#234 Göttlicher Auftrag
Shownotes
Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um Tierquälerei.
Regina und Peter können es kaum erwarten: Schon bald soll ihre Tochter Vivien aus der Psychiatrie entlassen werden, wo sie die vergangenen Monate stationär behandelt wurde. Regina und Peter freuen sich darauf, bald endlich wieder fernab der Klinikmauern Zeit mit ihr zu verbringen. Doch als Peter am 31. Mai 2022 auf dem Weg ist, um Vivien einen Besuch abzustatten, erhält er einen Anruf von ihrem behandelnden Arzt, der seine und Reginas Welt in Scherben legt. Und ihnen schmerzlich klar macht, dass ihre Tochter die geschlossene Station niemals mit gepackten Taschen verlassen wird…
Psychiatrische Kliniken sind ein wichtiger Bestandteil unseres Gesundheitssystems: Mehr als 800. 000 Menschen wurden laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2024 in psychiatrischen Krankenhäusern stationär behandelt. In dieser Folge von “Mordlust - Verbrechen und ihre Hintergründe” werfen wir einen genauen Blick auf das System Psychiatrie. Unter anderem sprechen wir über geschlossene Stationen, die Voraussetzungen für Zwangseinweisungen und beleuchten den Umgang mit vermeintlich gefährlichen Patient:innen.
Expert:innen in dieser Folge: Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Barbara Jost, Fachanwältin für Medizin- und Arzthaftungsrecht Sabrina Diehl Laurent LaFleur, Richter am OLG München Prof. Dr. Anke Bramesfeld vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung.
Credit
Hosts: Paulina Krasa, Laura Wohlers
Producer: Paulina Krasa, Laura Wohlers und Jon Handschin
Redaktion: Paulina Krasa, Laura Wohlers, Jennifer Fahrenholz
Schnitt: Pauline Korb
Rechtliche Abnahme: Abel und Kollegen
Quellen (Auswahl)
Landgericht München I: Urteil vom 5. August 2023 - liegt vor
Oberlandesgericht München: Beschluss vom 31. Juli 2025 - liegt vor
Studie: “Tötungsdelikte in Kliniken für Psychiatrie aus der Metaperspektive eines Bundeslandes”
Bayerischer Rundfunk: “Patienten als Täter. Tatort Psychiatrie”
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Transkript anzeigen
00:00:11: Willkommen bei Mordlust, einem Podcast über wahre Verbrechen produziert von der Partner-in-Crime in Zusammenarbeit mit Studio Bommens.
00:00:17: Mein Name ist Paulina Kraser.
00:00:20: In jeder Folge hört ihr hier einen Kriminalfall aus Deutschland und wir schauen dabei auch auf juristische psychologische und gesellschaftliche Aspekte und sprechen mit Menschen mit Expertise, Beteiligten oder Betroffenen.
00:00:33: True Crime heißt eben auch, dass hinter jedem Fall echte Menschen und ihre Schicksale stehen.
00:00:37: Das solltet ihr beim hören bitte nicht vergessen!
00:00:40: Wir berücksichtigen das auch bei unserer Arbeit.
00:00:43: Wenn ihr merkt, dass euch bestimmte Themen nicht gut tun dann passt lieber auf euch auf.
00:00:47: uns gibt die Folge Und weil wir bei all der Schwere zwischendurch aber auch mal ein bisschen Luft brauchen sind hier auch mal kleine Abschweifungen erlaubt.
00:00:54: das ist aber nicht despektierlich gemeint.
00:00:58: Ich spreche mit euch heute über einen Fall, bei dem sich jemand darauf beruft ein übernatürlichen Auftrag bekommen zu haben.
00:01:06: Vorher möchte ich euch aber einen kleinen Mini-Vortrag halten!
00:01:09: Ich wurde nämlich neulich bei so einer Kennlernrunde.
00:01:11: kennt ihr bestimmt?
00:01:13: Man kommt in eine neue Gruppe und dann gibt es immer eine Einstiegsfrage oder so ein Kennlernspiel... Und da wurde ich gefragt wenn Ich jetzt einen Vortrag halten müsste vor dieser Gruppe, über welches Thema würde ich ansprechen?
00:01:25: Und dann habe ich über ein Thema gesprochen wo ich gemerkt hab.
00:01:27: Ah ja da steckt ganz schön viel Leidenschaft hinter und Wut!
00:01:30: Und das ist die Organspende.
00:01:32: Dann dachte ich mir naja...ich kann hier eigentlich jede Woche einen VORTRAG halten also kann ich es auch gleich einmal für euch machen.
00:01:38: Also in Deutschland warten aktuell über acht tausend Menschen auf ein Spenderorgan.
00:01:43: Mich macht das Thema schon immer total betroffen, weil sich viele Menschen damit erst auseinandersetzen.
00:01:48: Wenn in ihrem eigenen Umfeld jemand ein Spendeorgan braucht.
00:01:53: und ich sage es auch gleich vorab Ich habe gar keine Vorbehalte gegenüber aktiv getroffenen Entscheidungen Auch wenn die gegen eine Organspende ausfallen.
00:02:00: Ja was mich traurig macht ist zum einen dass man sich nicht damit beschäftigen will wenn man's noch kann also zu Lebzeiten und zum anderen dass die Politik viel zu wenig tut, um etwas an dieser Zahl zu ändern.
00:02:13: Obwohl das eben Menschenleben retten könnte.
00:02:15: Rein rechnerisch sieben pro Person die sich für eine Spende entscheidet.
00:02:21: Bei uns hier in Deutschland gilt ja die Entscheidungslösung.
00:02:24: also das heißt man ist kein Spender oder keine Spenderin außer man hat zu Lebzeiten zugestimmt oder die Angehörigen willigen dann im Todesfall ein.
00:02:32: Das Problem hier, wie gesagt viele setzen sich zu Lebzeiten eben nicht intensiv genug damit auseinander und die Angehörigen sind in so einer Situation natürlich oft maßlos überfordert.
00:02:42: Und ich finde es auch ein bisschen fies sowas als Entscheidungen seinen Angehöhrigen zu überlassen, die vielleicht ja auch gerne Leben retten wollen würden aber nicht wissen wie sich die Person dann entschieden hätte wenn sie selber noch die Chance dazu hätte.
00:02:54: Ich wäre hier ganz klar für eine Widerspruchslösung, das ist quasi das Gleiche nur umgekehrt.
00:02:58: Also man is automatisch Spender oder Spenderin es sei denn man widerspricht zu Lebzeiten aktiv und hält das dann auch irgendwo fest.
00:03:05: so ist das in ganz vielen Ländern die natürlich deswegen alle viel höhere Organspenderaten haben.
00:03:11: ja ich denke mir da halt immer sowas ist wenn die Person die ich auf der Welt am meisten Liebe betroffen wäre und ein Organ braucht und nur keines bekommt weil andere Leute sich damit nicht auseinander setzen wollen.
00:03:23: Wenn ihr eure Organe nicht mit ins Grab nehmen wollt, ihr könnt euch da mittlerweile online für registrieren.
00:03:28: Ihr müsst nicht mehr so einen komischen Ausweis die ganze Zeit mit euch rumtragen.
00:03:31: Links dazu pack ich euch in die folgende Beschreibung.
00:03:34: Vortragende?
00:03:35: Jetzt geht's aber los mit unserem heutigen Fall, indem sich eine psychisch kranke Frau ihren inneren Dämonen stellt und dann aber mit denen anderer konfrontiert wird!
00:03:47: Fast alle Namen der beteiligten Personen haben wir geändert.
00:03:49: Auch den Namen der Klinik und die passende Trigger-Warnung findet ihr wie immer in unserer Folgenbeschreibung.
00:03:56: Mittlerweile kennen sie das Gebiet, wie ihre Westentasche – Die kurvigen Wege aus Kopfsteinpflaster, die sorgfältig gemähten Rasenflächen aber auch die Bäume deren dicke Äste sich nahezu Kunstvolle Höhe schlängeln.
00:04:08: Seit Monaten suchen Regina und Peta für ihre Spaziergänge ein und denselben Ort auf.
00:04:14: Und das ist aus einem guten Grund!
00:04:16: Für das Ehepaar ist es eine Möglichkeit Zeit mit ihrer Tochter Vivien zu verbringen, sich an der frischen Luft auszutauschen und ein Stück Familienleben aufrechtzuerhalten, dass aktuell wieder einmal nur schwer möglich ist.
00:04:29: Das parkähnliche Areal durch das Regina und PETA gemeinsam mit Vivien, auch an diesem Mai-Tag-Zweißen-Zweiundzwanzig spazieren gehört zum Astralis-Klinikum.
00:04:39: Einem psychiatrischen Krankenhaus nicht weit von München in dem Tag täglich Menschen mit neurologischen und psychischen Erkrankungen behandelt werden – und eine von ihnen ist Vivian!
00:04:49: Die vierzigjährige mit den langen blonden Haaren und den großen braunen Augen ist das einzige Kind von Regina.
00:04:56: Wenn die beiden auf Viviens Kindheits- und Jugend zurückblicken, ist das als würden sie gedanklich in einem Fotoalbum blättern, indem sich ausschließlich Bilder von unbeschwärten schönen Momenten wiederfinden.
00:05:07: Regina und Peter können sich noch gut daran erinnern wie ihre Tochter ihre ersten Schritte machte – wie ihr ansteckendes Lachen regelmäßig das gemeinsame Zuhause in der bayerischen Idylle erhältte und wie sie auf dem Sportplatz ein Tennis-Match nach dem anderen gewann.
00:05:22: Tennis ist lange Zeit eine Konstante im Leben von Vivien.
00:05:26: Die Eleganz, mit der sie damals die Bälle übers Netz schmettert, versetzt zu derzeit nicht nur ihre Eltern entstaunen sondern auch die Sportszene.
00:05:33: Über Jahre wird Vivian vom Bayerischen Tennisverband gefördert doch dann bekommt sie es fern ab des Platzes mit einer Gegnerin zu tun, die sie in die Knie zwingt und ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellt.
00:05:45: Vivienne ist zweiundzwanzig Jahre alt als sie an Schizophrenie erkrankt.
00:05:49: dass eine Erkrankung die Betroffene dazu bringt, Dinge wahrzunehmen oder Überzeugungen anzunehmen.
