall was Nicht fehlt!
00:01:51: Denn gestohlen wurde nichts weder Geld aus der Kasse noch eine Flasche Wein- oder ein Küchengerät.
00:01:57: Der Gastronom beantwortet die Fragen der Beamtinnen, bleibt ruhig kontrolliert und sagt doch nicht alles Was die Polizistinnen zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, Antonio kennt die Antworten längst.
00:02:10: Er weiß wer hinter den zerstangenen Fenstern steckt und er weiß auch warum.
00:02:16: Etwa drei Jahre zuvor In der offenen Küche der Casa Antonio bereitet der Namensgeber des italienischen Restaurants an diesem Tag die Lebensmittel für das Abendgeschäft vor.
00:02:27: Vor ihm liegen frische Zutaten, er arbeitet routiniert, greift schneidet und richtet an.
00:02:33: Von hier aus hat er den gesamten Gastraum im Blick.
00:02:35: Die Tische mit den rot-weißen Tischdecken in ordentlichen Reihen, dazu die schlichten Holzstühle.
00:02:41: Die Wände sind in satten ungleichmäßigen Rosa-Ockertönen gestrichen.
00:02:45: Daran hängen Bilder von Olivenpflanzen.
00:02:48: Daneben zieht sich eine lange Spiegelwand entlang.
00:02:51: Eine Tür ist mit dem Motiv einer südeuropäischen Altstadtgasser bemalt – also wie bei jeder Traktorier?
00:03:00: Alles wirkt ein wenig so, als hätte man ein Stück Italien hierher versetzen wollen nach St.
00:03:06: Georg Ein Hamburger Stadtviertel das von Gegensätzen geprägt ist Indem zwischen Altbauten und kleinen Restaurants die Dreifaltigkeitskirche über die Dächer ragt In dem an warmen Abenden die Menschen dicht gedrängt draußen sitzen sein trinken und den Tag ausklingen lassen.
00:03:23: Nur wenige Straßen weiter hinter dem Hauptbahnhof beginnt eine andere Seite des Stadtteils, in dem Drogenkonsum und Straßenstrich zum Alltag gehören.
00:03:33: Und genau hier zwischen diesen beiden Welten liegt das Casa Antonio.
00:03:37: Hier kocht Antonio mit der Terraneküche in der nordischen Brise – besonders belebt seine Spaghetti mit Scampi- und grünem Spargel!
00:03:46: Auch das Weinregal fällt sofort ins Auge.
00:03:49: Wer sich nicht entscheiden kann fragt Antonio.
00:03:51: Der empfiehlt ohnehin lieber persönlich als auf die Karte zu verweisen, beim Wein genauso wie beim Essen.
00:03:58: Das Restaurant ist sein Lebenswerk.
00:04:00: auch wenn Antonio früher in seiner Heimat Portugal davon geträumt hat Fußballer zu werden liegt ihm das Kochen im Blut und ich möchte sagen dass selbst obwohl Antonio Portugieses kann nicht das verstehen dass er sich hier für die italienische Küche entschieden hat wäre auch mein Favorit
00:04:17: Ja.
00:04:17: Nachdem Antonius' Familie, in nineteenhundertvierundsiebzig nach Hamburg kam, verbrachte er einen großen Teil seiner Kindheit in dem Lokal, in dem seine Mutter als Wirten arbeitete.
00:04:26: Später lernte Antonio sein Handwerk in bekannten Hamburger Küchen im Fellini, im Vierjahreszeiten und der Flöte.
00:04:34: Zwei Tausend Elf eröffnete der gebürtige Portugiese schließlich sein eigenes Restaurant – ein italienisches Lokal im Souterrain eines Altbaus, indem er zugleich Koch- und Kellner ist!
00:04:46: Die meiste Zeit eine One-Man-Show also.
00:04:48: Antonio liebt es, sich nach dem Essen zu seinen Gästen zu setzen und mit ihnen einen Grappler zu trinken und Späße zu machen.
00:04:55: Viele kommen immer wieder – werden zu Stammgästen!
00:04:59: Schauspielerinnen aus dem Schausspielhaus um die Ecke der Pastor aus der Kirche gegenüber Nachbarinnen aus dem Viertel.
00:05:05: Das kleine Kellerlokal ist kein anonymes Restaurant.
00:05:09: Es ist ein Ort, an dem man sich kennt.
00:05:11: Vielleicht liegt es nicht nur am Essen, sondern auch daran, dass es sich für viele ein bisschen wie zu Hause anfühlt.
00:05:17: Tatsächlich ist das eine Art Familienbetrieb – Antonius' Partnerin Maike kümmert sich um die Buchhaltung und seine Töchter Carla und Luisa helfen mit wann immer es im Sommer voller wird und sich die Terrasse füllt so wie heute!
00:05:32: Mitten hinein in das wuselige Treiben an diesem Sommertag kommt ein Mann.
00:05:36: Er ist nicht besonders groß aber kräftig gebaut und trägt eine Glatze.
00:05:41: Antonio erkennt ihn sofort.
00:05:43: Dieser Mann, der selbst im Winter in kurzer Hose und Bade latschen durch San Georg läuft ist im Viertel bekannt.
00:05:49: Antonio verbindet ihn außerdem flüchtig mit Erinnerungen an seinen verstorbenen Bruder, mit dem dieser näher bekannt war.
00:05:56: Der Mann heißt Umut – zu den kurzen Hosen und Latschen trägt er gern Sonnenbrille- und Sportjacken von Adidas.
00:06:03: Antonio erinnert sich außerdem daran, dass Umut schon öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
00:06:09: Trotzdem lässt er sich auf ein Gespräch ein.
00:06:12: Bei ihm ist schließlich jeder willkommen, Umut will nur einen Kaffee und schwätzen – das passt gut denn Antonio kann gut zuhören!
00:06:20: Und so bleibt es nicht bei dem einmaligen Besuch.
00:06:23: In den nächsten Wochen und Monaten wird Umut zu Antonios Stammgast und aus einer lockeren Bekanntschaft eine Art Männerfreundschaft.
00:06:39: wieder einmal in die Tratoria stolpert.
00:06:42: Diesmal mit Bruno an seiner Seite, dem Bruder eines anderen Gastronomens aus dem Viertel.
00:06:48: Schnell wird klar, dass dieser Besuch kein typischer Kaffeeklatsch werden soll.
00:06:52: Bruno wirft Antonio vor ihn im Stadtteil schlecht gemacht zu haben.
00:06:56: Antonio weiß sofort was gemeint ist – tatsächlich hat er negativ über ihn gesprochen allerdings aus gutem Grund!
00:07:04: Im Sommer hatte er Bruno dreimal jeweils fünfhundert Euro geliehen und das Geld trotz mehrfacher Aufforderung bis heute nicht zurückbekommen.
00:07:12: Doch Bruno hat nicht nur seine Schulden nicht beglichen, der ist darüber hinaus auch mehrfach ins Casa Antonio gekommen, hat dort gegessen und es gegangen ohne zu bezahlen.
00:07:22: Sein Frust darüber hat Antonio befreundeten Restaurantbesitzern aus sein Georg geschildert – jetzt steht Bruno vor ihm und denkt gar nicht daran, das Geld zurückzugeben!
00:07:31: Im Gegenteil, jetzt fordert er selber welches….
00:07:34: Fünf Tausend Euro, weil Antonio seinen Namen beschmutzt habe.
00:07:38: Ausgehend Antonio – der seit Monaten auf sein Geld wartet – soll nun auch noch zahlen!
00:07:44: Auch Umut ist empört.
00:07:45: Sofort springt er Antonio bei und erklärt Bruno was er von dessen Verhalten hält.
00:07:50: Es kommt zum verbalen Schlagabtausch zwischen den beiden bis Umut.
00:07:53: Bruno schließt sich sogar nach draußen begleitet.
00:07:56: Antonio bleibt irritiert zurück und macht sich flüssig wieder an die Arbeit.
00:08:01: Zehn Minuten später kommt Umut zurück….
00:08:03: Er versichert Antonio, dass er das klarstellen werde und dass er sich keine Sorgen machen soll.
00:08:10: Schon am nächsten Abend steht Umut wieder im Restaurant – diesmal liegt etwas anderes in seiner Stimme.
00:08:16: Er erzählt Antonio, daß Bruno nach der Auseinandersetzung noch wütender geworden sei und sich Verstärkung geholt habe.
00:08:32: Mehr braucht er auch nicht zu erklären.
00:08:34: Gemeint ist eine Gruppe von Männern, die im Stadtteil dafür bekannt sind Konflikte nicht mit Worten sondern mit Fäusten zu klären.
00:08:41: Antonio bekommt Angst – Nicht nur um sich, sondern vor allem um das was ihm am wichtigsten ist seine Töchter.
00:08:49: Unwillkürlich denkt er an einer Situation die erst vor kurzem passiert ist.
00:08:53: Seine Tochter Carla wurde an einer Bushaltestelle in der Nähe von einem Mann angesprochen Der sich als Freund ihres Vaters ausgab.
00:09:00: Er fragte sie, wo sie wohne und sagte er würde sich freuen den Vater bald wiederzusehen.
00:09:05: Für Antonio war das keine harmlose Begegnung sondern eine klare Drohung.
00:09:10: was wenn Bruno diese Männer auf Carla und Luisa ansetzt um sich an ihm zu rechnen.
00:09:16: Umut macht ihn zumindest deutlich unter Freunden dass er an seiner Stelle zahlen würde.
00:09:23: In den Tagen danach lässt Antonio dieser Gedanke nicht mehr los.
00:09:26: Er will auf keinen Fall Stress und schon gar nicht, dass seiner Familie etwas passiert.
00:09:31: Mit Maike spricht er nicht darüber – das ist seine Angelegenheit!
00:09:36: Er hat Bruno das Geld geliehen, er hat entschieden über ihn zu sprechen und jetzt muss ER die Konsequenzen tragen.
00:09:43: Die Wochen vergehen, Weihnachten kommt dann Silvester… Und mit jedem Tag wächst der innere Druck.
00:09:49: Schließlich trifft Antonio eine Entscheidung Zu Beginn des neuen Jahres, ist es zu Ende.
00:09:55: Zuerst gibt er Umut tausend Euro für Bruno ein paar Tage später noch einmal viertausend und hofft das es sich damit erledigt hat.
