#226 Im Netz der schwarzen Witwe
Shownotes
Einsam, ziellos und voller Selbstzweifel: In dieser Verfassung befindet sich Rudi, als er 1986 in seine neue Mietwohnung zieht. Doch dann lernt er seine Nachbarin Beate kennen. Eine Frau, die ihm freundlich und wohlwollend gegenübertritt und ihn schon bald zu gemeinsamen Kaffeekränzchen und Grillabenden einlädt. Aus einem losen Kontakt entwickelt sich eine Freundschaft, die Rudi regelrecht aufblühen lässt. Bis Beate ihn eines Tages um einen tödlichen Gefallen bittet, den Rudi ihr aus Loyalität nicht abschlagen will…
In dieser Folge von “Mordlust - Verbrechen und ihre Hintergründe” widmen wir uns den Taten einer Serientäterin, die von den Medien den Spitznamen “Schwarze Witwe” erhielt. Gemeinsam beleuchten wir ihr Netz, in dem sich über Jahre mehrere Männer verfingen und machen deutlich, wie es einer Frau gelang, einen mutmaßlichen Freund zum mörderischen Gehilfen zu machen.
Credit
Hosts: Paulina Krasa, Laura Wohlers
Producer: Paulina Krasa, Laura Wohlers und Jon Handschin
Redaktion: Paulina Krasa, Laura Wohlers, Jennifer Fahrenholz
Schnitt: Pauline Korb
Rechtliche Abnahme: Abel und Kollegen
Quellen (Auswahl)
Landgericht Göttingen, Urteil vom 03.07.2008, 6 Ks 1/08
Spiegel: “Die Schwarze Witwe”
Stern Crime: “Die Witwe und ihr Diener”
Süddeutsche: "Schwarze Witwe von Bodenfelde. Ihr Helfer hatte selbst Angst”
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Transkript anzeigen
00:00:11: Willkommen bei ModLust, einem Podcast über Wageverbrechen produziert von der Partner-Crime in Zusammenarbeit mit Studio Bummens.
00:00:17: Mein Name ist Ponina Graser
00:00:19: und ich bin Laura Wohlers.
00:00:20: In jeder Folge erzählen wir euch von einem Kriminalfall aus Deutschland und dabei schauen wir uns juristische, psychologische und gesellschaftliche Aspekte an und sprechen mit Menschen mit Expertise, Beteiligten oder Betroffenen.
00:00:33: Ja, true crime heißt eben auch, dass hinter jedem Fall echte Menschen in ihrer Schicksale stehen.
00:00:38: Das solltet ihr beim hören nicht vergessen, wir berücksichtigen das auch immer bei unserer Arbeit.
00:00:43: Wenn ihr merkt, dass euch bestimmte Themen nicht gut tun, dann passt lieber auf euch auf und es gibt eine Folge.
00:00:49: Und weil wir bei all der Schwere zwischendurch auch mal Luft brauchen, erlauben wir uns manchmal kleine Abschweifungen.
00:00:55: Das ist aber nicht despektierlich gemeint.
00:00:58: Bevor wir mit der heutigen Folge starten, in der der Tod einer Person erstaunlicherweise immer wieder in die Karten zu spielen scheint, weil wir kurz mal sagen, wir sind endlich, endlich, endlich zurück.
00:01:14: Ja, danke, dass ihr die letzten zwei Wochen so verständnisvoll wart und so eine lange Pause auch mitgemacht habt.
00:01:19: Wie ihr vielleicht gehört habt, eben schon bei der Begrüßung gibt es bei uns auch eine kleine Veränderung.
00:01:25: Genau, wir arbeiten nämlich jetzt mit Studio Women zusammen.
00:01:29: Das ist eine Produktionsfirma, für die die nicht kennen, die ganz viele Podcasts produziert, zum Beispiel Baywatch Berlin, Plothouse, einfach mal Luppen, Apokalypse und Filtercafé und mit der wir ja auch schon mal zusammengearbeitet haben, nämlich bei unserem anderen Podcast Justizias Wille.
00:01:46: Genau, und wir fanden damals die Zusammenarbeit richtig gut, vor allem mit John Hanschien, der hat Justizias Wille damals mit uns gemacht.
00:01:52: Und
00:01:53: der ist jetzt unser Redaktionsleiter.
00:01:56: Da freuen wir uns wahnsinnig drüber.
00:01:58: Ich meine, ihr habt das jetzt auch unverhofft leider durch diese verlängerte Pause irgendwie mitbekommen.
00:02:03: Wir sind einfach überlastet.
00:02:05: Wir haben jetzt also insgesamt mit allen Mitarbeitenden, die irgendwie über unsere Firma laufen, locker zwanzig Leute dabei.
00:02:11: Und alles läuft bis heute immer über unserem Schreibtisch.
00:02:15: Und inhaltlich soll das auch so bleiben.
00:02:17: Da wird John aber unterstützen.
00:02:19: Aber sowas wie Produktionsplanung
00:02:21: etc.,
00:02:22: das muss anders laufen in Zukunft.
00:02:25: Ja, und... Deswegen kommt John auch nicht allein zu uns, der hat nämlich noch Saskia mitgebracht.
00:02:30: Die ist jetzt unsere neue Projektmanagerin und die beiden helfen uns jetzt.
00:02:35: Die Produktion bleibt aber weiterhin bei uns.
00:02:37: Also es ist quasi eine Verstärkung.
00:02:39: Und jetzt finde ich, fühlt sich unsere Firma auch deswegen viel erwachsener an.
00:02:44: Inhaltlich ändert sich aber nichts und ihr werdet das also gar nicht merken außer an unserem neuen Intro.
00:02:49: Und hoffentlich daran, dass wir aber jetzt nie wieder eine Pause verlängern.
00:02:54: Ja und sonst sind diesmal dann Wirklich nicht mehr nur wir schuld.
00:02:58: Jetzt geht aber endlich los mit unserem ersten Fall des Jahres.
00:03:03: In dem viele Männer sich in einem Spinnennetz verfangen, aus dem es kein Entkommen gibt.
00:03:09: Einige Namen haben wir geändert.
00:03:12: Es ist der siebenundzwanzigste August.
00:03:15: Auf der Polizeistation in Bodenfelde, einem kleinen Ort im südlichen Niedersachsen, warten Beamtinnen an diesem Morgen auf einen Mann, den sie gut kennen.
00:03:23: Rudolf Schröder.
00:03:25: Der Zweiundfünfzigjährige soll heute eine Zeugenaussage machen, in der es um eine strafrechtliche Banalität geht, wegen der er schon oft hier war, nämlich Nachbarschaftsstreit.
00:03:35: Zwischen Rudolfs Vermieterin Beate Luffa und ihren Nachbarinnen kracht es bereits seit Monaten.
00:03:40: Immer wieder beschwert sie sich bei der Polizei wegen Ruhestörungen oder zu hoher Heckenpflanzen.
00:03:46: Da Rudolf in einem kleinen Häuschen auf ihrem Grundstück lebt, bekommt er die Streitereien regelmäßig mit und soll heute wieder einmal seine Sicht der Dinge schildern.
00:03:55: Rudolf ist in Bodenfelde kein Unbekannter.
00:03:58: Zumindest hinterlässt er oft einen bleibenden Eindruck.
00:04:01: Das liegt zum einen an seinem auffälligen Mofa, auf dem er mit knatternden Geräuschen durch den Ort fährt, zum anderen an seiner vernachlässigten Körperhygiene.
00:04:10: Dann Rudolf auf der Wache erscheint, müssen die Beamten nach der Vernehmung meist ein Fenster aufreißen, um den beißenden Geruch mit Frischluft zu begegnen.
00:04:18: Doch heute wird das vermutlich nicht nötig sein, denn als der Zweiundfünfzigjährige an diesem Montagmorgen gegen zehn Uhr das terracottafarbene Gebäude mit weiß gerammten Fenstern betritt, trauen die Polizistinnen ihren Augen kaum.
00:04:30: Der schmächtige Mann mit dem hageren Gesicht und der ausgeprägten Unterlippe ist ungewöhnlich erdrettgekleidet.
00:04:36: Sein blondes kurzes Haar wirkt frisch gewaschen und ordentlich geföhnt.
00:04:40: Ganz so, als sei heute ein besonderer Tag, zu dem er sich herausgeputzt hat.
00:04:45: Auf Anweisungen der Polizei nimmt Rudolf in einem kleinen Büroplatz.
00:04:49: Lediglich ein Beamter setzt sich zu ihm, das muss genügen.
00:04:53: Schließlich geht es hier um eine einfache Zeugenaussage, so zumindest die Annahme.
00:04:58: Doch Rudolf macht klar, dass er heute nicht hierher gekommen ist, um über Nachbarschaftstoff zu sprechen.
00:05:04: Stattdessen beginnt er die Zeugenvernehmung mit einer mysteriösen Ankündigung.
00:05:09: Wenn wir hier fertig sind, sagt er, dann klicken die Handschellen.
00:05:13: Ein Satz, der für Verwirrung sorgt und zugleich eine Prophezeiung ist, die sich erfüllen wird.
00:05:34: Für den einundreißigjährigen, der von seinem Umfeld immer Rudi genannt wird, ist die räumliche Veränderung auch ein symbolischer Versuch, nach dem Tod seines Vaters nach vorne zu blicken.
00:05:45: Und seinen Alltag endlich in geordnete Bahnen zu lenken.
00:05:48: Rudis bisheriges Leben gleicht einer trostlosen Biografie.
00:05:52: Als er im November nineteenfünfzig zur Welt kommt, empfinden seine Eltern ihn nicht als Bereicherung.
00:05:58: Seine Mutter ist bei seiner Geburt bereits vierzig Jahre alt und hatte eigentlich keinen weiteren Nachwuchs mehr geplant.
00:06:05: Im Gegensatz zu seinen sechs Geschwistern ist Nachzügler Rudi folglich kein Wunschkind und fühlt sich als kleine Junge in seinem eigenen Zuhause oft wie ein ungebetener Gast, dem er nur aus Höflichkeit nicht auffordert zu gehen.
00:06:18: Genauso wie in seiner Familie fällt auch Rudi in seinem sozialen Umfelddurchsraster.
00:06:23: Als Kind gelingt es ihm kaum, Anschluss unter Gleichaltrigen zu finden.
00:06:26: Vielleicht liegt es daran, dass Rudi sprachlich etwas hinterherhängt und intellektuell nicht mithalten kann.
00:06:32: Vielleicht aber auch daran, dass er jeden Ort, an dem sich montags bis freitags jede Menge Kinder tummeln, weitestgehend meidet.
00:06:39: Rudi ist ein chronischer Schulschwänzer.
00:06:42: Schon im Grundschulalter bleibt er seinem Klassenzimmer regelmäßig fern und glänzt mit Abwesenheit statt mit guten Noten.
00:06:50: Mit elf Jahren muss Rudi daher auf die Förderschule wechseln.
00:06:53: Doch da findet er es, so beschreibt er es selbst, noch bekloppter und geht auch dort oft nicht hin.
00:06:59: Die schulische Degradierung ist in dieser Zeit nicht die einzige Niederlage, die Rudi einstecken muss.
00:07:05: Da seine Eltern mit ihm überfordert sind, geben sie ihren jüngsten Sohn, wenn auch nur vorübergehend,
00:07:10: auf.
00:07:11: Rudi kommt in einem Heim unter, wo er die nächsten zwei Jahre lebt, bis man ihn mit dreizehn in eine Pflegefamilie vermittelt.
00:07:18: Doch dort findet er es so furchtbar, dass er immer wieder abhaut und schließlich nach drei Fluchtversuchen wieder im Heim landet.
00:07:26: Als er siebzehn ist, zieht er schließlich zurück zu seinen Eltern.
00:07:29: Doch auch wenn er froh über diese Rückkehr ist, wird die Unzufriedenheit in ihm immer größer und die Katze an seinem Selbstvertrauen zu klaffenden Wunden.
00:07:38: Rudi hat das Gefühl, das Schwarz scharf in seiner Familie zu sein.
00:07:42: Im Gegensatz zu seinen Geschwistern, die allesamt ihren beruflichen Weg gehen, streift eher orientierungslos durchs Leben, hält sich durch Gelegenheitsjobs über Wasser und macht weder eine Ausbildung noch erlernt er einen Beruf.
00:07:54: Man könnte sagen, Rudi ist mit dem Leben schlichtweg überfordert.
00:07:59: Und neben dem Gefühl, ein Versager zu sein, gibt es noch eine andere Sache, die ihm zu schaffen macht.
00:08:04: Seine Einsamkeit.