00:05:54: Die für andere nicht real sind.
00:05:56: Neben Stimmen, die Vivien hört also akustischen Halluzinationen, die auch ein typisches Symptom der Schizophrenie sind, sind das vor allem große Ängste, die sich in ihr breit machen und die sie daran hindern ihren Alltag normal zu bestreiten.
00:06:09: Damals mussten Regina und Peter hilflos mit Ansehen, wie das Strahlen aus den wachen Augen ihrer Tochter verschwindet.
00:06:16: Und als ihrem Lebensfrohen selbstbewussten Kind ein Schatten seiner Selbst wird.
00:06:21: Regina und PETA ist damals schnell klar, dass ihre Tochter Hilfe braucht.
00:06:25: Kurz darauf tritt Vivian ihren ersten stationären Aufenthalt an auf den im Laufe der Jahre viele weitere Folgen.
00:06:33: Doch sich von der Schizophrenie das Leben verbauen lassen, kommt für Vivian nicht in Frage!
00:06:38: So sehr ist Regina und Peter auch Schmerz, dass sich ihre Tochter immer wieder mit ihren inneren Dämonen auseinandersetzen muss.
00:06:44: So stolzen sie auch darauf wie positiv und wie lebensbejahend sie nach wie vor ist.
00:06:49: Zwar hat Vivian den Tennis-Schläger mittlerweile an die Nagel gehängt.
00:06:52: dafür hat sie jedoch eine neue Leidenschaft entdeckt – das Malen!
00:06:57: Die Kunst ist für Vivian nicht nur ein mentaler Ausgleich sondern einen Sprachrohr.
00:07:01: Wenn Regina und Peter die Bilder ihrer Tochter betrachten, die ihre Wände zu Hause schmücken, können sie ganz genau sagen in welcher Verfassung sie war als sie zur Pinsel- und Farbegriff.
00:07:12: Sich kreativ auszutoben ist für Vivian das größte – doch aktuell muss sie andere Prioritäten setzen!
00:07:18: Vivian ist wieder einmal in der Klinik.
00:07:21: Bereits seit Monaten lässt sie sich hier im Astralisklinikum wegen ihrer Schizophrenie behandeln….
00:07:27: Dreizehn F drei steht in großen Lettern an der blickdichten Glastür hinter, der sich ihr Alltag derzeit abspielt und hinter der sich eine der sogenannten geschlossenen Stationen des Krankenhauses befindet.
00:07:40: Ja, die Geschlossene, das hört sich immer so ein bisschen gruselig an ist auch sehr vorurteilsbesetzt.
00:07:45: Deswegen haben wir mit Barbara Joost gesprochen.
00:07:48: Joost ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und leitende Oberärztinnen in einer psychiatrischen Klinik Und sie betont dass die PatientInnen da jetzt nicht einfach weggesperrt werden wie im Gefängnis.
00:08:00: Eine geschlossenen Stationen in einer psychatrischen klinik hat eine abgeschlossener Stationstür.
00:08:05: Es gibt Stationen.
00:08:06: Da ist die Stationstür dauerhaft geschlossen.
00:08:09: Also es heißt, jeder der rein will muss klingeln und jeder der raus will muss immer jemanden mit Schlüsselgewalt fragen ob er die Station verlassen kann zum Beispiel um zu einer Therapie zu gehen.
00:08:21: Und dann gibt es sogenannte fakultativ geschlossene Stationen.
00:08:25: das heißt da ist die Tür die meiste Zeit offen und nur wenn es einen Grund gibt sie zuzumachen wird sie geschlossen.
00:08:33: Die geschlossenen Türen sind eben wichtig für jener die jetzt beispielsweise Erkrankungen haben durch die sie sich jetzt draußen nicht orientieren können.
00:08:41: Zum Beispiel bei einer fortgeschrittenen Demänzerkrankung oder für Patientinnen, die in einem Zustand sind indem sie halt sehr angespannt und aggressiv sind auch und bei denen man eben nicht garantieren kann dass sie keine Gefahr für andere werden könnten.
00:08:56: Aber ganz wichtig ist, eine geschlossene Station sagt Barbara Just es eben kein Gefängnis und auch keine forensische Psychiatrie wo ja manche unserer Straftäter innen hinkommen um die das hier bei Mordbus geht sondern sie ist eben Teil eines Krankenhauses.
00:09:10: Auch Patienten die auf einer geschlOSSenen Station behandelt werden können ja zum Beispiel einen Ausgang haben wenn keine Gefährdungsaspekte bestehen dann gehen die zum Beispiel zusammen mit ihrer Familie raus oder sie nehmen an Therapien teil, die außerhalb der Station stattfinden.
00:09:27: Kommt wie gesagt immer auf den Zustand bei Patientinnen an.
00:09:30: Bei Vivian ist es so dass sie sich auf dem Klinikgelände frei bewegen darf also zum Beispiel um eine zu rauchen oder um einen Spaziergang zu machen sowie heute mit ihren Eltern.
00:09:41: Regina und Peter sind froh, dass sie die Möglichkeit haben mit ihrer Tochter fernab ihre Stationszimmerszeit zu verbringen.
00:09:47: Vor allem Regina versetzt das sterile Ambiente der Klinik in Unbehagen so dass meistens sie diejenige ist wie bei ihren Besuchen vorschlägt sich draußen die Beine zu vertreten.
00:09:57: Vivian hat sie diesbezüglich offenbar durchschaut.
00:10:00: Mama du hältst es hier nicht mal ein paar Minuten aus, hat sie einmal zu ihr gesagt Und ihr im gleichen Atemzug klar gemacht, dass Sie dagegen jeden Tag hier verbringen müsse.
00:10:11: Doch mittlerweile neigen sich auch Viviens Tage auf der geschlossenen Station dem Ende entgegen.
00:10:16: Regina und Peter sind stolz auf ihre Tochter, in den vergangenen Monaten hat sie große Fortschritte erzielt und macht heute einen viel stabileren Eindruck – in wenigen Tagen wird sie entlassen!
00:10:27: Um Vivian die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern, haben Regina und Peter Vorkehrungen getroffen.
00:10:32: In Ungarn – dem Land aus dem sie gebürtig stammen – haben sie ihrer Tochter auf dem Nachbargrundstück ihres Ferienhauses ein kleines Häuschen eingerichtet, inklusive einer Werkstatt zum Malen und Kreativsein.
00:10:43: Die beiden hoffen, dass Vivian hier eine Art zweites Zuhause findet, einen Rückzugsort an dem sie ganz selbst sein kann, fernab von gesellschaftlichen Bewertungen.
00:10:54: Regina und Peter können es kaum erwarten, ihrer Tochter ihr neues Kleines Reich zu zeigen.
00:10:59: Und all die Bilder zu bestaunen, die sie dort malen wird!
00:11:03: Doch was wir wie ins Eltern an diesem Mai-Tag-Aufenthalt nicht ahnen ist, dass der Therapieaufenthalt ihrer Tocher ein unerwartetes Ende nehmen wird... Wenige Tage später – es ist der einundreißigste Mai, als auf der Station Dreizehn-Fdrei des Astrales Klinikums ein schrilles Geräusch ertönt.
00:11:23: Der Feueralarm ist soeben losgegangen!
00:11:26: Aus einem der Zimmer dringt dichter grauer Qualm unter der Tür hervor.
00:11:30: Sofort rennen einige Pflegekräfte los und schnappen sich die Feuerlöscher, die es auf der station gibt.
00:11:35: Die Rauchentwicklung im Raum ist gewaltig.
00:11:37: wie ein grauer Schleier legt er sich über die Kulisse.
00:11:41: Inmitten dieser chaotischen Szenerie gelingt es dem Pflegepersonal eine Person ausfindig zu machen, die dringend von der gefährlichen Situation weggeschafft werden muss.
00:11:49: Nachdem das geschehen ist öffnen sie die Badezimmertür und entdecken den Brandherd.
00:11:54: Rund anderthalb Meter ragen die Flammen im Bade-Zimmer in die Höhe.
00:11:58: Mit den Feuerlöschern lassen sie sich zum Glück schnell in Schach halten.
00:12:01: Doch die Erleichterung des Stationspersonals hält nicht lange, im Zuge einer Evakuierung werden alle Patientinnen in den Garten gebracht.
00:12:09: Akribisch beginnen die Mitarbeitenden durchzuzählen und Anwesenheiten zu prüfen – und dabei fällt auf es fehlt eine Patientin von der niemand weiß wo sie ist!
00:12:21: Etwa zur gleichen Zeit machen sich Mitglieder der Werksfeuerwehr auf den Weg in das Zimmer, an dem es gebrannt hat.
00:12:27: Zwar haben sie die Mitteilung erhalten dass es Pflegekräften gelungen ist das Feuer eigenständig zu löschen doch Sie wollen sich selbst einen Überblick verschaffen und zugleich mit den Aufräumarbeiten beginnen.
00:12:38: Als die Einsatzkräfte das Zimmer betreten sind sie irritiert.
00:12:42: Es ist leer!
00:12:44: Es gibt nahezu keine Möbel Keine privaten Gegenstände Nicht einmal eine Matratze, die das nackte Lattenrost des Bettes bedeckt.
00:12:53: Auf den ersten Blick wirkt es als sei dieses Zimmer schlichtweg unbewohnt bis die Feuerwehrleute das dazugehörige Badezimmer betreten.
00:13:02: In mitten des gefließten Raums befindet sich ein Berg aus allerlei angebrannten Gegenständen.
00:13:07: Die Einsatzkräfte entdecken darin unter anderem eine matratze Wettbezüge und jede Menge Kleidung Vermutlich jene Sachen, die vorher zu diesem Zimmer gehört haben.
00:13:18: Sie beginnen damit, die Dinge genauer unter die Lupe zu nehmen und dabei entdecken sie etwas, das sie fassungslos zurückschrecken lässt.
00:13:26: In mitten dieser wahllosen Ansammlung von teilweise verbrannten Gegenständen liegt eine leblose Person – eine Frau mit langen blonden Haaren, deren Identität schnell geklärt ist.
00:13:37: Es ist die Patientin, die seit der Stationsewakuierung vermisst
00:13:40: wird.".