00:10:04: Ein Paar Wochen nach dem Antonio um fünftausende Euro leichter geworden ist sitzt Umut mit Antonius ehemaliger Angestellten Eddie im Kassau Antonio.
00:10:13: Wie so oft setzt sich der Gastgeber zu ihm?
00:10:16: Das Gespräch kommt schnell auf
00:10:17: Bruno –
00:10:18: und Eddie hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg!
00:10:21: Dass Antonio ihm fünftausend Euro gegeben hat, macht ihn wütend.
00:10:25: Warum zahlt jemand Geld an einen Mann der ihm eigentlich selbst etwas schuldet?
00:10:30: Eddie kann das nicht verstehen und er sagt es auch gerade heraus.
00:10:33: Für Antonio ist es ein leidiges Thema – ja Bruno schuldete ihm Geld!
00:10:38: Das weiß er selbst am besten….
00:10:39: Und ja es wirkt absurd.
00:10:41: Antonio könnte es erklären ….
00:10:43: Er könnte von den Wochen erzählen in denen er nachts wach lag und ihm die Worte von Umut immer wieder durch den Kopf ging von der Drohung, dass Männer kommen könnten und was das bedeuten würde.
00:10:53: Er könnte sagen, dass er sich selbst darüber ärgert – dass er keinen anderen Ausweg gesehen hat… Dass er eigentlich nur eines will … Nachmittags aufmachen, kochen und seine Gäste
00:11:01: bewirten.".
00:11:03: Und das Thema, das er so gern hinter sich lassen würde, kommt immer wieder auf!
00:11:07: Zwei Tage nach Eddies Besuch erzählt Umut ihm Eddie habe Bruno Krankenhausreif geschlagen, weil er es nicht in Ordnung fand dass dieser Antonio unter Druck gesetzt und fünf tausend Euro von ihm genommen hatte.
00:11:20: Ich hoffe alle Menschen da draußen können mir folgen.
00:11:23: Mir fällt schwer!
00:11:24: Ja ich versuch's nochmal zusammen zu fassen.
00:11:26: der Umut das ist ja eigentlich der Freund vom Antonio.
00:11:29: der sitzt mit dem ehemaligen Arbeitnehmer von Antonio in der Casa Antonio.
00:11:36: Der sagt jetzt also zu seinem ehemaligen Chef, das würde ich mir ja so nicht gefallen lassen.
00:11:42: Dass
00:11:42: der
00:11:43: Bruno dich hier so abzieht.
00:11:45: Ja und er war offenbar eben so sauer darüber dass er selber den Bruno eine reingehauen hat.
00:11:52: Das ist ja verrückt!
00:11:53: Warum sollt ihr das tun?
00:11:56: Antonio ist auch fassungslos.
00:11:58: Wie konnte das passieren?
00:12:00: Er hat nie gewollt, dass jemand zu schaden kommt Auch deshalb hat er doch gezahlt.
00:12:04: Und jetzt ist Bruno seine Wege verprügelt worden, als gefallen von Eddie um welchen er nie gebeten hat.
00:12:12: Oh so was kenne ich auch!
00:12:13: So Gefallen um die man nicht gebetet hat ne?
00:12:15: Ganz schlimm.
00:12:16: Ja das kenne Ich Nicht
00:12:18: Was?
00:12:19: Ja doch Neulich Hat Man Jemand In Da Ganz Unnötigen Situation Für mich Gelogen und Das fand Ich ganz Schlimm Weil Die Wahrheit war Einfach Gar Nicht Verkehrt weil es sich Um ein Missverständnis Handelte.
00:12:32: Aber durch die Lüge dieser Person, die das nicht gerafft hat.
00:12:36: Dass es auf eine Missverständnis alles beruhte... ...
00:12:39: war's
00:12:39: dann auf einmal total ein Thema ja?
00:12:42: Ah aber die Person wusste das natürlich nicht!
00:12:45: Deswegen also eigentlich dachte die Person die macht ihr einen echten Gefallen.
00:12:49: Die Intention ist gut.
00:12:50: ich würde aber sagen dass man mir nie eingefallen damit tut wenn man für mich lügen.
00:12:54: Also wenn das schon sein müsste Wovon ich jetzt mal nicht ausgehe, weil eigentlich gibt es keine Situation wo man jetzt lügen muss.
00:13:01: In meiner Welt ja?
00:13:02: Ja.
00:13:03: So dann würde ich auf jeden Fall selber machen oder was sich natürlich auch kenne sind so Gefallen die als gefallen verpackt sind aber eigentlich einen Gefallen für die Person selbst.
00:13:14: Ich habe uns beiden Karten für das und das Stück geholt.
00:13:18: Da hast du doch mal gesagt da möchtest du unbedingt hin, ja aber nicht mit dir!
00:13:23: Ja, ich mein so gefallen wie von dem Eddie jetzt finde ich auch sehr schwierig.
00:13:27: Also was hat der damit zu tun sich so dermaßen einzuschalten also mit Gewalt?
00:13:36: Ich find ja auch weiß nicht wie das bei dir ist aber wenn man dich blöd anmacht und die einen pur fasst oder sowas Und deine Begleitung dem dann eine rein haut ich finde dass auch irgendwie too much.
00:13:47: weißt du was ich meine?
00:13:48: Ja auch da wäre es mir natürlich lieber der Schlag kommt dann von mir.
00:13:53: Aber ja, also Gott das ist ja eine furchtbare Vorstellung.
00:13:57: Also auf allen Ebenen deswegen... Nee weil da auch immer was anderes mitschwingt zumindest bei ein paar Leuten.
00:14:03: Ich hatte es in der Vergangenheit dass ich mit einem Mann ein Gespräch darüber geführt hatte, bei dem er sowas dann auch androhte, dass wenn das passieren würde, dann das darauf folgen würde.
00:14:13: Ich auch schon so ein komisches Gefühl hatte und meinte okay?
00:14:18: Und geht es dir dabei darum Dass du es so schlimm für mich findest, dass mir das passiert ist.
00:14:25: Und kanalisierst dann deine Wut um mich sozusagen zu verteidigen?
00:14:29: oder geht es dir in dem Moment um einen Besitzanspruch den du denkst über meinen Körper zu haben und nur deswegen wütend bist weil jemand deines im Anführungszeichen angefasst hat?
00:14:41: Und da kam als Antwort beides ja genau weil da könnte ich mir vorstellen schwingt ein bisschen was anderes dann auch noch mit.
00:14:48: Ja das verstehe Das bei Eddie wahrscheinlich nicht der Fall gewesen.
00:14:54: Nö!
00:14:56: Na ja, die schlechten Nachrichten reisen auf jeden Fall nicht ab.
00:14:59: Schon am nächsten Tag berichtet Umut Antonio dass Bruno sich nach dem Angriff noch mehr Verstärkung geholt habe und ist klar nun wieder auf Antonio abgesehen habe.
00:15:09: Kein Wunder alles sieht danach aus als hätte Antonio Eddie auf Bruno angesetzt.
00:15:15: Was als Streit um Geld begonnen hat, nimmt eine Dimension an die sich für Antonio nicht mehr kontrollierbar anfühlt.
00:15:22: Doch es gäbe eine Lösung fürs ein Problem.
00:15:24: Antonio soll er sich keine Sorgen machen – beschwichtigt ihn Umut erneut.
00:15:28: Er werde sich darum kümmern und ihn beschützen.
00:15:32: Das habe allerdings seinen Preis.
00:15:35: Tausend Euro monatlich!
00:15:46: Nur ein paar Straßen weiter hantiert Antonio mit heißen Tellern gefüllt mit leckerer Pasta.
00:15:51: Während er seine Gäste bedient, fällt ihm etwas auf.
00:15:54: Hinter den Fensterscheiben laufen fremde Männer vor der Trattoria auf und ab, bleiben immer wieder stehen und schauen auffällig in den Gastraum.
00:16:02: Antonio kennt sie nicht aber er weiß sofort was sie vorhaben – Sie wollen Präsenz zeigen.
00:16:10: Die Gäste werden unruhiger, Gespräche verstummen, Blicke wandern immer wieder Richtung Fenster und auch Antonio selbst wird zunehmend angespannt.
00:16:19: Dann taucht plötzlich Umut auf und spricht mit den Männern die kurz darauf wieder verschwinden.
00:16:24: Für einen Moment wirkt alles wieder normal – die Gästel essen weiter und Antonio ist erleichtert!
00:16:29: Doch dieser Zustand hat offenbar seinen Preis.
00:16:32: Denn wieder erklärt Umut ihm er solle sich keine Sorgen machen seine Leute würden jetzt aufpassen….
00:16:39: Dabei wiederholt er den Preis für seine Hilfe.
00:16:42: Tausend
00:16:42: Euro.".
00:16:44: Antonio wird mulmig zu mutte, denn er weiß das.
00:16:47: Gäste nicht wiederkommen wenn sie sich unwohl fühlen und genau dafür haben die fremden Männer vor der Fensterscheibe gesorgt, die Umut weggeschickt hat.
00:16:55: Was ist, wenn Sie jetzt öfter kommen?
00:16:57: Was ist es, wenn Erumut ab jetzt wirklich
00:17:00: braucht?".
00:17:01: Antonio denkt ernsthaft darüber nach.
00:17:04: Wenn er ehrlich ist, geht es ihm gerade gar nicht gut.
00:17:07: Als wäre es nichts schon anstrengend genug ein Restaurant zu führen kommt jetzt auch noch die ständige Sorge hinzu dass jederzeit jemand auftauchen könnte und alles aus dem Gleichgewicht bringt.
00:17:18: Er merkt wie ihm die Kraft fehlt und an manchen Nachmittagen lässt er die Küche einfach geschlossen obwohl er doch eigentlich nichts anderes will als sein Geschäft zu führen um seine Gäste zu bewirten.
00:17:28: Vielleicht zahlt er einfach einmal vielleicht beruhigt sich ja dann alles.
00:17:33: Ende März zahlt Antonio.
00:17:35: Und tatsächlich scheint sich die Situation zunächst zu stabilisieren.
00:17:39: Über den Sommer hinweg kann er arbeiten, Gäste empfangen und sie mit seiner mediterranen Küche versorgen – auch wenn ihn das jeden Monat tausend Euro kostet, denn Umut erinnert ihnen zuverdessig immer am Monatsende daran, zu zahlen.