00:08:06: Die Sehnsucht nach Liebe überschattet in Rudys Leben nahezu alles.
00:08:10: Das meiste Geld, das er verdient, steckt er deswegen in Partnerschaftsvermittlung, in der Hoffnung, die Frau fürs Leben zu finden, oder zumindest eine treue Gefährtin auf Zeit.
00:08:19: die etwas Farbe in sein grauen Alltag bringt.
00:08:22: Hoodies Wortwörtliche Investitionen in die Liebe zahlen sich nie aus.
00:08:26: Doch als er fünfundzwanzig ist, trifft es ihn wie ein Blitz.
00:08:29: Hoodie verliebt sich.
00:08:31: Nicht jedoch in eine Frau, sondern in ein Mädchen, das gerade einmal fünfzehn Jahre alt ist und seine Zuneigung erwidert.
00:08:39: Die beiden gehen eine Beziehung ein, was fragwürdig, rechtlich gesehen aber erst einmal unproblematisch ist, da seine Freundin von ihm offenbar wieder genötigt, ausgenutzt oder manipuliert wird.
00:08:49: Die Fünfzehnjährige verlässt ihn allerdings bereits nach wenigen Wochen für einen anderen.
00:08:54: Rudi ist am Boden zerstört.
00:08:56: Er beginnt, exzessiv zu trinken und seinen Herzschmerz mit Hochprozentigen zu betäuben.
00:09:02: Die Trennung hat Rudi's Selbstwertgefühl einen Erneutendämpfer verpasst und ihm einen Verlust beschert, der selbst heute, sechs Jahre später, noch an ihm nagt.
00:09:10: Und dann ist kürzlich auch noch sein Vater verstorben, was Rudi nun zum Anders genommen hat, sich mit einund dreißig Jahren das erste Mal in seinem Leben selbst eine Bleibe zu suchen.
00:09:21: Das Leben im Mietshaus in Osla entspricht einem anonymen Wohnen.
00:09:25: Rudi hat kaum Kontakt zu seinen Nachbarinnen und weiß häufig nicht einmal, wie die Menschen aussehen, die ihr Leben hinter den Wohnungstüren führen, die sich auf mehrere Etagen erstrecken.
00:09:35: Doch einige Monate nach seinem Einzug lernt er Beate kennen.
00:09:38: Gemeinsam mit ihrem Teenagersohn ist die forty-sechjährige kurz nach ihm in das Mehrparteienhaus gezogen.
00:09:44: Rudi und Beate kommen ins Gespräch.
00:09:47: Immer wieder halten sie bei zufälligen Begegnungen von nun an einen kleinen Plausch.
00:09:51: Rudi findet Beate sympathisch, sie ist höflich und freundlich und strahlt eine fürsorgliche Wärme aus.
00:09:57: Aus kurzen Gesprächen werden schon bald gemeinsame Kaffekränzien und Grillabende, bei denen die beiden sich besser kennenlernen.
00:10:04: So erfährt Rudi im Laufe der Zeit, dass Beate, allein erziehende Mutter, zweier Söhne ist, von denen einer bereits erwachsen ist.
00:10:10: Aktuell ist sie allein stehend zwei Mal, weil sie jedoch schon verheiratet.
00:10:15: Wenn Beate nicht gerade mit Rudi plaudert, steht sie in der Rubinbar hinterm Dresen.
00:10:19: So lautet der Name ihres eigenen Geschäfts, in dem sie nicht nur den Zapfhahn betätigt, sondern auch Pornofirme zeigt.
00:10:25: Zu dem Geschäft gehört außerdem einen Wohnwagen, in dem sich Beate eine Zeit lang als Sexarbeiterin angeboten hat.
00:10:32: Laut Beate laufen die Geschäfte in ihrer Bar gut und Rudi kann sich vorstellen, woran das liegt.
00:10:36: Er findet Beate ausgesprochen attraktiv.
00:10:39: Sie ist groß, schlank und hat langes gelocktes Haar, das ihre weichen Gesichtszüge umspielt.
00:10:45: Wüsste Rudi nicht, dass sie forty-sech ist, würde er sie locker zehn Jahre junger schätzen.
00:10:50: Doch viel mehr als von ihrem Aussehen ist Rudi von ihrer Persönlichkeit beeindruckt.
00:10:54: Beate ist wortgewandt und selbstbewusst.
00:10:57: Rudi genießt die gelinglichen Unterhaltungen mit ihr, die für ihn kleine lichten Momente in seinem sonst zu einsamen Alltag sind.
00:11:04: Um den Kontakt zu Beate zu halten und ihr zu imponieren, beginnt Rudi Beates Hund regelmäßig auszuführen.
00:11:09: Außerdem übernimmt er hin und wieder Einkäufe für sie.
00:11:12: Als Dankeschön bekommt Rudi von Beate zwar kein Geld, dafür aber etwas, das für ihn viel kostbarer ist.
00:11:18: Aufmerksamkeit und Freundlichkeit.
00:11:21: Als Rudi in den letzten Jahren, etwa ein Jahr, nachdem er Beate kennengelernt hat, wieder einmal einen seiner Gelegenheitsjobs verliert und in die Arbeitslosigkeit rutscht, ist Beate da, um ihn aufzufangen.
00:11:32: In dieser Zeit intensiviert sich der Kontakt zwischen ihnen.
00:11:35: Rudi ist froh, mit Beate eine Person in seinem Leben zu haben, die sich für ihn interessiert, ihm mit Wohlwollen begegnet und ihm das Gefühl gibt, trotz Minderwertigkeitskomplexe und Alltagsschwierigkeiten eigentlich schwer in Ordnung zu sein.
00:11:48: Aus einer anfänglichen Bekanntschaft wird so im Laufe der Zeit eine Freundschaft, die Rudi, die Welt bedeutet, und die er angesichts fehlender weiterer Kontakte um jeden Preis erhalten will.
00:11:58: Nahezu täglich steht er nun bei Beate auf der Matte, um sie zu fragen, ob es irgendetwas gibt, was er für sie tun könne.
00:12:05: Die Aufgaben, die Beate Rudi gibt, geben ihm Struktur und das Gefühl, gebraucht zu werden.
00:12:10: Doch nicht nur das.
00:12:11: Der Rudi mittlerweile mehr Zeit mit als ohne Beate verbringen, führt er sich das erste Mal seit langer Zeit nicht mehr einsam.
00:12:18: Rudi ist überzeugt, Beate ist ein echter Segen.
00:12:21: Daher ahnt er nicht, dass ausgerechnet sie die Person sein wird, die sein Leben schon bald in sehr düstere Bahn lenken wird.
00:12:30: Im Mai und Beate kennen sich seit mittlerweile zwei Jahren, steht eine Veränderung bevor, die ihre Freundschaft auf eine große Probe stellt.
00:12:38: Beate will aus Usla wegziehen.
00:12:41: Die mittlerweile neunundvierzigjährige möchte Niedersachsen gegen das Sauerland eintauschen und zu Herbert ziehen, dem Mann, mit dem sie seit einigen Monaten eine Fernbeziehung führt.
00:12:51: Herbert ist pensionierter Maurermeister und mit seinen siebzig Jahren fast drei Jahrzehnte älter als Beate.
00:12:57: Kennengelernt haben sich die beiden über eine Kontaktanzeige, die Herbert in einer Zeitschrift aufgegeben hatte.
00:13:03: In den vergangenen Monaten hat Rudi Beate oft begleitet, wenn sie Herbert besucht hat, vor allem um ihr auf der mehrstündigen Fahrt Gesellschaft zu leisten.
00:13:11: Dass Beate sich mit einem Mann eingelassen hat, der so viel älter ist als sie, kann Rudi nicht nachvollziehen.
00:13:17: Schließlich könnte Beate problemlos auch ein Partner in ihrem Alter finden, so oft wie sich Männer nach ihr umdrehen.
00:13:24: Für den mittlerweile-dreien-dreißig-Regen sind Beatis Pläne eine persönliche Katastrophe.
00:13:29: Mit wem soll er denn in Zukunft reden, wenn sie nicht mehr Tür an Tür wohnen?
00:13:33: Mit wem soll er seine Zeit verbringen?
00:13:35: Für Rudi ist klar, ein Leben ohne seine einzige Bezugspersonen ist für ihn nur schwer vorstellbar.
00:13:41: Entsprechend groß ist er eine Begeisterung, als er kurze Zeit später erfährt, dass Herbert einen Freund hat, der ihm einen Job bei einem Straßenbauunternehmen verschaffen könnte.
00:13:49: Nur wenige Monate nach Beates Auszug packt Rudi daher ebenfalls seine Sachen und folgt ihr ins Sauerland.
00:13:56: Er ist froh, seine gute Freundin endlich wieder in seiner Nähe zu wissen und wieder Zeit mit ihr verbringen zu können.
00:14:02: Doch nach nur einem Jahr in der neuen Heimat beschließt Beate, wieder alle Zelte abzubrechen.
00:14:07: Gemeinsam mit Herbert wird sie zurück nach Niedersachsen ziehen, genauer gesagt nach Bodenfelde, wo sie im Rahmen einer Zwangsversteigerung ein Grundstück mit zwei Häusern gekauft hat.
00:14:17: Rudi ist klar, dieses Mal wird der Beate nicht folgen.
00:14:20: Nein, das geht nicht.
00:14:21: Er hat jetzt einen Job, den ihm etwas Geld einbringt.
00:14:24: Das aufzugeben wäre schlicht weg dumm.
00:14:26: Er wird mit Beate einfach über die Entfernung den Kontakt halten.
00:14:30: Und wer weiß, vielleicht kriegt er sein Leben mittlerweile ja auch wunderbar alleine hin.
00:14:34: Es ist ja auch schwierig, wenn da die beste Freundin die ganze Zeit umzieht, ja.
00:14:39: Ja,
00:14:40: ja.
00:14:41: Und ich meine, zum ersten Mal hat er ein Job.
00:14:43: Das bedeutet für ihn ja wirklich auch diese Selbstständigkeit, die ganz besonders ist, wenn man die zum ersten Mal in seinem Leben hat.
00:14:50: Für mich ist so ein Umzug auch immer grauenhaft.
00:14:53: Ich bin noch nicht sehr oft in meinem Leben umgezogen.
00:14:56: Und wenn man dann denkt, ja, ich ziehe sowieso nur um wegen meiner besten Freundin.
00:15:01: Und die ist ständig woanders.
00:15:03: Das will man ja auch nicht mitmachen.
00:15:06: Rudi versucht sein Leben, ganze fünf Jahre alleine hinzubekommen.
00:15:10: Doch er scheitert kletlich.
00:15:12: Rudi fühlt sich in der Straßenbaufirma, in der er arbeitet, zunehmend schlecht behandelt.
00:15:16: Er wird oft angeschrien und für seine angeblich schlampige Arbeit kritisiert.
00:15:20: Einmal bezeichnet sein Vorgesetzter ihn in einem wütenden Monolog sogar als geistig minder bemittelt.
00:15:26: Rudi ist überfordert mit seinem Job, seinem Alltag, vor allem aber mit seinen Emotionen.
00:15:31: Seit Beate wieder nach Niedersachsen gezogen ist, droht die Einsamkeit, ihn regelrecht von innen aufzufressen.
00:15:37: Jeden Abend sitzt er nach Feierabend alleine in seiner nahezu unmöblierten Wohnung, in der sich Mühe und Essensreste türmen.
00:15:43: Die Stille, die ihn dabei umgibt, ist orenbetäubend und gleicht einem Echo seiner inneren Lehre.
00:15:49: Rudi ist traurig, verzweifelt und ganz allein.
00:15:52: Im Jahr threehundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundund.
00:16:14: Eine Entscheidung, die er später noch bereuen wird.
00:16:17: Rudi wird von der inzwischen Mitte Fünfzigjährigen mit offenen Armen empfangen.
00:16:22: Auf ihrem Grundstück im Bodenfelde stellt sie ihm eine freie Wohnung im Hinterhaus zur Verfügung.
00:16:27: Außerdem erlässt sie ihm bis auf weiteres die Miete, die Rudi angesichts seiner Arbeitslosigkeit ohnehin nicht bezahlen könnte.
00:16:33: Für Rudi und Beate ist die neue Nähe vielmehr eine Fortsetzung ihrer Freundschaft als ein Neubeginn.
00:16:38: Denn Kontakt hatten sie in den vergangenen Jahren trotz räumlicher Distanz weiterhin.
00:16:42: Rudi weiß daher, dass nicht nur sein Leben in den letzten Jahren turbulent verlaufen ist, sondern auch Beates.
00:16:49: Herbert, ihr einstiger Partner, ist schon lange nicht mehr der Mann an ihrer Seite.