00:13:42: Einige Stunden später ist es bereits später Nachmittag, als Peter mit dem Auto unterwegs Richtung Astralis Klinikum ist.
00:13:49: Der sixty-Jährige möchte seiner Tochter Vivien einen spontanen Besuch abstatten – bestimmt wird sie sich freuen wenn er gleich an ihre Zimmertür klopft und ihr ein wenig Gesellschaft leistet!
00:14:00: Doch plötzlich klingelt sein Telefon.
00:14:02: Er kennt die Nummer denn er hat sie selbst schon häufig gewählt….
00:14:06: Es ist die Klinik.
00:14:07: Über die Freisprechanlage meldet sich am anderen Ende der Leitung Viviens behandelnder Arzt.
00:14:13: Peter erklärt ihm, dass er gerade auf dem Weg zu ihnen sei.
00:14:16: und was auch immer es geht – sie können das gleich persönlich besprechen!
00:14:21: Doch das, was der Mediziner ihm zu sagen hat kann offensichtlich nicht warten.
00:14:26: Der Arzt möchte mit Peter nicht über die Behandlung seiner Tochter sprechen, nicht über eine veränderte Medikationen oder ihre geplante Entlassung.
00:14:35: Stattdessen spricht er etwas aus, das Peters Leben mitten auf der Autobahn in Scherben zerspringen lässt.
00:14:40: Vivian ist am Morgen verstorben – sie ist tot!
00:14:45: Peter ist fassungslos….
00:14:48: Tod?
00:14:49: Nein, das kann nicht sein.
00:14:50: Seiner Tochter ging es doch zuletzt noch gut.
00:14:53: Sie war mental so stabil wie lange nicht ….
00:14:55: Wie kann das
00:14:56: sein?!
00:14:57: Peter hat so viele Fragen, doch er kann sie nicht aussprechen….
00:15:00: Panik und Entsetzen drohen ihm die Luft abzuschnüren, und legen sich wie Fesseln um seine Stimmbänder.
00:15:07: Statt die nächste Ausfahrt zu nehmen und direkt zurück nach Hause zu fahren entschließt sich der fünfundsechzigjährige seinen Weg Richtung Krankenhaus vorzusetzen und der schmerzhaften Realität vor Ort direkt ins Auge zu blicken.
00:15:20: Auf dem Gelände der Astralis-Klinik herrscht unterdessen seit mehreren Stunden absoluter Ausnahmezustand.
00:15:26: Zahlreiche Streifenwagen stehen vor dem Gebäude, in dem die Station Dreizehn F drei beheimatet ist – ein schlichter grauer Betonbau, vor dessen Fenster rote Lamellen als Sonnenschutz angebracht sind und der nun großzügig von einem polizeilichen Absperrband umgeben wird.
00:15:43: Als Peter an diesem Nachmittag die Psychiatrie erreicht, erhält er wohl die grausamste Führung seines Lebens.
00:15:49: Polizistinnen zeigen ihm, dass vom Feuer gezeichnete Badezimmer seiner Tochter in dem sie tot aufgefunden wurde.
00:15:56: Aber auch die zahlreichen Gegenstände und Kleidungsstücke unter denen sie wortwörtlich begraben lag und die nun draußen im Garten der Klinik von Mitarbeitenden der Spurensicherung untersucht werden.
00:16:07: Peter kann das alles einfach nicht glauben.
00:16:10: Vivian sollte doch bald entlassen werden.
00:16:13: Er hatte sich darauf gefreut endlich wieder Zeit fern ab der Klingekmau an mit ihr verbringen zu können Und nun zeigt man ihm, wo ihre Leiche gefunden wurde.
00:16:22: Peter kommt es so vor als sei er gefangen in einem Albtraum aus dem es keinen Erwachen gibt und als wäre die Nachricht vom Tod seiner Tochter nicht schon schlimm genug erfährt er vor Ort etwas das ihm endgültig den Boden unter den Füßen wegzieht.
00:16:36: Vivian starb nicht etwa infolge des Brandes sie würde Opfer eines Gewaltverbrechens.
00:16:42: bereits beim Auffinden ihrer Leiche entdeckten Einsatzkräfte die schweren Verletzungen an ihrem Kopf.
00:16:48: Zwar sind die genauen Umstände ihres Todes noch unklar, doch feststeht bereits jetzt das Vivien massive Gewalt angetan wurde und sie höchstwahrscheinlich zahlreiche Schläge gegen den Kopf erleiden musste.
00:16:59: Eine grausame Erkenntnis vor allem für Peter – wer sollte ihr so etwas Furchtbares antun?
00:17:05: Eine Frage auf die die Polizei bereits jetzt eine Antwort geben kann!
00:17:09: Denn wer hinter dieser Schreckenstat steckt muss nicht erst mühselig ermittelt werden….
00:17:15: Als Pflegekräfte am Morgen aufgrund des Feueralarms in Viviens Zimmer stürzen, treffen sie dort auf einen anderen Patienten Jeffrey Lopez.
00:17:24: Der dreißigjährige kniet nahezu ehrfürchtig vor Viviens verschlossener Badezimmertür hinter der die Flammen lodern.
00:17:32: In der einen Hand hält er ein Feuerzeug und in der anderen eine rund um dreizig Zentimeter lange blutverschmierte Eisenstange.
00:17:39: Jeffrey macht auf sie einen verwirrten, gar wahnhaften Eindruck.
00:17:43: Immer wieder spricht er von einer Hure von Babylon die habe brennen müssen.
00:17:48: Die Hure vom Babylon ist eigentlich keine reale Person sondern wird oft als Symbol verstanden für etwas was dem Glauben entgegen steht – für das römische Weltreich manchmal aber auch eine verdorbene korrupte Machtordnung.
00:18:02: Und die hat Jeffrey, so glaubt er zumindest offenbar nun im Badezimmer des Astralesklinikum in Flammen gesteckt.
00:18:10: Der Zwei- und Dreißigjährige ist bereits zum zweiten Mal hier Patient.
00:18:13: Vor rund einem Jahr wurde er erstmals für wenige Tage in der Psychiatrie behandelt.
00:18:18: Erst gestern wurde er dann nach einem aufsehenerregenden Vorfall in seinem Wohnhaus erneut eingeliefert.
00:18:25: Das Klinikpersonal geht davon aus dass er an Paranoida Schizophrenie leidet.
00:18:30: Psychiaterin Barbara Just hat für uns zusammengefasst, was man sich darunter vorstellen kann.
00:18:34: Eine parenidische Schizophrenie ist die häufigste Form der Schizophrenien und hat die klassischen Symptome von Warn also Überzeugungen wie zum Beispiel ich kann das Wetter kontrollieren oder Ich bin außerwählt und bin der Retter der Welt.
00:18:56: Häufig haben die Patienten Halta-Luzination, also entweder sie hören Dinge, die objektiv nicht da sind oder sehen Dinge, Schmecken riechen fühlen Dinge.
00:19:06: Viele haben auch das Gefühl dass andere Menschen ihre Gedanken lesen können oder ihnen fremde Gedanken in den Kopf schicken und ihnen Gedanken wegnehmen können.
00:19:15: Insgesamt eine ganz verstörende Symptomatik wenn sie akut da ist.
00:19:21: Nachdem das Stationspersonal Jeffrey die Eisenstange und das Feuerzeug abgenommen hat, entscheiden sie sich ihn zu fixieren.
00:19:28: Während er auf einer Liege liegt und stramme Gurte seinen Körper bedecken, treten zwei Ärzte der Klinik an ihm heran.
00:19:35: Sie wollen wissen was passiert ist – ob er Vivian, die Patientin deren Leiche gefunden wurde umgebracht habe?
00:19:41: Jeffrey antwortet mit Ja.
00:19:43: Der thirty-jährige wirkt regelrecht euphorisch als er erklärt, die Frau in ihrem eigenen Zimmer getötet zu
00:19:49: haben.".
00:19:50: Er habe keine andere Wahl gehabt, seine Aufgabe auf der Welt sei es der Menschheit das Böse auszutreiben.
00:19:56: Er habe jemanden töten müssen um Zitat Engels gleich zu werden.
00:20:01: Als er am frühen Morgen auf der Station zufällig die schöne blonde Frau gesehen habe, sei seine Wahl auf sie gefallen.
00:20:08: Zunächst sei er duschen gegangen, um sauber zu sein.
00:20:11: Dann habe er eine Eisenstange in seinem Badezimmer von der Decke gerissen und sei ins Nachbarzimmer gegangen – dem Zimmer von
00:20:18: Vivien.".
00:20:19: Er sei entsetzt gewesen, wie unordentlich es in dem Raum gewesen sei.
00:20:23: Das Chaos habe die Anwesenheit des Teufels wiedergespiegelt, sagt er.
00:20:27: Vivien – die er nur «die Frau» nennt – sei im Bad gewesen und als sie sich umgedreht haben, habe er mit der Eisenstange direkt ausgeholt und zugeschlagen.
00:20:37: Einmal zweimal dreimal sagt er und tritt dabei rhythmisch mit den Füßen gegen das Bettende.
00:20:44: Er habe noch überlegt, ihr mit einem Aschenbecher ins Herz zu stechen, erzählt er.
00:20:49: Habe diese Idee dann aber doch wieder verworfen?
00:20:52: Es sind Worte die sowohl beim Klinikpersonal als auch bei der Polizei für Entsetzen sorgen.
00:20:58: Jeffrey hat eine Mitpatientin getötet.
00:21:00: Er hat jemanden Gewaltsame aus dem Leben gerissen und er hat dafür gesorgt dass aus einer psychiatrischen Klinique einen Ort an den Menschen Genesung und Behandlungen suchen ein Tatort wurde.
00:21:11: Wie macht man nach so einer Tragödie weiter?
00:21:14: Auf diese Fragen finden, wie wir uns Eltern Peter und Regina in den kommenden Wochen und Monaten keine Antwort.
00:21:20: An Alltag ist nach dem schmerzhaften Verlust ihrer Tochter schlichtweg nicht zu denken.
00:21:24: Sie haben das erlebt, wovor sich alle Eltern fürchten – sie mussten ihr eigenes Kind beerdigen!
00:21:30: Es ist vor allem diese Endgültigkeit, die Regina und Peter an den Rande der Verzweiflung bringt.