00:17:52: Dann wechselt ein Umschlag mit Bargeld dem Besitzer!
00:17:56: Doch gegen Ende des Jahres ändert sich etwas….
00:17:59: Immer wieder kommen Gäst in die Trattoria bestellen Essen und erklären dann, wenn es um die Rechnung geht, Umut habe gesagt sie müssten nicht bezahlen.
00:18:07: Schließlich sei er hier Teilhaber – Antonio ist Geschäftspartner.
00:18:12: Antonio steht dann vor ihnen und versucht zu erklären das das nicht stimmt, dass Umut nicht beteiligt ist.
00:18:18: Doch manche gehen trotzdem ohne zu zahlen….
00:18:21: Und jedes Mal fehlt Antonio am Ende Geld.
00:18:23: Geld was er jetzt noch nötiger braucht als vorher denn immerhin hat er durch Umuts Schutz nun viel mehr Ausgaben!
00:18:31: Irgendwann reicht es ihm.
00:18:33: Antonio stellt Umo zur Rede und fragt ihn, was das soll, dass ständig Leute kommen und glauben sie könnten umsonst essen?
00:18:40: Umut bleibt ruhig und erklärt, dass das notwendig sei damit alle sehen, dass er dazugehört – dass er sein Partner ist!
00:18:46: Nur so sagt er werde man Antonio auch künftig in Ruhe lassen.
00:18:50: Für Antonio ist das mehr als nur ein Problem für seinen Geschäft.
00:18:54: Es ist eine Demütigung Denn Umut verhält sich, als gehöre ihm etwas für das Antonio jeden Tag hart arbeitet.
00:19:02: Und die Zahlungserinnerungen und Demütigungen gehen monate lang so weiter – Monate in denen Antonio langsam demat, dass es einen Schutz durch Umut gar nicht gibt!
00:19:12: Das Umut eigentlich derjenige ist vor dem Antonio beschützt werden müsste….
00:19:16: Ja man hat's ja schon ein bisschen geahnt,
00:19:19: wir haben das sogar ahnt Aber man muss ja auch sagen, das hat alles ganz langsam nur angefangen.
00:19:26: Also der hat sich da schon eine Art Freundschaft aufgebaut bevor es irgendwann dazu kam.
00:19:32: Ja
00:19:32: stimmt und es ging ja fast ein Jahr lang bevor da diese Sache mit Bruno passiert ist Und es ist natürlich so.
00:19:39: in der Situation selbst kannst du das gar nicht erkennen wenn die Angst alles überlagert.
00:19:44: also Da kommt man auf die offensichtlichsten Dinge vielleicht nicht.
00:19:50: An einem Tag im Juni hat Antonio jedenfalls genug, nachdem der beste Kumpel von Umut in den letzten Wochen bereits zweimal in Begleitung seiner Frau gekommen war, gegessen und nicht gezahlt hatte.
00:20:03: Als das Paar jetzt wieder vor Antonio steht, flippt er aus und verweist die zwei des Restaurants – so kann das nicht mehr weitergehen!
00:20:12: Antonio beschließt, Umut ab jetzt kein Geld mehr zu geben.
00:20:15: Es reicht….
00:20:16: Er hat nun über sechzehn Monate insgesamt um die sechstehntausend Euro an Umut gezahlt, außerdem die fünftausend Euro am Bruno.
00:20:24: Dazu kommen die vielen kostenlosen Mahlzeiten, die sich Umuts Bekannte auf seine Rechnung gegönnt hatten.
00:20:30: Doch die fehlende Zahlung am Monatsende bleibt nicht ohne Konsequenzen.
00:20:34: Als Antonio an einem Morgen sein Restaurant aufschließen will ist er entsetzt – die Scheibe ist eingeworfen worden, überall liegen Scherben!
00:20:42: Ein unwohles Gefühl macht sich breit.
00:20:46: Was soll er jetzt tun?
00:20:47: Nach kurzer Bedenkzeit wählt er die A. Es dauert nicht lange, da stehen Beamtinnen in Uniform vor ihm.
00:20:54: Sie machen sich an die Arbeit, sichern Spuren und fragen Antonio wer hinter dem Angriff stecken könnte.
00:21:00: Doch anstatt die Polizei um Hilfe zu bitten tut Antonio so als hätte er keinen blassen Schimmer – keine Ahnung davon, wer ihm etwas Böses will!
00:21:08: Und so bleibt dieser Vorfall nicht der einzige.
00:21:11: Zwei Wochen später sind die Scheiben des Kaser Antonio wieder kaputt….
00:21:15: Antonio hat keine Kraft mehr.
00:21:17: Er lässt das Glas nicht reparieren, ruft nicht mehr die Polizei.
00:21:21: Die Beamtinnen stehen erst wieder vor seinem Lokal als jemand aus der Nachbarschaft sie verständigt.
00:21:26: Als Antonio dann am nächsten Tag nichts ahnt seine Post durchgeht bleibt ihm fast das Herz stehen.
00:21:32: in einem Umschlag findet er Fotos seiner Töchter Carla und Luisa.
00:21:36: Jemand hat seine Mädchen heimlich fotografiert.
00:21:39: Jemand hat sie offenbar beobachtet, verfolgt und abgepasst.
00:21:43: Und das in unmittelbarer Nähe zum Restaurant an einer Bushaltestelle in St.
00:21:47: Georg.
00:21:48: Antonio wirft die Bilder verärgert weg – doch sie verschwinden nur aus seiner Hand … nicht… aus seinem Kopf!
00:21:56: Antonio ist bewusst, dass die Lage langsam zu eskalieren droht — Die Verzweiflung wächst.
00:22:01: Doch Maike und seinen Töchtern sagt er nichts, fragt sie nicht um Rat.
00:22:05: Was würden Sie nur denken?
00:22:07: Auch der Polizei gegenüber erwähnt er weiterhin nichts.
00:22:10: Aber irgendwem muss er davon erzählen, so sehr wie es ihm auf der Seele brennt.
00:22:14: Schließlich kann Antonio nicht mehr an sich halten und vertraut sich seinem Freund dem Kioskmitarbeiter Sahel von gegenüber an.
00:22:22: Ihm erzählt Antonio dass er bedroht und erpresst wird.
00:22:25: Seil hört ihm zu, glaubt ihm und redet ihm zur Polizei zu gehen.
00:22:30: Aber Antonio will nicht – kann nicht!
00:22:33: Was wenn eine Anzeige alles nur schlimmer macht?
00:22:35: Wen soll er überhaupt alles anzeigen?
00:22:37: Offenbar steckt ja nicht nur Umut dahinter und ganz offensichtlich wissen die Täter in Jahr genau, wo man ihn finden kann – was ihm sein Liebstes ist.
00:22:45: Was wenn sie im Sein Lokal komplett zerstören, wenn seine Gäste sich nicht mehr trauen zu ihm zukommen ….
00:22:50: Und Gott bewahre…was wenn Sie seinen Töchtern etwas antun?
00:22:54: Werden Antonio unter dem Wachsendruck allmählich zur Zerbrechen droht erreicht ihnen eine Nachricht, die ihn zum ersten Mal seit Langem wieder etwas Auftrieb gibt!
00:23:02: Sein Restaurant wird zum Testsieger des Stadtmagazins Szene gekrönt.
00:23:07: Sein Lebenswerk, seine Arbeit – ein Traum um den es sich zu kämpfen lohnt!
00:23:12: Aber die Freude ist nicht von langer Dauer denn im selben Monat flattert Antonio noch etwas unerwartet in den Briefkasten eine Rechnung.
00:23:20: Er soll € sondern er hat sich illegalerweise Strom woanders hergezogen.
00:23:37: Festbeleuchtung ist auch so ein geiler Ausdruck von den Eltern, wenn man vergessen hat im Zimmer das Licht auszumachen?
00:23:46: Ja!
00:23:49: Und als könnte es nicht noch schlimmer kommen steht auch Umut kurzzeit später wieder vor ihm.
00:23:53: Er hat von der Auszeichnung des Stadtmagazins gehört erklärt er und fällt sein Geld.
00:23:58: aber Antonio will nicht mehr zahlen und wegen der Stromrechnungen kann er schlichtweg auch nicht mehr bezahlen.
00:24:04: Die Quittung dafür kriegt Antonio dann bereits kurze Zeit später, als erneut Unbekannte auf der Terrasse vor seinem Restaurant auftauchen.
00:24:11: Sie beschimpfen sich gegenseitig, spucken auf den Boden und schreien Ausdrücke wie Du Fotze du Nutte ich tötet dich.
00:24:19: Antonio steht wie angewurzelt vor ihnen, als sie ihm seine Teller aus der Hand schlagen.
00:24:24: Voller Verzweiflung muss Antonio mit ansehen, wie Gäste den Kopf heben, wie sie sich untereinander Blicke zu werfen.
00:24:33: In all dem Trubel klingelt Antonio's Telefon.
00:24:36: Umut macht ihm am anderen Ende der Leitung unmissverständlich klar, dass die Randale mit den Gästen weiter gehe wenn er nicht bezahlt.
00:24:44: Noch am selben Abend steht Umut wieder persönlich vor ihm und fordert Antonio dazu auf einen Umschlag fertig zu machen.
00:24:51: Antonio steckt in der Zwickmühle – er hat kein Geld um Umut zu bezahlen.
00:24:55: aber wenn er es nicht tut dann zerstört man ihn sein Geschäft.
00:24:59: Am nächsten Tag das selbe Spiel.
00:25:01: Wieder werden Gäste belästigt, wieder verlassen einige das Restaurant.
00:25:06: Antonio kann es nicht mehr aushalten – er gibt nach und greift zum Hörer!
00:25:10: Er sagt umutwieder will ich das Geld zu und nur wenige Minuten später hören die Belästigung auf.
00:25:17: Antonio kratzt sein übriges Geld zusammen und zahlt tausend Euro Ende Juli und wieder Ende August.
00:25:23: Er will nicht aber was bleibt ihm anderes übrig?
00:25:27: Doch mehr als zweitausend euro sind nicht drin.
00:25:29: Dass er kein Geld mehr hat, hat der Umut mehr als deutlich gemacht.
00:25:33: Aber der neunvierzigte gelässt ihn nicht in Ruhe.