00:16:53: Er ist ein halbes Jahr nach dem gemeinsamen Umzug nach Bodenfelde verstorben.
00:16:57: Viel Zeit zu trauern hat Beate sich damals nicht genommen.
00:17:00: Stattdessen heiratete sie kurze Zeit später jemand anderem.
00:17:03: Doch dieser Mann spielt in Beates Leben auch schon keine Rolle mehr.
00:17:07: Mittlerweile ist sie sogar schon von dem, der danach kam, von Ehemann Nummer vier, seit rund einem Jahr geschieden.
00:17:15: Also wir merken, bei Beate war in den letzten Jahren einiges los.
00:17:18: Und dennoch scheint es ihr ganz gut zu gehen, sowohl persönlich als auch materiell.
00:17:23: Also, ich meine, wir haben schon öfters darüber geredet, dass Menschen in einem gewissen Alter vielleicht ein bisschen schneller heiraten, als Menschen, die jetzt vielleicht v.a.
00:17:31: sind oder so, ne?
00:17:33: Wie z.B.
00:17:33: meine Oma, die in zweiten Mann relativ schnell geheiratet hat.
00:17:37: Also, ich meine jetzt auf Seiten der älteren Männer, wenn so eine im Vergleich zu denen... so junge Frau und attraktive Frau ja offenbar auch vorbeikommt und Interesse hat, dann kann ich das gut verstehen, dass sie sich dann schnell auf sie eingelassen haben oder schnell auf sie einlassen, auch wenn man sich vielleicht noch nicht so lange
00:17:56: kennt.
00:17:56: Ja, und von ihrer Seite muss man natürlich sagen, wenn man Heiraten schön findet, dann ist es natürlich auch schön vielmals verheiratet zu sein.
00:18:03: Meine Tante war, glaube ich, auch vier oder fünfmal verheiratet.
00:18:07: Ich glaube, mein Ding wäre es jetzt nicht, sich immer die Liebe bis zum Tod zu schwören.
00:18:13: Ja, vor allem, wenn das schon so viele Male nicht geklappt hat.
00:18:17: Als Rudi fortan wieder bei Beate ein- und ausgeht, stand er nicht schlecht.
00:18:22: Beate's Wohnung ist elegant, nahezu edel eingerichtet.
00:18:25: Auf Rudi wirkt das alles sehr kostspielig, vor allem, wenn man bedenkt, dass Beate den Betrieb ihrer Bar mittlerweile aufgegeben hat.
00:18:33: Und dann wäre dann auch die Tatsache, dass Beate vor kurzem schon wieder geheiratet hat und das ziemlich überstürzt.
00:18:39: Der dreieinachtzigjährige Alfred ist mittlerweile Beates fünfter jemand.
00:18:44: Nur wenige Wochen nach ihrem Kennenlernen haben sie beim Standesamt Ja zueinander gesagt.
00:18:49: Ein gemeinsamen Alltag haben sie jedoch nicht, denn Alfred lebt in Kassel.
00:18:54: Wenn Beate sich jetzt Auto setzt, um zu ihm zu fahren, nimmt Rudi regelmäßig Platz auf dem Beifahrer sitzt, um sie zu begleiten.
00:19:00: sowie damals, als sie fünfundfünftige noch eine Fernbeziehung mit Herbert aus dem Sauerland führte.
00:19:05: Man könnte sagen, Rudi ist gewissermaßen die dritte Person in der Ehe von Beate und Alfred.
00:19:10: Kaum ein Besuch in Kassel findet ohne ihn statt.
00:19:14: Er steht daneben, wenn Beate und Alfred sich begrüßen, sitzt mit am Tisch, wenn sie miteinander reden und ist dabei, wenn es wieder einmal zum Streit um ein und dasselbe Thema kommt.
00:19:23: Alfred will, dass Beate zu ihm zieht.
00:19:25: Für ihn kommt es nicht in Frage, eine Ehe auf Distanz zu führen.
00:19:29: Beate dagegen vertröstet ihn immer wieder.
00:19:31: Wahrscheinlich, weil es in Bodenfelde einen anderen Mann gibt, der bei ihr lebt.
00:19:36: Und von dem Alfred keine Ahnung hat.
00:19:38: Dieser Mann ist Klaus, ein seventy-Jähriger, der sich vor ein paar Monaten auf eine Kontaktanzeige von Beate gemeldet hat.
00:19:45: In dieser Anzeige bot sie älteren Herren Unterkunft und Pflege gegen Bezahlung an.
00:19:50: Klaus kann das angesichts seiner Hüftprobleme und eingeschränkten Mobilität gut gebrauchen.
00:19:54: Rund sechshundert Markezeit er jeden Monat anbearte, damit sie sich um ihn kümmert und ihn bei sich wohnen lässt.
00:20:00: Pflege, Kost und Logie, so lautet die Vereinbarung.
00:20:03: Doch Klaus genügt das offenbar nicht.
00:20:05: Er will mehr.
00:20:07: Regelmäßig beschwert Beate sich bei Rudi darüber, dass der seventy- vierige sie begrapscht und seine Hände nicht bei sich behalten kann, wenn sie bei ihm ist.
00:20:16: Rudi merkt, dass Beate davon regelrecht angeekelt ist und sie klaus übergriffiges Verhalten einfach widerlich findet.
00:20:23: Für Beate kommt es nicht in Frage, sich weiterhin belästigen zu lassen.
00:20:26: Und so findet sie selbst einen Weg, klaus übergriffigen Verhalten ein Ende zu setzen, wenn auch auf niederträchtige Weise.
00:20:34: Ab Juni, hier bekommt Rudi bei seinen Besuchen immer wieder mit, wie Beate sich über das Dampfen der Essen neigt, das sie für Klaus zubereitet und mehrere weiße und grüne Pillen, die sie zuvor verkleinert hat, hineinriesen lässt.
00:20:47: Beates Essen macht Klaus fortan nicht nur satt, sondern auch schläfrig.
00:20:50: Zu schläfrig, um Beate weiter nachzustellen.
00:20:53: Bei den Tabletten, die Beate-Klaus ins Essen mischt, handelt es sich um Broma-Cepam, ein Psychopharmakon, das vor allem bei Angstzuständen verwendet wird und bei zu hoher Dosis ein nahezu sedierenden Effekt hat.
00:21:06: In den kommenden Wochen wird Rudi Zeuge, wie Beate auf diese Weise aus dem übergriffigen Lustmäuch einen trägen alten Mann macht.
00:21:13: Rudi weiß, dass es nicht in Ordnung ist, was Beate macht, beschließt ihr doch aus Loyalität zu ihr, darüber hinwegzusehen.
00:21:20: Bis Beate das Ganze schließlich selbst zum Thema macht.
00:21:24: An einem Donnerstagabend sucht Beate aufgeregt mit ihm das Gespräch.
00:21:28: Sie wirkt aufgebracht und ängstlich nahezu panisch.
00:21:31: Und das aus gutem Grund.
00:21:33: Die fünfundfünfzigjährige berichtet, dass Klaus ihr gesagt habe, dass er sich untersuchen lassen will.
00:21:38: Er habe sich darüber beklagt, dass er sich in letzter Zeit immer so müde und kraftlos fühle und angekündigt, dass er das einmal abklären wolle.
00:21:46: Beate erklärt Rudi, dass sie auf diese Weise auffliegen könnte und bei den Untersuchungen womöglich herauskommen dass Klaus seit Wochen unwissentlich hochdosierte Psychopharmaka zu sich nimmt.
00:21:56: Doch offensichtlich schwebt ihr bereits eine Lösung für ihr Problem vor.
00:22:00: Klaus muss weg, formuliert sie es im Gespräch mit Rudi.
00:22:03: Der wiederum ist irritiert.
00:22:05: Wie weg, fragt er, woraufhin Beate entgegnet, ganz weg.
00:22:11: Jetzt hat Rudi Klarheit, Klaus soll sterben und er soll Beate dabei helfen.
00:22:17: Rudys Loyalität gegenüber Beate muss in dieser Zeit bereits gewaltig sein.
00:22:21: Denn anstatt sich zu weigern oder Beate von ihrem Entschluss abzubringen, beginnt der neununddreißigjährige nun Vorschläge zu machen, wie man das Ganze anstellen könnte.
00:22:30: Sie könnten Klaus mit dem Auto überfahren oder ihn im Schlaf ersticken.
00:22:35: Letzteres findet Beate offensichtlich gut.
00:22:37: So werden sie es machen, verkündet sie Rudi, und so segnet Beate schließlich einen Plan ab, der Klaus totbesiegelt, und den sie bereits am kommenden Tag in die Tat umsetzen wollen.
00:22:49: Die Dunkelheit hat sich an diesem späten Juniabend, abend, vierneunzig, bereits über Bodenfelde gelegt, als Rudi und Beate das Zimmer betreten, in dem Klaus liegt.
00:22:58: Der seventy-jährige schläft tief und fest.
00:23:01: In den vergangenen Tagen hat Beate ihm eine so hohe Dosis Proma-Cephan verabreicht, dass er seither kaum noch richtig bei Bewusstsein ist und regelrecht ruhig gestellt ist.
00:23:11: Hudi und Beate haben nun leichtes Spiel.
00:23:13: Auf Beates Anweisungen hebt Hudi den regungslosen alten Mann aus dem Bett.
00:23:17: Zunächst trägt er ihn aus dem Zimmer, dann aus dem Haus hinaus nach draußen, wo ein Wohnmobil bereitsteht.
00:23:23: Beate hat das Fahrzeug zuvor extra bei einer Firma übers Wochenende angemietet, um den tödlichen Plan in die Tat umzusetzen.
00:23:31: Am Wagen angekommen liegt Rudi den ausgenockten Klaus auf den Boden des hinteren Fahrzeugbereichs, dann nimmt er gemeinsam mit Beate vorne Platz.
00:23:39: Er auf dem Beifahrer sitzt sie im Steuer.
00:23:42: Beate startet den Motor, voroffen ein brummendes Geräusch ertönt, das nicht nur den Auftakt ihrer Fahrt markiert, sondern zugleich Klaus letzte lebende Minuten einläutet.
00:23:52: Während Rudi sich immer wieder nach hinten umdreht, um den regungslosen Rentner im Blick zu behalten, lenkt Beate den Wagen über Straßen und Wege hinauf auf die Autobahn.
00:24:01: Ein konkretes Ziel haben sie nicht.
00:24:03: Fest steht nur, das nächste Mal, wenn sie anhalten, wird Klaus tot sein.
00:24:08: Nach einigen Kilometern stellen Rudi und Beate plötzlich eine Veränderung an dem seventy-jährigen Fest.
00:24:14: Er wird unruhig und beginnt sich zu bewegen.
00:24:16: Außerdem gibt er merkwürdige Laute von sich.
00:24:18: Rudi erschrickt.
00:24:19: Lässt die Wirkung des untergejubelten Psychopharmakons etwa nach?
00:24:23: Wird Klaus leicht zu sich kommen und feststellen, dass sie ihn verschleppt haben?
00:24:27: Auch beartisch hand in diesem Moment festzustellen, dass die Zeit gegen sie arbeitet und fragt Rudi, wann er es denn endlich tun werde.
00:24:34: Für den neunundreißigigen ist klar, dass sich hinter dieser Frage eine Aufforderung verbirgt.
00:24:38: Kommentarlos erhebt er sich nun vom Beifahrersitz und betritt den hinteren Teil des Fahrzeugs, in dem Klaus liegt.
00:24:45: Rudi greift zu einer Plastiktüte, die er und Beate extra dafür mitgenommen haben, stülpt sie dem Rentner über den Kopf und zieht zu.
00:24:53: In dem Moment ist es, als würde Rudi auf Autopilot schalten und einem seelenlosen Robotergleichen, der handelt, ohne zu reflektieren.
00:25:02: Im fahrenden Wohnmobil schnürt Rudi Klaus auf diesem Weg die Luft ab, hält ihm zusätzlich Mund und Nase zu und verharrt einige Minuten in dieser Position, bis das anfängliche Zappeln und Zucker des seventy- vierjährigen nachlässt und sein Körper schließlich erschlafft.
00:25:17: Klaus ist tot.
00:25:18: Kurzes Zeit später lenkt Beate das Fahrzeug auf einen Waldparkplatz bei Lutterberg.
00:25:23: Die nächsten Schritte haben sie im Vorfeld genau besprochen.
00:25:26: Rudi schleppt den Leichnam aus dem Wagen und legt ihn in einen angrenzenden Graben.