00:21:35: Sie werden Vivien nie wieder lachen hören, sie nie wieder in ihre Arme schließen oder zu Hause nach einem geeigneten Platz für eines ihrer Kunstwerke suchen.
00:21:46: Der Schmerz, den Regina und PETA empfinden, ist nicht in Worte zu fassen.
00:21:50: Vivian hatte doch Zukunftspläne – sie sollte bald aus der Klinik entlassen werden!
00:21:55: Doch anstatt sie eigenständig mit gepackten Sachen zu verlassen, wurde ihre Tochter in einem Leichensack hinausgetragen.
00:22:02: Die beiden haben so viele Fragen – wie genau sahen wir ins letzte Minuten aus?
00:22:07: Musste sie
00:22:08: leiden?!
00:22:09: Wie viel von diesem Materium hat sie miterlebt bis das Leben endgültig aus ihr Weg!
00:22:14: Regina und Peter wissen, dass vor allem der anstehende Prozess gegen den Täter Klarheit bringen könnte.
00:22:20: Aber zugleich ist ihnen bewusst, dass sie einem solchen Verfahren nervlich nicht gewachsen werden.
00:22:26: Und so treten Sie zwar die Nebenklage an – sind aber selbst nicht anwesend als am siebzehnten Juli-Zweißen-Dreiundzwanzig, der Prozess vor dem Münchner Landgericht beginnt!
00:22:35: Etwa ein Jahr nach Viviens Tod in der Psychiatrie beschäftigt sich ab heute eine Schwurgerichtskammer mit dem Verbrechen, dem sie zum Opfer fiel….
00:22:43: Der mittlerweile dreißigjährige Jeffrey Lopez betritt an diesem ersten Verhandlungstag, gekleidet in einem kurzärmlichen weißen Podo-Shirt den Saal.
00:22:52: In seinen Händen hält er einen großen beige Umschlag mit dem er sein Gesicht vor dem Blitzlichtgewitter der Presse schützt.
00:22:59: Lediglich seine kurzen schwarzen Haare sind dahinter zu erkennen!
00:23:02: Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass Jeffries tatrechtlich als Mord zuwerten ist.
00:23:07: Er habe Vivian Heimtürkisch getötet, da die vierzigjährige Ag und wärlos gewesen sei, als er sie mit der Eisenstange im Bad ihres Zimmers überraschte.
00:23:16: Doch das er deswegen ins Gefängnis wandern wird, ist bereits jetzt zur Beginn der Verhandlung unwahrscheinlich.
00:23:22: Bei dem Prozess, der heute beginnt handelt es sich nicht um einen regulären Strafprozess sondern um ein sogenanntes Sicherungsverfahren.
00:23:29: Ja, das ist ein besonderes gerichtiges Verfahren was immer dann geführt wird wenn es deutliche Anzeichen dafür gibt dass Beschuldigte nicht schuldfähig sind.
00:23:39: Und ich denke hier liegt auf der Hand warum Jeffrey das nicht sein könnte?
00:23:43: Ziel eines solchen Sicherungsverfahrens ist es deswegen nicht eine angemessene Freiheitsstrafe festzulegen, sondern herauszustellen inwieweit die Person auf der Anklagebank eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und eine geeignete Maßregel zu bestimmen.
00:23:57: Zum Beispiel eben die Unterbringung in einer forensischen Psychiatrie.
00:24:02: Jeffrey hält auch jetzt etwa ein Jahr nach dem Verbrechen noch immer daran fest das Vivian Habe sterben müssen.
00:24:09: Über seine Anwältin verkündet er, dass die Vierzigjährige eine Hexe gewesen sei und erledigtlich einen Auftrag verendet habe.
00:24:17: Gott habe ihm befohlen sie zu
00:24:19: töten.".
00:24:20: Diese Aussagen legen nahe das Jeffrays Erkrankung auch jetzt noch Dirigenten seines Lebens ist – und in seiner Wahrnehmung den Takt angibt.
00:24:28: Vermeintliche göttliche Befehle waren es auch, die ihn überhaupt erst auf geschlossene Station brachten!
00:24:35: So berichten es jetzt Polizistinnen vor Gericht.
00:24:38: In ihren Aussagen erinnern sie sich an jeden Einsatz, der Sie gerade einmal einen Tag vor der Tat zu Jeffreys Wohnung führte.
00:24:47: Am Morgen des dreißigsten Mai-Zweißen-Zweiundzwanzig bringen Polizisten in Ihren Einsatzwagen vor einem Mehrparteienhaus zum Stehen.
00:24:55: Eine Bewohnerin hat vor wenigen Minuten den Notruf gewählt und von einer beängstigenden Situation berichtet.
00:25:01: Ein Nachbar würde laut herumschreien und komische Geräusche schon sich geben, die Zitat «nicht menschlich klingen würden».
00:25:09: Als die Beamtinnen das Haus betreten, hören sie es sofort – aus einer Wohnung in der oberen Etage.
00:25:15: halt Geschrei durchs Treppenhaus!
00:25:17: Außerdem hören Sie eine männliche Stimme, die laute zusammenhangslose Sätze von sich gibt….
00:25:23: Auf dem Weg nach oben halten sie immer wieder irritiert inne.
00:25:27: Auf den Stufen liegen zahlreiche Wattepads, barlos verteilt und Blut getränkt!
00:25:33: Was geht hier vor sich?
00:25:35: Dann begeben sie sich schließlich zur Wohnung im fünften Stock aus der Alli-Geräusche kommen – die Tür wird ihnen zügig geöffnet.
00:25:43: Vor ihnen steht Jeffrey gekleidet in einem weißen Laken, dass er wie ein religiöses Gewand um seinen Körper geknotet hat….
00:25:50: Er höre auf das Wort Gottes, sagt er und müsse noch mindestens tausend Jahre beten.
00:25:56: Jeffrey wirkt apathisch und aufgeregt – doch immerhin gewährt er den Einsatzkräften freiwillig Zutritt zu seiner Wohnung.
00:26:05: In mitten des Fluors steht eine Waschmaschine.
00:26:08: Jeffrey habe sie dort platziert um Eindringlinge fernzuhalten, sagt der.
00:26:12: Erst jetzt fällt dem Beamtinnen eine kleine Wunde an seinem Handgelenk auf!
00:26:17: Jeffrey erklärt sie damit, dass er sich mit dem Deckel einer Tunfischdose vorsätzlich in die Hände geschnitten habe.
00:26:24: Anschließend habe er das Tunfischeöl mit dem Blut vermischt und sich dann damit eingerieben um sich zu schützen.
00:26:33: Wovor sagt er nicht?
00:26:34: Nahe liegt aber, dass Er damit Satan meint denn sein Hund hat er vor den vermeintlich bösen offenbar nicht mehr retten können.
00:26:43: es gibt jetzt ein Zweifel.
00:26:44: einfach fünfzehn Sekunden.
00:26:45: ja Der Kadawa, das weißen Shiwawas befindet sich in einer Tasche.
00:26:50: Der Hund sei besessen gewesen, erklärt Jeffrey.
00:26:54: Er habe ihn daher zunächst mit einer Nagelschere in die Achse gestochen und anschließend erdrosselt – ganz so wie Gott es ihm befohlen
00:27:02: habe.".
00:27:04: Also ihr merkt, Jeffery bezieht sich hier mehrmals auf Befehle von Gott, die er erhalten haben will?
00:27:08: Das ist bei einer Paranoidenphizofrinie auch ein ganz typisches Symptom, hat uns Psychiaterin Barbara Raios erklärt!
00:27:16: Wenn ich auf einmal in einem leeren Raum eine Stimme höre, dann frage ich mich ja wo kommt diese Stimme her?
00:27:25: und dann finden Menschen Erklärungen dafür wessen Stimme das ist?
00:27:31: Und wo die herkommt und warum ausgerechnet ich diese Stimmbehörer.
00:27:37: Ein nicht geringer Teil der Patienten erklärt sich das mit.
00:27:42: Das muss eine göttliche Stimme sein.
00:27:45: Also habe ich schon in allen Varianten erlebt.
00:27:49: Manche sind aber eher auch so von der Popkultur geprägt und sagen dann, das ist wie in Matrix.
00:27:57: Und ich glaube dass so viele Menschen sagen, das is die Stimme Gottes oder auch Die Stimme des Teufels.
00:28:03: hat was mit dieser einfach überwältigenden Erfahrung zu tun?
00:28:07: Für die Polizei ist bei dem ganzen Gerede über göttliche Aufträge jedenfalls klar, Jeffrey ist in einer psychischen Ausnahmesituation.
00:28:15: Er ist ganz offensichtlich nicht Herr seiner Sinne und braucht Hilfe.
00:28:20: Zunächst entscheiden sie sich daher ihn mit auf die Polizeistation zu nehmen.
00:28:24: Auf den Weg dorthin betet er zweiunddreißig jährige nahezu Ununterbrochen.
00:28:28: Doch dann sagt er plötzlich ganz beiläufig etwas das die Polizistinnen aufforchen lässt!
00:28:37: Auch das sei Teil seines göttlichen Auftrags.
00:28:41: Bei den Beamtinnen klingeln in dem Moment die Alarmglocken, denn spätestens jetzt ist klar dass Jeffrey nicht nur vor sich selbst geschützt werden muss sondern auch andere vor ihm!
00:28:51: Die Polizei nimmt nun Kontakt mit dem Gesundheitsreferat in München auf berichtet von den Geschehnissen im Wohnhaus aber auch von Jeffries Ankündigung einen Menschen töten zu wollen.
00:29:02: Die Behörde kommt daraufhin zu dem Entschluss, dass eine Selbst- und Fremdgefährdung vorliegt und ein hohes Risiko für wahrenhaft motivierte Handlungen.
00:29:10: Und deswegen entscheiden sie sich Jeffrey in der Psychiatrie unterzubringen – und zwar im Rahmen einer sogenannten
00:29:17: Zwangseinweisungen.".
00:29:18: Ja, das ist wie das Wort Zwang schon sagt erstmal eine Maßnahme die gegen den Willen eines Menschen geschieht und trotzdem kann es in ausgewählten Fällen durchaus sinnvoll sein, sagt Psychiaterin Barbara Joost.