00:25:36: Am ersten September, dem Geburtstag von Antonius' Tochter Louisa platzt er mitten in die Familienfeier in der Tratoria.
00:25:43: Antonias Restaurant das einst sein Schutzraum war ist zur Falle geworden – aber nicht heute!
00:25:49: Nicht hier!
00:25:50: Nicht am Geburtstag seines Kindes!
00:25:53: Umut versteht offenbar, dreht sich um und geht... Antonio kehrt zurück zu den Festlichkeiten, die Umut mit seiner Anwesenheit vergiftet hat.
00:26:02: Zwei Wochen später wird allerdings klar das Umut nicht verstanden hat – es ist Monatsende und er steht wieder auf der Matte.
00:26:08: Antonio ist fest entschlossen dieses Mal wiedernicht nachzugeben, stark zu bleiben!
00:26:14: Und er schafft es, obwohl er sieht dass Umut offenbar eine Waffenattrappe mitgebracht hat um ihm Angst einzujagen.
00:26:20: Zumindest glaubt Antonio, dass es nur eine Attrappe ist….
00:26:25: Zwei Tage später.
00:26:26: Es ist zwanzig Uhr an diesem ungewöhnlich kalten dreißigsten September, Antonio's Handy klingelt.
00:26:33: Das Restaurant ist noch gut besucht, doch durch das Stimmenwürfer kann er Umut sagen hören dass er gleich vorbeikomme – es klingt wie eine Drohung!
00:26:41: Als Antonio eine Stunde später dabei ist die Tische abzuräumen und eine letzte Runde anzubieten stellt sich Umut plötzlich an den Dresen.
00:26:49: Sieht Umut denn nicht, dass er noch Gäste hat?
00:26:52: Und ist nicht langsam klar, dass er seinem Druck nicht nachgeben wird?
00:26:56: Dass er standhaft bleiben wird und dieses Mal keine Tausend Euro rausrückt.
00:27:00: Nicht heute – nicht morgen – nie wieder!
00:27:03: Antonio schickt Umut weg.
00:27:05: Es muss doch auch in Umutsinteresse sein vor den Gästen keine Szene zu machen... ...und tatsächlich verschwindet er… aber nur um eine Stunde später wieder
00:27:13: anzutanzen.".
00:27:15: Antonio ist mittlerweile ganz alleine in seinem Lokal.
00:27:18: Die letzten Gäste sind gerade gegangen, als sich Umut in den hinteren Bereich des Restaurants an einen Tisch setzt.
00:27:24: Antonio lässt sich gegenüber von Umut auf eine Sitzbank am Fenster fallen – die Beine sind nach dem langen Abend schwer!
00:27:30: Was er dann hört, erinnert ihn an einen Leierkasten der immer wieder dieselbe nervige Musik spielt.
00:27:37: Umut sagt, er müsse seine Leute bezahlen — er brauche jetzt das Geld.
00:27:41: Antonio hat genug von der Konversation, er steht auf und fängt an Lebensmittel aus der Küche und vom Dresen in die Kühlschränke im Lagerraum einzuräumen.
00:27:49: Doch auch in dieser Geschäftlichkeit denkt Umut nicht daran nach Hause zu gehen – er bleibt sitzen und redet weiter auf Antonio ein.
00:27:57: Als schließlich alles verräumt und der Dresensauber ist, setzt Antonio sich wieder auf eine Bank einen Tisch entfernt von Umut.
00:28:04: Der Abend sitzt ihm in den Knochen.
00:28:06: doch eigentlich ist es nicht nur dieser Abend Es sind die vergangenen Monate, die ihm zu schaffen machen.
00:28:13: Er schaut zur Umut und ist schreckt.
00:28:15: Auf dem Tisch liegt plötzlich eine Pistole Und dieses Mal sieht sie ganz und gar nicht nach einer Attrappe aus.
00:28:22: Umut spielt damit.
00:28:24: Langsam dreht er die Waffe auf dem Holztisch.
00:28:26: Er bewegt den Sicherungshebel auf und ab Rauf und runter.
00:28:30: Die Waffe wirkt schwer und echt.
00:28:32: Was soll das fragt Antonio?
00:28:34: Umut schaut ihn an und sagt Entweder er zahlst heute oder einer von uns beiden geht drauf.
00:28:40: Das ist die Scheiße, entgegnet
00:28:41: Antonio.".
00:28:43: Da richtet Umut die Waffe auf ihn.
00:28:45: Antonio erstarrt vor Angst.
00:28:47: Trotzdem bleibt er dabei – er wird heute nicht zahlen!
00:28:50: Er hat kein Geld mehr.
00:28:52: Daraufhin lenkt Umut das Gespräch auf Carla und Louisa.
00:28:56: Antonius' hübsche Töchter könnten doch Geld verdienen, steckt Umut vor.
00:29:01: Antonio weiß sofort was der damit meint….
00:29:04: Umut hatte in einem anderen Gespräch einmal erwähnt, dass er Zitat bei Mädchen am Steindamm kassieren würde.
00:29:11: Ergo, er wohl als Zuhälter arbeitete und nun will er Antonius Töchter im Straßenstrich anschaffen lassen?
00:29:17: Das ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt!
00:29:21: Rasend vor Wut springt Antonio auf und hechtet nach vorne.
00:29:25: Der einundfünfzigjährige streckt seine Hand aus um Umut am Kragen zu packen doch erreicht ihn nicht Dass.
00:29:32: meine Töchter aus dem Spiel, schreit er als der Tisch vor Umut unter Antonius Gewicht umkippt.
00:29:37: Ein Wasserglaster schält.
00:29:39: Das rot-weißkarierte Tischstuch ist Presso-Tassen, Umuts Handy – alles fällt vom Tisch.
00:29:44: Umut war ich zurück, seinen Stuhl stößt gegen die Lagerraum Tür, ergreift nach dem Türgriff findet ihn nicht und kippt seitlich vom Stuhle.
00:29:52: Nun liegen die beiden Männer ineinander verkeilt zwischen den Trümmern des
00:29:56: Abends.
00:29:57: Dann fällt ein Schuss!
00:30:00: Knapp acht Monate nach dem Schuss im Kellerlokal in St.
00:30:03: Georg eröffnet das Hamburger Landgericht am Siebekingplatz den Prozess, der vollbesetzte Saal-Dreihundertseinhalb ist fast bis zur Decke mit dunklem Holz ausgekleidet und durch eine Panzerglascheibe in zwei Bereiche geteilt.
00:30:16: Auf der einen Seite liegt die eigentliche Gerichtssaal auf der anderen der Zuschauerraum.
00:30:21: Panzerglas kommt nur immer dann zum Einsatz wenn eine Gefahr entweder von den Angeklagten oder vom Publikum ausgehen könnte Und das ist hier heute definitiv der Fall.
00:30:33: Antonias Familie gegen Umutsfamilie, deren Mitglieder sich jeweils auf einer Seite der Holzbänke dicht hinter der Scheibe drängen.
00:30:41: Daneben und dahinter sitzen Journalistinnen die sich seit dem spektakulären Fund einer Leiche für eine Geschichte interessieren, die so gar nicht zu dem kleinen einst als Geheimtipp geltenden lokal passt.
00:30:53: Als hervorsitzende Richter die Verhandlung eröffnet stehen die Anwesenden von ihren Plätzen.
00:30:58: Auch Antonio erhebt sich und setzt sich dann wieder auf die Anklagebank.
00:31:03: Der nur um ein paar Monate gealterte Antonio sieht hage aus, verstärkt wird der Einbrück durch die grauen Strähnen wie sein Haar durchziehen und den dunkelgrauen Anzug desackwartig an ihm herunter hängt.
00:31:15: Die Monate in Untersuchungshaft haben ihre Spuren hinterlassen – einzig die Brille auf seiner Nase bringt mit den roten Bügeln ein wenig Farbe ins Spiel.
00:31:24: Antonio sitzt ganz am Rand eines großen Holztisches, wodurch er seltsam unbeteiligt wirkt.
00:31:30: Fast so als ginge es in diesem Prozess gar nicht um ihn.
00:31:34: Als der Staatsanwalt beginnt die Anklage zu verlesen wird es still im Saal.
00:31:38: alle wollen wissen wie und warum ist zu dem tödlichen Schuss in der Casa Antonio kam und weshalb Umut's Leiche im Lagerraum des Restaurants gefunden wurde mit dem Gesicht nach unten vergraben und einbetoniert in einer zuvor ausgehobenen Gruppe.
00:31:55: Die Staatsanwaltschaft hat darauf eine klare Antwort, es war Totschlag!
00:31:59: Auch die Budewabresse ist sich sicher – Totschlag nach Art des Hauses, schrieb sie.
00:32:05: Antonio soll Umut am threißigsten September zweitausendfünfzehn in seinem Lokal erschossen haben und das aus einem ganz bestimmten
00:32:13: Grund.".
00:32:13: weil dieser von ihm in einem Zeitraum von mehr als eineinhalb Jahren insgesamt für rund zwanzigtausend Euro erpresst habe.
00:32:20: Damit verschiebt sich die Perspektive, der Tote ist in dieser Geschichte offenbar nicht nur Opfer sondern auch Täter – ein Mann, der seit den neunziger Jahren immer wieder rechtlich in Erscheinung getreten ist unter anderem wegen Drogendelepten und Beihilfe zu versuchten
00:32:35: Nötigungen.".
00:32:36: Die Bedrohung, mit der Umut Antonio unter Druck gesetzt haben soll, habe es so die Anklage jedenfalls in dieser Form nie gegeben.
00:32:44: Sie sei inszeniert gewesen – ein Mittel um sich Schutzgeld zu erpressen.
00:32:51: Ich weiß nicht, ob das bei dieser Serie war.
00:32:55: Aber wenn ich an Schutzgelderpressung denke, dann sehe ich so große starke Männer in schwarzer Kleidungen, die in eine leere Bar gehen, in der dann ein kleiner, schmechtiger Mann, der ihm irgendwie Leid tut gerade Gläser putzt und von denen so richtig Angst eingeheimst kriegt.
00:33:13: Ja, aber so eine ähnliche Szene gab es in der Serie ja auch.
00:33:16: daran erinnere ich mich noch.
00:33:18: Jedenfalls kommt das nicht nur in Serien vor... Aber Schutzgelderpressung ist kein eigener Straftatbestand.