00:25:31: Dann holt er einen Kanister mit Benzin aus dem Wohnmobil, übergießt den toten Körper damit und zündet ihn an.
00:25:37: Und während er mit eigenen Augen sieht, wie Klaus' Körper in Flammen aufgeht, steigt Beate noch nicht einmal aus dem Fahrzeug aus.
00:25:45: Das Verbrechen an Klaus stellt einen entscheidenden Wendepunkt in der Beziehung von Rudi und Beate dar.
00:25:50: Acht Jahre kennen sie sich nun.
00:25:52: Aus Fremden die Tür an Tür lebten, wurden enge Vertraute, die im Leben der jeweils anderen Personen fest verankert sind.
00:25:58: Doch jetzt sind sie mehr als das.
00:26:00: Sie sind nun kompliz innen, verbunden durch ein dunkles Geheimnis, an dem ihre Zukunft hängt.
00:26:05: Rudi hat für Beate getötet.
00:26:07: Er hat das Leben eines anderen Menschen ausgelöscht, als sie ihn darum gebeten hat.
00:26:11: Rudi weiß, dass ihn diese Tat zum Straftäter macht, vielleicht sogar zum Mörder.
00:26:15: Doch was hätte er tun sollen?
00:26:17: Beate diese bitte abschlagen?
00:26:19: Nein, nicht nach all dem, was sie bereits für ihn getan hat.
00:26:22: Beate hat ihn aufgebaut, als er am Boden war.
00:26:25: Sie hat ihn gesehen, als er sich selbst für unsichtbar hielt.
00:26:27: Rudi ist überzeugt, er musste ihr einfach helfen.
00:26:31: Schließlich bestand angesichts von Klaus Untersuchungsplänen die reale Gefahr, dass ihre heimliche Medikamentengabe auffliegt.
00:26:38: Rudi ist unklar, welche Konsequenzen was genau für Beate gehabt hätte.
00:26:43: Was er jedoch weiß, sie zu verlieren, das würde er nicht verkraften.
00:26:47: Beates bitte, Klaus für sie zu töten, hat das positive Bild, dass Rudi von ihr hat nicht verändert.
00:26:52: Er glaubt weiter an ihre Freundschaft und daran, dass sie zu schätzen weiß, was er für sie getan hat.
00:26:58: Doch was Rudi zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt, dieses Verbrechen war erst der Anfang.
00:27:03: Und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass er Beate auf tödlicher Weise seine Loyalität beweist.
00:27:11: In den Wochen nach Klaus Tod verläuft Rudis Leben vorerst so wie vor der Tat.
00:27:15: Er verbringt weiterhin viel Zeit mit Beate und begleitet sie nach Kassel, wenn sie ihren Ehemann Alfred besucht.
00:27:20: Mittlerweile verlaufen diese Besuche jedoch anders.
00:27:24: Streitereien über's Zusammenziehen sind nun kein Thema mehr.
00:27:27: Stattdessen ist Rudi im Sommer
00:27:29: IV.,
00:27:30: als Alfred Beate mithält, dass er an ihrer Ehe nicht länger festhalten will.
00:27:35: Der III.
00:27:36: möchte die Scheidung und das gerade einmal wenige Monate nach ihrem Jahrwort.
00:27:40: Alfred macht klar, dass er die Nase voll davon habe, eine Ehe auf Distanz zu führen und überhaupt sei die Hochzeit vier Monate nach ihrem Kennenlernen ohnehin eine Schnapsidee gewesen.
00:27:50: Doch für Beate kommt eine Scheidung von Alfred offensichtlich nicht infrage.
00:27:54: In den kommenden Wochen beobachtet Rudi,
00:27:56: wie die fünfundfünfzigjährige
00:27:57: sich regelrecht ins Zeug legt, um Alfred umzustimmen.
00:28:00: Sie zeigt sich von ihrer charmantesten Seite und redet am Telefon beruhigend auf ihn ein.
00:28:05: Außerdem fährt sie einige ihrer Möbel nach Kassel, die Rudi darauf hinten Klaus Haus trägt und zu zeigen, dass es ihr Ernst sei und sie zu einem Einzug nun doch bereit sei.
00:28:14: Beate kämpft für ihre fünfte Ehe.
00:28:16: Doch als Alfred sich weiterhin unzufrieden zeigt, sucht Beate mit Rudi das Gespräch und macht ihm klar, worum es ihr wirklich geht.
00:28:24: Und das ist keinesfalls Liebe.
00:28:26: Beate erklärt Rudi, dass eine Scheidung für sie eine Katastrophe wäre.
00:28:30: Sie würde dann leer ausgehen und keinen einzigen Fennig seines Vermögenserben, wenn er stirbt.
00:28:34: Um das zu verhindern, möchte Beate Rudies Hilfe und so stellt sie ihm jene Frage, auf die sie die Antwort wahrscheinlich schon kennt.
00:28:41: Sie möchte wissen, ob er Alfred für sie töten würde.
00:28:45: Rudie will nicht ein.
00:28:46: Natürlich wird er das.
00:28:48: Der neunundreißige Wille, dass Beate weiß, dass sie sich auf ihn verlassen kann.
00:28:51: Er würde alles für sie tun.
00:28:53: Selbst wenn das bedeutet, dass er wieder einmal über Leichen gehen muss.
00:28:58: Am siebzehnten September nineteenhundertvierneunzig stattten Beate und Rudi Alfred wieder einmal einen Besuch ab.
00:29:05: Etwa eine Stunde nach ihrer Ankunft serviert Beate ihrem Ehemann einen Teller Erbsensuppe.
00:29:10: Zunächst beschwert sich der dreieinachtzigjährige über den etwas bitteren Geschmack, dann ist er weiter.
00:29:16: In den kommenden Minuten kann Rudi beobachten, wie Alfred immer schläfriger wird.
00:29:20: Mit jedem Löffel, den er zu sich nimmt, werden seine Augen kleiner und seine Bewegungen langsamer.
00:29:26: Beate hat seine Suppe mit Psychopharmaka versetzt, genauso wie vor wenigen Monaten bei Klaus.
00:29:31: Als Alfred schließlich kurz davor ist, am Estrisch einzuschlafen, treten Rudi und Beate an seine Seite und begleiten ihn stürzend ins Schlafzimmer.
00:29:39: Gemeinsam ziehen sie ihm einen Schlafanzug an, legen ihn ins Bett und lassen ihnen einen tiefen Medikamenten-Schlaf gleiten.
00:29:46: Dann ist es an der Zeit für den zweiten Akt ihres Plans.
00:29:49: Während Beate aus dem Schlafzimmer tritt und Rudi nun mit dem sedierten Rentner alleine lässt, greift er zu einem Kissen auf seinem Bett, legt es Alfred aufs Gesicht und drückt zu.
00:29:58: Zunächst bewegt sich Alfred noch etwas, dann nach einigen Minuten lässt das Gezappel nach und Rudi ist überzeugt, er ist tot.
00:30:06: Rudi verlässt nun das Schlafzimmer und betritt die Küche des Hauses, in der Beate gerade dabei ist aufzuräumen.
00:30:12: Als sie ihn bemerkt, wie sie von Rudi wissen, ob er es gemacht hat.
00:30:16: Rudi bejaht, woraufhin Beate sich in Bewegung setzt.
00:30:19: Sie beginnt, unsämtliche Räume abzuklappern, öffnet Schränke, kramt in Unterlagen und Schubladen.
00:30:24: Beate sucht nach einem Testament.
00:30:27: Sie weiß nicht, ob Alfred eins aufgesetzt hat, aber wenn ja, macht sie Rudi klar, muss sie es finden, um herauszufinden, ob es ihr zugute kommt.
00:30:34: Je nachdem, und ob sich erkennen lässt, ob er es allein aufgesetzt hat, würde sie das Dokument dann sicherstellen und vernichten.
00:30:40: Doch Beate findet kein Testament.
00:30:42: Und so fahren sie und Rudi schließlich wenige Stunden nach Alfreds Tod zurück nach Bodenfelde.
00:30:48: Alfred liegt nun einsam und allein tot in seinem Bett.
00:30:51: Ganz so, als sei er plötzlich im Schlaf verstorben.
00:30:54: Und genau das spielt Beate und Rudi in die Karten.
00:30:57: Zwei Tage später kehren die beiden zurück nach Kassel und klingeln bei Alfreds Nachbarn.
00:31:01: Als der ihnen die Tür öffnet, schlüpft Beate in die Rolle der besorgten Ehefrau.
00:31:06: Sie sagt, dass sie sich Sorgen um Alfred mache, er nicht ans Telefon gehe.
00:31:09: und ihr die Tür trotz mehrfachen Klingels nicht öffne.
00:31:13: Der Nachbar, der einen Schlüssel für Alfreds zu Hause hat, begleitet sie daraufhin ins Haus und wenig später stehen sie zu dritt im Schlafzimmer und blicken auf den Leichnamen.
00:31:22: Es war ein natürlicher Tod, so vermerkt es ein Arzt kurze Zeit später nach der durchgeführten Leichenschau auf der Todesbescheinigung und gibt die fachliche Fehreinschätzung ab, auf die Beate gehofft
00:31:34: hat.
00:31:38: Mehrere hundert Mark erhält sie ab sofort monatlich, als finanziellen Ausgleich für den Tod ihres fünften Ehemanns.
00:31:44: Außerdem erbt sie.
00:31:46: Rund drei Viertel von Alfreds Vermögen gehen an sie, und auch Alfreds Haus in Kassel gehört ab sofort ihr.
00:31:52: Und damit besitzt sie nun Geld, dass sie nicht hätte, wenn Alfred noch leben würde, und dass sie nie bekommen hätte, wenn er sich zu Lebzeiten von ihr geschieben hätte.
00:32:00: dass es Beate in ihren Partnerschaften womöglich nicht um Liebe geht, wird Rudi einmal mehr vor Augen geführt, als sie sich kurz nachdem sie Alfred getötet haben, bereits einem neuen Mann zuwendet.
00:32:11: Im Herbst of fourneunzig lernt Beate den einundachtzigjährigen Franz kennen, einen wohlhabenden Unternehmer aus zwei Brücken, der nach kurzer Zeit bei Beate einzieht.
00:32:21: Rudi kann sich schon denken, wie auch diese Liebesgeschichte enden wird, und so überrascht es ihn nicht, als beate ihn im April nineteen-neunzig etwa ein Vierteljahr nach Franz Einzug, bittet ihn für sie zu töten, um seinen Vermögen zu ihrem zu machen.
00:32:35: Rudi hadert mit sich.
00:32:36: Eigentlich will er das nicht mehr machen.
00:32:38: Er will nicht dauernd alte Männer töten, die ihm überhaupt nichts getan haben.
00:32:42: Doch sich beate zu widersetzen und ihre Freundschaft damit aufs Spiel zu setzen, kommt für ihn noch weniger in Frage.
00:32:49: Und so stimmt Rudi zu.
00:32:50: Wieder einmal.
00:32:52: Das Leben von Franz endet an einem Sonntag im April, nachdem auch ihm die Suppe serviert wird.
00:32:59: Rudi erstickt ihn mit einer Plastiktüte.
00:33:02: Als es einige Stunden später dunkel ist, tieft er den Leichnam auf Bertes Anweisung hin in das Auto des Toten.
00:33:08: Dann machen sie sich auf den Weg, um nach einem geeigneten Ablageort zu suchen und halten schließlich auf einem abgelegenen Feldweg, wo Rudi den Toten Franz und einen Graben legt, mit Benzin übergießt und die Leiche anzundet.
00:33:21: Nach der Tat streut Beate das Gerücht Franz, habe sich ins Ausland abgesetzt.
00:33:25: Sie nimmt sein Bargeld an sich, dass er zu Hause aufbewahrt, krallt sich seine Sparbücher und fälscht seine Unterschrift, wodurch es ihr gelingt, dass seine Rente künftig auf ihr Konto eingezahlt wird.
00:33:35: Und während Beates vermögen sich durch diese Tat mal wieder vermehrt, machen sich in Rudi ernsthafte Zweifel breit.
00:33:42: Der neununddreißigjährige hat innerhalb von wenigen Monaten drei Menschen für Beate getötet.
00:33:47: Erst Klaus, dann Alfred und nun Franz.
00:33:50: redet sich ein, dass die Männer nicht leiden mussten.
00:33:53: Er versucht, in dem Gedanken einen Trost zu finden, dass sie kein qualvollen Tod gestorben sind und angesichts der Psychopharmaka hößt wahrscheinlich sowieso nicht mehr viel mitbekommen haben.
00:34:02: Und doch weiß Rudi, dass es falsch war, sie umzubringen.
00:34:05: Rudi empfindet Reue.