00:29:31: Wenn ich im Rahmen einer psychischen Erkrankung mich selbst oder andere gefährde, dann wäre es ja sinnvoll sich behandeln zu lassen.
00:29:41: Also wenn das aufgrund...wenn ich mich so suicidieren will weil ich schwer depressiv bin würde es Sinn machen die Depressionen zu behandeln und verschwindet auch die Suizidalität.
00:29:50: Oder wenn ich in betrunkenem Zustand extrem aggressiv bin wäre es sinnvoll nüchtern zu werden betrunken Straftaten zu begehen.
00:30:01: Eine psychische Erkrankung kann aber dazu führen, dass ich meinen eigenen psychischen Zustand selber nicht mehr gut einschätzen kann.
00:30:08: Deswegen kann es passieren, dass die Betroffenen selbst nicht merken das sie psychiatrische Hilfe bräuchten und die auch vehement ablehnen.
00:30:18: Aber zwangsunterbringen kann man eben auch nur, wenn eine akute Gefährdungslage wegen der behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen vorliegt.
00:30:26: Also sei es jetzt für das eigene Leben oder eben für andere.
00:30:29: So sieht das das sogenannte psychisch kranken Hilfegesetz in Bayern vor wo sich Jeffrey ja gerade befindet.
00:30:36: Sabrina Diel ist Fachanwältin für Medizin und Arzthaftungsrecht.
00:30:39: Und außerdem sogenannte Verfahrenspflegerin bedeutet ihre Aufgabe, es bei Zwangseinweisungen oder anderen Zwangsmaßnahmen die Interessen der betroffenen Patientinnen zu vertreten und zu schauen ob alle Schritte rechtmäßig erfolgen.
00:30:53: Sie hat uns erklärt dass die Entscheidung ob jemand in der Psychiatrie bleiben muss oder nicht, nicht bei den einschätzenden Ärztinnen liegt.
00:31:01: Es muss unverzüglich die richterliche Genehmigung eingeholt werden.
00:31:05: Das heißt, das Gericht wird informiert.
00:31:07: Es wird eine Verfahrenspflegschaft eingerichtet.
00:31:09: D. h., nicht aus Gericht alleine entscheidet sondern auch Verfahrenspfleger sind dann Rechtsanwältinnen und Rechtsanwelten, die eingeschaltet werden.
00:31:15: Die überwachen das Verfahren Und dann wird die Person angehört und dann überprüft ob die Entscheidung rechtmäßig war und beibehalten bleibt.
00:31:23: Meist sind das Amtsgerichte bzw Betreuungsgerichte als zuständige Abteilung.
00:31:28: Die Hürden, zwangseingewiesen zu werden sind also recht hoch.
00:31:33: Grundsätzlich sagt Sabrina Diel unterscheiden sich in den Bundesländern die gesetzlichen Bestimmungen zur Zwangseinweisung wenn auch nur in Nuancen.
00:31:41: In Bayern jetzt wo unser Fall spielt ist es zum Beispiel so dass spätestens bis zum nächsten Tag um zwölf Uhr eine richterliche Entscheidung fallen muss.
00:31:50: In anderen Bundesländer muss das in der Regel innerhalb von vierundzwanzig Stunden passieren Und wenn dann von Seiten des Gerichts entschieden wird, dass eine Unterbringung nicht nötig ist, dann dürfen die Patientinnen tatsächlich auch gehen.
00:32:02: Auch wenn die Ärztinnen anderer Meinung sind!
00:32:05: Bei Jeff Ray war es so, dass ein zuständiger Betreuungsrichter die Zwangsunterbringungen wenige Stunden nach der Tat anordnete – also zu einer Zeit nachdem auf der geschlossenen Station vor Zwangseingewiesene mit jenen, die sich dort freiwillig behandeln lassen für einen Türleben, die Feuermelder schon losgegangen
00:32:22: waren.".
00:32:23: Wieder und wieder schlug er mit der Eisenstange zu.
00:32:27: So schilderte es Jeffrey kurz nach Viviens Leichenfund noch in der Klinik, doch das Gericht weiß dass er damit nicht alles erzählt denn sowohl die Ermittlungen am Tatort als auch die Obduktionsergebnisse von Vivien's Leichnamen legen nahe das Immatürium nicht nur aus Schlägen bestand und so rekonstruiert die Kammer das furchtbare Geschehen des einundreißigsten Mai vergangenen Jahres schließlich folgendermaßen Es ist zwischen neun und zehn Uhr, als Jeffrey eine eiserne Duschvorhang-Stange von der Decke seines Badezimmers reist und sein Patientenzimmer verlässt.
00:33:00: Da auf der Station Dreizehn F drei gerade Schichtwechsel ist – und viele Mitarbeitende sich in einem Übergabegespräch befinden – scheint niemand zu bemerken wie er mit der Stange in seiner Hand über den Flur läuft und wie wir ins Zimmer betritt.
00:33:14: Als er sie im Bad antrifft, holt er sofort aus und verletzt die Vierzigjährige dabei mehrmals schwer am Kopf.
00:33:20: Laut rechtsmedizinischem Gutachten erleidet Vivien mehrere Schädelfrakturen, Quetschungen sowie eine Prellung am Großhirn.
00:33:28: Als der Angeklagte von Vivian ablässt ist die Lauteinschätzung des Sachverständigen noch am Leben.
00:33:34: Während Vivian schwer verletzt am Boden liegt, reist er ihr den Strickpolovar, den sie trägt vom Leib.
00:33:40: Das eine Ende bindet er am Handlauf der Dusche fest – das andere um Vivians Hals.
00:33:45: Aufgrund der Kompressionswirkung wird Vivian stranguliert.
00:33:49: Sie hat keine Chance.
00:33:51: Als Jeffrey davon überzeugt ist, dass Vivian tot ist, schnappt er sich sämtliche Gegenstände die er in ihrem Zimmer findet.
00:33:57: Er wirft Kleidungsstücke auf sie, Bettwäsche aber auch eine Matratze und Möbel.
00:34:03: dann zunimmt er sie mit einem Feuerzeug an, das er laut eigener Aussage in Viviens Zimmer gefunden hat und errichtet einen brennenden Scheiterhaufen unter dem die Tote Vivien begraben liegt.
00:34:13: Und erst gefunden wird nachdem der Feueralarm losgeht und jede Hilfe längst zu spät
00:34:18: ist.".
00:34:19: Ja ich weiß nicht wie es euch geht aber ich frag mich natürlich an dieser Stelle wie kann sowas nicht bemerkt werden in dem Moment?
00:34:25: Wie können das passieren?
00:34:26: Ist nochmal eine andere Frage.
00:34:28: Mir ist natürlich klar, dass auch auf einer geschlossenen Station Leute ihren Freiraum haben und das da nicht alles lückenlos überwacht wird.
00:34:36: Aber dieser ganze Akt der Tötung und des Umräumens – was ja auch Geräusche sicherlich gemacht haben wird – das wird ja auch alles gedauert haben!
00:34:47: Jeffrey hat Vivian auf brutale Weise das Leben genommen.
00:34:50: Und der psychiatrische Sachverständige ist der Ansicht, diese Tat ist zweifizfrei – auf seine noch immer anhaltende Erkrankung zurückzuführen!
00:34:59: Der Mediziner hat mit Jeffrey im Vorfeld der Verhandlung mehrere Evaluationsgespräche geführt.
00:35:04: Sein schriftliches Gutachten war maßgeblich dafür, dass sich das Gericht für ein Sicherungsverfahren entschied.
00:35:10: der psychiatrische Sachverständige erklärt, dass Jeffrey kein Unrechtsbewusstsein dafür habe, das die Tat moralisch falsch war.
00:35:17: Im Laufe seiner Erkrankungen, die er vermutlich irgendwann zwischen dem Ende seines letzten stationären Aufenthaltsende April, und seiner gerade mal vier Wochen späteren Zwangseinweisung im darauf folgenden Mai entwickelt habe Jeffrey ein religiöses Wahngebäude aufgebaut.
00:35:34: Sowohl zum Zeitpunkt seiner Unterbringung als auch zur Tat, haben er unter starken akustischen Halluzinationen gelitten in Form von imperativen Stimmen – also Stimmen die ihm Befehle erteilen.
00:35:44: Außerdem habe er unter inhaltlichen Denkstörungen gelitten.
00:35:48: Bedeutet, dass Jeffrey Vivian tötete, befand er sich in einem psychotischen Zustand, also quasi einer Psychose.
00:35:55: Wie man sich das vorstellen kann, hat uns Barbara Jos noch mal
00:35:58: erklärt.".
00:35:59: psychose ist glaube ich so das schlimmste was man erleben kann selber ja weil wir verlassen uns alle ganz selbstverständlich darauf dass was wir hören und sehen und riechen und schmecken der realität entspricht.
00:36:13: und dass unser gehirn uns so veräppeln kann, so verarschen kann muss fürchterlich sein.
00:36:19: Und ich versuche es mir immer sofort zu stellen wenn wir nacht träumen da träumt man ja manchmal auch wirklich hanebüchenden blöd sind und man fragt sich morgens Wie kommt mein Gehirn auf so einen Quatsch, aber auch auf solche Albträume?
00:36:35: Und das ist vielleicht so das Äste wie ich mir vorstellen kann, wie es sein muss innerhalb Psychose zu sein.
00:36:40: Nämlich wie in einem andauernden
00:36:44: Albtraum.".
00:36:46: In diesem Zustand sei Jeffrey weder einsichts noch steuerungsfähig gewesen Und dieser Einschätzung schließt sich die Kammer letztendlich an, als sie am achtundzwanzigsten Juli, zwei tausenddrei und zwanzig nach sechs Verhandlungstagen ihr Urteil verkündet.
00:36:59: Das Landgericht München ordnet die Unterbringung von Jeffrey in einem psychiatrischen Krankenhaus an.
00:37:06: Statt als Insasse einer Zelle wird er sein Leben ab sofort als Patient in einer forensischen Psychiatrie verbringen.
00:37:13: Wann – und ob – Jeffrey jemals wieder ein Leben in Freiheit führen wird ist unklar!
00:37:18: Denn seine Unterbringung endet erst, wenn er laut Einschätzung eines Gerichts nicht mehr als gefährlich gilt.