00:33:25: Tatsächlich können eine Vielzahl an der liegenden Betracht kommen, also irgendwie von Hausfriedensbruch über Sachbeschädigung bis Körperverletzung.
00:33:33: Meist fällt es aber unter Erpressungen heißt wenn jemand eine andere Person mit Gewalt oder Durchdrogen dazu bringt Geld zu zahlen um sich oder andere zu bereichern worauf dann bis zur fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe steht.
00:33:47: Dr.
00:33:47: Christine Weber ist Kriminalogin und Soziologin am Zentrum für kriminologische Forschung Sachsen in Chemnitz und beschäftigt sich mit organisierter Kriminalität, wozu auch die Schutzgeldepression gehört.
00:33:58: Und sie hat uns erklärt dass TäterInnen das Geschäft ihrer Opfer in der Regel zuerst recht lange Auskundschaften und dann mit einem bestimmten Anliegen an sie herantreten.
00:34:09: Ich habe gehört, die Saladen läuft nicht gut oder ich hab gesehen.
00:34:11: Die Saladen laufen nicht gut und ich kann dir dabei helfen.
00:34:15: Ich kann beispielsweise dir Kunden heranschaffen aber ich möchte dafür eine Gegenleistung haben.
00:34:20: oder ich habe gehört in diesem Bereich wo das Restaurant steht sind sehr viele kriminelle Banden unterwegs wenn du Schutz haben möchtest weil beispielsweise es kann ganz schnell passieren dass halt mir eine Scheibe eingeschlagen wird und ne neue Scheibe ist teuer besonders wenn das öfter vorkommt.
00:34:37: Es geht halt immer darum, dass man auf diese Person zugeht.
00:34:41: Dass man eine Situation oder eine Bedrohungslage inszeniert oder erstellt.
00:34:46: Es kann eine Ausgedachte sein, es kann aber auch eine bedrohungslage sein die durch diese Person also durch den Schutzgeld Erpresser selbst erstellt wird beispielsweise dieser eingeschlagenen Scheiben durch gestochene Autoreifen.
00:34:57: das ist halt wirklich an Sachen geht die dem Ladenbesitzer wehtun.
00:35:01: finanziell Der Begriff Schutzgeld ist da natürlich irreführend, weil Schutz bekommt die Opfer ja nicht wirklich.
00:35:09: Weil die, die angeblich schützen, die Täterin selbst sind.
00:35:12: Die übrigens oft in der Gruppe agieren also die eine Person ist dann die das Geld eintreibt und die anderen sind die Dronen und bei Nichtzahlungen Gewalt anwenden oder es kommt eben zu sowas wie Sachbeschädigung.
00:35:24: Und dabei haben die Tätern besonders Neueröffnungen im Visier und Menschen die alleine arbeiten und dadurch leichter angreifbar sind.
00:35:31: In der Praxis trifft das vor allem InhaberInnen von kleinen Restaurants, Shisha-Bars, Kiosken und ein bisschen Spedotheken.
00:35:38: Aber auch Jubiliergeschäften.
00:35:40: Also alles Orte an denen die Opfer jetzt sich so schnell weg können weil sie ja in der Regel auf ihr Geschäft angewiesen sind heißt auch die Täterin wissen genau wo sie ihre Opfer finden und können immer wieder kommen und Druck aufbauen.
00:35:53: Das passiert heute nicht mehr nur durch große Präsenz der Erpresserin oder die Lärmbelästigung Sondern auch, indem es dann zum Beispiel ganz plötzlich ganz viele schlechtere Zensionen bei Google gibt.
00:36:06: Und diese Art von Bedrohung ist effektiv!
00:36:09: Warum hat uns Christine Weber erklärt?
00:36:12: Das ist halt natürlich ein Heimlichkeitsdelikt.
00:36:15: Es wird niemand auf eine Person zugehen wenn der Laden super voll ist sondern es wird versucht das möglichst heimlich zu halten und halt auch zu schauen dass die Personen in so eine Abhängigkeit oder in so einen Machtgefälle kommt, dass die Person möglichst nicht zur Polizei geht sondern dieser Geldfluss aufrecht erhalten wird.
00:36:32: Sehr viele Betroffene zeigen die Erpresserin aus diesem Grund halt nicht an weil es eben oft gar keine Zeuginnen gibt keine Beweise dann natürlich keine Belege- oder Quittungen für Überweisung.
00:36:43: ein weiterer Faktor hat nämlich auch mit Bargeld zu tun das ja dann in solchen Fällen tatsächlich oft aus unversteuerten Einnahmen gezahlt wird Und den TäterInnen damit ja ein weiteres Druckmittel gibt, weil wer Steuern hinterzieht zeigt ungern andere an.
00:36:59: Dazu kommt selbst wer den Mut aufbringt zur Polizei zu gehen, riskiert damit die Lage zu verschlimmern.
00:37:05: Weil auch wenn der eine Täter oder die eine Teterin dann vielleicht sogar Ding festgemacht wird würde kann am nächsten Tag natürlich jemand anderes vor der Tür stehen und die Schutzgeldepressung einfach weiterführen.
00:37:17: Wenn es um Zahlen geht, das könnt ihr euch schon denken.
00:37:21: Gibt's da nicht wirklich was Aussagekräftiges?
00:37:23: Die offiziellen Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik sind wie Fachleute wie Direktorin Weber sagen ärgerlich gering.
00:37:31: Also das Dunkelfeld ist extrem groß weil eben aus Angst super selten angezeigt wird.
00:37:38: Genau wie in unserem Fall!
00:37:40: Antonio ist nie zur Polizei gegangen hat Umut nie angezeigt Für den Hamburger Landgericht ist ein anderes Delikt angeklagt.
00:37:48: Und trotzdem geht es heute um die Schutzgelderpressung, die ihre Anfänge laut der Anklage schon Ende des Jahres zwei Tausend Dreizehn nimmt.
00:37:55: Hier nämlich schlüpft Umu zum ersten Mal in die Rolle des Beschützers und zwar als er mit seinem Kumpel Bruno das Lokal von Antonio betritt.
00:38:04: Man hat's ja gleich geahnt ne?
00:38:05: Von außen kann man das natürlich immer sagen aber... Das hat danach gerochen!
00:38:12: Als Bruno Antonio der üble Nachrede bezichtigt und dafür fünftausend Euro von ihm haben will, obwohl dieser eigentlich Antonio Geld schuldet, springt Umut für Antonio in die Bresche.
00:38:23: Er wechselt augenscheinlich die Seiten.
00:38:26: In diesem Moment soll es für Antonio so aussehen, als sei Umut ernsthaft verärgert über Bonusforderungen und bereit sich für Antonio einzusetzen und das in seinen Worten klarzustellen.
00:38:37: Umut präsentiert sich als Verteidiger von Antonio der nicht ahnt dass das was nach spontaner Empörung aussieht gespieltes Theater ist.
00:38:46: Umuts zweite Akt folgt bereits am nächsten Tag indem er Antonio die Situation als Ernst verkauft.
00:38:52: Er habe es nämlich nicht wie versprochen klarstellen können Die Situation sei außer Kontrolle geraten, denn Bruno hätte sich Verstärkung von den Afghanen und Albanern geholt – wie Umut sagte.
00:39:06: Ob diese Männer wirklich involviert sind oder ob Bruno sie wirklich gerufen hat ist bis heute nicht geklärt.
00:39:12: Und das ist auch nebensächlich, denn Antonio glaubt es, weshalb er im Januar aus Angst die fünftausend Euro zahlt über Umut.
00:39:21: Ob und wie viel Umut selbst davon behält, können die Ermittlenden ebenfalls nicht herausfinden.
00:39:27: Der entscheidende Punkt ist – umut wird durch diese Aktion bestätigt, dass Antonio bereit ist Geld zu zahlen wenn er in die Enge getrieben wird.
00:39:37: Und so sorgt Umut in nächster Zeit dafür, dass sich Antonio nicht mehr sicher fühlt.
00:39:42: Als Antonio Zahlungen für seinen Schutz erst verweigert, sorgt umut dafür, Antonio zahlt zum ersten Mal und damit beginnt der Teufelskreis, Alle
00:40:19: Augen richten sich auf Antonio in der Hoffnung, auf eine Antwort darauf was in jener Septembernacht geschehen ist.
00:40:25: Schließlich ist er der einzige Zeuge!
00:40:28: Der Angeklagte lässt zunächst über seinen Verteidiger erklären dass er des Totschlags unschuldig sei.
00:40:34: Antonio bestreitet nicht das Erumut erschossen hat doch er habe ihn Notwehr gehandelt.
00:40:39: Umut habe die Waffe mit in das Lokal gebracht und ihm bedroht.
00:40:43: Er habe lediglich einen Angriff auf sein Leben abgewehrt – auf sein Lebenswerk Die Casa Antonio, die er sehr gerne wiedereröffnen würde, soweit sich ihm die Möglichkeit dazu biete, erklärt seinen Rechtsbeistand.
00:40:56: Nicht weit von diesem Tisch entfernt sitzen Umutts zwei Brüder – sie haben sich stellvertretend für ihren Bruder Umut dem Prozess als Nebenkläger angeschlossen.
00:41:05: Sie beobachten den Mann genau der Ihren Bruder kaltblütig getötet hat – davon sind sie überzeugt!
00:41:12: Dass er und mit ihm der Staatsanwalt ist.
00:41:14: nun wagen, Umut als Verbrecher darzustellen scheint für sie nur schwer ertragbar zu sein.
00:41:20: Auch für andere Familienmitglieder und Freundinnen des Toten ist klar, Umut war der gute Antonio der Böse.
00:41:27: So erzählt ein guter Kumpel des Getöteten eine ganz andere Vorgeschichte als der Staatsanwalt.
00:41:33: Und zwar habe Antonio Umut beauftragt seine Ex-Partnerin Säure ins Gesicht zu schütten weil diese Antonio Hundertfünfzigtausend Euro gestohlen haben.
00:41:42: Umut habe den Auftrag zwar angenommen aber nicht ausgeführt.
00:41:46: Stattdessen habe er auf Band aufgenommen, das er aber nicht mehr habe wie Antonio über die geplante Tat spricht und ihn dann mit den Aufnahmen erpresst.
00:41:55: Nur so sei er zum Teilhaber des Lokals geworden.