00:34:07: Er wünschte, Beate hätte ihn nie um diese furchtbaren Gefallen gebeten und sie in die Verbrechen mit reingezogen, die ihrer Freundschaft offenbar nicht gut tun.
00:34:15: Denn Rudi erkennt Beate mittlerweile kaum wieder.
00:34:18: Obwohl er ihr auf die denkbar deutlichste Art seine Loyalität bewiesen hat, bringt sie ihm keine Dankbarkeit entgegen, am Gegenteil.
00:34:26: Rudi fällt aktuell immer mehr auf, dass sie längst nicht mehr so lieb und freundlich zu ihm ist, in den ersten Jahren ihrer Freundschaft.
00:34:33: Ihre Herzlichkeit und Wärme sind einer Boßhaftigkeit und Kältegewichen, die Rudi oft am eigenen Leib zu spüren bekommt.
00:34:40: Regelmäßig kritisiert Beate nun die Dinge und Arbeiten, die er für sie erledigt und tritt seinen Selbstvertrauen mit Füßen anstatt es, so wie früher, aufzubauen.
00:34:49: Außerdem kommt es immer häufiger zu Streitigkeiten zwischen den beiden, in denen Beate ihm seine unordentliche Lebensweise vorwirft.
00:34:57: Es sind Momente, in denen Rudi oft ein beängstigender Gedanke kommt, was, wenn Beate ihm eines Tages überdrüssig ist.
00:35:04: Nach einem Streit mit ihr nimmt Rudi daher mittlerweile weder Essen noch Trinken von ihr an.
00:35:09: Zu groß ist die Angst, dass sie ihm ebenfalls halblich Tabletten unterjubelt und dann im sedierten Zustand sonst was mit ihm
00:35:15: macht.
00:35:17: Beate ist Rudi wichtig, doch sie tut ihm nicht gut.
00:35:20: Er weiß, dass er versuchen muss, von ihr loszukommen, und deshalb ist es ausnahmsweise eher, damit er in den Mitten of nineteen-neunzehntig, etwa zwei Jahre nach der letzten Tat an Franz, auf Distanz geht.
00:35:30: Rudi verlässt Beates Grundstück in Bodenfelde und zieht in eine Sozialwohnung in Usla etwa zehn Kilometer entfernt.
00:35:37: Für ihn ist es nach elf Jahren Freundschaft der zweite Versuch, ohne Beate klarzukommen und auf eigenen Beinen zu stehen.
00:35:43: Doch sieg ganz aus seinem Leben zu streichen, gelingt ihm nicht.
00:35:47: Rudi fühlt sich in seiner neuen Hausgemeinschaft unwohl.
00:35:50: Viele betrinken sich hier regelmäßig und pöbeln danach laut rum.
00:35:53: Außerdem hat er fast keine Möbel.
00:35:56: Hin und wieder steht Beate vor seiner Wohnungstür, um ihn zu besuchen.
00:36:00: Und als sie ihm wenige Monate nach seinem Auszug vorsteckt, nach Bodenfelde zurückzukehren, stimmt er zu.
00:36:06: Rudis Rückkehr zu Beate ist das Ergebnis von Unzufriedenheit und Verzweiflung.
00:36:10: Und doch fühlt es sich für ihn nicht nach einer Niederlage an.
00:36:13: Denn zurück in Bodenfelde wird Rudi auf.
00:36:16: Beate ist plötzlich wieder total nett zu ihm und schenkt ihm sogar einen Hund, wobei sich Rudi als großer Tierliebhaber, der außerdem ein Kater hat, unheimlich freut.
00:36:25: Die beiden verstehen sich so gut wie lange nicht mehr.
00:36:28: Der inzwischen zweiundvierzigjährige hat das Gefühl, wieder mit der Frau befreundet zu sein, die Beate früher war, dass sie ihn seienet wegen Schätzt und nicht nur als kriminellen Handlanger und Fußabtreter sieht.
00:36:39: Es ist ein Gefühl, das Leichtigkeit in Rudis Leben bringt und das zugleich nur wenige Jahre anhalten wird.
00:36:46: Drei Jahre später, im Sommer zweitausend, nach vierzehn Jahren der Freundschaft und fünf Jahre nach der letzten Tat, sind Rudi und Beate regelmäßig zu Besuch bei Otto in Völksen, bei Hannover.
00:36:57: Der einundsiebzigjährige ist Beate's neuste Männerbekanntschaft und passt in ihr Beuteschema.
00:37:01: Er ist nicht nur alleinstehend, sondern auch gesundheitlich schwer gezeichnet.
00:37:05: Otto hat eine künstliche Hüfte, Probleme beim Laufen und hat sich nach dem Tod seiner Frau vor einigen Jahren gehen lassen.
00:37:11: Mit seinem Haus ist er überfordert, was sich vor allem in seinem zugewucherten Garten widerspiegelt, in dem Rudi mit Sänse und Rasenmäher hin und wieder für Ordnung sorgt.
00:37:21: Vermutlich ahnt Rudi ins Geheim, dass Otto's Bekanntschaft mit Beate dessen Todesurteil ist.
00:37:26: Und doch ist er geschockt, als er eines Tages nachdem er draußen die Katze des Mannes versorgt hat, zurück ins Haus kommt und sieht, dass Otto wie er start im Tisch sitzt.
00:37:35: Vor ihm steht ein Teller Suppe.
00:37:38: Rudi weiß, was das bedeutet.
00:37:40: Eigentlich hatte er gedacht, dass das Töten vorbei sei, doch nun verlangt Beate von ihm wieder, einem hilflosen alten Mann das Leben zu nehmen.
00:37:48: Rudi ist empört, jetzt reicht's, er wird das nicht schon wieder tun, nicht zum vierten Mal.
00:37:54: Doch dann sagt Beate etwas, dass seine neue Gewonne in Schlossenheit zu Nichte macht.
00:37:59: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.
00:38:02: Der Satz wirkt auf Rudi so bedrohlich, dass er keine andere Möglichkeit sieht, als Gehorsam zu leisten, zur Plastiktürte zu greifen und sie Otto so lange stramm über den Kopf zu ziehen, dass das letzte bisschen Leben in ihm erloschen ist.
00:38:15: Auf Beatis Anweisung greift Rudi anschließend zum Spaten.
00:38:18: In Ottos Garten hebt er ein Grab aus, in das er den toten Rentner hineinlegt.
00:38:23: Anschließend legt er ein wellblechartiges Plastikstück darüber, das inmitten des verwilderten Gartens nicht auffällt und auch die kommenden Jahre niemandem ins Auge springt wird.
00:38:32: Beate durchsucht in der Zwischenzeit Rottos Haus nach Bargeld.
00:38:36: Insgesamt neunhundert Mark findet sie.
00:38:39: In Rudi macht sich nach der Tötung von Otto eine Verzweiflung breit.
00:38:43: Er kann nicht glauben, dass Beate ihn schon wieder, mittlerweile zum vierten Mal, in so eine Lage gebracht hat.
00:38:49: Ist das Tötchen alter Männer das einzige, was sie noch verbindet?
00:38:52: Das einzige, wofür sie noch an ihn festhält?
00:38:55: Rudi möchte all dem schon so lange ein Ende setzen, doch er weiß nicht wie.
00:38:59: Der fünfundvierzigjährige überlegt zur Polizei zu gehen, verwürft diese Idee jedoch schnell wieder.
00:39:04: Er hat einen Hund und einen Kater.
00:39:06: Zwei Tiere, für die er die Verantwortung trägt.
00:39:09: Wer würde sich um sie kümmern, wenn er und Beate nach seinem Geständnis ins Gefängnis wandern?
00:39:14: Nein, das geht nicht.
00:39:15: Und dann ist dann noch der Stellenwert, den Beate trotz allem weiterhin in Rudi's Leben hat.
00:39:20: Obwohl Rudi weiß, dass die mittlerweile einundsechzigjährige ihn dazu gebracht hat, furchtbare Dinge zu tun, schafft er es einfach nicht sich gegen sie zu stellen.
00:39:28: Er hat doch sonst niemanden.
00:39:30: Sie ist nach wie vor die einzige Bezugsperson in seinem Leben und gleicht einer magnetischen Kraft, der Rudi sich einfach nicht entziehen kann.
00:39:37: In den kommenden Jahren muss Rudi immerhin niemanden mehr für Beate töten.
00:39:41: Sie ist offensichtlich mit anderen Themen ausgelastet.
00:39:45: Zum einen befindet Beate sich nämlich in einem Sorgerechtsstreit um ihre kleine Enkeltochter mit einem ihrer Söhne.
00:39:51: Sie zeigt ihn sogar bei der Polizei an und wirft ihm vor seine Ex-Frau, die vor Jahren an einer Überdosis gestorben ist, getötet zu haben.
00:39:59: Und zum anderen legt Beate sich immer wieder mit ihrem Nachbarinnen an, deren Häcken ihr nicht passen.
00:40:05: Von all diesen Konflikten in Beates Leben bleibt die Beziehung zu Rudi unberührt.
00:40:10: Weiterhin erledigt er für sie Hilfsarbeiten, indem er für sie Einkauft den Rasen auf ihrem Grundstück meht oder bei der Bank Geld für sie abhebt.
00:40:18: Doch im August, zwei Tausend Sieben, etwa sieben Jahre nach der letzten Tat an Otto, verherrten sich auch zwischen ihnen die Fronten.
00:40:25: Als Rudi sich eines Tages mit einer Mieterin von Beate streitet, die ihm vorwirft, er würde die Ausgrabung eines Baums auf dem Grundstück völlig falsch angehen, weil es Rudi sie zurecht sich daraus zu halten.
00:40:37: Eigentlich keine große Sache, doch die Mieterin scheint sich bei Beate zu beschweren, denn nur kurze Zeit später kommt Beate auf Rudi zu und macht ihm draußen eine gefäfferte Ansage, wobei das noch untertrieben ist.
00:40:49: Beate schreit Rudi an, was ihm einfalle, so mit einer Mieterin zu reden.
00:40:53: Sie beschimpft ihn und macht ihn nieder.
00:40:55: Rudi schreit Wüten zurück, doch eigentlich sieht es in ihm ganz anders aus.
00:41:00: Er ist zutiefst verletzt.
00:41:01: Der fifty-Jährige fühlt sich gedemütigt und ist erschüttert, wie Beate mit ihm umgeht.
00:41:06: Erst recht nach allem, was er für sie getan hat.
00:41:09: Doch die Auseinandersetzung hat noch weitere Folgen.
00:41:12: Einige Tage später lässt Beate das Schloss zum Wäschekeller auswechseln.
00:41:16: Rudi kriegt keinen Schlüssel.
00:41:18: Kühl weist sie ihn daraufhin, dass er künftig dafür bezahlen müsse, wenn er seine Wäsche waschen wolle.
00:41:23: Und das, obwohl sie ganz genau weiß, dass er kaum Geld hat.
00:41:27: Diesen Moment empfindet Rudi als Wendepunkt.
00:41:29: Für ihn ist klar, nach über zwanzig Jahren ist ihre Freundschaft nun vorbei.
00:41:34: Er muss Beate nicht mehr imponieren, ihn nicht mehr zur Seite stehen.
00:41:37: Und wahrscheinlich trägt auch dieses Zerwürfnis dazu bei, dass er keine zwei Wochen später beschließt, alles auszupacken.
00:41:44: Eigentlich soll Rudi am siebenundzwanzigsten August zwei tausend sieben nur für eine Zeugenaussage auf die Polizeistation Bodenfelde kommen und aus seiner Sicht die Konflikte zwischen Beate und ihren Nachbarinnen beschreiben.
00:41:55: Doch stattdessen macht er aus einer geplanten Zeugenaussage ein Geständnis, zu dessen Anlass er sich zurechtgemacht hat.
00:42:02: Fast so, als wolle er damit unterstreichen, dass heute ein Tag ist, an dem sich alles verändern wird.
00:42:08: Wenn wir hier fertig sind, dann klicken die Handschellen, macht er klar und beginnt daraufhin, auf der Wache seine Geschichte zu erzählen.
00:42:15: Der Beamte, der ihm gegenüber sitzt, hört Gebann zu.
00:42:19: Rudi spricht über die erste Tat an Klaus, dann über die Tötungen von Alfred Franz und Otto.
00:42:24: Er beschreibt, wie Beate die Männer betäubt hat und wie er ihnen schließlich auf ihren Befehl hin die Luft abgeschnürt hat.
00:42:31: Der Polizist, der Rudi gegenüber sitzt, ist schockiert.