00:37:24: Die Kammer macht mit dieser Einschetzung klar, dass sie davon überzeugt ist, das die Gesellschaft vor Jeffrey geschützt werden müsse – ein Schutz den Vivien nicht erfahren hat!
00:37:35: Für ihre Eltern spielt das Urteil keine große Rolle.
00:37:39: Was ändert das schon?
00:37:40: Ihre Tochter ist tot….
00:37:42: Inmitten ihrer Familie klafft ein Loch.
00:37:44: Daran kann keine Maßregel und kein Gericht dieser Welt etwas ändern.
00:37:49: Auch ein Jahr nach, wie wir ins Tod ist die Trauer in ihrem Alltag nach wie vor allgedenwärtig.
00:37:55: Und dann ist da noch ein Gefühl, dass sie schon die ganze Zeit mit sich herum tragen – Unverständnis!
00:38:01: Obwohl im Zuge des Prozesses klar wurde, wie ihre Tochter zu Tode gekommen ist und was offensichtlich im psychisch kranken Täter vorging haben Regina und Peter Fragen auf die sie einfach keine Antwort finden….
00:38:13: Wie konnte so etwas in einer psychiatrischen Klinik passieren?
00:38:17: Wie konnte ihre Tochter an so einem Ort zum Opfer werden.
00:38:21: und wie kann es sein, dass ein Mann der angekündigt hatte einen Menschen umbringen zu wollen einfach so in Viviens Zimmer reinspazieren konnte.
00:38:30: Regina und Peter haben Vivien in der Astralis-Klinik immer gut aufgehoben vermutet – doch rückblickend sind sie sich da nicht mehr so sicher!
00:38:40: Die Rolle der Klinik in bewirnst Todesfall ruft auch die Behörden auf den Plan.
00:38:44: Die Staatsanwaltschaft München nimmt daher Ermittlungen gegen unbekannt auf, mit dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung durch
00:38:50: unterlassen.".
00:38:51: Das ist ein logischer Schritt, denen zu gehen, sagt Sabrina Dielf, Fachanwältin für Medizin und Arzthaftungsrecht – dabei geht es dann darum zu prüfen, ob jemand von der Klingek eventuell keine entsprechenden Schutzmaßnahmen getroffen hat, also ob die Tat hätte verhindert werden können und auch hätten verhindern müssen!
00:39:09: Und genau das würde die Staatsanwaltschaft nun in Viviens Fall herausfinden.
00:39:12: Also ob es ein relevantes Unterlassen gab, dass Jeffrey's Tat ermöglichte oder zumindest vereinfachte.
00:39:18: Bereits im
00:39:19: November-Zw.a.,
00:39:21: also noch Vorprozess am Münchner Landgericht beauftragt die Staatsaneweidschaft daher einen Gutachter.
00:39:26: Er soll die Vorgänge auf der geschlossenen Station rund um die Tat genauer unter die Lupe nehmen und herausfinden, ob im Umgang mit Jeffrey womöglich folgenschwere Fehler begangen wurden.
00:39:36: In den kommenden Monaten wälzt sich der Sachverständige durch Klinikunterlagen und anderen Papierkramen.
00:39:43: Und im April, es legt schließlich sein eindeutiges Ergebnis vor – ein Ergebnis das für die Staatsanwaltschaft richtungsweisend sein wird und dass wir wie ins Eltern so nicht erwartet hätten!
00:39:57: Es gibt einige Dinge, die der Gutachter der Staatsanwalt im Umgang des Stationspersonals mit Jeffrey kritisch sieht….
00:40:04: So sei seine Medikamentendosehrung nach der Aufnahme unangemessen niedrig gewesen.
00:40:09: Außerdem empfindet der Sachverständige es als problematisch, dass sich Draftray in den weniger als vierundzwanzig Stunden zwischen Aufnahme und Tatbeschehen auf der Station frei bewegen konnte.
00:40:20: Zudem habe ein Pfleger ihn am Morgen der Tat als sehr angespannt erlebt – er habe herumgeschrieben die angebotenen Medikamente abgelehnt und den Pflegar mit einem angereichten Becher Wasser
00:40:30: übergeschüttet.".
00:40:32: Darauf habe das Personal nicht angemessen reagiert, findet der Sachverständige.
00:40:36: Wie man seiner Meinung nach hätte reagieren müssen wird nicht öffentlich bekannt
00:40:40: gegeben.".
00:40:41: Man kann also sagen, der von einer Staatsanwaltschaft beauftragte Sachverständig erkennt an dass im Umgang mit Jeffrey auf der geschlossenen Station der Astralis Klinik nicht alles optimal lief aber ein pflichtwidriges Verhalten liege nicht vor.
00:40:57: So kommt der Gutachter zu dem Fazit, dass sich die zitat plötzliche erhebliche psychotische Dekompensation des Täters für das Personal nicht habe erkennen lassen.
00:41:08: Anders formuliert für die Stationsmitarbeitenden sei es nicht voraus zu sehen gewesen, dass Jeffrey wirklich töten würde und es seien keine strafrechtlich relevanten Fehler begangen worden, Dass der Sachverständige das Personal der Astralis-Klinik weitestgehend entlastet, erfahren auch Regina und Peter.
00:41:29: Die beiden könnten das so hinnehmen – doch es kommt für sie vor allem aus einem Grund nicht am Frage!
00:41:35: Gemeinsam mit ihrer Anwältin haben Sie ein eigenes Sachverständigen gutachtenden Auftrag gegeben und den renommierten Psychiater Prof.
00:41:42: Karl Heinz Beine gebeten die Vorgänge auf der geschlossenen Station zu bewerten ….
00:41:48: Tatsächlich kommt er zu völlig anderen Ergebnissen als der Gutachter der Staatsanwaltschaft.
00:41:54: Beine spricht von eindeutigen und gravierenden Behandlungsfehlern des Klinikpersonals – erster Meinung, dass sowohl der Zustand von Jeffrey als auch sein Gefährdungspotenzial in der Astralesklinik völlig falsch eingestuft wurden.
00:42:09: So führt Karl-Heinz Beine etwa an, dass Jeffrey in den knapp vierundzwanzig Stunden vor der Tat fast durchgängig angespannt und nicht kontaktfähig gewesen sei!
00:42:18: Diese Einschätzung trifft er vor allem auf Basis der Klinikunterlagen.
00:42:22: Daraus geht hervor, dass sich Jeffrey kurz nach seiner Aufnahme auffällig und aggressiv gegenüber dem Personal in der Psychiatrie verhielt.
00:42:30: Anders als der Gutachter der Staatsanwaltschaft sieht Karl-Heinz Beine ein massives Warnsignal darin, das Jeffrey sich bei Gesprächen die Ohren zuhielt mitarbeiten beanbrüllte und sich von ihnen entblöste.
00:42:42: Außerdem hatte er die Medikamente, die einen Stationsarzt ihm anbot nicht nur nicht annehmen wollen sondern sie ihm sogar aus der Hand geschlagen.
00:42:50: Später nahm er sie dann doch, die Abendmedikation verweigerte er wieder.
00:42:55: Am nächsten Morgen lehnte er sie ab und verschüttete auch noch dieses Glas Wasser über einen Pfleger.
00:43:00: Auch Psychiaterin Barbara Joost hat uns erklärt dass man so ein Verhalten auf der geschlossenen Station generell erst mal ernst nehmen müsse.
00:43:09: Also ganz allgemein muss die Grundhaltung dies sein.
00:43:12: Was außerhalb einer psychiatrischen Klinik nicht okay ist, ist auch innerhalb einer psychiatrischen Klinique nicht ok.
00:43:19: Das heißt wer rumbrüllt, wer bedroht, wer mit Gegenständen wirft, dann muss man sofort ins Gespräch reingehen und die Situation klären und sagen also da muss es eine Nulltoleranz geben ja?
00:43:35: Das machen wir auch, weil wir sind diejenigen, die im Zweifel als erstes beschimpft bedroht beworfen werden.
00:43:45: Und das heißt jedes Mal wenn jemand nur laut die Tür knallt geht jemand hin und sagt sie haben jetzt die Tür geschmissen muss ich mir irgendwie Gedanken machen.
00:43:56: Aber das Wasserglas ist auch nicht das einzige Wahrzeichen, dass Gutachter Professor Beine und bei Jeffrey bedenklich fand.
00:44:02: Also er hatte ja auch seinen Hund kurz vor der Einweisung getötet und mehrmals gegenüber der Polizei angekündigt einen Menschen umbringen zu wollen.
00:44:11: Beine kommt daher zu dem Schluss, dass er bei Aufnahme als ständige Gefahr- und schwerst krank hätte eingestuft werden müssen und eine Eins-zu-eins Betreuung dringend erforderlich gewesen wäre!
00:44:23: Ja, und ich habe mich an der Stelle ehrlicherweise natürlich auch gefragt.
00:44:26: Also er wird ja von zu Hause eingesagt weil man ihn für gefährlich für sich oder für andere hält Und diese Gefährlichkeit nehme ich mal an die verschwindet dann nicht einfach so auf der geschlossenen Station.
00:44:37: Klar da hat man geschulte Leute und Betreuung eigentlich auch Medikation aber die durfte er ja offenbar ablehnen Weil man eine Zwangsmedikation auch erst wieder hätte genehmigen lassen müssen.
00:44:48: Fachanwältin für Medizin und Arzthaftungsrecht Sabrina Diel hat uns dazu erklärt, dass es eben schon so ist.
00:44:54: Dass es für eine Einschätzung der Gefährlichkeit nicht reicht sich anzusehen was in Jeffries Wohnung passiert ist also wie er mit der Polizei geredet hat das die davor gefunden haben und wie er sich in der Klinik verhalten hat.
00:45:05: man muss schon ne komplette Anamnese machen Mitfamilien, Anamnesen und Krankengeschichte.
00:45:11: Und auch schauen wir sich die Person in diesem Setting da Verhalten.
00:45:15: Denn tatsächlich so deal verändern manche ihr Verhalten vor Ort offenbar recht schnell, beispielsweise wegen des Settings, Medikamenten und so weiter.
00:45:25: Das war jetzt bei Jeffrey ja nicht so.
00:45:27: aber so auffällig dass man ihn in ein sogenanntes Überwachungszimmer mit beispielsweise Kameras hätte stecken müssen das man dann auch von außen abschließen kann war er zumindest fürs Klinikpersonal offenbar auch nicht.