00:42:00: Offenbar scheint diese Art der Erpressung in den Augen von Umutsumfeld weniger verwerflich zu sein als Schutzgeld zu erpressen denn mehrere Personen erzählen genau von dieser Version Eine Version, die sie allerdings alle zum ersten Mal präsentieren und die mehr oder minder einstudiert wirkt.
00:42:18: Auf die Frage, weshalb diese Informationen nicht schon früher gegenüber der Polizei geäußert wurden heißt es man habe sich das Wissen für das Gericht aufsparen wollen?
00:42:26: Ja ne wer kennt's nicht?
00:42:27: also wenn die Polizei zur Vernehmung lädt dann denkt man so nö den Plottwiss den heb ich mir schön auch bis wir vor Gericht sind Ist ja auch doof, wenn man seinen Pulvervorder verschießt.
00:42:43: Ja... ich glaube, man hat sich generell nicht so viele Gedanken dazu gemacht!
00:42:48: Die Wut über die Darstellung von Umut als Schutzgeldepresser entlädt sich dann aber kurze Zeit später auch außerhalb des Gerichtsgebäudes.
00:42:57: Antonio wird an einem der nächsten Prozess-Tage vor dem Saal unvermittelt angegriffen.
00:43:02: Umutskursor verpasst ihm erst einen Kopfstoß, dann mehrere Faustschläge.
00:43:07: Antonio fällt Bluten zu Boden.
00:43:09: Es ist eine klare Botschaft, der Prozess vor Gericht ist nicht die einzige den Antonio zu fürchten hat.
00:43:17: Ein paar Meter Luftlinie entfernt wird selbst Justiz nicht geduldet.
00:43:21: Hinter den dicken Mauern des ehrwürdigen Hamburger Gerichtsgebäudes geht es darum herauszufinden, was im Casa Antonio passiert ist und welche die gerechte Strafe im Namen des Volkes dafür ist.
00:43:32: Auch wenn selbst vor der Kammer nicht halt gemacht wird und Schöff-Innen auf offener Straße gewarnt werden keine Fehler zu machen!
00:43:40: Für das Gericht ist nun zentral welcher Darstellung zuglauben ist – der hat das angeklagten oder der der Staatsanwaltschaft.
00:43:47: War es Notwehr?
00:43:48: Oder
00:43:48: Totschlag?".
00:43:49: Wenn es notwehrbar, fragt der Staatsanwalt zurecht.
00:43:52: Wieso ist Antonio dann nicht sofort zur Polizei gegangen?
00:43:56: Denn das ist er nicht!
00:43:58: Als Umut Anfang Oktober-Zweißen-Fünfzehn plötzlich nicht mehr auftaucht, laufen seine Familienmitglieder durch die Straßen von St.
00:44:05: Georg Fragen nach Umut und hängen Plakate auf.
00:44:08: Vermisst steht im großen Buchstaben auf dem Zettel, der gehüllt in Klarsichtfolie auch an den Laternmast vor dem Kaser Antonio geklebt
00:44:15: wird."
00:44:16: Als Umuts-Cousin bei Antonio anklopft und ihn auf Umut anspricht, gibt er eine fadenscheinige Erklärung ab.
00:44:23: Zwei Albaner seien gekommen und hätten ebenfalls nach Umut gefragt.
00:44:27: Bei einem weiteren Besuch hätten sie sogar zwanzigtausend Euro von ihm verlangt!
00:44:31: Antonio wüsste nicht wo sich der neunvierzigjährige Aufhält erklärt er Umuts Cousin?
00:44:36: Dabei weiß er es genau – auch der Polizei sagt er ist nicht… Auch nicht … bei seiner Befragung zweiundvierzicht Tage nach Umuts Tod auf der
00:44:44: Wache.".
00:44:45: Die Ermittlenden sind zu diesem Zeitpunkt allerdings schon misstrauisch.
00:44:49: Denn nachdem Umuz Cousin bereits mit dem Finger auf Antonio gezeigt hatte, hat eine Funkzellenabfrage ergeben, dass das letzte Signal von Umuzendi in dem Bereich verzeichnet wurde, in dem unter anderem auch das Casa Antonio liegt.
00:45:03: Eine Woche später stehen deshalb uniformierte Polizisten in der Trattoria.
00:45:08: Der Wirt, der seinen Gästen gerade noch sein Tagesgericht wie Terlotonato empfohlen hat ist überrascht von dem Aufgebot – kann aber nur tatenlos mit Ansehen wie Chico, der Leichenspurhund durchs Restaurant tabst.
00:45:20: Wenig später schlägt er an und zwar in der Abstellkammer des Lokals.
00:45:25: Die Beamtinnen stemmen den Boden auf, tragen Schicht für Schicht den Beton ab bis sie den Hinterkopf einer Männerleiche freilegen.
00:45:32: Es ist Unmut.
00:45:34: Antonio wird abgeführt und kann nun schlecht weiterhin behaupten, mit Umutstod nicht zu tun haben.
00:45:40: Auf der Wache angekommen gesteht er, dass er Umut getötet hat – beteuert aber das dies in Notwehr geschehen sei!
00:45:47: Er habe auch vor gehabt zur Polizei zu gehen, aber ist dann doch nicht über sich gebracht.
00:45:52: Nach dem Schuss habe er Minuten lang vor dem Toten gestanden, sei dann aus dem Lokal gegangen, habe geraucht, sei zurück hineingegangen, habe das Licht gelöscht und sei wieder
00:46:01: rausgegangen.".
00:46:02: Er sei durch die Nacht geirrt, Richtung Polizeiwache gelaufen und habe dann wieder umgedreht.
00:46:07: Er habe nicht hineingehen können, weil er es zuerst seinen Töchtern habe sagen wollen.
00:46:12: Gegen drei, vier Uhr morgens sah er unverrichteter Dinge ins Restaurant zurückkehren.
00:46:17: Hier sah sein Entschluss gefallen den Toten einzubitunieren.
00:46:20: Dazu zog er Umutsleichnahmen in eine Grube, die er eine Woche zuvor für einen sogenannten Fettabscheider ausgehoben haben will.
00:46:29: In den darauffolgenden Tagen verlegt er dann im gesamten Lokal einen neuen Boden.
00:46:34: Und auch sonst versucht Antonio seine Spuren zu verwischen, indem er seine Kleidung entsorgt das Blut aufwischt und um uns Waffe samt seinem Handy in die Elbe wirft.
00:46:55: Aber überzeugt das, wo?
00:46:57: da klingt es wie die Ausrede eines Mannes der jemanden kaltbrötig das Leben genommen hat.
00:47:03: Während Antonio den Abend des dreißigsten September für die vernehmenden Rekonstruiert läuft ein Diktiergerät mit.
00:47:09: Als er auf dem Moment des Schusses zu sprechen kommt wird seine Stimme brüchig – Antonio wird von Gefühlsausbrüchen geschüttelt und er widerspricht sich!
00:47:18: Innerhalb derselben Vernehmung schildert er den Tatablauf unterschiedlich.
00:47:22: So sagt er zum Beispiel einmal, dass die Pistole vom Tisch zu Boden und eher darauf gefallen sei, als sie dann ergriffen und auf den neben ihm am Boden liegenden Umut geschossen habe.
00:47:32: An anderer Stelle, daß ihm die Waffe durch ein verrutschtes Tischtuch in die Hände kam.
00:47:37: Doch von diesen Unstimmigkeiten in seinem Geständnis können sich die Anwesenin heute acht Monate später vor Gericht kein eigenständiges Bild machen – denn die entscheidenden Minuten sind nicht auf Bann zu finden!
00:47:50: Durch ein Versehen wurde eine Seite der Kassette zweifach besprochen.
00:47:55: Ausgerechnet der Teil, der den Schuss betrifft ist verloren gegangen und so müssen die Beamtinnen vor Gericht aus dem Gedächtnis erzählen – aber das reicht.
00:48:03: er kann man nicht, bis halb zwei Wochen nach Prozessbeginn eine sogenannte Ortsbegehung anberaumt wird.
00:48:09: Bei dieser drängen sich Antonio und sein Verteidiger, die RichterInnen, die Chefinnen, den Nebenkläger und der Staatsanwalt in den engen Gastraum des Kasse-Antonio.
00:48:18: Die Journalistinnen, die das Spektakel begleiten, müssen in der Küche, die gleich im Eingangsbereich liegt hinter einem Absperrband zurückbleiben.
00:48:25: Dann stellt Antonio gemeinsam mit seinem Verteidiger den vermeintlichen Tatergang nach.
00:48:31: Angesichts der beengten und bedrückenden Atmosphäre des stickigen Keller-Lokals wirkt der Vorsitzende skeptisch als anschließend die ausgehobene Grube in der Abstellkammer ein Augenschein genommen wird.
00:48:43: War das Ganze doch von lange Hand geplant?
00:48:46: Als alle Anwesenden den Tatort wieder verlassen, atmen sie auf.
00:48:50: Nicht nur wegen des muffigen Geruchs sondern vor allem in Anbetracht dessen das genau hier ein Mensch sein Leben lassen musste!
00:48:57: Teil der Beweisaufnahme in diesem Verfahren sind auch die Gutachten der Sachverständigen, die sich nicht nur detailliert mit dem von Antonio geschilderten und nachgestellten Tathergang befasst haben sondern auch mit den Blutspuren und den Besonderheiten der Schussverletzung wie Distanz, Winkel- und Schusskanal.
00:49:15: Das einhellige Fazit – die Spuren passen mit den Schilderungen des Angeklagten überein.
00:49:21: Auch einige der Zeuginnen sagen mitunter unbeabsichtigt zu.
00:49:24: Antonius Gunsten aus Sahel, der Kioskbesitzer erklärt, dass Antonio das ganze letzte Jahr vor Umutstod zunehmend erschöpft gewirkt habe und irgendwann fix und fertig gewesen sei.
00:49:36: Sahel habe Antonio geraten zur Polizei zu gehen was die sah aber strikt abgelehnt habe.
00:49:41: Zu groß sei die Angst um die Familie gewesen.
00:49:45: auch über das Opfer hat Sahel etwas zu berichten.
00:49:47: Umut habe bei ihm regelmäßig Prepaid-Karten für zehn Euro gekauft, bezahlt habe er jedes Mal mit Bündeln aus fünfhundert und hundertundfünfzig Euro Scheinen.