00:42:34: Als Rudi fertig ist, will der Beamte wissen, warum er ausgerechnet jetzt, über dreizehn Jahre nach der ersten Tat damit rausrückt.
00:42:41: Rudi erwähnt den Streit zwischen ihm und Beate und macht klar, dass das nicht der einzige Grund für ihn sei.
00:42:46: Rudi berichtet, dass sein schlechtes Gewissen ihm schon lange zu schaffen macht.
00:42:50: Er halte das alles nicht mehr aus und habe immer wieder Albträume.
00:42:53: Außerdem seien kürzlich sein Kater und seinen Hund kurz hintereinander gestorben.
00:42:58: Und nun habe er niemanden, um den er sich noch kümmern müsse.
00:43:02: Also... Es ist auf eine Weise irgendwie traurig, dass
00:43:10: die Tiere tot sind, ja.
00:43:13: Dass er mein, dass er jetzt nichts mehr im Leben hat und deswegen ihm das egal ist, dass er jetzt wahrscheinlich für sehr lange Zeit ins Gefängnis geht, was nicht heißen soll, dass ich Mitleid mit ihm habe.
00:43:23: Gar nicht, ja?
00:43:24: Ja.
00:43:25: Denn nur weil diese Tiere jetzt tot sind, macht er das.
00:43:29: Ist ja wohl klar.
00:43:30: Also ich kann mir auch schon vorstellen, dass er ein schlechtes Gewissen hatte.
00:43:34: Aber auch das... wurde sicherlich auch befeuert, weil sie nicht mehr zu ihm war.
00:43:39: Ja, genau.
00:43:39: Also, wenn dieser Bruch, sag ich jetzt mal, zwischen den ich stattgefunden hätte, würde der da jetzt nicht sitzen.
00:43:45: Kann man von ausgehen wissen wir natürlich nicht, aber ja.
00:43:48: Und deswegen so traurig seine Lebensgeschichte auch sein mag.
00:43:53: Der hat hier kaltblütig Menschen getötet für nichts.
00:43:56: Dafür, dass seine Freundin die ausnehmen konnte, wie Weihnachtsgänse.
00:44:01: Am neunzehnten Februar, zwei Tausend acht beginnt dann auch vor dem Landgericht Göttingen, der aussehenserregende Prozess.
00:44:07: Zahlreiche Journalistinnen haben sich im Schurgerichtssaal platziert, um den Auftakt einer Verhandlung zu verfolgen, in der es um eine mutmaßliche Mordserie geht, die dreizehn Jahre lang unentdeckt blieb.
00:44:18: Und in der die Opfer nicht die einzigen sind, die ein kriminelles Licht auf Beate werfen.
00:44:23: Bereits jetzt herrscht in einer Sache Klarheit.
00:44:26: Ohne Rudis Geständnis, dass er ein halbes Jahr zuvor auf der Polizeiwache in Bodenfelde abgelegt hat, würde dieser Prozess heute nicht stattfinden.
00:44:34: Seine Schilderungen hatten damals eine echte Lawine-Engang gesetzt.
00:44:37: Erst durch seine Aussage gelang es der Polizei, die Identität zweier männlicher Leichen zu klären, die seit dreizehn Jahren unbekannt waren.
00:44:44: nämlich die von Klaus und Franz.
00:44:47: Jene Männer, die Rudi nach eigener Darstellung nach ihrem Erstückungstod in einen Graben gelegt und angezündet hatte.
00:44:53: Die vergoelten Körper waren zwar bereits kurz nach den Taten sichergestellt worden, doch trotz intensiver Ermittlungen in Franz Fall sogar mit einer Gesichtskonstruktion blieb ihre Identität ein Rätsel.
00:45:05: Bis Rudi den Ermittlenden schließlich Namen nannte.
00:45:08: Außerdem führte er sie zu Ottos-Leichnam, den er in dessen Garten vergraben hatte.
00:45:12: Rudies Geständnis brachte also Licht in lange, ungeklärte Fälle, macht ihn aber zugleich selbst zum Angeklagten.
00:45:19: Neben Beate muss auch er sich ab heute vor Gericht wegen des Vorwurfs des vierfachen Mordes verantworten.
00:45:25: Alle Kameras sind an diesem Dienstagmorgen auf Rudi und Beate gerichtet.
00:45:29: Die beide nehmen ihren Verteidigern auf der Anklagebank sitzen und die mit der Situation kaum unterschiedlicher umgehen könnten.
00:45:35: Während der inzwischen dreienfünftige Rudy, gekleideten in einer Kombi aus rotem Langarm-Shirt und schwarzem T-Shirt einen nervösen, fahrigen Eindruck macht, strahlt Beate eine nahezu souveräne Ruhe aus.
00:45:48: Das Blitzdichtgewitter scheint ihr nicht viel auszumachen.
00:45:51: Wach und freundlich schaut sie in die Kameras und formt ihren Mund hin und wieder sogar zu einem Lächeln.
00:45:58: Schwarze Witwe.
00:46:00: Diesen Namen hat die Boulevardpresse Beate mittlerweile gegeben.
00:46:03: Er vergleicht die inzwischen achsohn sechzigjährige mit der gleichnamigen Spinne, die sich mit vielen Männchen paart und sie anschließend oft vergiftet und verspeist.
00:46:11: Und das aus gutem Grund, denn auch Beate soll über die Jahre alleinstehende Männer in ihr tödliches Netz gelockt haben.
00:46:18: So wirft es ihr zumindest die Staatsanwaltschaft vor.
00:46:21: Die Anklage ist sich sicher, dass es Beate in ihrem Beziehung immer nur um Profit ging.
00:46:26: Und um das zu erreichen, habe sie eine Masche entwickelt.
00:46:29: Überzeitungsinserrate habe sie Kontakt zu allein stehenden Männern im hohen Alter gesucht.
00:46:34: Mal sei es der Vorwand der Pflege gewesen, unter dem sie sich rentner zu sich ins Haus holte, mal habe sie auch auf Kontaktanzeigen geantwortet, in denen allein stehende, oft verwittwitte Männer sich nach weiblicher Gesellschaft sehnten.
00:46:46: Beate habe ihnen das Gefühl gegeben ernsthaft an ihnen interessiert zu sein und sich im Gegenzug teure Geschenke machen lassen.
00:46:53: Und wenn sie glaubte finanziell profitieren zu können, sei sie sogar vor den Trauralltag getreten.
00:46:57: Und auch vom Mord habe sie nicht zurückgeschreckt.
00:47:00: Ein Vorwurf, der in erster Linie auf Rudis Geständnis basiert.
00:47:05: Obwohl es ihm sichtlich schwer fällt, hat Rudi sich dazu entschlossen, vor Gericht auszusagen.
00:47:09: Stottern und Zittern wiederholt er im Schuhgericht sei all das, was er bereits vor einem halben Jahr auf der Polizeiwache in Bodenfelde zu Protokoll gegeben hat.
00:47:17: Nach und nach schildert Rudi die Taten, rekonstruiert die letzten Minuten im Leben von Klaus, Alfred Franz und Otto und beschreibt, wie Beate ihn immer wieder gebeten hat, für ihn zu töten.
00:47:28: Doch laut ihr ist das, was Rudi da erzählt, alles Quatsch.
00:47:31: Denn eigentlich sei alles ganz anders gewesen.
00:47:34: Über ihren Anwalt lässt Beate mitteilen, dass sie keinem der Männer etwas getan habe.
00:47:39: Rudi sei das gewesen, und zwar eher ganz allein.
00:47:42: Er sei rasend vor Allversucht gewesen und habe die Männer getötet, um Beate ganz für sich allein zu haben.
00:47:47: Sie habe nichts von den Taten gewusst und sei abgesehen von Alfred, den sie selbst tot in seinem Bett aufgefunden habe, jedes Mal davon ausgegangen, dass die Männer sich schlichtweg von ihr abgewendet hätten und etwa ins Ausland gegangen seien.
00:48:01: Alles klar.
00:48:03: Das klingt wenig glaubhaft und diese Theorie hat vor Gericht auch keinen Bestalt.
00:48:06: Denn Rudi ist nicht der einzige Mensch, der Beate belastet.
00:48:10: Auch Beates erwachsene Söhne richten sich als Zeugen gegen ihre Mutter und machen Angaben, die Rudis Geschichte bekräftigen.
00:48:16: So erinnert sich Beates Jüngster so in etwa, dass sie ihn früher oft in die Apotheke geschickt habe, um Großpackungen Psychopharmaka zu holen, die Beate seit Jahren gegen Angstzustände und Schlafprobleme verschrieben werden.
00:48:29: Außerdem berichtet er von ständig wechselnden Männern, die bei seiner Mutter gelebt haben.
00:48:33: Wie viele es genau waren, wisse er nicht.
00:48:35: Er habe irgendwann aufgehört zu zählen.
00:48:38: Was der thirty-fünf-Jährige dagegen genau verfolgt habe, sei der körperliche Verfall, der jedes Mal eingetreten sei.
00:48:44: Die kamen fit hierher und wurden dann immer träger, berichtet er der Kammer.
00:48:49: Irgendwann hätten die Senioren fast nur noch im Bett gelegen.
00:48:52: Beates ältester Sohn schildert zudem eine weitere Beobachtung.
00:48:56: Es sei schon auffällig gewesen, sagt er, dass viele Männer nach nur wenigen Monaten mit seiner Mutter gestorben seien.
00:49:02: Männer wie Klaus, Alfred, Franz und Otto, aber auch andere.
00:49:06: Denn ein Blick in Beates Vergangenheit zeigt, dass die vermeintlichen Mordopfer nicht die Ersten waren, die an Beates Seite den Tod fanden.
00:49:15: Schon vor den Taten, die ihr und Rudi vorgeworfen werden, wandte sich Beate immer wieder allein stehenden Senioren zu.
00:49:21: Und ihre Schicksale machen deutlich, dass der Tod schon sehr lange ein zuverlässiger Begleiter in Beates Leben ist.
00:49:29: Beates Beziehung waren nicht immer von finanziellen Interessen geprägt, im Gegenteil.
00:49:34: Was junge Frau lässt, die sich von ihrem Herzen leiten und heiratet in den Jahren, mit gerade einmal zwanzig Jahren einen Mann, den sie bei der Arbeit in einer Fabrik kennengelernt hat.
00:49:44: Fast genau neun Monate später kommt ihr erster Sohn zur Welt, der ihre Liebe krönt, doch wenig später zerbricht ihr ihr.
00:49:49: In den kommenden Jahren ist Beate mehrfach liert, doch regelmäßig muss sie feststellen, dass die Männer ihr verschwiegen haben, dass sie eigentlich verheiratet sind.
00:49:52: In den letzten Jahren ist Beate mehrfach liert, doch regelmäßig muss sie feststellen, dass die Männer ihr verschwiegen haben, dass sie eigentlich verheiratet sind.
00:49:58: In den letzten Jahren ist Beate mehrfach liert, doch regelmäßig muss sie feststellen, dass die Männer ihr verschwiegen haben, dass sie eigentlich verheiratet sind.
00:50:02: In den kommenden Jahren ist Beate mehrfach liert, doch regelmäßig muss sie feststellen, dass die Männer ihr verschwiegen haben, dass sie eigentlich verheiratet sind.
00:50:06: In den kommenden Jahren ist Beate mehrfach liert, doch regelmäßig muss sie feststellen, dass die Männer ihr verschwiegen haben, dass sie eigentlich verhe.
00:50:11: Doch drei Monate nach dem Jahrwort entpuppt sich Hermann als echter Tyran.
00:50:15: Er randaliert zu Hause und schlägt Beate.
00:50:18: Selbst als sie mit ihrem zweiten Sohn schwanger ist, trommelt er regelmäßig mit den Fäusten auf sie ein.
00:50:23: Insgesamt acht Jahre braucht Beate, bis sie sich neunzehntneunundsiebzig traut, mit der Scheidung den endgültigen Schlussstrich zu ziehen.
00:50:30: Beate ist nun viertzig und ihre finanzielle Situation angespannt.
00:50:34: Hermann hatte zuletzt all die Einnahmen der gemeinsamen Gaststätte für sich behalten.
00:50:38: Die bezieht nun Sozialhilfe und hat zwei Kinder zu versorgen.
00:50:42: Von Männern hat Beate vorerst die Nase voll, zumindest von Gleichaltrigen.
00:50:46: Bereits kurz vor Ende ihrer zweiten Ehe beginnt Beate Zeitungsinserate aufzugeben, in denen sie älteren Männern anbietet, gegen Bezahlung bei ihr einzuziehen und sie zu pflegen.