00:45:40: Und dass das gesetzlich geregelt ist, dass man das auch nicht einfach so machen darf.
00:45:44: Das es auch richtig so hat uns Barbara Just gesagt.
00:45:47: Also am sichersten wäre es ja, wir würden alle Patientinnen und Patienten in einem Überwachungszimmer einsperren und dann möglichst noch fixieren also im Bett festbinden.
00:45:59: Dann wären alle am sicheresten, dann könnte es nicht passieren, dass MitarbeiterInnen in ein Überwachungszimmer reingehen beschimpft bedroht mit einer Wasserflasche beschmissen werden.
00:46:09: Das wäre dann aber eine Umgebung, wo ja keine vertrauensvolle Zusammenarbeit und kein therapeutisches Bündnis geschlossen werden kann.
00:46:18: Gutachter Professor Karl-Heinz Beine ist dennoch der Meinung die Klinik habe sich bei der Behandlung von Jeffrey gravierende Versäumnisse in sämtlichen Phasen geleistet.
00:46:28: Diese Einschätzung setzt Regina und Peter massiv zu.
00:46:31: Der Gedanke, dass Vivian noch leben könnte wenn sein Zustand anders bewertet worden wäre ist für sie kaum zu ertragen.
00:46:38: Für Sie haben die Mitarbeitenden auf der geschlossenen Station der Astralis Klinik schlichtweg versagt Sowohl vor Vivians Tod als auch danach.
00:46:46: Regina und PETA sind schwer enttäuscht über den Umgang der Kliniken mit dem Fall ihrer Tochter.
00:46:51: Bis heute haben sie keine Erklärung bekommen Keine Stellungnahme Nicht einmal eine Kondolenznachricht zu Viviens Beerdigung.
00:46:59: Bei ihnen kommt es so an, als wolle man auf der Station schnell wieder zum Alltag übergehen.
00:47:04: Zugleich gibt Ihnen das Gutachten ein wenig Hoffnung darauf dass die Staatsanwaltschaft ist um Anlass nimmt ihr eigenes Gutachten in Frage zu stellen weitere Ermittlungen anzustellen und die Umstände die zum Tod ihrer Tochter führten noch genauer aufzuklären.
00:47:19: Doch daraus wird nichts.
00:47:20: Im Januar, zwei Tausendfünfundzwanzig fast drei Jahre nach dem Verlust ihrer Tochter erfahren Regina und Peter etwas das ihnen erneut den Boden unter den Füßen wegzieht.
00:47:30: Die Staatsanwaltschaft München hat die Ermittlungen gegen unbekannt im Umfeld der Klinik eingestellt.
00:47:35: In ihrer Begründung macht die Behörde deutlich, dass sie weiterhin an ihrem sachverständigen Gutachten festhält und dass sie davon überzeugt ist das es kein strafrechtlich relevantes Unterlassen der behandelnden Ärztinnen oder des Pflegepersonals gab.
00:47:48: Dass Jeffrey's Tat ermöglichte – oder zumindest vereinfachte.
00:47:53: Regina und Peter sind fassungslos!
00:47:56: Wie kann das sein?
00:47:57: Ihr Gutachter hat doch festgehalten, daß es massive Behandlungsfehler gab.
00:48:02: Die beiden aber auch ihre Anwältin sind der Überzeugung, dass es angesichts der völlig auseinandergehenden Gutachten weitere Ermittlungen geben müsste.
00:48:10: Dass die Staatsanwaltschaft weitere Untersuchungen anstellen müsste um die Rolle der Klinikmitarbeitenden in Viviens Todesfall juristisch zu beleuchten.
00:48:18: Um das zu erreichen legt Peters und Reginas Anwälte Beschwerde gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens ein Doch die wird abgelehnt.
00:48:26: Die zuständige Generalstaatsanwaltschaft weist darauf hin, dass es sich bei der Tat um einen schicksalhaften Verlauf handele – eine Aussage, die Viviens Eltern auf keinen Fall so stehen lassen wollen!
00:48:39: Am Sechsten Mai, zwei Tausendfünfundzwanzig finden sich Regina und Peter auf einer Bühne in einem kleinen Veranstaltungssaal wieder hinter ihnen ein schwarzer Vorhang, der irgendwie zu der Dunkelheit passt, die seit Viviens Tod in Reginas und Peters Leben eingezogen ist.
00:48:55: Vor ihnen und ihrer Anwältin stehen auf einem Tisch Mikrofone.
00:48:59: An diesem Dienstag findet eine Pressekonferenz statt.
00:49:02: Vivian's Eltern haben beschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen um so den Druck auf die Staatsanwaltschaft zu erhöhen – ein Schritt der Regina-und Peter viel Kraft kostet und denen sie dann noch bereit sind zu gehen.
00:49:14: Vivien hatte zur Lebzeiten einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
00:49:17: Ihr war es immer wichtig dass es den Menschen in ihrem Umfeld gut geht!
00:49:21: Daher klauen Regina und Peter, dass ihre Tochter stolz auf sie wäre – wenn Sie wüsste wie sie nun für sie kämpfen.
00:49:29: Nachdem Reginas und Peters Anwältin die grausamen Details der Tat und das Gutachten von Karl Beine erläutert hat macht sie ihren Unmut gegenüber der Staatsanwaltschaft München laut.
00:49:38: Man habe überhaupt nicht ordentlich ermittelt, sagt sie und sich einzig und allein auf dem sachverständigen Gutachten
00:49:44: ausgeruht.".
00:49:45: Die süddeutsche Zeitung berichtet, dass die Anwältin kritisiert, das noch nicht einmal Zeug innen vernommen worden seien.
00:49:52: Dann ist Regina an der Reihe – ihr fällt das Reden deutlich schwerer als ihre Anwälten!
00:49:58: Schon als sie sich als Mutter von Vivian vorstellt fließen die Tränen und ihr bricht die Stimme weg.
00:50:03: aber sie zeigt sich auch entschlossen und kämpferisch.
00:50:34: Inzwischen hat sich ihre Anwältin, nachdem die Staatsanwaltschaft die Beschwerde gegen Einstellung des Verfahrens abgelehnt hat an das Oberlandesgericht München gewendet.
00:50:42: Sie hat einen Antrag auf ein sogenanntes Klage-Erzwingungsverfahren gestellt.
00:50:47: Laurent Lafleur ist Richter und Pressusprecher beim Oberlandesgericht in München, und er hat uns erklärt was das überhaupt is'.
00:50:54: Das klage Erzwingungsverfahren ist ein wichtiges Instrument zur Absicherung und zur Durchsetzung des Legalitätsgrundsatzes.
00:51:02: Der legalitäts Grundsatz besagt dass die Staatsanwaltschaft dazu verpflichtet ist Straftaten zu ermitteln.
00:51:08: steht also mich im freien Ermessen einer Staatsanwaltschaft, ob sie jetzt gerade Lust oder Zeit hat eine Straftat zu ermitteln.
00:51:15: Sondern wenn ein sogenannte Anfangsverdacht vorliegt, wenn man also Hinweise darauf hat dass eine Straftat möglicherweise begangen wurde muss die Staatsanwalt dem nachgehen?
00:51:25: Ja und um das eben abzusichern gibt es das sogenannte Klage Erzwingungsverfahren.
00:51:30: Das heißt ist die Entscheidung darüber ob Anklage erhoben wird nicht mehr bei der Staatsanweilschaft liegt sondern dann beim Gericht weil ja dann im Raum steht, dass die Staatsanwaltschaft einen Fehler gemacht hat.
00:51:42: Und das sehen Regina und Peter – und deren Anwältin hier als gegeben aufgrund der Einstellung der Ermittlungen!
00:51:47: Doch im Juli-Zweißundzwanzig lehnt das Oberlandesgericht München den Antrag ab.
00:51:52: Es wird keine neuen Ermittlung geben.
00:51:55: Dabei war es genau das was sich Regina und PETA so gewünscht hatten.
00:51:59: Aber schon allein darin sieht Laurent Lafleur Pressesprecher vom Oberlandestgericht.
00:52:05: Das klare Erziehungsverfahren dient gerade nicht dazu, weitere Ermittlungen durchzuführen.
00:52:09: Sondern das Anklagemonopol der Staatsanwaltschaft zu durchbrechen und eine Staatsanwaltjob die sich aus welchem Genuch immer falsch entschieden hat keine Anklages zu erheben, dazu zu zwingen an Klagezuherheben.
00:52:21: Ermittlungen erzwingen kann man nur in ganz eng begrenzen Ausnahmefällen nämlich dann wenn die Staatsanstaltschaft sich von vornherein überhaupt weigert ermittlung aufzunehmen.
00:52:30: Das war hier tatsächlich gar nicht der Fall, auch wenn die Anwältin von Regina und Peter das der Münchner Staatsanwaltschaft öffentlich vorgeworfen hatte.
00:52:38: Auf Anfrage hat uns die Pressesprecherin mitgeteilt dass sehr wohl ermittelt wurde Zeug in den Seilen vernommen worden und der beauftragte Sachverständige habe sich auch mehrmals zu dem Gutachten geäußert, dass die Familie einen Auftrag gegeben hatte.
00:52:52: er ist halt nur nicht von seinem Ergebnis abgewichen.
00:52:55: Das Oberlandesgericht kommt also zu dem Entschluss, dass die Staatsanwaltschaft München ihr Soll erfüllt hat.
00:53:01: Aber selbst wenn weiter ermittelt worden wäre ist fraglich ob es zu einer Anklage gekommen wäre.
00:53:05: Denn im Strafrecht müsste man mit Ansicherheit Grenzen der Wahrscheinlichkeit sagen können müssen.
00:53:11: das wie wir hier noch leben würde wenn das Klinikpersonal anders gehandelt hätte.
00:53:15: und genau das ist in einer Psychiatrie oft kaum möglich sagt Sabrina Diel.
00:53:22: Objektiv überprüfbaren Sachverhalte.
00:53:25: Es geht ja nicht darum, wie beispielsweise ein Röntgenbild wird falsch ausgewertet.
00:53:29: A ist nur eine Stauchung und hinter sagt jemand Ja super das war ein dreifacher Bruch oder einen Vertreterbruch Das hätte man aber erkennen müssen.