00:49:57: Dreitausend viertausend Euro habe die Salose in der Jackentasche mitgeführt.
00:50:02: Auf das viele Bargeld angesprochen habe Umut erklärt, er verdiene es als Teilhaber des Casa Antonio.
00:50:09: Der Vorsitzende spricht Umuts Cousin auf das viel Geld an.
00:50:12: – woher Umut das hatte?
00:50:14: Keine Ahnung!
00:50:15: Umut, der Anfang der Achtzigerjahre zusammen mit seinen Brüdern und seinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland kamen hatte früh die Schule abgebrochen.
00:50:23: Eine Ausbildung nie gemacht.
00:50:24: Er lebte von Sozialleistung nach dem Asylbewerber-Leichtungsgesetz in Höhe von threehundert neunundneinzig Euro monatlich – in einer von seinem Bruder angemieteten Wohnung.
00:50:33: Auf Arbeiten hatte er keine Lust, erklärt sein Kursor vor Gericht.
00:50:37: Seine Zeit verbrachte Umut meist bei Familienangehörigen oder in türkischen Restaurants und Cafés oder halt in den letzten drei Jahren vor seinem Tod im Casa Antonio.
00:50:47: Stammgäste des Lokals erzählen ebenfalls von einem, in dieser Zeit immer bedrückter wirkenden Antonio und von unangenehmen Störungen das Restaurantbetriebs durchfremde – ein Zeuge bricht zudem von einem Vorfall mit Umut bei dem dieser Zeuge einen Betrunkenen davor gewahrt hatte von Umut beklaut zu werden.
00:51:07: Als er Umut dafür zur Rede gestellt habe, habe der eine Waffe aus seiner Sweatshirt-Jacke gezogen und gedroht.
00:51:13: Wir können ja mal einen Test machen!
00:51:15: Du oder ich?
00:51:16: Fünfzehn Jahre
00:51:17: knast.".
00:51:19: Aber ob Umut am dreißigsten September zweitausendfünfzehnt in Kassau Antonio ebenfalls solch ein Test vorhatte ist fraglich.
00:51:26: Der Vorsitzende möchte von Antonio wissen, ob er ernsthaft damit rechnete dass Umut ihn töten würde... Es sei ja nicht so naheliegend, dass man seine Geldquelle erschießt.
00:51:37: Ja wahrscheinlich wollte er nur den Druck erhöhen aber mein Gefühl war Er ist zu allem fähig entgegnet der Zweiundfünfzigjährige.
00:51:45: Ich wollte nur das es aufhört.
00:51:47: ich habe geschossen und dann war's ruhig.
00:51:50: Der Angeklagte erklärt weiter, dass er sich schlecht fühle Und dass er früher zur Polizei hätte gehen sollen.
00:51:56: Glaubt die Kammer Antonio das oder überzeugen die Indizien ihn wegen Todstags hinter Gitter zu bringen?
00:52:02: Am neunzwanzigsten August zwei tausendsechzehn, als der Sommer langsam in den Herbst kippt, beginnen die Plädoyers.
00:52:09: Die Staatsanwaltschaft glaubt Antonio die Vorgeschichte.
00:52:13: Die Schutzgelderpressung ist zweifelsfrei passiert – ob Umozi allein begangen hat, ist bis heute unklar, steht aber auch nicht zur Debatte im Verfahren.
00:52:22: Hier geht es um eine Tötung und für den Staatsanwalt war es weiterhin Todschlag wenn auch in einem minder schweren Fall und keine Notwehr!
00:52:31: Notwehr ist ja die Verteidigung, die erforderlich ist um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff abzuwehren.
00:52:39: Und die Voraussetzungen sind da.
00:52:40: zum Einen das es sich bei dem Angriff um die Bedrohung eines Rechtsguts handelt also eine Bedrohn von Leben, Körper oder Eigentum zB.
00:52:49: Zum anderen muss der Angriff gegenwärdig sein d. h. gerade passieren oder unmittelbar bevorstehen.
00:52:55: Auf Notwehr kann man sich jetzt nicht berufen.
00:52:58: Der Angriff muss außerdem, wie gesagt rechtswidrig sein und der Verteidiger oder die Verteiligerin muss zur Abwehr das relativ mildeste Mittel nutzen.
00:53:09: Wenn man jetzt aber kein anderes wirksames Mittel zur Verfügung hat dann darf Notwehr auch starke und im krassesten Fall tödliche Gegenwerbe inhalten um den Angriff abzuwehren.
00:53:19: ja Zuletzt muss die Notwehrhandlung auch noch geboten sein, also das heißt es darf kein dolles Missverhältnis zwischen dem Angriff und der Verteidigung bestehen.
00:53:29: Also im übertragenen Sinne gesagt nicht mit Kanonen auf Sparzen schießen.
00:53:33: ja ein Beispiel Laura nimmt mir das letzte Stück Brut aus der Hand.
00:53:37: dass ich gerade aus dem Bruttkorb beim Italiener gefischt habe was in der Vergangenheit sehr häufig passiert ist heute eher selten.
00:53:43: aber sagen wir mal Ich würde dann in den Moment mit der Gabel in ihre Hand stechen Ist ein realistisches Beispiel.
00:53:51: Ja,
00:53:52: meine Handlung ist aber nicht zur Verteidigung erforderlich weil sie nicht das mildeste Mittel ist.
00:53:57: ja ich hatte Laura ja auch festhalten können die Hand weg schlagen können oder mir das Brot selber schnell reinstopfen können vielleicht?
00:54:04: Es darf auf jeden Fall das Mittel eingesetzt werden dass den Angriff sicher beendet.
00:54:10: Aber wenn es davon mehrere gibt da muss eher das weniger gefährliche eingesetzt kein anderes gesehen.
00:54:22: Auf jeden Fall scheitert die Notwehr im Fall von Antonio in den Augen der Staatsanwaltschaft an genau dieser Hürde, also das Erschießen sei hier auch nicht das mildeste Mittel gewesen.
00:54:33: Laut Staatsanwalt habe Antonio gewusst dass Umut ihn seine Geldquelle nicht umbringen würde und in seiner Wut haben er die Grenzen der Notwehr überschritten.
00:54:44: Strafverschärfen käme noch hinzu, auf welchen Menschen unwürdige Weise Antonio Umut's Leiche beseitigt habe.
00:54:51: Auf Grundlage dieser Schussfolgerung fordert die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten für Antonio.
00:54:58: Sein Verteidiger wünscht sich für ihn hingegen einen Freispruch!
00:55:02: Die Begründung Antonio sei unverschuldet in eine mystische Lage gekommen – es habe gedauert bis er verstanden habe dass Umut ihm nicht wohlgesonnen war sondern ihn
00:55:11: erpresste.".
00:55:12: Am Abends des dreißigsten September sei Antonio angesichts der Pistole in Panik geraten und habe sich in Notwehr verteidigt.
00:55:19: Sein großer Fehler sei es gewesen, dass er Umutsteiche vergraben hat und nicht einfach direkt zur Polizei gegangen
00:55:25: ist.".
00:55:27: Nach siebzehn Verhandlungstagen steht stets die Urteilsverkündung im Fall Carcer Antonio an.
00:55:33: Im Saal am Civil Kingplatz warten alle gebannt darauf, das der Vorsitzende endlich Klarheit darüber schafft wie die Kammer entschieden hat.
00:55:41: Glaubt man, Antonio?
00:55:42: Oder schickt man ihn für längere Zeit hinter Gitter.
00:55:46: Für sein Urteil und die dazugehörige Begründung holt der Vorsitzende weit aus, er weiß dass der Rechtsspruch für manche nur schwer nachvollziehbar sein wird.
00:55:55: Da Herr Willer anhand des Tatablaufs detailliert erklären wie die Kammer zu ihrer Entscheidung gekommen ist.
00:56:01: dazu führt er die Anwesenden zurück in die späten Abendstunden des dreißigsten September Zwei Tausend Fünfzehn und ins Keller lokal nach Hamburg-Sankt Georg Laut vorsitzendem Bestand bereits in dem Moment, in dem Umut mit scharfer Waffe das Casa Antonio betrat und Antonio zur Zahlung eines erheblichen Geldbetrags aufforderte eine objektive Notwehrlage im Sinne eines gegenwärtigen rechtswidrigen Angriffes.
00:56:26: Spätestens aber sei der Tatbestand der versuchten schweren räuberischen Erpressungen erfüllt worden als umut die Waffe auf den Körper des angeklagten Richtete und seine Geldforderung Entweder du zahlst heute oder einer von uns beiden geht drauf.
00:56:41: Als Antonio Umut am Kragen packen wollte, nachdem dieser Antonius Töchter ins Spiel brachte und beide Männer zu Boden ging musste der Angeklagte laut Kammer angesichts der unübersichtlichen Lage davon ausgehen dass Umut sollte er die Waffe zu fassen bekommen diese gegen ihn einsetzen würde.
00:56:58: Damit habe sich die zuvor ausgesprochene Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben des Angeklagten, zu einem unmittelbar bevorstehenden Angriff auf die entsprechenden Rechtsgüter verdichtet.
00:57:10: Als Nächstes kommt der Vorsitzende zu dem Punkt den der Staatsanwalt als Grenzüberschreitung sieht – das Einsetzen der Waffe.
00:57:17: Zu diesem Zeitpunkt waren beide Männer am Boden in der Enge des Gastraums zwischen umgestürzten Stühlen, Tischen- und Scherben.
00:57:25: Der Vorsitzender geht durch was Antonio hätte tun können.
00:57:28: Hätte er die Waffe greifen und nur androhen können zu schießen, hätte er zurückweichen können oder hätte er einen gezielten Schuss in den Armen oder ins Bein abgeben können.
00:57:37: Für den Vorsitzenden ist die Sache klar – Umutler keine zwei Meter von Antonio entfernt auf dem Boden, nah genug um ihm die Waffe jederzeit wiederzuentreißen.
00:57:47: Außerdem war Umut mehr als hundert Kilogramm schwer und Antonio damit ein mindestens ebenbürtiger Gegner!
00:57:53: Zurückweichen können, hätte Antonio in Anbetracht des umgeschmissenen Mobilärs auch nicht so die Meinung der
00:57:59: Kammer.
00:58:00: Einen Schuss in Arm oder Bein habe man dem Gastronom ebenfalls nicht zutrauen können – denn das hätte vorausgesetzt, dass Antonio sich mit Waffen auskennt!