00:50:56: Es ist unklar, ob Beate bereits damals den Plan schmietet, Senioren auszubeuten, doch zunächst nimmt ohnehin niemand ihr Angebot an.
00:51:04: Zu ermelden sich hin und wieder Männer auf ihre Kontaktanzeige, doch sobald sie hören, dass Beate zwei Kinder hat, haben sie kein Interesse mehr.
00:51:11: Stattdessen eröffnet Beate in oneundachtzig eine sogenannte Pornobar und arbeitet in einem dazugehörigen Wohnwagen parallel ein Jahr als Sexarbeiterin.
00:51:20: Es ist eine Zeit, die Beate einmal mehr vor Augen führt, welche Wirkung sie auf Männer hat.
00:51:24: Viele, mit denen sie am Dresen flirtet, umwerben sie, machen ihr Komplimente und hin und wieder sogar Geschenke.
00:51:31: Obwohl es für Beate damals finanziell nicht schlecht läuft, schaltet sie weiterhin in Sarate, in denen sie nach, Zitat, freundlichen älteren Männern zum gemeinsamen Leben und Wohnen sucht.
00:51:41: Das Gericht weiß, in den letzten Jahren hat Beate damit erstmals Erfolg.
00:51:46: Über eine Annonce in einer Zeitschrift lernt sie den dreieinachtzigjährigen Rainer aus Hessen kennen.
00:51:51: Zunächst besucht sie ihn ein paar Mal, dann zieht er zu ihr.
00:51:55: Rainer scheint einen echten Narren an Beate gefressen zu haben.
00:51:58: Bereits kurz nach seinem Einzug macht er Beate zu allein Erben und überschreibt ihr, haltet euch fest, elf Grundstücke.
00:52:06: Wenig später gut ein halbes Jahr,
00:52:11: wenige
00:52:12: Monate später gut ein halbes Jahr nach ihrem Kennenlernen stirbt Rainer im Alter von vier und achtzig Jahren im Krankenhaus und vererbt Beate rund hundertsechzig tausend Mark.
00:52:22: So viel Geld hat sie noch nie besessen.
00:52:24: Und wenn es nach Rheiners Familie ginge, sollte sie das auch nicht.
00:52:29: Aus polizeilichen Unterlagen der vergangenen Jahrzehnte geht hervor, dass seine Angehörigen kurz nach seinem Tod Anzeige erstattet haben.
00:52:36: Ihnen war es komisch vorgekommen, dass LNB Arges Gesellschaft innerhalb kürzester Zeit gesundheitlich so abgebaut hatte.
00:52:43: Die Behörden leiteten daraufhin ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren ein, doch bereits kurze Zeit später wurde es ergebnislos eingestellt.
00:52:51: In den kommenden Jahren treten weitere Männer in Beate's Leben, die fast alle nach kurzer Zeit an ihrer Seite sterben und ihr Geld hinterlassen.
00:52:58: So auch Herbert aus dem Sauerland.
00:53:01: Zur Erinnerung, das war der Mann, für den Beate, in der er in den Eintracht in den Eintracht umgezogen und dann nach Bodenfelde gegangen ist.
00:53:09: Im Laufe ihrer Beziehung macht der Rentner ihr Geschenke im geschätzten Wert von siebzig bis achtzigtausend Mark, also ungerechnet zwischen fünfunddreißig und einundvierzigtausend Euro.
00:53:19: Neben Geld bekommt Beate unter anderem einen roten Mercedes, Kleidung und Urlaubsreisen finanziert.
00:53:24: Nach vier Jahren, Anfang nineteenhundertzweiundneinzig, trennt Beate sich von ihm, woraufhin Herbert dennoch auf dem Grundstück, das sie zuvor gekauft hatte, in Bodenfelde wohnen bleibt, nur eben in einer anderen Wohnung.
00:53:36: Ein halbes Jahr später, im Herbst ist auch eher tot und hinterlässt skeptische Angehörige.
00:53:42: Das Landgericht Göttingen kann rekonstruieren, dass auch Herberts Familie damals Zweifel an einem natürlichen Lebensende des Achtzigjährigen hatte und kurz nach seinem Tod Strafanzeige gegen Beate stellte.
00:53:53: Ausschlag eben dafür war vor allem ein letzter Heimatbesuch von Herbert im Sauerland gewesen, bei dem er ängstlich und verwirkt hatte und gestanden hatte, völlig pleite zu sein.
00:54:03: Erneut wurden darauf in Ermittlungen gegen Beate aufgenommen und erneut liefen sie ins Leere.
00:54:09: Und dann wären da noch die Geschichten von Friedrich und Hugo, jene Rentner, die Beate nacheinander zur Ehemann Nummer drei und vier machte, während Rudi ohne sie einige Jahre in Sauerland blieb.
00:54:20: Beate und Friedrich, der zu dem Zeitpunkt ihres Kennenlerns anfang Achtzig ist, heiraten bereits wenige Wochen, nachdem sie sich Surprise über eine Kontaktanzeige kennengelernt haben.
00:54:30: Doch ebenso schnell, wie sie vor den Traualter treten, setzt bei Friedrich damals offensichtlich die Reue ein.
00:54:36: Er will die Scheidung der Beate zustimmt.
00:54:38: Doch kurz bevor das Ende ihrer Ehe rechtskräftig wird, wird Friedrich nach einem mutmaßlichen Raubüberfall erschlagen in seiner Wohnung aufgefunden.
00:54:47: Ein Verbrechen, das nie aufgeklärt wird und Beate ein beträchtliches Erbe sowie einen Anspruch auf Witwin-Rente sichert.
00:54:54: Ja, und kein Jahr später tritt dann der siebenundachtzig-jährige Hugo in Beates Leben, an dem für Beate das interessanteste, vermutlich sein Zweitwohnsitz an der Costa Blanca ist.
00:55:04: Die Ehe der beiden hält achtzehn Monate, bevor sie endet.
00:55:08: Neun Jahre nach der Scheidung verstirbt Hugo.
00:55:11: Zu dem Zeitpunkt spielen längst andere Männer eine Rolle in Beatis Leben.
00:55:15: Es wird klar, auch er hatte sie nach der Ehe angezeigt und ihr vorgeworfen sie in der Beziehung eingesperrt zu haben und sagt, sie habe versucht, ihn zu vergiften.
00:55:26: Offenbar,
00:55:28: ja.
00:55:29: Oder es hat nur ganz langsame gewirkt, das Gift.
00:55:32: Wegen der neun Jahre, meinst du.
00:55:35: Naja, der musste ja schon Ende neunzig gewesen sein.
00:55:39: Das könnte schon sein, dass der ihr wirklich entkommen ist.
00:55:43: Also, lasst noch mal festhalten, weil jetzt hier so viele Männer eine Rolle gespielt haben, ja.
00:55:50: Also die, bei denen Rudi keine Rolle gespielt hat, ne.
00:55:53: Also Reina, das war der erste von dem wir jetzt hier wissen, ja.
00:55:58: Angeblich ist er eines natürlichen Todes verstorben.
00:56:01: Dann gab es Herbert.
00:56:02: Der ist verstorben im Krankenhaus.
00:56:05: Auch angeblich eines natürlichen Todes gestorben.
00:56:08: Und da kannten sich Rudi und Beate ja schon quasi als Nachbarn.
00:56:12: Ja, genau.
00:56:13: Und dann gibt es Friedrich.
00:56:15: Von dem weiß der Rudi nichts, weil den lernt sie kennen, als sie das zweite Mal umzieht.
00:56:21: Und Rudi ja in der Zeit da wohnen bleibt, weil er ja diesen Job bekommen hat.
00:56:24: Und erstmal versucht, alleine das Leben zu bewältigen.
00:56:28: Und der, was für ein Zufall, stirbt kurz bevor die Scheidung rechtskräftig wird, bei einem angeblichen Raubüberfall erschlagen in seiner Wohnung, der nie aufgeklärt werden kann.
00:56:39: Genau.
00:56:39: Und dann kommt Jahuco, the one that got away.
00:56:43: Ja, und dann kommen die Fälle mit Rudi, also, wo Rudi halt aktiv Teil der Taten war.
00:56:49: Also das war ja der Klaus, die sagt Rapscha, wo Rudi die Leiche dann in einen Graben gelegt hat und verbrannt hat.
00:56:57: Dann Alfred, der sich eigentlich scheiden lassen wollte.
00:57:00: Das ist ja ehemaliger Nummer fünf.
00:57:03: Den haben sie zu Hause liegen lassen und so getan, als hätten die ihn jetzt überraschend zu Hause tot im Bett gefunden.
00:57:10: Dann gab es noch Franz.
00:57:11: Die Leiche, die auch verbrannt wurde.
00:57:14: Und Otto, der dann da jetzt mal ein bisschen später erst verbuddelt wurde und dann mit diesem Wellblechding da versteckt wurde.
00:57:23: Und der Polizei, so wird das jetzt auch im Prozess erläutert, kam diese regelmäßigen Todesfälle von Männern in beades Leben natürlich auch verdächtig vor.
00:57:32: Wie gesagt, es gab damals ja auch Angehörige der Männer, die Beate verdächtigten und Anzeige erstatteten.
00:57:38: Also es wurde auf jeden Fall gegen sie ermittelt, zum Beispiel auch ab ein Jahrzehnte wieder, nachdem eine Nichte von Otto, ihrem letzten Opfer, vermissten Anzeige erstattet hatte und bearte in den Fokus der Ermittlungen geriet.
00:57:50: Da ging die Polizei sogar so weit, ihre Telefongespräche abzuhören.
00:57:54: Genau, und bei einem dieser Gespräche, das muss um Zwei-Tausend-Zwei gewesen sein, soll Beate wohl das Sparbuch eines alten Mannes thematisiert haben, zu dem sie in der Zeit Kontakt hatte.
00:58:03: Und das führte dann dazu, dass die Polizei diesen Mann warnte und ihm, als der sich in Bodenfälle bei Beate aufhielt, sogar ein Taxi rief, das ihn nach Hause bringen sollte.
00:58:14: Also das muss man sich mal vorstellen.
00:58:15: Ja, die waren ja der schon richtig doll auf den Fersen.
00:58:18: Ja.
00:58:19: Letztlich bleibt aber unklar, ob er Arte etwas mit den Todesfällen zu tun hatte, über die wir ihm gesprochen haben.
00:58:24: Ob sie diese Männer ins Grab brachte, die nach Liebe und Zuneigung suchten und stattdessen an ihrer Seite den Tod fanden.
00:58:31: Bis heute kann man ihr diesbezüglich nichts nachweisen.
00:58:35: Doch bei den Verbrechen, um die es hier am Göttinger Landgericht geht, ist das anders.
00:58:40: Rudi hat seine Geschichte glaubhaft erzählt.
00:58:43: Er konnte sowohl die Taten als auch die Ablageorte der Leichen detailliert beschreiben, ohne sich zu widersprechen.
00:58:49: Es gibt keinerlei Zeuginnen, die bestätigen, dass er auf die Männer in Beate's Leben eifersüchtig gewesen sein könnte, so wie die Achtundsechtjährige es nach wie vor behauptet.
00:58:58: Und dann gibt es noch ein weiteres Indiz, das Beate belastet.
00:59:01: Und zwar ein benutztes Taschentuch, gefunden am Leichenfundort von Grabscher-Klaus.
00:59:07: Ganze dreizehn Jahre lang war das Stück Stoff asserviert worden, in der Hoffnung, dass es die Polizei eines Tages von Nutzen sein könne.
00:59:14: Und tatsächlich, nach Rudis und Beates Verhaftung, stellte sich heraus, die DNA an dem Taschentuch gehört zu Beate.
00:59:22: Vermutlich gibt es kaum eine Person im Verhandlungssaal, die noch Zweifel daran hat, dass sie schuldig ist.
00:59:27: Dass sie Rudi tatsächlich über Jahre angewiesen hat, die Männer in ihrem Umfeld zu töten.
00:59:32: Und doch gibt es eine Frage, die nach wie vor im Raum steht.
00:59:35: Warum um Himmels Willen hat Rudi Alders für Beate getan?
00:59:41: Ein psychologischer Gutachter soll darauf eine Antwort finden, indem er sowohl Rudis Persönlichkeit als auch seine Beziehung zur Mitangeklagten unter die Lupe nimmt.
00:59:49: In seinem mündlichen Gutachten führt der Sachverständige aus, dass roh die intellektuelle Defizite-Aufweise, die zwar keiner Intelligenzminderung klinischer Art entsprechen würden, sich aber in einem eingeschränkten Wortschatz und seiner Neigung zu oberflächlichen Denkprozessen widerspiegeln würden.