00:53:35: Das kann man objektiv Überprüfen.
00:53:38: Aber gerade die Einschätzung einer psychischen Erkrankungen Die Diagnose Stellung
00:53:44: ist
00:53:44: rückwirkend immer einfacher als in der Situation.
00:53:47: Das Rückwirken dann aber auch zu überprüfen, ob das richtig war – das ist eigentlich fast
00:53:52: unmöglich.".
00:53:53: Regina und Peter sind nun am Ende ihres juristischen Weges angelangt.
00:53:57: Die einzige Möglichkeit die ihnen laut Einschätzung ihrer Anwälte nun noch bleibt, ist eine Verfassungsbeschwerde.
00:54:03: Doch ihnen ist klar dass sie das mehr Kraft- und Nerven kosten würde, als sie noch übrig haben und die Erfolgsaussichten geringen.
00:54:10: Und so treffen Regina und Peter im Sommer-Zweitersohnzwanzig schließlich eine Entscheidung.
00:54:15: Sie werden den Kampf gegen die Justiz nicht weiterführen.
00:54:18: Mittlerweile haben Regina und PETA Deutschland den Rücken gekehrt, sind nach Ungang gezogen – jenem Land aus dem sie gebürtlich stammen weit weg von Bayern.
00:54:27: Weit weg von jenEM Ort an dem ihr einziges Kind gewaltsam getötet wurde.
00:54:32: Doch sind sie ihrer Tochter nun näher als zuvor!
00:54:36: Viviann wurde in Budapest begraben….
00:54:38: Ihren eingravierten Namen auf der marmorierten Grabsteinplatte zu lesen, gleicht Fürigina und Peter auch fast vier Jahre nach der Tat noch immer einem Stich ins Herz.
00:54:48: Auf der Grabstelle steht auf Ungarisch – wir konnten uns nicht verabschieden!
00:54:52: Wir sehen uns bei
00:54:53: Gott!".
00:54:55: Es ist inmitten dieser Tragödie der einzige Trost für Regina und Peter.
00:55:00: Eines Tages daran glauben sie fest werden Sie Vivian wiedersehen.
00:55:04: doch bis dahin wird der Schmerz über ihren Verlust sie begleiten Darüber, dass ihre Tochter viel zu früh die Welt verlassen hat.
00:55:11: Dass sie brutal aus dem Leben gerissen wurde und das ihr an einem Ort Genesung suchte dort aber nur ihr tragisches Ende fand.
00:55:21: Ich bin wirklich unfassbar traurig für die Eltern Und natürlich auch für Vivian selbst Die die letzten Jahre ihres Lebens ja durch diese Erkrankungen sicherlich schon genug Hürden bewältigen musste.
00:55:32: Also ich bin jetzt generell nicht dafür Klinikpersonal da jetzt in die Verantwortung genommen werden muss, wenn man Empathie hat das hier offenbar keine Hinweise für einen unterlassen Vorlagen.
00:55:43: Ja aber klar.
00:55:45: also wenn jetzt keine Ahnung meine Schwester oder mein Partner in so einer Klinique wären und dann würde sowas passieren würde ich... Also jeder würde sich ja denken wie kann das passieren?
00:55:54: Das darf halt nicht passieren!
00:55:57: Und ich hätte mir auch tatsächlich noch ein bisschen mehr Informationen für die Öffentlichkeit gewünscht Also, was das Gutachten angeht und Ermittlungserkenntnisse.
00:56:07: Einfach auch um so ein bisschen dem vorzubeugen dass jetzt zu viele Leute denken auf den geschlossenen Stationen oder in Psychiatrien ist man nicht sicher.
00:56:15: ja.
00:56:16: also ich glaube es wäre für die Aufklärungsarbeit ganz gut gewesen.
00:56:19: wir waren jetzt aber natürlich neugierig und haben geschaut wie oft Tötungsdelikte im Psychiatrin tatsächlich vorkommen und es ist so dass wir dazu keine verlässlichen Zahlen gefunden haben.
00:56:29: Was wir aber gefunden haben, ist eine kleine Studie.
00:56:31: Die haben Professorin Anke Brahmsfeldt und Gesar Schürmacher als Angestellte des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung Anfang letzten Jahres veröffentlicht.
00:56:43: Und darin haben die beiden alle Tötungsdelikte untersucht und ausgewertet, die zwischen dem Jahr zwei Tausendsechzehn und zweitausendzwanzig in psychiatrischen Kliniken im Nieder Sachsen begangen bzw.
00:56:52: gemeldet wurden.
00:56:54: Das waren insgesamt acht Also acht Tötungsdelikte plus fünf Fälle von Versuchstertötungen.
00:56:59: Und wir haben mit Professorin Braemsfeld auch darüber gesprochen und sie meinte, man muss schon klar sagen anhand dieser Zahlen ist diese Studie statistisch gesehen kaum relevant.
00:57:09: aber nichtsdestotrotz habe man ein Muster identifizieren können.
00:57:13: zum Beispiel fanden fast alle untersuchten Taten sowohl die vollendeten als auch die versuchten tötungstilikte in den Patientinnenzimmer der Opferstadt.
00:57:23: Deswegen meinte Anke Brahmsfeld auch zu uns, dass es basierend auf der Studie ihrer Ansicht nach empfehlenswert sei.
00:57:30: Dass man an den Türen dieser Zimmer nachrüstet also beispielsweise mit so speziellen Schließanlagen die dann ermöglichen das die Leute im Zimmer wohnen selbst natürlich ein und ausgehen können und Stationsmitarbeiten aber sonst halt niemand.
00:57:46: Also zum Beispiel wie mit einem Transponder.
00:57:48: laut Pressebericht soll ist diese hotelähnlichen Türschließanlage auf der Station gegeben haben, in der Vivian und Jeffery untergebracht waren.
00:57:57: Aber Report München will herausgefunden haben, dass der Schließmechanismus schon Wochen vor der Tat deaktiviert worden sei.
00:58:05: Was auch ein ganz interessantes Ergebnis dieser Studie ist, ist das Tötungsdelikte auf diesem Stationen in der Regel nicht von Menschen verübt werden die als akut fremdgefährlich gelten Was ja auch dafür sprechen kann, dass die in der Regel gut untergebracht sind und beobachtet werden.
00:58:20: In den meisten untersuchten Fällen waren die Täter nämlich nicht zwangseingewiesene sondern freiwillige Patientinnen.
00:58:27: Mir ist eine Sache hierbei wichtig als Person, die schon einen langen Weg gegangen ist mit Behandlungen auf viele Arten und Weise und die auch ein Freundeskreis hat, der da auch ähnlich aufgestellt ist.
00:58:38: Es ist ganz wichtig, dass solche Geschichten nicht instrumentalisiert werden um Stigmatisierung noch weiter zu befördern.
00:58:46: Natürlich passiert in so einem Setting auch mal eine Gewalttat aber wir gehen alle weiterhin zum Einkaufen oder an die Tankstelle auch wenn es Datötungsdelikte gab.
00:58:55: ja natürlich haben Menschen in solchen Kliniken ein erhöhtes Schutzbedürfnis Alleine weil sie sich da auch schon selbst gar nicht so schützen könnten, wie wenn die zu Hause wären.
00:59:05: Also wenn ich jetzt zum Beispiel an die Türen denke, die nicht abgeschlossen werden können aber natürlich auch bei gewisse Erkrankungen eine eigene Fährdung mitbringen und eben manchmal auch ne Fremdgefährdungsjahr.
00:59:15: deswegen haben wir dazu noch mal Barbara Joost.
00:59:18: Eins der Vorurteile über Menschen mit psychischen Erkranken ist ja dass die alle gefährlich sind Und immer wenn irgendeine Früchterliche Tat passiert, dann ist die Reaktion von vielen Menschen das sie sagen alle psychisch kranken sollten am besten weggesperrt werden und vielleicht auch noch festgebunden werden um die Gesellschaft vor den vermeintlich Verrückten zu schützen.
00:59:50: Es ist ganz wichtig zu sagen dass die wenigsten Menschen mit einer psychischen Erkrankung jemals in ihrem Leben, in irgendeiner Form fremdgefährdend sind.
01:00:01: Das sind nur ganz wenige.
01:00:02: Es gibt ganz wenigen Krankheitsbilder in der Psychiatrie, die statistisch gesehen mit einem erhöhten Gewaltrisiko einhergehen.
01:00:11: Dieses Stigma das psychisch krank gleich gefährlich ist... ...das ist fürchterlich!
01:00:18: Weil es falsch ist, weil es Menschen mit psychischen Erkrankungen unter einen Generalverdacht stellt der völlig unberechtigt ist.
01:00:27: Das meinem Umfeld hat noch nie jemand gesagt.
01:00:29: ich wünschte ich wäre nicht da gewesen.
01:00:31: Und sollte man diesen Podcast regelmäßig hören und sich jetzt denken, ja aber da gibt es doch öfter mal Fälle wo eine psychische Erkrankung eine Rolle spielt.
01:00:39: Der sei daran erinnert das hier natürlich immer nur die Fälle landen bei denen dann auch wirklich jemand fremdgefährdend war und dass natürlich nicht repräsentativ ist.
01:00:49: Ja also wie gesagt psychiatrische Kliniken sind super wichtig.
01:00:53: aus meinem Umfeld hat noch nie jemand gesagt ich wünschte ich wäre nicht da gewesen.
01:00:57: wer aus welchem Grund auch immer Hilfe braucht, sollte nicht davor zurückschrecken diese Hilfe in Anspruch zu nehmen.
01:01:04: So viel dazu!
01:01:06: Nächste Woche widmen wir uns einer grausamen Tat die eine Familie jahrzehntelange Ungewissheit beschert bis ein sogenannte Beinahetreffer nicht nur deren Unwissenheit beendet sondern auch die von etlichen weiteren Familien.
01:01:21: Bis dahin Das war ein Podcast der Partner-In-Crime in Zusammenarbeit mit Studio Boomens Hosts Paulina Graser und Laura Wohlers Redaktionelle Leitung John Hanschen und wir Redaktionen Jennifer Fahrenholz und wir Schnitt Pauline Korb rechtliche Abnahme und Beratung Abel und Kollegen.
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