00:58:09: Denkbare Alternativen zur Abgabe eines tödlichen Schusses wären entweder mit einem unvertretbar hohen Risiko und oder einer Eigengefährdung behaftet gewesen.
00:58:21: Das Gesetz verdankt vom Angegriffen, den nicht sich auf einen Kampf mit ungewissem Ausgang einzulassen.
00:58:27: Der Schuss sei das einzige Mittel gewesen, dass Antonio in diesem Moment geblieben sei und so tötete er Umut, der sich kurz von ihm abwandte mit einem Schuss an den Nacken aus kürzester Distanz.
00:58:39: Zum Schluss widmet sich der Vorsitzende dem letzten zentralen Punkt, der eine Notwehr noch infrage stellt – die Wut!
00:58:47: Nicht nur über Umuts Äußerung seine Töchter könnten der Sexarbeit nachgehen, sondern auch über die monatelange Erpressungen.
00:58:54: Vorwiegend habe Antonio das alles einfach nur beenden wollen.
00:58:59: Doch die Frage ist haben diese Motive den Verteidigungswillen abgelöst und in den Hintergrund gedrängt?
00:59:05: Und das verneint die Kammer!
00:59:08: Antonio habe sich mit dem Schuss auch verteidigen wollen weil er befürchtete dass Umut ihn sofort angreifen würde wenn er die Waffe zurückbekommt und dies gelte auch, wenn große Wut eine Rolle gespielt habe.
00:59:21: Wir wissen nicht genau ob sich am Abend des dreißigsten September alles so abgespielt hat wie sie es sagen aber es spricht mehr dafür als dagegen sagt der Vorsitzende zu Antonio.
00:59:32: deshalb sei die Tütting in Notwehr gerechtfertigt.
00:59:35: ein Grenzfall ja aber eben notwehr.
00:59:38: Es gibt aber auch Dinge, die die Kammer Antonio vorwirft.
00:59:41: So sei es ein Fehler gewesen, dass er die Schutzgelderpressung nicht angezeigt hat und erst recht, das er nach der Tat nicht direkt zur Polizei ging – aber insbesondere die Entsorgung der Leiche sei eine zutiefst verletzende und nahezu unerträgliche Zumutung für die Angehörigen.
00:59:57: Dazu schaut der Vorsitzende die Nebenkläger direkt an und erklärt «dies liebe Nebenkläger ist dem Gericht zu jedem Zeitpunkt bewusst gewesen».
01:00:06: Antonio wird freigesprochen.
01:00:08: Die Reaktionen der Anwesenden auf das Urteil könnten nicht unterschiedlicher sein.
01:00:13: Hinter der Panzerglaschalbe, die den Gerichtssaal vom Zuschauerraum trennt, weinen Antonius Angehörige vor Erleichterung während Umbutsangehörige Mörder brüllen und gegen das Glas schlagen bis es vibriert.
01:00:25: Das ist noch nicht zu Ende, haltest durch den Saal lauter als jeder auf Atma.
01:00:31: Antonio sitzt auf seinem Platz versunken in ein etwas zu großes hellblaues Hemd.
01:00:36: Fast vier Monate Prozess liegen hinter ihm.
01:00:39: Monate der Angst, der Ungewissheit – nun ist er rechtlich gesehen frei!
01:00:44: Aber ist er das wirklich?
01:00:46: Der Zwei-Fünfzigjährige bleibt allein zurück bis Justizbeamtinnen die aufgebrachte Mäute aus dem Gerichtsgebäude geleitet.
01:00:54: Erst als die Rufe verblassen, schleicht er sich durch einen Nebenausgang nach
01:00:58: draußen.".
01:00:59: Nach dem Prozess versucht Antonio wieder in den Alltag zu finden.
01:01:03: Deine Casa ist wieder offen….
01:01:05: Antonio kocht, stellt Heller auf die rot-weißbetochten Tische.
01:01:09: Seine Bewegungen sind dieselben wie früher – dabei sollte er sich wieder leichter und freier fühlen.
01:01:15: Vielleicht so wie noch zwölf, bevor Umut in sein Laden und sein Leben trat und ihn damit in ein Geflecht aus Angst und Kontrolle verstrickte, dass sie nicht mehr loslese?
01:01:25: Doch eine Leichtigkeit kommt nicht zurück!
01:01:27: Die Angst überschattet alles, die Angst davor, das ihm jeden Moment etwas passieren kann… Und seinem Gefühl täuscht ihnen.
01:01:35: Nur wenige Monate nach der Rückkehr in sein Lokal wartet Umuts Cousin vor der Trattoria auf ihn.
01:01:41: Er steckt ihm zusammen und droht, wenn ich dich hier noch einmal sehe, bringe ich dich
01:01:45: um.".
01:01:46: Es ist der Moment in dem Antonio begreift dass es keinen Sinn mehr hat den Betrieb aufrecht zu erhalten, entständiger Angst zu leben.
01:01:54: Er muss ein Lebenswerk zurücklassen – den Ort, den er fast fünf Jahre lang aufgebaut hat und er am Ende zur Falle wurde und das immer noch ist….
01:02:03: Antonio kehrt Hamburg den Rücken und zieht in die Lüneburger Heide – allein.
01:02:08: Seine Partnerin hat sich von ihm getrennt, seine Töchter bleiben an der Hansestadt.
01:02:12: Er fängt an im Restaurant zu arbeiten.
01:02:15: Manchmal kommt seine Tochter Carla ihn besuchen und hilft aus.
01:02:19: Für Antonio gleicht sein Leben einem Gefängnis, denn er ist sicher, dass Umutsangehörige ihn irgendwann kriegen.
01:02:26: Selbst hier!
01:02:28: Deshalb zieht er schon bald weiter, flieht weiter… dorthin, wo er nicht gefunden werden kann.
01:02:36: Ja also ich habe mich natürlich die ganze Zeit gefragt wie ist das so ein Laden aufzumachen dir dein Lebenstraum irgendwie zu erfüllen und dann kommt einfach jemand will es kaputt machen ja um dich ausnehmen dir deine Sicherheit nehmen bedroht eine Familie.
01:02:50: das ist natürlich wahnsinnig schlimm.
01:02:52: und ich muss auch ganz ehrlich sagen dass da eine Notwehrhandlung war.
01:02:56: Das sehe ich halt einfach auch, ja?
01:02:58: Also ich meine, ich finde das in dem Sinne auch gerechtfertigt, dass wenn man sich in einer Situation befindet, in der man im Moment um sein Leben fürchtet ... Man dann ein Notwehr handelt und dann auch dementsprechend freigesprochen wird.
01:03:11: Ja, das Einzige was ich halt wirklich nicht verstehe ist warum er nicht vorher schon zur Polizei gegangen ist und dann die Leiche da auch noch einbetoniert hat, ja!
01:03:20: Ich mein anhand der Reaktionen von um uns Angehörigen nach dem Prozess kann ich das schon so ein bisschen nachvollziehen, dass er wohl nie zur Polizei gehen wollte und schon immer sehr viel Angst hatte.
01:03:34: Und sich auch so jetzt ja nicht sicher fühlt.
01:03:38: Ich finde an diesem Fall so besonders... Dass wir ja eigentlich nicht wissen was wirklich passiert ist am dreißigsten September zweitundfünfzehn?
01:03:45: Stimmt!
01:03:46: Ja genau.
01:03:47: Das erzählt ja nur der Antonio.
01:03:50: Und wenn es genauso war, wie er das erzählt.
01:03:52: Dann sehe ich das auch als gerechtfertigt dass der freigesprochen wird Auch wenn das hier ein Grenzfall der Notwehr schon ist.
01:03:58: Aber wie der Vorsitzende ja auch schon richtig gefragt hat Wie wahrscheinlich ist es denn seine Geldquelle zu töten?
01:04:06: Wie unmittelbar war denn dieser Angriff?
01:04:09: sozusagen
01:04:11: Ja aber ganz ehrlich da sitzt jemand vor dir bedroht deine Kinder Macht Bilder von denen und so.
01:04:19: Also in dem Moment kann ich mir vorstellen, selbst wenn es nicht wahrscheinlich ist dass er den umgebracht hätte das antonio in dem moment genau davon ausgegangen wäre.
01:04:27: ja also Ich meine bei all dem was vorher passiert ist da würde ich auch nicht irgendwie auf die vernunft appellieren von wegen Ja, ich bin ja eigentlich deine geldquelle.
01:04:37: also jetzt blöd von dir mich hier Umzunieten.
01:04:42: ja also du weißt ja gar nicht was für strukturen dahinter stecken.
01:04:46: Mit wie vielen Leuten macht er das?
01:04:48: Weiß Antonio ja nicht.
01:04:49: Vielleicht hat er ja noch fünfzehn andere Restaurants, wo er Geld herbezieht und dann wäre das gut in Anführungszeichen da man ein Exampel zu statuieren, wenn man nicht zahlt oder so.
01:04:58: Das weißt du in dem Moment ja alles nicht!
01:05:00: Er hätte ja auch nicht weiterzahlen können.
01:05:02: also dann wär halt die Tratorie wahrscheinlich pleite gegangen.
01:05:07: Ja genau, also man muss eigentlich sofort da einen Riegel vorschieben und sich sofort Hilfe holen denn... Es wird einfach so oder so weiter eskalieren.
01:05:16: Genau das hat die Frau Weber ja auch gesagt, dass auf keinen Fall eine Zahlung gemacht werden darf.
01:05:23: Sobald die erste Zahlungen gemacht worden ist man quasi gefangen.
01:05:27: was ich einfach so tragisch finde ist, dass obwohl Antonio ihr rechtlich gesehen nichts Falsches gemacht hat er jetzt sein Leben nicht mehr so leben kann wie er das möchte und in ständiger Angst leben muss.
01:05:43: Ja, so viel zum heutigen Fall.
01:05:44: Nächste Woche geht es bei uns um das Schicksal einer jungen Frau die sich uns gegenüber sehr geöffnet hat und von einem unfassbar tragischen Verbrechen erzählt dass ihr gegenüber verübt wurde.
01:05:57: Bis dahin
01:06:03: tschüss!
01:06:12: und wir.
01:06:16: Schnitt Pauline Korb, rechtliche Abnahme und Beratung Able und Kollegen.
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