01:00:04: Bei ihm sei außerdem eine Persönlichkeitsstörung mit narzistisch selbstunsicheren und abhängigen Zügen zu erkennen.
01:00:10: Er weise zudem sogenannte sozialphobische Persönlichkeitsmerkmale auf.
01:00:15: heißt, er habe große Angst vor Blamage, Misserfolg und Kritik und sei nachgiebig, wenn andere Personen etwas von ihm fordern.
01:00:23: Der dreifünftige, er habe große Sehnsucht nach zwischenmenschlicher Nähe, was dazu führe, dass er Konflikte vermeide und in seinen Beziehungen ausnutzbar sei.
01:00:31: Ganz so, wie er es in seiner Beziehung zu Beate war.
01:00:35: Der Gutachter hält fest, dass Beate für Rudi, der sonst kaum Kontakte hatte, im Laufe der Zeit zum sozialen Lebensmittelpunkt geworden sei.
01:00:42: Ihre Beziehung sei durch ein großes Ungleichgewicht geprägt gewesen, in der Beate Dominanz gezeigt und Ru, die sich gefügt habe.
01:00:50: Zum Zeitpunkt der Taten habe er sich ihr verpflichtet gefühlt und zugleich große Dankbarkeit für die muttersohnähnliche Verbindung empfunden.
01:00:56: übrigens ganz im Gegensatz zu ihr.
01:00:59: Beate hat nämlich im Zuge der Ermittlungen einmal zu Protokoll gegeben, dass sie trotz seiner, Zitat, Beschränktheit, wie sie es ausdrückt, immer viel mit ihm geredet habe, aber so, wie man, Zitat, eben rede, wenn man außer einem Bedienstsitten oder Laufbusch niemanden umsichert.
01:01:14: Also es ist so gemein,
01:01:15: ja.
01:01:17: Rudi sei ihr nie ebenwürdig gewesen und auch nicht in der Lage gewesen, selbst zurechtzukommen.
01:01:22: Ohne sie wäre er verwahrlost.
01:01:25: Also wir merken, Beate misst ihrer Beziehung rückwirkend nicht annähernd zu viel Bedeutung zu, wie der Sachverständige für Rudi.
01:01:33: Pathologische Abhängigkeitsbeziehung beschreibt der Gutachter die Verbindung und gibt damit eine Einschätzung ab, die zugleich wegweisend für den Ausgang des Prozesses ist.
01:01:43: Am dritten Juli, das Göttinger Landgericht, nach siebenundzwanzig Verhandlungstagen, sein Urteil.
01:01:48: Beate und Rudi sind schuldig.
01:01:51: Das Gericht hält zur Erwiesen an, dass sie zwischen nineteenundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundund.
01:02:09: In Klaus Fall sieht das Gericht das Mordmerkmal der Verdeckungsabsicht erfüllt, da Beate seinen Tod wollte, als er Ankündigte, sich untersuchen zu lassen, worauf ihn Beate Angst bekam, ihre heimliche Medikamentengabe könne auflegen.
01:02:22: In den weiteren drei Fällen habe Beate heimtürkisch und aus Habgier getötet.
01:02:26: Die Kammer ist überzeugt, dass die Männer Beates Gier und ihrem Streben nach Profit zum Opfer fielen und sie wortwörtlich über Leichen ging, um ihr Vermögen zu vergrößern.
01:02:35: Dabei sei Beate einer perfiden Masche gefolgt.
01:02:39: und für Sorge vorgespielt und sich auf diese Weise das Vertrauen ihrer Opfer erschlichen und ausgenutzt.
01:02:44: Die Chancen, dass die neunundsechzigjährige noch einmal ein Leben in Freiheit genießen wird, stehen schlecht.
01:02:49: Daneben der Höchststrafe erkennt das Gericht die besondere Schwere der Schuld.
01:02:53: Grund dafür ist unter anderem, dass Beate Rudis emotionale Bindung ausgenutzt und ihn auf diese Weise zum Mitheter gemacht habe.
01:03:00: Er habe zwar die Erstickungen durchgeführt, sie jedoch sei die treibende Kraft gewesen.
01:03:05: Entsprechend milder fällt das Urteil in Rudies Fall aus.
01:03:08: Das Gericht folgt der Einschätzung des Sachverständigen, der den dreiundfünfzigjährigen aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung und des pathologischen Abhängigkeitsverhältnisses zur Beate für vermindert schuldfähig hält.
01:03:19: Er wird daher lediglich zu einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, nämlich in drei Fällen wegen heimtückischen Mordes und in einem wegen Totschlags.
01:03:27: Kurze Erklärung dazu, das Gericht ist ja der Ansicht, dass Rudi bei der Tötung von Klaus, anders als Beate, kein Mordmerkmal erfüllt hat, weil er ja auch nicht finanziell von den Taten profitieren wollte.
01:03:38: Und Heimtürke sieht die Kammer in dem Fall nicht als gegeben, weil das Gericht nicht nachweisen konnte, dass Klaus zum Tatzeitpunkt bei Bewusstsein war.
01:03:47: Man musste nämlich davon ausgehen, dass die Medikamente ihn schon zuvor ausgenockt hatten und er deshalb nicht arglos war, als er getötet wurde.
01:03:55: Das ist hier übrigens anders als bei beim Schlafen, sofern man sich in den Zustand des Schlafens bewusst versetzt, dann nimmt man die Acklosigkeit nämlich aus dem Nochwachsein mit in den Schlaf, weshalb ja Delikte, bei denen jemand im Schlaf getötet wird, dann eben oft das Merkmal der Heimtücke erfüllen.
01:04:13: Anders als Beate hat Rudi gute Chancen, das dunkelste Kapitel seines Lebens eines Tages hinter sich zu lassen.
01:04:19: Und ein neues Leben zu Beginn, das er nach seinen eigenen Vorstellungen gestaltet, ohne fremdbestimmt zu werden.
01:04:25: Während Rudi das Urteil annimmt, kündigt Beate das Verteidiger noch im Gerichtssaal Revision an.
01:04:30: Doch die wird vom BGH verworfen, womit das Urteil zweitausendneuen rechtskräftig wird.
01:04:35: Bis heute beteuert Beate ihre Unschuld und behauptet, keines der Opfer getötet zu haben.
01:04:40: Und ihre Beziehungen zu älteren Männern waren ihrer Aussage nach nie das Ergebnis einer hinterhältigen Masche.
01:04:46: Nette Männer gab es viele, formuliert sie es während des Prozesses.
01:04:49: Warum sollte ich einen Arm nehmen, wenn ich einen Vermögenen haben konnte?
01:04:54: Und in einem Interview aus dem Gefängnis sagt sie einmal, soll ich nein sagen, wenn mir jemand was schenken will?
01:05:06: Eine Bezeichnung, die verdeutlicht, dass sie über Jahre ein tödliches Spinnennetz aus vorgetäuschter Liebe spannt und sich darin alte Männer verfingen, die auf der Suche nach Zweisamkeit zu leichter Beute wurden.
01:05:18: Und doch hinkt der Vergleich, denn im Gegensatz zur Spinne, die ihre Partner eigenständig vergiftet und verspeist, hatte Beate Hilfe.
01:05:25: Sie hatte Rudi.
01:05:27: Ein Mann, der viele Jahre alles für sie tat.
01:05:30: der für sie seinen moralischen Kompassaufgab und den sie wie eine Marionette zu steuern wusste.
01:05:36: Und vermutlich hätte Beate nie gedacht, dass ausgerechnet er es sein würde.
01:05:40: Der ist binnetz ein für allemal zerstört.
01:05:45: Ja, ich meine, wir haben eben schon darüber geredet, dass wir nicht wissen, wie es gewesen wäre, wenn sie weiterhin nett gewesen wäre zu ihm, aber ein Glück.
01:05:55: Einglück.
01:05:55: war er irgendwann so geläutert, dass er sie verraten hat und damit das Spinnennetz zerstört hat, weil ganz ehrlich, sie war jetzt nicht so alt.
01:06:03: Die hätte das ja noch einige Jahre weiterführen können und sich einen anderen Handlanger holen können, der für sie weiterhin die Drecksarbeit hätte ausführen können.
01:06:12: Oder sie hätte es eben vielleicht ja auch alleine getan, das wissen wir natürlich nicht.
01:06:17: Und das finde ich ja auch ganz tragisch, denn es gab vier Männer, von denen wir nicht wissen, was sie mit denen gemacht hat.
01:06:23: Aber zwei Familien davon haben... sich schon bei der Polizei gemeldet und haben da irgendwie Alarm gemacht, weil sie davon ausgegangen sind.
01:06:31: Alleine, dass zwei Familien sich unabhängig davon melden, finde ich natürlich schon sehr verdächtig.
01:06:37: Total.
01:06:38: Wie gesagt, sie ist, was diese Fälle angeht, offiziell nicht schuldig.
01:06:42: Daran gibt es keinen Rütteln.
01:06:44: Man kann sich aber natürlich schon die Frage stellen, wieso war sie da eigentlich so schnell, so klar?
01:06:51: Das Klaus, den wir jetzt hier immer nur den Grab schon nennen, weiß ich übrigens auch nicht, wie ich das eigentlich so finden soll.
01:06:58: Jetzt hier auf dem Weg geräumt werden muss.
01:07:00: Ja, der muss weg, hat sie einfach nur gesagt.
01:07:02: Ja, genau, der muss weg.
01:07:04: Ganz bestimmend gesagt laut Rudi.
01:07:07: Und das hat jetzt nicht so gewürgt.
01:07:09: Als hätte sie da jetzt sonderlich gezögert, was diesen Befehl angeht, den jetzt um die Ecke zu bringen, ja?
01:07:15: Nee, und dadurch, dass da auch noch einige danach kamen.
01:07:18: Ja.
01:07:18: Und da gefühlt nicht viel Zögern von ihrer Seite her kamen und es ja auch immer Gründe gab, Geld.
01:07:25: Liegt das schon nahe oder sag ich jetzt mal ... Ja, wäre das Risiko bestimmt da gewesen, dass danach noch einiges passiert wäre, wenn Rudi da nicht endlich mal ein Geständnis abgelegt hätte.
01:07:35: Und es ist halt so tragisch für die Familien.
01:07:38: Also ich meine, die werden jetzt im besten Fall ja erfahren haben, dass Beate vor Gericht steht, was ihr vorgeworfen wird und trotzdem wird man im Nachhinein nie erfahren, nie sicher wissen, was sie... deren Familienangehörigen angetan hat.
01:07:54: Nee,
01:07:55: was für ein Graus.
01:07:56: Ja, wie ihre letzten Minuten waren oder Stunden.
01:07:59: Es ist einfach furchtbar, weil wir ja schon darüber geredet haben öfter mal, dass man sich oft das Schlimmste ausmalt und schlimmer noch als die Wahrheit, wenn man halt nichts weiß.
01:08:09: Ja, genau.
01:08:11: So, das war jetzt schon wieder unsere erste Folge.
01:08:14: Danke an alle, die die Weihnachtspause durchgehalten haben.
01:08:18: Und ja, ich hab in den Kalender geguckt.
01:08:20: Ich muss echt sagen, da kommen jetzt ein paar spannende Folgen.
01:08:24: Also wir sind mit der Planung jetzt bis Mitte März.
01:08:27: Und jeder Fall jedes Thema, was ich da als Analyste gesehen habe, interessiert mich.
01:08:30: Und ich glaub auch die meisten Höhenden.
01:08:33: Glaub ich auch.
01:08:34: Es sind auch Fälle dabei, die wirklich nirgendwo anders bisher jetzt erzählt wurden.
01:08:40: Und auch Fälle, die wir so bei Modus noch nie hatten.
01:08:42: Und das ist auch was Besonderes nach.
01:08:44: Zweihundert, sechsundzwanzig Folgen.
01:08:47: Warum geht's nächste Woche Pauline?
01:08:48: Da bist du ja alleine.
01:08:49: Nächste Woche geht's ihr weiter mit einem sehr brutalen Verbrechen, bei dem ein Bundeswehrsoldat zur Waffe greift, allerdings nicht im Einsatz, sondern dort, wo niemand damit rechnet.
01:09:00: Bis dahin,
01:09:01: tschüss.
01:09:05: Das war ein Podcast der Partner in Crime in Zusammenarbeit mit Studio Bowmans.
01:09:10: Hosts Paulina Graser und Laura Wohlers.
01:09:13: Redaktionelle Leitung John Hunchin und wir.
01:09:16: Redaktion Jennifer Fahrenholz und Bier.
01:09:20: Schnitt Pauline Korb.
01:09:22: Rechtliche Abnahme und Beratung Abel und Kollegen.
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